Alltagswahnsinn einer alleinerziehenden Dreifach-Mama Teil II

 ——————Fortsetzung von Teil I-—————-

(…)
17:30 jetzt muss Mama nur noch die Vertragsunterlagen aus der Geschäftsstelle des Fußballvereins abholen. Aber wo genau ist die? Sie zieht ihre beiden Töchter hinter sich her und macht sich auf die Suche. Es ist kalt und es hat angefangen zu regnen. Die Vierjährige möchte getragen werden. Nein, das geht jetzt nicht, das ist Mama zu schwer, außerdem tun ihr mittlerweile eh schon Rücken und Füße weh. Die Kleine fängt an zu weinen. Mama fühlt sich wie die schlechteste Mama der Welt.

17:45 Geschäftsstelle beim dritten Anlauf gefunden! Zum Glück werden ihr die Vertragsunterlagen schnell gereicht und sie darf sie in Ruhe zu Hause ausfüllen und das nächste Mal mitbringen, auch das Passfoto benötigt der Verein nicht sofort. Puh!
17:55 Jetzt aber schnell zurück zu den Kabinen – um 18:00 ist nämlich das Training vorbei und der Sohn erwartet seine Mama vor der Kabine.
18:10 der frisch geduschte Sohn ist abgeholt und es geht zum Auto, wieder 15 Minuten durch den Regen. Fußballplätze sind weitläufig und die Geschäftsstelle, in deren Nähe Mama geparkt hatte, leider so gar nicht besonders nah an den Kabinen. Die Mädchen maulen, dass sie nicht mehr laufen wollen und dass ihnen kalt ist.

drei kids wilmersdorfer

18:30 Auf der Rückfahrt gibt es wieder jede Menge Streit. Die Kinder lieben es gerade, sich gegenseitig zu provozieren, und irgendwie geht jeder auch auf jede Provokation ein – sehr zum Leidwesen der gestressten Mama, die sich jetzt nur noch nach Ruhe, Essen und ihrem wohlverdienten Feierabend sehnt. Mittlerweile hat sie auch noch Kopfschmerzen. Und Durst. Ihre zahlreichen Ermahnungen an die Kinder, endlich ruhig zu sein, bewirken leider gar nichts. Außerdem werfen ihr ihre Kinder vor, eine „soooo gemeine Kackamutter“ zu sein, weil sie es vorzieht, direkt nach Hause zu fahren anstatt jetzt noch mit ihren drei quengeligen Kindern zu Lidl zu gehen, um einzukaufen und Stikeez zu holen! Die Mädchen auf den Rücksitzen provozieren sich gegenseitig und sie schreien abwechselnd schrill. Mamas Nerven liegen blank. Sie ruft, sie sollen nun bitte endlich damit aufhören. Außerdem habe sie schon Kopfschmerzen. Die Mädchen machen weiter, der Sohn findet´s lustig. Durch seine Reaktion ermuntert er die Schwestern natürlich umso mehr, weiter Quatsch zu machen. Mama rastet aus. Zwar ist kurz Ruhe, aber nun hat Mama wieder ein unglaublich schlechtes Gewissen. Was ist sie nur für eine schlechte Mutter, die ihre armen Kinder anschreit? Noch dazu, wo diese gerade ihren Papa verloren haben!

19:00 endlich zu Hause! Mama schmeißt den Ofen an. Heute gibt’s Tiefkühlpizza. Fürs Kochen ist jetzt weder Zeit noch Energie übrig. Sie räumt die Spülmaschine aus. Die Kinder reichen ihr die leeren Brotboxen aus den Schultaschen, die sie in die Spülmaschine einräumt und hocken sich vor den Fernseher. Mama beauftragt sie, doch bitte schon mal Badewasser einzulassen. Sie rennt in den Keller und stellt die Waschmaschine an, dann geht sie wieder in die Küche und schiebt die Pizza in den mittlerweile vorgeheizten Backofen. Die Vierjährige kommt in die Küche. „Ich hab Durst!“ Mama gibt ihr etwas zu trinken. Und auch den anderen stellt sie etwas hin. Ausreichend trinken ist ja so wichtig! Auch sie hat Durst. Moment, das Badewasser! Das Badewasser ist immer noch nicht eingelassen. Mama schimpft. Die Mädchen gehen hoch und stellen das Wasser an. Der Sohn kommt in die Küche. „Darf ich Süßigkeiten?“ Nein, es gibt doch gleich Essen. „Nur eine! Bitteeee!“ Nein. Der Sohn findet´s „voll gemein“, außerdem sei er „am Verhungern“. Er schreit herum. Oooooohhhhhmmmmm… Mama atmet tief durch und trinkt einen Schluck Wasser.

19:30 Die Pizza ist fertig. Mama holt sie aus dem Ofen, packt sie auf die Teller, schneidet sie in Stücke und ruft ihre Töchter, die immer noch oben sind. Sie haben angefangen, im Kinderzimmer Baby zu spielen und es kostet wieder etwas Mühe, sie herunter zum Essen zu bewegen.

19:40 Alle Kinder sitzen am Tisch und essen. Der Fernseher läuft dabei ganz unpädagogisch wertvoll, aber wenigstens ist mal kurz Ruhe. Hallelujah!!

Kurz duchatmen.

Nun folgt die nächste Aufgabe: Mama muss die Kinder weg vom Fernseher und hoch ins Badezimer bewegen, und vorher sollen sie noch ihren Teller abräumen. Alles erscheint ihr wie ein Kampf. Alles ist so anstrengend und nichts geht scheinbar ohne Widerstand, Diskussion und Rechtfertigung. Mamasein ist ein echter Knochenjob. Und über die fehlende Wertschätzung/ Bezahlung/ lächerliche Rente wollen wir hier mal gar nicht erst anfangen zu sprechen. Mama ist erschöpft, müde und hungrig, Rücken und Füße tun ihr weh. Sie möchte nun endlich, dass ihre Kinder schlafen und sie ein wenig Ruhe und Zeit für sich hat, bevor sie schlafen geht und das Gleiche in ein paar Stunden von vorne beginnt. Sie fühlt sich wie ein Hamster im Laufrad, die Kinder und die Gesellschaft treiben es stetig an, sie hetzt hinterher. Und wie sehr sie auch hetzt, und wie sehr sie sich auch bemüht, kann sie es doch keinem recht machen, am allerwenigsten  sich selbst.

Als sie endlich mit den Kindern im Badezimmer angekommen ist, traut sie ihren Augen nicht: es ist kein Wasser in der Wanne; die Mädchen hatten vergessen, den Stöpsel zu schließen.

Egal – dann wird eben morgen gebadet. Doppelt so gründlich! Also schnell Zähne putzen und dann ab ins Bett. Obwohl es eigentlich schon zu spät und sie zu müde ist, liest sie ihren Kindern noch eine Geschichte vor. Schließlich hatten sie sich so darauf gefreut, und versprochen ist versprochen. Nach der Geschichte wünscht sie ihren Mäusen noch eine gute Nacht, gibt ihnen ein Küsschen und sagt jeder einzelnen, wie lieb sie sie hat.

Fast ist sie schon aus dem Zimmer, ihre Entspannung scheint so nah, sie kann ihr Essen förmlich schon schmecken, da steht der Sohn wieder auf und schaltet das Licht an. „Ich muss mal auf´s Klo!“ Mama platzt der Kragen: „ICH HATTE EUCH DOCH VOR DER GESCHICHTE GEFRAGT, OB IHR NOCH MAL MÜSST, WEIL ICH EBEN NICHT MÖCHTE, DASS IHR NACH DER GESCHICHTE WIEDER AUFSTEHT!!!!“ Nun ist die Tochter, die bereits eingeschlafen war, auch wieder aufgewacht.

Mama bricht in Tränen aus. „Ich kann nicht mehr! Das ist mir alles zu viel!“ Noch während diese Worte aus ihr herausbrechen, fühlt sie sich schelcht. Wie kann sie nur die Kinder damit belasten? Was ist sie nur für eine schlechte Mutter? Sie fühlt sich nun noch schlechter. Sauer auf sich selbst, gelingt es ihr irgendwie, die Kinder wieder einigermaßen zu beruhigen. Sie geht nach unten, aber ihr Abend ist gelaufen. Sie isst irgendetwas, nur um etwas im Bauch zu haben, und auch das nervt sie, hatte sie sich doch so sehr auf ihre Auszeit gefreut. Nun aber kann sie sie gar nicht genießen, sie fühlt sich wie die schlechteste Mama der Welt. Da fällt ihr die Wäsche ein. Schnell packt sie sie noch von der Waschmaschine in den Trockner und räumt die Küche auf. Da war doch noch was… Ach ja, der kalte Kaffee in der Microwelle. Sie wischt sie aus und bereitet parallel das Lieblingsmüsli ihrer Tochter für den nächsten Schultag vor. Die Sendung im TV, die sie eigentlich gern gesehen hätte, ist mittlerweile fast vorbei.

Als sie sich endlich vor den Fernseher auf das Sofa legt, geht sie im Kopf noch mal alle Sachen für den nächsten Tag durch: Welche Termine stehen an? Hat sie alles dafür? Welches Kind hat Sport? Stehen die Turnbeutel bereit? Befinden sich die am Morgen zu befüllenden Brotboxen auch tatsächlich in der Spülmaschine, so dass sie sie morgen früh nicht erst alle abwaschen muss? Mist! Sie hat vergessen, die Kinder daran zu erinnern, die Kleidung für den nächsten Tag herauszulegen! Na gut, dann muss es morgen früh eben mal noch schneller gehen.

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Mama öffnet die Augen, die Kerzen auf dem Sofatisch flackern, der Fernseher läuft, seine Uhr zeigt 1:30. Oh nein, sie ist eingeschlafen. Dabei muss sie sich doch noch abschminken und sich ihre Zähne putzen….. 2:30 Ups, schon wieder eingenickt. Jetzt muss sie aber wirklich aufstehen und sich abschminken und sich…  3:00 jetzt aber wirklich! Mama schleppt sich ins Bad, befreit sich vom Make up und putzt sich die Zähne. Hoffentlich wachen die Kinder nicht auf. Nein, zum Glück schlafen sie tief und fest. Sie geht wieder herunter und legt sich hin. Sie kann nicht einschlafen. Da fällt ihr ein, dass sie die Spülmaschine gar nicht eingeschaltet hatte. Das holt sie schnell nach, dann legt sie sich wieder hin. Irgendwann schläft sie endlich. In drei Stunden klingelt der Wecker.

…nun beginnt der neue Tag; dafür einfach wieder Alltagswahnsinn Teil I lesen, danach Teil II, usw… am Wochenende ändern sich eigentlich nur zwei Dinge:

  1. die Kleidung muss nicht herausgesucht werden (folglich ist es auch nicht schlimm, wenn dies vergessen wird) und
  2. die Kinder müssen nicht geweckt werden. Sie stehen von alleine, wie von Geisterhand, noch früher auf als unter der Woche! Und ihre erste Frage lautet: „MAMAAAAAAAAAAAA!!!!!!!!!! Was machen wir heute?!?!“
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Alltagswahnsinn einer alleinerziehenden Dreifach-Mama Teil I

Seit einem Vierteljahr bin ich nun alleinerziehend, genauer gesagt alleinerziehend hoch drei. Quasi über Nacht wurden wir von der spanisch-deutschen Großfamilie zur Single Parent Family. Alleinerziehende von drei Kindern. Krass! Ich benötige jetzt alle Kraftreserven für meine drei Mäuse und unseren Alltag. Schon allein die Action am Morgen würde einen ganzen Blogpost füllen, aber ich wollte Euch auch den Rest meines Tages nicht vorenthalten. Aufgrund der Länge gibt´s den Post in zwei Teilen; Teil 2 erscheint am Sonntag!

Ein ganz normaler Tag im Leben einer alleinerziehenden Dreifach-Mama:

6:45 der Wecker klingelt (ja, so spät, denn die Schule der Ersten beginnt erst um 8:30, der Zweite muss um 9:00 da sein, die Dritte bis spätestens 10:00 in die Kita gebracht werden – nicht bereits um 5:45 aufstehen zu müssen, wäre dann aber auch wirklich der einzige Luxus des Tages)
7:00 Mama schmiert Brote, sucht eifrig die Milchschnitten, Joghurtquetschis und Müsliriegel zusammen, bereitet Apfel- und Möhrenschnitze für die Brotboxen der beiden Schulkinder vor. Das Birchermüsli (seit neuestem Favorit der Tochter) hat sie noch schnell am Vorabend (also, genauer gesagt war es schon eher so gegen 0:30) vorbereitet und in den Kühlschrank gepackt. Immerhin.

Nebenbei bereitet sie sich schnell einen Kaffee zu, zum Aufwachen.

7:25 sie weckt die Kinder und sagt ihnen, dass sie sich anziehen sollen. Die entsprechende Kleidung hat sie bereits am Vorabend gemeinsam mit ihnen herausgesucht und bereitgelegt. Organisation ist halt alles!
7:30 Mama geht ins Bad
7:31 kaum ist die elektrische Zahnbürste eingeschaltet, ertönen die ersten Schreie und lautstraken Streitereien aus dem Kinderzimmer. Mama versucht, diese erstmal so gut es geht zu ignorieren.
7:32 „MAMAAAA??!!“, die Kleinste steht vor der verschlossenen Badezimmertür, „ich muss Pipi!!!“ Mama öffnet geübt mit einer Hand die Verriegelung der Tür, in der anderen die elektrische Zahnbürste (welche sich erst nach drei Minuten Putzzeit automatisch abschaltet). Ein „Geh-Doch-Auf-Die-Andere-Toilette“ konnte sie aufgrund des Zahnpastaschaums im Mund nicht hervorbringen, aber es wäre ohnehin nicht verstanden worden, oder es hätte nicht verstanden werden wollen, und es hätte auch nichts gebracht.
7:33 erneute Auseinandersetzungen tönen aus dem Kinderzimmer.
7:34 Mamas Zähne sind geputzt! Check!
Mama sieht im Kinderzimmer nach den Streithähnen. Die Kleinste ist halb angezogen, die beiden Großen noch immer in ihren Schlafanzügen und nach wie vor dabei, sich gegenseitig zu provozieren. Mama ermahnt sie, sich nun endlich anzuziehen und fragt (rhetorisch versteht sich), was sie denn bitte die letzten zehn Minuten gemacht hätten. Sie sehnt sich nach einem Schluck Kaffee, vorher will sie sich aber erst einmal schnell selber etwas anziehen. Prioritäten setzen ist eben das A und O!
7:36 Mama öffnet ihren Kleiderschrank.
7:37 „MAMAAAAA??!! Kannst du mir die Trumpfhose anziehen?“
Mama zieht der Kleinsten die Strumpfhose an.
Dann zieht sie sich an.
Sie ermahnt die Älteren, sich nun auch endlich anzuziehen und sich die Zähne zu putzen – ohne zu streiten!
Sie trägt den Kindern auf, sich die Haare zu kämmen und sich ihre Schuhe anzuziehen.
7:45 Mama nimmt endlich einen Schluck Kaffee. Er ist kalt.
Ihr Blick fällt auf die Uhr. WAAAAAS?!?? Schon so spät?
Mama wird nervös.
Der Älteste ist immernoch ungekämmt. Und sie ohne Kaffee.
7:46 Während der Sohn sich die Haare kämmt, kommt ihr die Idee, sich den Kaffee schnell in der Mikrowelle aufzuwärmen, dann wird sie ihn eben im Auto trinken. Man muss halt flexibel sein! Nebenbei schmiert sie jedem Kind seinen Lieblingstoast für den Fahrtweg und manövriert den Nachwuchs schon mal samt Schultaschen (und ggf. Turnbeutel/ Schwimmsachen) ins Auto.
7:50 jetzt nur noch schnell den Kaffee aus der Mikrowelle holen und los!
7:51 Mama öffnet die Mikrowelle. Der Kaffee ist übergekocht und hat sich in der gesamten Mikrowelle verteilt…..

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9:20 nachdem Mama nun alle drei Kinder pünktlich (!) an drei verschiedenen Einrichtungen abgeliefert hat (die Details erspare ich euch lieber), bestellt sie sich beim Bäcker neben dem Kindergarten erst einmal einen großen Cappuccino. Eeeendlich! Ihr erster Termin ist um 11:00. Bliebe ja eigentlich noch massenhaft Zeit, mal wieder etwas für sich zu tun – jedenfalls in Mamas Turbomodus, der scheinbar von den morgendlichen Rennereien noch aktiviert ist. Und so nimmt sie den Cappuccino „to go“ und macht sich voll motiviert auf den Weg zum Sport. Zeit für sich ist ja sooo wichtig! (#metime und so)
11:02 abgehetzt, verschwitzt, aber fast noch rechtzeitig findet sie einen Parkplatz vor der Tür des Jugendamts. Es geht um die Beantragung einer Familienhilfe, denn noch schafft Mama es zwar irgendwie alleine, Haushalt und Kinder und Studium und was da sonst noch war (ach, ja klar: Trauer!) zu wuppen, aber nicht mehr lange; so ganz ohne Unterstützung bricht sie früher oder später zusammen – gefühlt eher früher – und damit wäre ja keinem gedient!
Während des Termins erreicht sie eine Whatsapp des neuen Fußballtrainers des Sohnes; Mama soll ihm heute unbedingt schon Fußballschuhe mitgeben und Laufschuhe und ein Passfoto für die Vertragsunterlagen, die sie bitte in jedem Fall noch heute in der Geschäftsstelle abholen und ausfüllen muss.
Nach dem Termin hetzt Mama schnell wieder zum Auto, auf dem Weg antwortet sie dem Trainer, dass sie es zwar nicht schaffen wird, heute vor dem Training noch Passfotos vom Sohn machen zu lassen, an den Rest werde sie aber denken! (Sie fühlt sich schlecht, weil sie es nicht schaffen wird, Passfotos mitzubringen.)
13:00 der nächste Termin steht an; diesmal ein Elterngespräch an der Schule des Sohnes. Leider sind die Neuigkeiten nicht durchweg positiv. Sie solle sich mal um eine Nachhilfe für ihn bemühen, oder wenigstens um ein Nachhilfecomputerprogramm, und auch an die notwendige Vorbereitung des bevorstehenden Schulwechsels solle sie denken, und man habe das Gefühl, dass mal wieder mit dem Arzt des Sohnes über dessen Medikation gesprochen werden müsste, da solle sie mal bitte dringend einen Termin machen, und außerdem seien derzeit viele Erzieher krank, weshalb sie ihren Sohn doch kommende Woche bitte schon um 12:30 abholen soll. Klar! Ist ja auch egal, wie sie dann ihre Arbeit schafft; muss sie halt umorganisieren. Sie arbeitet ja eh von zu Hause und ist daher so unglaublich flexibel. Kein Problem!

14:00 Mama rennt los, um Fußballschuhe zu kaufen, die Parkplatzsuche gestaltet sich schwierig… Mama steht das gefühlte zehnte Mal an diesem Tag am Rande des Nervenzusammenbruchs.
15:00 der Sohn kommt aus der Schule, und Mama fängt ihn noch auf der Straße ab. Gerade noch rechtzeitig hat sie es mal wieder -mit den neuen Fußballschuhen- nach Hause geschafft! Supermom halt! Während der Sohn bereits im Auto sitzt, rennt Mama noch mal schnell ins Haus, um ihm seine Laufschuhe und Duschsachen einzupacken.
Jetzt muss nur noch schnell die Mittlere abgeholt werden bevor es zum Training geht. Sobald Mama sie nämlich mal zu lange im Hort lässt, will sie am nächsten Tag gar nicht mehr in die Schule gehen (Verlustangst und so). Ein Mal musste Mama sie sogar morgens wieder mitnehmen, da war einfach nichts zu machen.
16:20 der Sohn ist (trotz Berufsverkehr und Verzögerungen beim Schwester-Abholen) pünktlich an der Kabine abgeliefert und zieht sich um.

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16:30 das Fußballtraining beginnt.
Statt nun „faul“ dem Sohn 1,5 Stunden beim Training zuzuschauen und mal durchzuatmen, nutzt Mama die Zeit, um die Kleinste aus der Kita abzuholen (natürlich mit der Mittleren im Schlepptau), denn nach dem Training würde es zu spät.
Auf Wunsch der Mädchen geht sie noch schnell ein paar Süßigkeiten kaufen, um sie bei Laune zu halten. Natürlich gibt es Streit um die Sorte, die gerechte Verteilung, etc., etc…. Mama stellt ihre mittlerweile sehr müden Ohren auf Durchzug. Sie hat Durst, Hunger und Rückenschmerzen. Ist das etwa vom Training heute? Oder trägt sie die falschen Schuhe? Egal! Weiter geht´s…

To be continued… Teil II erscheint übermorgen, am Sonntag, 14.10.!

Oh! Mein! Gott!

Was war das für ein Schreck vorgestern. Carlos (8) war verschwunden.

Aber ich fang mal chronologisch an:

13:50 Papa ruft bei Carlos´ Schule an, sagt dem Lehrer, er soll unseren Sohn bitte selbständig zwei Stationen bis S-Bahnhof Charlottenburg fahren lassen, von dort würde er ihn dann abholen. Theoretisch müsste er dann also gegen 14:10 am vereinbarten Bahnhof eintreffen.

14:30 noch immer kein Carlitos… Papa ruft noch einmal in der Schule an, fragt, ob Carlos denn auch wirklich losgeschickt worden sei. Dies bejaht der Lehrer.

Papa wartet.

Papa wird langsam unruhig.

Manchmal gibt es S-Bahnen, die nicht ihre eigentliche Strecke fahren, sondern nur bis zum Knotenpunkt Westkreuz. Das weiß Papa aus Erfahrung, Carlos auch. Papa fährt also dorthin, um nachzuschauen.

Nichts.

Papa fährt zum S-Bahnhof Savignyplatz, dort ist seine Arbeitsstelle. Vielleicht hatte Carlos verstanden, er solle direkt zu Papas Arbeit kommen, wie sonst immer wenn er alleine fahren darf.

Nichts.

Papa fährt wieder zu dem Bahnhof, an dem er sich eigentlich mit Carlos treffen wollte. Immer noch keine Spur von ihm.

15:06 Papa ruft mich im Büro an. Erzählt mir die ganze Geschichte.

15:20 leicht panisch (ok, „leicht“ ist vielleicht untertrieben) rufe ich die Polizei an. Ich erwarte eigentlich, dass die mir sagt, dass ich deswegen nicht den Notruf blockieren soll oder zumindest, dass sie vor dem Ablauf einer bestimmten Zeit gar nichts machen können und ich mich beruhigen solle, etc., etc. Aber ich werde erstaunlich ernst genommen. Einerseits freut mich das, andererseits beunruhigt es mich, denn wenn ich vom Notruf ernstgenommen werde, ist es dann nicht auch … ähm, also ernst?! Auf einmal finde ich mich in einer Situation wieder, die ich bis dato zum Glück nur vom Fernsehen her kannte – leider aus Krimis mit leider nicht immer gutem Ausgang: ich werde gefragt, wie Carlos aussieht, was er anhat. Der Magen dreht sich mir um. Hoffentlich ist ihm nichts passiert!!! Hoffentlich passiert ihm nichts!! Draußen herrscht mittlerweile Starkregen. Ich bin mir sicher, dass Carlos seine Jacke wie immer in der Schule gelassen hat, jetzt also höchstwahrscheinlich nur mit einer blauen kurzen Hose, einem gelben T-Shirt und schwarzen Turnschuhe bekleidet unterwegs ist. Aber wo??? Die Polizei fragt mich, ob er öfters schon mal weggeblieben ist. Das muss ich klar verneinen. Sie werden jetzt einen Einsatzwagen mit Sirene und Blaulicht losschicken. Das machen sie immer so, wenn Minderjährige unter 14 Jahren vermisst werden. Sie werden jetzt erst einmal zum vereinbarten Treffpunkt fahren, dahin, wo der Papa sich gerade befindet und auf ihn wartet.  Ich merke an meinem Handy, dass sich etwas tut. Entweder jemand schickt mir gerade Nachrichten oder probiert anzurufen, ich sage es dem Polizisten, werde kurz mal nachsehen, falls es eine Nachricht ist, dass Carlos in der Zwischenzeit wieder aufgetaucht ist. Aber nichts! Die Polizei schickt also einen Einsatzwagen los. Ich benachrichtige meinen Partner, der sich sobald er die Polizei am Bahnhof sieht, bei ihnen melden soll.

Dann gehe auch ich los. Natürlich habe ich gerade an diesem Tag einen wichtigen Termin am anderen Ende der Stadt. Ich entscheide mich, ihn wahrzunehmen, da ich momentan sowieso nicht von Nützen wäre. Ich hoffe einfach, bis der Termin vorbei ist, hat sich alles geklärt. Im Gehen treffe ich auf eine Kollegin, der ich die Geschichte im Schnelldurchlauf erzähle, wobei sich mir noch mal die ganze Lage verdeutlicht. Als ich in mein Auto steige, bin ich völlig aufgelöst.

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5 Minuten später dann der erlösende Anruf: Carlos ist wieder aufgetaucht! Mein Partner hatte noch mal beim Lehrer angerufen, der daraufhin selbst noch einmal die Strecke zum S-Bahnhof (der, von dem Carlos hätte losfahren sollen) ablief. Dort fand er ihn dann. Mein Sohn hatte verstanden, dass der Papa ihn von dort abholen wollte. Er saß mittlerweile seit über 1,5 Stunden dort! Und war durchnässt und durchfroren, aber er war wieder da! Und es ging ihm gut! – Also zumindest war er weder verletzt, noch entführt, noch missbraucht, noch von Wildschweinen im Grunewald attackiert worden, noch sonst etwas! Es gehen einem ja die kühnsten Gedanken durch den Kopf… Erleichtert rief ich die Polizei an (die gerade am anderen Bahnhof eingetroffen war) und gab Entwarnung. Oh Mann, das war ja noch einmal glimpflich ausgegangen!

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Abends waren meine Drei dann wieder munter beisammen. Das Kinderchaos störte mich an diesem Tag mal so überhaupt gar nicht! 🙂

Das Positive, das man aus so einer Situation ziehen kann, ist, dass sie einfach ALLES im Leben relativiert. Plötzlich ist alles so unwichtig: Umzugsstress, Geldsorgen, Erbschaftsstreitigkeiten… Alles scheißegal! Hauptsache man selbst und seine Lieben sind wohlauf. Das ist doch das Allerallerwichtigste. Wäre das mit meinem Sohn anders ausgegangen, hätte ich wohl nie wieder glücklich sein können, nichts in unserem Leben wäre je wieder so wie vor diesem Tag gewesen. Meine Gedanken sind bei allen Eltern, deren Kinder nicht so schnell wieder auftauchen, die teilweise über Jahre verschollen bleiben. Wie um Gottes Willen kann man mit so etwas fertig werden? Diese Ungewissheit. Es ist wohl das Allerschlimmste, was einem passieren kann, nicht zu wissen, was mit seinem Kind passiert (ist). Und wie kann man dem vorbeugen? Haben wir etwas falsch gemacht? Ich denke, man kann es einem Achtjährigen schon zutrauen, zwei Stationen alleine S-Bahn zu fahren, selbst in einer Großstadt wie Berlin. Es ist einfach so, dass in unserer Welt nichts hundertprozentig sicher ist, es nicht sein kann. Ein Restrisiko bleibt immer. Damit müssen wir einfach leben und das Beste daraus machen. Und wir müssen offen und ehrlich mit unseren Kindern sprechen, sie über Gefahren aufklären, ohne ihnen Angst zu machen und Notfallstrategien mit ihnen absprechen. Ich habe jetzt beispielsweise mit meinem Sohn vereinbart, dass er im Zweifelsfall (wenn er kein Handy bei sich hat und auch sonst alle Stricke reißen) immer zu Papas Arbeit fahren soll. Dort sind immer Leute, die ihn kennen und uns verständigen können.

Habt Ihr schon einmal so ein Horrorszenario mit, bzw. wegen, Euren Kindern durchgemacht? Wie seid Ihr damit umgegangen? Was würdet Ihr anderen Eltern raten?

 

Wann komme ich endlich an?

Ich meine das jetzt nicht im Sinne von „wann sind wir da?“, sondern das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Kennt Ihr das? Ich kenne es nämlich leider nicht. Also, nicht wirklich. Klar, es gibt Momente in denen auch ich mich geborgen, glücklich, sicher und komplett fühle, aber eben nur Momente. Ich sehne mich mittlerweile mehr denn je nach diesem Grundgefühl des Angekommenseins. Aber bei uns ist momentan wieder mal so viel los, dass das wohl leider vorerst noch ein Wunsch bleiben wird. Irgendwie ist immer ziemlich viel los bei uns. Die letzten zehn Jahre sind vergangen wie im Flug und es ist sooo viel passiert wie bei anderen in der doppelten Zeit – mindestens: drei Kinder bekommen, drei Fehlgeburten erlebt, die Großeltern nebenbei gepflegt bis zu ihrem Tod, Oma gestorben, Opa gestorben, vier Mal umgezogen, Bachelor gemacht, Master fast fertig, den Nebenjob drei Mal gewechselt, angefangen zu bloggen, eine Sprache fließend und verhandlungssicher gelernt… Dass ich jetzt Mitte dreißig und Mutter von drei Kindern bin, habe ich immer noch nicht so ganz realisiert. Ich habe immer noch keine feste, sichere Arbeit, sondern arbeite als studentische Mitarbeiterin. Dieser Job ist, klar, befristet – zumindest bis ich keine Studentin mehr bin. Und das wird sein…. Tja, das ist die nächste Baustelle, die unsicher über mir hängt. Eigentlich fehlt mir nur noch eine Seminararbeit, die ich, wenn ich mich da richtig hinterklemme, locker in nem Monat erledigt haben könnte und eben die Masterarbeit. Das ist ein anderes Ding. 80 Seiten inkl. Recherche schreiben sich eben nicht mal so nebenbei. Und die Zeit, das zu priorisieren, habe ich mit dem Job, den drei Kindern, dem Umzug, der ansteht, etc., etc., gerade nicht. Ja, da ist der Umzug, der kurz bevorsteht (der vierte in acht Jahren), vorher müssen wir das Haus in das wir einziehen aber noch entrümpeln, was leichter  gesagt als getan ist. Ich könnte noch hundert weitere Dinge aufzählen, die jetzt anstehen und mindestens genauso wichtig und groß sind wie die bereits genannten, aber der Tenor ist ja der gleiche. Ich möchte endlich alles erledigt haben. Ich möchte, dass alles in Ordnung ist. Ich möchte mich entspannen können, ein geregeltes, spießiges Leben führen, kreditwürdig sein. Seit geraumer Zeit ist es bei mir nämlich so, dass ich ständig am Grübeln bin, To-Do-Listen erstelle oder abarbeite, in jeder freien Minute, wie eine Getriebene. Wenn die Kinder gerade in der Badewanne sind, wenn ich an der roten Ampel stehe, sogar wenn ich nachts kurz mal aufs Klo muss, checke ich schnell, ob nicht vielleicht doch in der Zwischenzeit eine wichtige Mail angekommen ist oder ob jemand mein Foto auf Instagram geliket hat. Das ist krank, ich weiß. Und es macht nicht nur mich sondern auch meine Umwelt verrückt. Westenddad ist echt genervt (und das ist noch milde ausgedrückt), dass ich, selbst wenn ich abends neben ihm auf dem Sofa sitze (und da er nachts arbeitet ist das ja auch nur zwei Mal pro Woche), nicht wirklich da bin, sondern immer in Gedanken woanders. Für die Kinder ist es natürlich auch nicht schön. Ich kann die Zeit mit ihnen gar nicht richtig genießen, weil ich ständig überlege, was ich jetzt „eigentlich“ tun müsste. Weil ich schon plane, was ich noch alles tun muss, wenn sie endlich im Bett sind. Umso frustrierter und nervöser werde ich da natürlich, wenn das dann nicht nach Plan läuft, weil sie immer wieder aus ihren Betten kommen, weil sie noch was trinken wollen oder noch mal auf die Toilette müssen – gern auch zwei oder drei Mal hintereinander… Im schlimmsten Fall eskaliert es dann und endet im Geschrei meinerseits, woraufhin ich mich dann nur noch schlechter, weil als komplette Versagerin und Rabenmutter, fühle.

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Ich muss gelassener werden

Ja, leichter gesagt als getan. Ich probiere es aber. Ich habe beschlossen, den Feierabend wirklich Feierabend sein zu lassen und außer essen und fernsehen nichts mehr groß zu tun. Ich muss einfach lernen abzuschalten. Ich möchte mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen, mich richtig auf sie einlassen, wirklich etwas mit ihnen machen, mich nicht immer nur wie eine Dompteuse im Raubtierkäfig fühlen, die froh ist wenn die Show vorbei ist und sie wieder weitergrübeln kann: „Kinder, essen kommen!“ „Carlos! Nein!“ „So, und jetzt alle Zähneputzen!“ „Ich zähl jetzt bis fünf, und dann sind alle Kinder in ihren Betten!“ Ich möchte wieder Spaß am Leben und an meinen Kindern haben. Im Hier und Jetzt leben, den Augenblick genießen. Wir müssen uns immer wieder klarmachen: Unser Alltag ist ihre Kindheit. Natürlich wird es immer mal hektischere Phasen geben, nur sollte das kein Dauerzustand sein. Werden sie dieses Gefühl der Geborgenheit ansonsten nicht auch mal vermissen? Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass das Gefühl des Angekommenseins vor allem aus einem selbst heraus entstehen muss, es ist eine Einstellungsfrage, die eigene innere Haltung. Ich denke, dass es nicht sonderlich von äußeren Faktoren abhängt. Das gibt mir die Hoffnung, selbst jetzt, in der wohl chaotischsten Zeit meines Lebens, „ankommen“ zu können.

Wie seht Ihr das? Seid Ihr schon angekommen?

Wir ziehen schon wieder um – oder: Hurra, ich werde wieder eine echte Westendmum !!!

Die Entscheidung steht seit gestern fest: wir ziehen wieder nach Westend! Das ist dann unser vierter Umzug in nur acht Jahren. Der letzte ist nicht einmal ein Jahr her… aber  sind zu viele Umzüge nicht schlecht für die Kinder?

Die meisten unserer Umzüge waren nicht wirklich freiwillig: der erste war von meiner 1-Zimmer-35m²-Single-Erdgeschoss-Wohnung in der Berliner Kantstraße in eine größere Wohnung am Stuttgarter Platz, also gleich um die Ecke. Der Grund war die Familiengründung: Mit Westenddad hatte ich einen neuen Partner an meiner Seite und ziemlich schnell auch ein kleines Baby. Etwas Größeres musste also her. Das Baby war zur Zeit des Umzugs gerade einmal ein halbes Jahr alt, wird den also gut verkraftet, bzw. nicht einmal richtig mitbekommen haben.

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Die neue Wohnung lag gleich um die Ecke, im vierten Stock ohne Fahrstuhl eines ziemlich heruntergekommenen Hauses am Stuttgarter Platz, direkt an einer beliebten Einkaufsstraße in 1A-Lage. Das Haus war deshalb so heruntergekommen, weil der Eigentümer pleite ging. Nach drei Jahren wurde es von Architekten sehr günstig erworben. Dann der Schock: Das Haus sollte luxussaniert werden. Es wurde sogar eine Reportage darüber gedreht: Luxus rein, Mieter raus? – Wenn Wohnen unbezahlbar wird (dass ich mich mit einer Sozialstation selbständig machen wollte, stimmt allerdings nicht, keine Ahnung, wer sich das ausgedacht hat; ich hatte damals lediglich bei meiner Tante als Bürokraft in einer solchen gejobbt, um mir das Studium zu finanzieren). Nach einem Jahr Baustelle hätte uns dann die Verdopplung der Miete erwartet. Außerdem sollte unsere Wohnung komplett umgebaut werden: im riesigen Schlafzimmer, das als Kinderzimmer unserer mittlerweile zwei Kinder gedacht war, sollte eine Wohnküche entstehen, die Noch-Küche wäre aber für beide Kinder definitiv zu klein, genau wie Carlos´ bisheriges Kinderzimmer. Wir mussten also raus.

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Nach 8-monatiger Suche fanden wir schließlich eine echte Traumwohnung: 142m² Altbau mit Fahrstuhl, direkt am Kaiserdamm in Berlin-Westend (da entstand übrigens auch der Blog) und vor allem bezahlbar – jedenfalls auf den ersten Blick… Erst bei der Mietvertragsunterzeichnung las ich im selbigen, dass es sich um eine Staffelmiete handelte. Was also tun? Weitere acht Monate Wohnungen suchen oder unterzeichnen und hoffen, unsere wirtschaftliche Lage würde sich der Staffelmiete anpassen? (Ich war ja noch Studentin, kurz vorm BA-Abschluss, die Aussicht, sich künftig finanziell zu verbessern, schien also nicht hoffnungslos.) Ersteres wäre wohl weise gewesen. Wir entschieden uns allerdings für Letzteres. Leider hatten die Vermieter (wohl absichtlich) einen viel zu niedrigen Monatsabschlag an Heiz- und Nebenkosten veranschlagt. Als die Abrechnung dann kam, waren wir geschockt: für das erste Jahr sollten wir satte 2.700€ nachzahlen, der monatliche Abschlag stieg um 200€! Im zweiten Jahr waren es dann immerhin noch 1.700€ Nachzahlung, der monatliche Abschlag stieg um weitere 100€. Wir waren also nach nur drei Jahren bei einer Warmmiete angekommen, die wir allein durch die Staffelung erst nach acht hätten erreichen sollen.

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Nur für die Miete zu arbeiten, macht keinen Spaß!

Also zogen wir letztes Jahr schweren Herzens die Konsequenzen und zogen um. Mittlerweile waren wir übrigens zu fünft. Da es in Berlin immer schwerer wird, eine schöne, bezahlbare Wohnung für fünf Personen (eine entsprechende Mindestgröße sollte also auch gegeben sein) zu finden, die vor allem auch noch zentral gelegen ist (wir bevorzugten Charlottenburg, Wilmersdorf oder Schöneberg, gerne auch die mittlerweile leider völlig überlaufenen und überteuerten Bezirke Kreuzberg oder Neukölln), wichen wir schließlich auf Spandau aus. Bitte nicht falsch verstehen: wir fühlen uns hier wirklich sehr wohl, und die Ecke in der wir gelandet sind (PLZ 13585, Richtung Hakenfelde), erinnert sehr an Berlin-Neukölln vor noch 10 Jahren: kleine türkische Läden, keine Hipster, keine fairtrade Soya-Latte mit Himbeergeschmack to go weit und breit… Es hat schon etwas Idyllisches… ABER: es ist natürlich ziemlich weit ab vom Schuss. Mir war das ursprünglich eigentlich nicht so wichtig, fahre ich doch eh ständig Auto – na und, dann fahr ich halt nicht 5 sondern 20 Minuten zum Kindergarten und zur Schule. Dennoch, gerade morgens machen die schon einen großen Unterschied und es herrscht regelmäßig Chaos. Noch mehr als früher in Westend. Ich muss mich immer noch an die neuen Dimensionen gewöhnen – oder muss ich das wirklich noch?

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Plötzlich war alles anders

Vor Kurzem sind meine Großeltern gestorben und ich habe ein Haus geerbt. Und ratet mal wo? Genau, in Westend! Wir ziehen also wieder um, sparen uns Miete, Zeit und Kilometer. Und ich werde wieder zu einer ECHTEN Westendmum! 🙂 Ich hoffe, danach kehrt dann so langsam etwas Ruhe bei uns ein – jedenfalls bis wir es dann umbauen lassen 😉 . Die Kinder freuen sich drauf, und um meine Anfangsfragestellung aufzugreifen, ob sie die vielen Umzüge gut verkraften: ich bin mir sogar sicher! Carlos meinte zwar, wir seien wohl ein bisschen verrückt, dass wir erst umziehen und dann nicht mal ein Jahr später gleich wieder umziehen, aber ihr soziales Umfeld hat sich ja nicht verändert: die Kita, eine deutsch-spanische, mit der wir wirklich sehr zufrieden sind, würden wir niemals gegen eine andere tauschen, und die Schule, auf die Carlos letztes Jahr wechselte (nachdem er in Spandau nicht genommen wurde!) ist eine auf verhaltensauffällige Kinder spezialisierte, auf der es nur sechs Plätze in ganz Charlottenburg-Wilmersdorf gibt, und die auch noch direkt um die Ecke des Hauses liegt, in das wir nun einziehen werden. Manchmal denke ich, das kann nicht alles Zufall gewesen sein, oder?