Vereinbarkeit? Von wegen!..

Ich erlebe seit geraumer Zeit selber, wie anstrengend es ist, Beruf und Kindererziehung miteinander zu vereinbaren. Ok, jetzt sind es bei mir nicht „nur“ Job und Kinder sondern genauer gesagt Job und Uni und Kinder, aber von der Stundenanzahl her gleicht mein 20-Stunden-Job + 20 Stunden Arbeit für die Uni pro Woche ja auch einer Vollzeitstelle.

Es ist meiner Meinung nach leider (noch?) unmöglich, einen Vollzeitjob mit der Erziehung von Kindern relativ entspannt zu vereinbaren. Je größer sie werden, desto machbarer wird es vielleicht, aber für alle Mamas mit Nachwuchs unter 10 Jahren ist es schier utopisch. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel, aber ich spreche nun wirklich von Müttern/ Eltern, die weitgehend auf sich alleine gestellt sind, also keine Familien in der beispielsweise die Großeltern ständig zur Entlastung bereitstehen. Ich meine ein Familienmodell, in dem beide Eltern oder eben der alleinerziehende Part Familie und Beruf unter einen Hut bringen muss. Da fängt es nämlich schon damit an, dass man sich abwechseln muss wenn das Kind krank ist – ja und je mehr Kinder man hat, desto höher die Wahrscheinlichkeit des Ausfalls.

Bei uns geht gerade ein Magen-Darm-Virus in der Kita um: erst hatte sich meine Kleinste angesteckt, drei Tage später traf es die Mittlere, dann den Papa und schließlich seit gestern Nacht unseren Ältesten. (Mal gucken, ob der Virus mich weiterhin verschont…) So etwas ist leicht beschrieben, klingt von außen betrachtet fast schon amüsant, aber wenn man sich mal verdeutlicht, was dahinter steckt, ist es der glatte Wahnsinn: seit einer Woche durchwachte Nächte, in der man alle halbe Stunde mit dem jeweils betroffenen Kind aufs Klo rennt, Erbrochenes wegwischt, vollgekotzte Bettwäsche und Laken abzieht, die Betten neu bezieht – nur um eine Stunde später wieder von vorne zu beginnen… Und am nächsten Morgen (also ein paar Stunden später) muss ein Partner völlig übermüdet seiner Arbeit nachgehen, während der andere genötigt ist, sich krank zu melden, zu Hause beim Kind zu bleiben und das Ganze weiter zu führen. Wer da entspannt bleibt – Hut ab!

Natürlich tun mir Kinder leid, die ganz offensichtlich (leicht) erkältet in die Kita geschickt werden, nachdem sie zu Hause vorsorglich noch schnell Fieber- und Schmerzsaft verabreicht bekommen haben, damit sie weitestgehend keine Symptome zeigen und Mama nicht schon wieder in der Arbeit fehlen muss. Aber ich kann diese armen Eltern auch irgendwo verstehen. Man hofft dann einfach, dass es schon nicht so schlimm ist.  Oft ist es ja auch mysteriöserweise wirklich so, dass ein Kind, was nachts noch wie verrückt gehustet hat, tagsüber putzmunter ist und fit vor sich hin spielt. Oder dieses ominöse nächtliche Fieber, kennt Ihr das auch? Am nächsten Morgen ist wieder alles gut; niemand weiß woran es lag und niemand wird es je wissen…

Bevor mein Partner wieder arbeiten gegangen ist –ein vorbildliches Exemplar von Papa, dass die ersten Jahre zu Hause blieb und mir den Vortritt, was die Karriere angeht, überlassen hat! – habe ich stets sehr gute Leistungen in der Uni abgeliefert, doch als er wieder anfing zu arbeiten, fielen sie dramatisch ab. Erst dachte ich, ich sei quasi über Nacht verblödet, aber nein, ich hatte einfach keine Zeit mehr, mit der Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit zu arbeiten, die ein Studium erfordert. Zwar hatte ich immer noch den Anspruch, mein Bestes zu geben, doch je näher die Abgabetermine rückten, desto mehr ergriff die „egal wie, Hauptsache fertig – Einstellung“ Überhand. Das geht bestimmt vielen Müttern so, und das ist schade, denn es hindert uns daran, unser gesamtes Potenzial voll auszuschöpfen und einzusetzen. Viele Studentinnen schaffen es einfach zeitlich nicht mehr und brechen entweder ihr Studium ab oder sie sehen sich (als letzte Möglichkeit, ihr Studium doch noch abschließen zu können – und vielleicht etwas besser als mit einem Schnitt von 4,0) in ihrer Verzweiflung gezwungen, auf Ghostwriter für ihre Abschlussarbeiten zurückzugreifen. Das ist sehr schade, denn abgesehen von der Tatsache, dass es Betrug ist, und ziemlich teuer, muss das Gefühl doch sehr unbefriedigend sein, seinen Bachelor oder Master nicht selber, also aus eigener Kraft, geschafft zu haben – und diese Studierenden mit Kind(ern) wären dazu intellektuell gesehen ja keineswegs weniger in der Lage als andere Studenten – sie haben schlichtweg nur viel weniger Zeit.

Viele Studierende kommen schon mit einem Nebenjob ins Straucheln (auch völlig verständlich), aber man stelle sich nun einmal den Fall einer berufstätigen, studierenden Mutter vor: je kleiner die Kinder, desto weniger Schlaf bekommt sie, kann sich also nicht einmal nachts voll erholen, abgesehen  davon bekommt sie aber auch bei bereits voll durchschlafenden Kindern nicht besonders viel Schlaf, denn sie ist ja gezwungen, jede Minute zu nutzen. Abgabetermine sind Abgabetermine, also arbeitet sie weiter wenn ihre Kinder endlich im Bett sind. Aufgestanden wird bei den wenigsten Kindern nach 7:30, geht ja auch gar nicht wenn Mama noch selber zur Arbeit muss, d.h. sie steht früh morgens auf, macht sich und ihren Nachwuchs fertig, liefert ihn in der Kita, bzw. Schule ab und düst weiter zu ihrer Arbeitsstelle. Nach der Arbeit wird noch schnell eingekauft, dann muss sie auch schon weiterhetzen, ihre Kinder abholen. Es geht nach Hause, die Kinder müssen Hausaufgaben machen, wollen gebadet werden, essen, müssen Zähne putzen, nebenbei wird noch schnell die Waschmaschine eingeschaltet, dann ab ins Bett, doch so einfach ist das alles nicht, denn die wenigsten Kinder gehen abends ohne Widerworte schlafen. Liegen endlich alle im Bett, kommt oft das übliche: „Mama, ich muss noch mal Pipi!“, „Mama, ich hab Durst!“, „Mama, ich kann nicht einschlafen!“… Nun ist Mama schon ziemlich gereizt, denn das alles frisst Zeit, wertvolle Minuten, die sie ja noch an ihrer Uniarbeit schreiben muss, um alles „gewuppt“ zu bekommen. Herrscht endlich Ruhe, schafft sie es eventuell tatsächlich noch etwas produktiv zu sein, doch als sie danach auf die Uhr blickt, ist es auch schon 2:00 morgens – wieder weniger Zeit zum Schlafen – oh, da ist ja auch noch die fertige Wäsche, die noch schnell aufgehängt werden muss, bevor sie dann endlich tot ins Bett fallen darf…

Auch bei mir dreht sich beim Gedanken an meine bevorstehende Masterarbeit der Magen um. Eine Masterarbeit von ungefähr 80-100 Seiten schreibt sich eben nicht mal so nebenbei, das erfordert Zeit, Muße und Recherche, die viele Mütter aber nicht haben. Ist man wie die meisten auch noch gezwungen, nebenbei arbeiten zu gehen, um sich und seinen Kindern den Lebensunterhalt zu finanzieren, geht die Wahrscheinlichkeit, eine gute, zeitgerechte Leistung abzuliefern schnell gegen Null. Ich arbeite mich momentan tot: von Mo-Do bin ich im Büro, die Freitage sind immer vollgepackt mit Terminen (Kinderarzt/ Schulgespräch/ you name it). Zwar habe ich es mittlerweile gelassen, abends noch weiter zu arbeiten, aber dafür lasse ich meinen Schatz an den Wochenenden mit unseren drei momentan gerade seeeehhhr anstrengenden Kindern alleine und schreibe mit schlechtem Gewissen an meiner Seminararbeit. Es bleibt keinerlei Zeit zu entspannen und ich gehe gerade „auf dem Zahnfleisch“, was sich in etwa so bemerkbar macht, dass ich bei jeder kleinsten Gelegenheit in Tränen ausbreche oder herumschreie. Das kann´s doch nicht sein! Warum wird es jungen Familien heute nicht etwas leichter gemacht? Wo ist die Kinderbetreuung nachts und an den Wochenenden? Warum gibt es keine kostenlose Haushaltshilfe für berufstätige Eltern[1]? Warum wird die Bafög-Förderungshöchstdauer bei Eltern nicht einfach ausgesetzt?

Andererseits wird sich beschwert, dass zu wenige Akademikerinnen Nachwuchs bekommen! Es ist doch kein Zufall, dass alle Frauen in wirklichen Top-Positionen, (siehe Angela Merkel, Theresa May, ..) kinderlos sind, oder vielleicht maximal ein Kind haben – von Ursula von der Leyen, Angelina Jolie, Queen Victoria und Katharina der Großen mal abgesehen. Aber selbst die müssen/mussten eben nicht allein zwischen sich und ihren Männern den Alltag organisieren, sondern sind von je her in der komfortablen Lage gewesen, sich von ihren Nannies unterstützen zu lassen, oder wenigstens von einer Putzfrau – der Haushalt mit Kindern frisst ja auch so einiges an Zeit und Energie!… Doch dieses Privileg haben leider nur die allerwenigsten…

Was meint Ihr dazu? Seid Ihr auch dauergestresst und habt Schwierigkeiten, alles unter einen Hut zu kriegen, oder fällt euch die Doppelbelastung leichter? Und wenn ja, bitte her mit Euren Tipps!!

[1] Ich meine hiermit natürlich keine Topverdiener.

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6 Kommentare zu „Vereinbarkeit? Von wegen!..

  1. Hey!

    Ich habe leider auch keinen Tipp für dich, aber ich fühle dollstens mit dir, du schreibst mir aus der Seele. Auch ich studiere im Master, arbeite, habe keine Familie hier (übrigens auch Westend!), die einspringen könnte, wenn das Kind krank ist oder ein Abgabetermin naht. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich mich in der Hochschulpolitik für die Familienfreundlichkeit engagieren. Ich finde Uni und Familie nämlich schwerstens vereinbar. Siehe Bewerbung für einen Masterplatz: es werden alle Studierenden in einen Topf geworfen, und die mit den besten Noten wieder herausgezogen. Es gibt keine Berücksichtigung von Betreuungstätigkeiten oder Berufstätigkeit neben dem Studium oder Sonstigem, was das Erbringen eines 1er-Schnittes erschwert.
    Und die Arbeit ist ebenso familienunfreundlich. Gerade im Schichtdienst.

    Ich lebe mit der Hoffnung, das alles irgendwann leichter wird. Hoffentlich bin ich bis dahin nicht krumm, mager und vergrämt 🙂

    Viele Grüße!
    Rebecca

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    1. Vielen Dank für deinen Kommentar. Nun weiß ich wenigstens, dass ich nicht alleine mit diesem Problem dastehe. Manchmal habe ich nämlich das Gefühl, alle anderen kriegen das völlig selbstverständlich hin.
      Aber natürlich: es wird leichter, denn die Kinder werden ja auch immer älter und selbständiger. Aber, klar, bis dahin ist es noch ein ziemlich langer Weg..trotzdem: immer positiv bleiben. Wir schaffen das. Tschakka!! 😉

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  2. Hallo, ich hatte schon bei Frau Mutter geschrieben und da deinen Beitrag gelesen. Ich komme aus einer Generation, in der es quasi noch fast gar keine Kinderbetreuungsmöglichkeiten gab. Da ich auf dem zweiten Bildungsweg studierte, hatte ich meinen Kinderwunsch immer wieder aufgeschoben. Ich konnte mir nicht vorstellen, Beruf , Studium und auch später nur Beruf mit Kindern vereinbaren zu können. Letztendlich habe ich mit 42 Jahren auf den letzten Drücker meinen Sohn bekommen und bin heute in genau der Misere, die ich damals befürchtet hatte. Der Unterschied zu vor 20 Jahren ist, dass es heute zumindest Ganztageskinderbetreuung gibt. Meine Freundinnen und Bekannten von früher beneiden mich darum. Sie mussten ihren Beruf noch teilweise ganz aufgeben. Da ich im Personalbereich bin und öfters in Vorstellungsgesprächen sitze, wundere ich mich immer wieder was von Frauen im Gegensatz zu Männern erwartet wird. Auch stelle ich fest, dass viele Mütter sich unter Wert verkaufen und sich immer wieder für ihre familiäre Situation rechtfertigen. Männer mit Kindern hingegen tun das überhaupt nicht. Ich wünsche dir viel Kraft für deine berufliche Zukunft. Solltest Du eine Führungsposition anstreben, wird es nicht besser. Allerdings sind deine Kinder dann auch schon größer, was es wiederum etwas erleichtern könnte. Auch hast du einen Mann, der sich viel kümmert.
    Ich denke wenn Männer genauso Elternzeit nehmen und Teilzeit arbeiten geschieht endlich mal ein Umdenken von AG Seite

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  3. Hallo, unsere Kinder gehen in die selbe Gruppe, sei gegrüßt…, ich studiere zwar nicht wie die vor mir geschriebenen, aber ich habe 2 Firmen und irgendwie auch noch die Hoffnung auf ein klitzekleinesbisschen eigenes Leben… Auch wir haben zum Glück einen großartigen Papa an unserer Seite und wenn auch nicht ständig (was auch gar nicht so gut wäre 🙂 ) Großeltern in der Umgebung, auf die wir zurückgreifen können. Den Satz, dass wir uns den Stress selbst machen kann ich schon nicht mehr hören…, denn Fakt ist, irgendwie müssen wir in dieser Gesellschaft, die nach ihren eigenen Regeln funktioniert mit schwimmen, oder untergehen…, das ist der Drahtseilakt, den wir jeden Morgen aufs Neue beginnen. Daher habe ich nicht auch wirkliche Tipps, vor allem weil ich zwar nur 1 Kind habe, er sich jedoch anfühlt wie 3 🙂 Und nein, auch wir bekommen diesen ganzen Stress auch nicht selbstverständlich hin. Selbst will man wenigstens gut sein fürs Kind, wenn nicht schon perfekt, für den Partner, für sich selbst, für die Freunde. Von Aussen, auch wenn wir es uns fest vornehmen nicht zu tun, drückt auch immer wieder diese fremde Anspruchshaltung auf uns nieder. (Mütter untereinander sind schon oft fies zueinander, obwohl sie es besser wissen müssten). Jedoch- vielleicht habe ich eine Anregung, vor allem, wenn wir sozusagen um die Ecke wohnen, wie auch noch ein Kind aus unserer Gruppe. Warum versuchen wir uns nicht mal zu sehen, dann lernen sich die Kinder auch privat besser kennen und natürlich wir uns sicher auch. Dann kann man sich dahingehend auch mal gegenseitig unterstützen. Aus der Kita mit abholen etc. … Liebe Grüße Vivien, Mama von Michael 🙂

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    1. Liebe Vivien,
      Schön, dass du auf meinen Blog gestoßen bist! Du hast vollkommen recht: „auch wenn wir es uns fest vornehmen nicht zu tun, drückt auch immer wieder diese fremde Anspruchshaltung auf uns nieder“. Und genau das ist das Problem, aber es ist ein ziemlich komplexes, denn idealerweise müsste sich ja nicht nur unsere Einstellung zu dieser Erwartungshaltung ändern, sondern um eben mitschwimmen zu können und nicht unterzugehen, wie du es so treffend formulierst, müsste sich vor allem auch diese Erwartungshaltung der Gesellschaft ändern, und das wird dann eher schwierig. Ich denke, egal wie sehr man sich vornimmt, nicht über andere zu urteilen, vergleicht man sich ganz automatisch mit ihnen, will ganz weit oben aus dem Vergleich hervorgehen, gerade in einer so sensiblen Sache wie Kindererziehung. Das erklärt auch, warum es paradoxerweise gerade andere Mütter sind, die dieses Idealbild einer modernen Mutter schaffen, an dem sie dann selbst zerbrechen: sportlich, Modelfigur, beruflich erfolgreich, aber dennoch reichlich zeitliche Kapazitäten für die Kinder, stets gut gelaunt, geduldig und gerecht, vor allem natürlich den Kindern gegenüber, sie vergisst NIE einen Termin ihrer Kinder, ist bestens organisiert und koordiniert mit größter Leidenschaft die ach so pädagogisch wertvollen Hobbies ihrer Kinder, natürlich stets ein Auge darauf, dass sie die lieben Kleinen auch nicht überfordert. Super Mom ist eine super Köchin, Bäckerin und Bastlerin; klar, dass ihre Libido auch nicht unter all dem leidet, denn sie empfindet das alles nicht als stressig…. Was früher irgendwie so nebenbei lief (jedenfalls schien doch vieles entspannter), wird heute zum Wettbewerb, und wer da nicht mitmacht (ob bewusst oder unbewusst), wird bestenfalls schief angeguckt. Schlimmstenfalls wirkt es sich vielleicht sogar auf die Kinder aus, die dann vielleicht nicht zum Geburtstag/ Spielenachmittag/ etc. eingeladen werden. Deinen Vorschlag, sich mal zusammenzuschließen und so gegenseitig zu unterstützen finde ich super! …muss nur noch gucken, was ich in der Zeit mir den anderen beiden mache…;)

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