Hilfe! Ihre Kindheit rast nur so an mir vorbei!

Neulich las ich einen Bericht von einem Vater, der seinen 3-jährigen Sohn sehr plötzlich und unerwartet aufgrund einer Hirnblutung verlor. Er plädiert nun dafür, dass man radikal jeden Moment mit seinen Kindern voll ausnutzen und genießen solle, da es ja immer auch der letzte sein könne. Man solle immer und überall Zeit zum Spielen freimachen, da nichts so wichtig wäre, als dass es nicht ein paar Minuten warten könne. Vor seinem Hintergrund aus betrachtet, klingt das natürlich einleuchtend: Hätte ich ein Kind verloren, würde ich womöglich auch denken: hätte ich mal dann und dann länger mit ihm gekuschelt, hätte ich da und da nur mal gelassener und liebevoller reagiert, hätte ich mich an den Wochenenden mal lieber nur ihm statt der Wäsche/ Steuererklärung/ meinem Blog (ähem) gewidmet. Hätte ich mal nur jeden Tag so gelebt als wäre es sein (oder mein?) letzter.

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Live everyday as if it was your last – echt jetzt?!

Prompt machte sich das schlechte Gewissen bei mir breit: Was bin ich nur für eine schlechte Mutter, die die Kindheit ihrer Sprösslinge gar nicht so richtig, ständig, tausendprozentig und voll und ganz genießen kann, weil es einfach noch sooooo viele andere Dinge in ihrem Leben gibt, um die sie sich kümmern muss. Und einiges, um das sie sich sogar kümmern will. Eine, die sich auch ganz bewusst und ganz egoistisch mal nur ihren eigenen Interessen widmet. Klar, die Zeit geht so schnell vorbei, die Kinder werden größer. Sie werden von Tag zu Tag selbständiger. Bevor man sich versieht, sind sie erwachsen. Immer häufiger ergreift mich in letzter Zeit die Panik, die Kindheit meiner Mäuse gar nicht richtig mitzubekommen. Müsste man nicht eigentlich alles andere hinten anstellen, den Job kündigen, Hobbys aufgeben,… – einfach, um auch wirklich alles, was mit der Entwicklung dieser (noch) kleinen Wesen zu tun hat, voll und ganz mitzubekommen? Diese Zeit auskosten, als ob es kein Morgen gäbe?

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Nein. Man KANN doch gar nicht so leben, als ob jeder Tag der letzte sei! Das wäre ja auch völlig unrealistisch, da er es in den allermeisten Fällen erst nach ca. 80 Jahren ist. Die Zeit, also quasi jede freie Minute, mit den Kindern voll auszunutzen bis sie aus dem Haus sind, würde ja bedeuten, 18 Jahre lang (bei mehreren Kindern entsprechend länger) nur für jemand anderen zu leben und selbst auf der Stecke zu bleiben. Viele Mütter, die ihren einzigen Lebenssinn in ihren Kindern sehen, stehen ganz schön doof da, wenn diese dann ausziehen – obwohl, bzw. gerade weil, sie ja eigentlich keine Möglichkeit mit ihnen Zeit zu verbringen ausgelassen haben, fallen sie in ein tiefes Loch. Und auch für das Kind ist es eine Belastung, so sehr zum Lebensmittelpunkt gehypt zu werden. Wie auch in jeder anderen Liebesbeziehung, ist es wichtig, dass man sich seine Hobbys und seinen eigenen Freundeskreis beibehält, eigenständig bleibt, sonst verfällt man leicht in eine emotionale Abhängigkeit – was gerade in der Elternrolle ja das genaue Gegenteil von dem ist, was man eigentlich vorleben sollte. Ich kenne selbst einige Kinder solcher Mütter, die aus schlechtem Gewissen ihnen gegenüber auf Dinge verzichten, die sie eigentlich gerne hätten: „Nein, ich kann leider nicht bei dir schlafen, weil meine Mutter nicht ohne mich einschlafen kann“, hat mal ein Kind zu meinem Sohn gesagt. Da schlägt die gut gemeinte Fürsorge  schnell ins Gegenteil um.

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Quality time statt völliger Selbstaufgabe

Bestimmt gibt es Mütter, für die es das Allerschönste ist, sich voll und ganz und ständig ihren Kindern zu widmen, und wenn sie dann den Abschied bei deren Auszug auch noch halbwegs gut überstehen, ist das ja auch alles schön und gut. Ich bin nicht so. Ich möchte, trotz Mutterschaft, mich nicht nur über die Erfolge, Erlebnisse und Misserfolge meiner Kinder definieren. Ich möchte selbst noch ein eigenständiger Mensch sein, der seinen eigenen Interessen und Hobbys nachgeht, der selbst noch Träume hat und diese realisieren möchte, für sich, und nicht erst wieder in 18 Jahren, denn auch ich werde ja nicht jünger… Ich liebe meine drei Kinder über alles, und auch ich denke jetzt schon mit Wehmut an vergangene Zeiten mit ihnen zurück, bekomme schon jetzt ein mulmiges Gefühl im Bauch beim Gedanken an die Einschulung meiner mittleren Tochter, die nächstes Jahr ansteht. Aber das ist der Lauf der Dinge. Und das ist auch gut so! Ich würde nicht wollen, dass meine Kinder für immer klein bleiben. Unsere Kinder bleiben doch schließlich immer unsere Kinder, auch wenn sie 30, 40 oder 50 sind. Und auch dann gibt es doch sicher schöne Dinge, die man mit ihnen erleben wird: Hochzeiten, ihre eigene Elternschaft, die uns dann zu Omas macht, vielleicht sogar gemeinsame Urlaube… Klar, ist das nicht das gleiche wie der erste Zahn, die ersten Worte oder Schritte, aber sicher auch ein Stück entspannter. Dennoch möchte auch ich diese allerersten wichtigen Erlebnisse, wie auch den ganz schlichten Kinderalltag, mit ihnen teilen, genießen und voll mitbekommen. Leider ist meine Zeit aber limitiert. Was also tun? Auf keinen Fall verzweifeln und sich Vorwürfe machen! Ich denke, die richtige Mischung macht´s: Quality time statt Quantity time ist das Stichwort. Dieses Wochenende werden wir etwas Tolles als Familie unternehmen, das nächste muss ich mich dann aber leider wieder dem liegengebliebenen Papierkram aus der Woche annehmen, der Papa wird sich derweil um Einkauf, Haus und Garten kümmern. Da können sie dann gern helfen, oder unter sich spielen. Wenn sie dann bei ihren Freunden spielen oder sogar übernachten dürfen und dort Spaß haben, umso besser! Hauptsache es geht ihnen gut!

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Wann komme ich endlich an?

Ich meine das jetzt nicht im Sinne von „wann sind wir da?“, sondern das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Kennt Ihr das? Ich kenne es nämlich leider nicht. Also, nicht wirklich. Klar, es gibt Momente in denen auch ich mich geborgen, glücklich, sicher und komplett fühle, aber eben nur Momente. Ich sehne mich mittlerweile mehr denn je nach diesem Grundgefühl des Angekommenseins. Aber bei uns ist momentan wieder mal so viel los, dass das wohl leider vorerst noch ein Wunsch bleiben wird. Irgendwie ist immer ziemlich viel los bei uns. Die letzten zehn Jahre sind vergangen wie im Flug und es ist sooo viel passiert wie bei anderen in der doppelten Zeit – mindestens: drei Kinder bekommen, drei Fehlgeburten erlebt, die Großeltern nebenbei gepflegt bis zu ihrem Tod, Oma gestorben, Opa gestorben, vier Mal umgezogen, Bachelor gemacht, Master fast fertig, den Nebenjob drei Mal gewechselt, angefangen zu bloggen, eine Sprache fließend und verhandlungssicher gelernt… Dass ich jetzt Mitte dreißig und Mutter von drei Kindern bin, habe ich immer noch nicht so ganz realisiert. Ich habe immer noch keine feste, sichere Arbeit, sondern arbeite als studentische Mitarbeiterin. Dieser Job ist, klar, befristet – zumindest bis ich keine Studentin mehr bin. Und das wird sein…. Tja, das ist die nächste Baustelle, die unsicher über mir hängt. Eigentlich fehlt mir nur noch eine Seminararbeit, die ich, wenn ich mich da richtig hinterklemme, locker in nem Monat erledigt haben könnte und eben die Masterarbeit. Das ist ein anderes Ding. 80 Seiten inkl. Recherche schreiben sich eben nicht mal so nebenbei. Und die Zeit, das zu priorisieren, habe ich mit dem Job, den drei Kindern, dem Umzug, der ansteht, etc., etc., gerade nicht. Ja, da ist der Umzug, der kurz bevorsteht (der vierte in acht Jahren), vorher müssen wir das Haus in das wir einziehen aber noch entrümpeln, was leichter  gesagt als getan ist. Ich könnte noch hundert weitere Dinge aufzählen, die jetzt anstehen und mindestens genauso wichtig und groß sind wie die bereits genannten, aber der Tenor ist ja der gleiche. Ich möchte endlich alles erledigt haben. Ich möchte, dass alles in Ordnung ist. Ich möchte mich entspannen können, ein geregeltes, spießiges Leben führen, kreditwürdig sein. Seit geraumer Zeit ist es bei mir nämlich so, dass ich ständig am Grübeln bin, To-Do-Listen erstelle oder abarbeite, in jeder freien Minute, wie eine Getriebene. Wenn die Kinder gerade in der Badewanne sind, wenn ich an der roten Ampel stehe, sogar wenn ich nachts kurz mal aufs Klo muss, checke ich schnell, ob nicht vielleicht doch in der Zwischenzeit eine wichtige Mail angekommen ist oder ob jemand mein Foto auf Instagram geliket hat. Das ist krank, ich weiß. Und es macht nicht nur mich sondern auch meine Umwelt verrückt. Westenddad ist echt genervt (und das ist noch milde ausgedrückt), dass ich, selbst wenn ich abends neben ihm auf dem Sofa sitze (und da er nachts arbeitet ist das ja auch nur zwei Mal pro Woche), nicht wirklich da bin, sondern immer in Gedanken woanders. Für die Kinder ist es natürlich auch nicht schön. Ich kann die Zeit mit ihnen gar nicht richtig genießen, weil ich ständig überlege, was ich jetzt „eigentlich“ tun müsste. Weil ich schon plane, was ich noch alles tun muss, wenn sie endlich im Bett sind. Umso frustrierter und nervöser werde ich da natürlich, wenn das dann nicht nach Plan läuft, weil sie immer wieder aus ihren Betten kommen, weil sie noch was trinken wollen oder noch mal auf die Toilette müssen – gern auch zwei oder drei Mal hintereinander… Im schlimmsten Fall eskaliert es dann und endet im Geschrei meinerseits, woraufhin ich mich dann nur noch schlechter, weil als komplette Versagerin und Rabenmutter, fühle.

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Ich muss gelassener werden

Ja, leichter gesagt als getan. Ich probiere es aber. Ich habe beschlossen, den Feierabend wirklich Feierabend sein zu lassen und außer essen und fernsehen nichts mehr groß zu tun. Ich muss einfach lernen abzuschalten. Ich möchte mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen, mich richtig auf sie einlassen, wirklich etwas mit ihnen machen, mich nicht immer nur wie eine Dompteuse im Raubtierkäfig fühlen, die froh ist wenn die Show vorbei ist und sie wieder weitergrübeln kann: „Kinder, essen kommen!“ „Carlos! Nein!“ „So, und jetzt alle Zähneputzen!“ „Ich zähl jetzt bis fünf, und dann sind alle Kinder in ihren Betten!“ Ich möchte wieder Spaß am Leben und an meinen Kindern haben. Im Hier und Jetzt leben, den Augenblick genießen. Wir müssen uns immer wieder klarmachen: Unser Alltag ist ihre Kindheit. Natürlich wird es immer mal hektischere Phasen geben, nur sollte das kein Dauerzustand sein. Werden sie dieses Gefühl der Geborgenheit ansonsten nicht auch mal vermissen? Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass das Gefühl des Angekommenseins vor allem aus einem selbst heraus entstehen muss, es ist eine Einstellungsfrage, die eigene innere Haltung. Ich denke, dass es nicht sonderlich von äußeren Faktoren abhängt. Das gibt mir die Hoffnung, selbst jetzt, in der wohl chaotischsten Zeit meines Lebens, „ankommen“ zu können.

Wie seht Ihr das? Seid Ihr schon angekommen?

Dieselben Eltern – ganz unterschiedliche Kinder

Jeder, der Kinder hat, vergleicht diese automatisch mit sich selbst als Kind, mit dem Partner, der Oma, dem Onkel, den Nachbarskindern… und – sehr beliebt natürlich bei Mehrfach-Eltern – miteinander! Ich staune immer wieder, wie unterschiedlich unsere drei Kinder sind. So unterschiedlich, dass man sich teilweise sogar fragt, wie sie nur von den gleichen Menschen produziert und aufgezogen werden konnten/ können. Dass sie das aber sind, bzw. werden, kann ich garantieren – davon abgesehen lässt es sich auch nicht leugnen, da muss man sich die drei nur mal ansehen. Die optische Ähnlichkeit zueinander ist frappierend! Charakterlich sieht´s da ganz anders aus. Das Gute daran, drei so unterschiedliche Kinder zu haben, ist, dass man aufhört, sich selbst für jegliches (Fehl-) Verhalten des Kindes verantwortlich zu machen: „Oh nein, ich bin eine schlechte Mutter; der Carlos hat heute im Kindergarten bestimmt nur gebissen, weil ich ihm gestern keine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen habe… Es ist alles nur meine Schuld! Wir haben als Eltern versagt!“ Naja, ganz so vielleicht nicht, aber bevor seine Schwester geboren wurde und ich merkte, dass sie sich trotz gleicher Eltern völlig konfliktfrei verhielt, befürchtete ich schon, dass das Verhalten unseres Sohnes vielleicht damit zusammenhing, dass ich ihn als er noch sehr klein war, oft mit seinem Papa allein gelassen habe, um mein Studium durchzuziehen. Typisch Frau. Typisch Mama. Wir beziehen immer alles sofort auf uns.

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Carlos – der wilde Outlaw (*01/2009): unser Ältester kann keine Minute stillsitzen, er ist ständig in action, macht Quatsch, experimentiert mit Dingen, mit denen er nicht experimentieren sollte, eigentlich macht er fast immer etwas, das er nicht tun sollte (und von dem er auch weiß, dass er es nicht tun sollte). Ganz „outlaw“ hat er so seine Schwierigkeiten damit, sich an Regeln zu halten. Er ist gerne der Klassenclown, will um jeden Preis Aufmerksamkeit. Die spanische Familie ist sich einig, dass der Papa als Kind genauso war. Carlitos ist ein echter Naturbursche, ein Macher. Das Theoretische liegt ihm weniger. Dennoch ist er sehr intelligent und hat eine schnelle Auffassungsgabe. Er teilt gerne mit anderen. Durch sein ADHS ist er impulsiv und ungestüm und hat es noch nicht so verinnerlicht, wie man sich benehmen sollte, um Freunde zu gewinnen. Beim ihm gilt zu 100%: what you see is what you get!

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Carla – die schlaue Politikerin (*05/2012): die Mittlere weiß ganz genau was sie will und wie sie es bekommt, in ihrer ganzen Art ist sie strategischer als ihr großer Bruder; erfindet schon mal Ausreden wie „meine Erzieherin hat aber gesagt ich muss vorm Essen immer Schokolade essen!“… Sie ist ihrem Alter voraus. Carla liebt es, mit ihrem Bruder herumzutoben (auch körperlich), sie ist sehr sportlich und agil. Außerdem liebt sie Süßigkeiten und Kuchen, Süßes jeglicher Art, das teilt sie dann auch nur ungerne mit ihren Geschwistern. Sie hat viele Freunde und ist stets die Anführerin, wenn es zum Beispiel darum geht, was gespielt wird. Carla kommt nicht nur optisch am meisten nach mir.

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Emma – die scheue Prinzessin (*12/2013): unser Nesthäkchen ist auf den ersten Blick ziemlich schüchtern und zurückhaltend. Sie ist hochsensibel: ein falscher Blick reicht aus und sie bricht in Tränen aus. Am liebsten kuschelt sie mit Mama, aber auch mit anderen Vertrauenspersonen. Sie braucht den Körperkontakt um sich sicher und geliebt zu fühlen. Bis heute hat sie noch keine Nacht in ihrem eigenen Bett durchgeschlafen. Spätestens gegen 1:00 kommt sie in meines. Sie ist die Ordentlichste der drei und sehr auf ihre Sachen bedacht. Anders als ihre Geschwister vergisst sie nur selten mal etwas in der Kita. Sie ist auch die Einzige, die sofort auf mich hört, wenn ich zum Beispiel ankündige, dass jetzt Zähne geputzt werden müssen. Die Großen ignorieren mich da eigentlich immer erst einmal. Emma liebt Gemüse und ist sehr verspielt. Sie kann wirklich stundenlang in Rollenspielen versinken.

Gibt´s sowas: Geburten dem Charakter entsprechend?

Wenn ich recht überlege, waren sogar die Geburten meiner Kinder ganz unterschiedlich, aber verblüffenderweise absolut ihren Charakteren entsprechend: Carlos kam ganz ungestüm und drei Tage vor dem Termin auf die Welt. Impulsiv und übermütig wie er. Passenderweise begann seine Geburt sogar mit einem Blasensprung, der Rest ging relativ schnell, war dafür aber umso heftiger; so nach dem Motto: Taaadaaaaaaaa, hier bin ich!!! Carla kam 5 Tage nach dem errechneten Termin, hatte sich also noch einmal reiflich vorbereitet… Ich bin früh morgens mit Wehen aufgewacht, die sich dann bis zur eigentlichen Geburt kontinuierlich gesteigert haben. Es ging alles sehr geordnet und nach (Zeit-)Plan – bis auf die Tatsache vielleicht, dass sie durch einen Sauerstoffmangel komplett blau und mit lila Füßen zur Welt kam… Emma kam ganz schüchtern und vorantastend sogar erst sechs Tage nach dem errechneten Termin auf die Welt. Sie brauchte wohl etwas mehr Anlauf, traute sich vorher nicht. Bei der Geburt verließ sie dann wohl auch der Mut: ich wachte gegen 5:00 auf mit Wehen, wie bei Carla, fuhr ins Krankenhaus und dort angekommen war… nichts… erst ab 17:00 wurden die Wehen dann endlich (ja, endlich, denn ich wollte mein Kind doch nun endlich haben) stärker. Um 20:15, pünktlich zum Fernsehprogramm, war sie dann da!

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Was beobachtet Ihr bei Euren Kindern? Sind sie auch so unterschiedlich wie meine oder sind sie sich doch ähnlicher? Seht Ihr eine Parallele zwischen Schwangerschaft/ Geburt und dem Charakter Eurer Kinder?

 

Familiendrama Erbschaft oder bei Geld hört die „Freundschaft“ auf

 

Davon, dass Erbschaftsstreitigkeiten schon die besten Familien auseinandergetrieben haben, hat man oft gehört, aber dass es einen selbst einmal treffen kann, damit rechnet man nicht. Jetzt hat es uns aber getroffen. Da ich momentan leider an nichts anderes mehr denken kann, war das heutige Thema unvermeidlich. Mein Kopf ist gerade nicht frei für etwas anderes. Am besten, ich fange einfach mal an:

Meine Großeltern sind beide kurz nacheinander verstorben. In ihrem notariellen Testament haben sie mich, anstelle ihrer zwei Töchter (meiner Mutter und meiner Tante), nach ihrem Tod als Alleinerbin eingesetzt. Meine Mutter hat mich damals als kleines Kind zu ihnen gegeben und sie haben mich liebevoll aufgezogen, waren oft mit mir verreist und haben bis zuletzt alles für mich getan. Unsere Beziehung war entsprechend eng. Als sie dann selber erkrankten, habe ich mich um sie gekümmert. Das Verhältnis zwischen ihnen und meiner Mutter hingegen war seit ich denken kann angespannt. Meine Tante war zwar sporadisch immer mal bei ihnen zu Besuch oder hat angerufen, aber irgendwann hat auch sie sich dann gar nicht mehr bei ihren Eltern gemeldet.

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All by myself…

Die letzten Jahre mit meiner Großmutter waren nicht immer leicht. Sie war an Alzheimer erkrankt, litt zusätzlich an Depressionen und unter Angstzuständen. Sie konnte nichts mehr alleine machen, und da mein Opa es nie gelernt hatte, machten mein Partner und ich nun alles für sie und mit ihnen. Das ging von Papierkram regeln (es gab unter anderem zwei Häuser zu verwalten) über Begleitung zu Arztbesuchen bis hin zum Mittagessenkochen, Aufräumen und Einkaufen. Es machte uns Spaß, Zeit miteinander zu verbringen, aber es gab auch sehr anstrengende und belastende Zeiten. Die Krankheit meiner Oma schritt voran und ihre Launen verschlimmerten sich, sie war teilweise unausstehlich, weil sie einfach nicht mehr verstand, was um sie herum passierte. Dann wurde sie unfair und verletzend. Wir waren eingeschränkt durch sie, konnten z.B. nicht so lange im Urlaub bleiben wie wir es sonst gern getan hätten, weil wir uns um sie kümmern mussten. Ein Austauschsemester in der Nähe unserer andalusischen Familie war undenkbar. Mindestens vier Mal die Woche waren wir bei Oma und Opa und halfen und putzten und taten und machten. Wo wir anfangs noch mithalfen, machten wir jetzt alles alleine für sie und wurden zudem noch oft dafür angemeckert. Sie konnte nichts dafür, es war die Krankheit. Oma fühlte sich bevormundet, alleine hätte sie es aber nicht machen können. Statt dankbar zu sein, war sie neidisch, dass wir das, was sie nicht mehr konnte, scheinbar mit links erledigten. Unsere drei kleinen  Kinder (die sicher auch lieber etwas anderes unternommen hätten, als immer nur zu den meckernden Urgroßeltern zu gehen) nervten sie zunehmend. Auch wir waren häufig am Rande unserer Belastbarkeit. Und dennoch taten wir es gern und bereuen es nicht eine Sekunde. Selbst in den schwierigsten Zeiten gab es immer auch sehr schöne Momente, die ich nicht missen möchte! Einen Pflegedienst lehnte meine Oma kategorisch ab, erst als sie gar nicht mehr alleine bleiben konnte (mein Opa musste drei Mal pro Woche zur Dialyse), und wir es mit der Arbeit nicht anders vereinbaren konnten, ging sie, wenn Opa bei der Dialyse war, in eine Tagespflege und hasste es (und uns dafür). Es war keine leichte Zeit. Und es war eine Zeit, in der uns die übrige Familie ganz allein ließ mit dieser Aufgabe. Sie hingegen lebten munter ihr selbstbestimmtes Leben weiter vor sich hin.

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Die Geier kommen!

Nun aber, da beide (Groß-)Eltern tot sind, sind sie ganz schnell da, um ihren Pflichtteil einzufordern. Aber sie kommen nicht persönlich, dazu sind sie zu feige, sie kommen über ihren Anwalt, ganz ohne uns vorher auch nur einmal persönlich kontaktiert zu haben. Wohl um ganz sicherzugehen, dass auch ja alles mit rechten Dingen zugeht, dass alles bis ins Kleinste genauestens in den Pflichtteil hineingerechnet wird. Und statt zu warten bis das eine Haus verkauft ist (denn vorher KANN ich gar nichts auszahlen, egal ob mit oder ohne Anwalt), oder überhaupt mal zu fragen , was bei uns gerade abläuft, wie es uns geht, oder (Gott bewahre!!) ob man uns denn eventuell mit irgendetwas behilflich sein könnte, müssen wir uns nun auch noch mit den von ihnen auferlegten (und im übrigen viel zu kurz bemessenen) Fristsetzungen und anderen Forderungen auseinandersetzen. Und das Absurdeste daran: meine Tante, die mit dem Anwalt gekommen ist, hat dies nicht einmal nötig. Sie hat eine gutlaufende Firma, zwei Häuser, mehrere Autos, ein kürzlich erworbenes neues Wohnmobil… Warum also diese Machtspielchen? Selbst meine Mutter redet jetzt auf uns ein, doch bitte auch noch auf keinen Fall in das Haus in Westend einzuziehen! Warum? Na…. falls wir das auch noch verkaufen müssten, um ihnen den Pflichtteil auszahlen zu können! Man weiß ja nie…

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Ich bin echt fassungslos über so viel Berechnung und Unverschämtheit! Sehe ich das Ganze zu emotional? Nehme ich es zu persönlich? Hört bei Geld wirklich einfach die „Freundschaft“ auf? Wie seht Ihr das? Habt Ihr schon mal ähnliche Erfahrungen gemacht?

Die Kündigung für unsere Mietwohnung haben wir übrigens heute abgeschickt! 😉

Ich freue mich schon aufs Loslassen! – oder??

Meine Kinder fordern mir sehr viel ab: die zwei Kleinen sind gerade mal 3 und 4 Jahre alt, und der Größere zwar schon 8 aber durch sein ADHS ist er meist noch anstrengender als seine kleinen Schwestern. Gerade las ich den Beitrag von Stadt Land Mama über Das Ende Der Kleinkindphase und wie man dann selbst als Mama wieder mehr Freiheiten und Zeit für sich gewinnt. Viele Mütter schrieben aber auch darüber, dass sie Probleme mit dem Loslassen (gehabt) hätten. „Ich nicht“, dachte ich daraufhin gleich, „ich werde dann zehn Kreuze machen!“ – und doch…. Wird mir das dann wirklich so leicht fallen, wenn es soweit ist? Manchmal denke ich, dass ich diese Baby-/Kleinkindzeit nur als soooooo anstrengend empfinde, und empfunden habe, weil bei mir gerade und eigentlich genau seit ich Kinder bekommen hab, extrem viel los ist. Damit meine ich, dass ich nicht „nur“ Job und Kindererziehung miteinander vereinbaren muss, sondern ich habe

Erstens: keinerlei familiäre Unterstützung – meine Mutter lebt in Köln und ist generell eine sehr, sagen wir mal, atypische Oma, die ihre Enkel auch so  nie über ein Wochenende nehmen würde – jedenfalls nicht freiwillig. Mein Freundeskreis war als ich schwanger wurde weitgehend kinderlos, die paar die Kinder hatten, waren aber auch schon allesamt weggezogen aus  Berlin.

Zweitens: genau in dem Jahr als unser erstes Kind geboren wurde, erkrankte meine Oma an Alzheimer und mein Opa wurde Dialysepatient. Da sich weder meine Mutter noch meine Tante um sie kümmerten übernahm ich es, ich tat es ja auch gerne, schließlich hatte ich schon immer ein ganz besonders enges Verhältnis zu meinen Großeltern gehabt, war ich doch sogar bei ihnen aufgewachsen!

Drittens: ich befand mich am Anfang meines Studiums bereits im 7.  Schwangerschaftsmonat, habe also das komplette Studium mit Kind, und später mit Kindern, vereinbaren müssen; seit meine jüngste Tochter in die Kita geht, kam auch noch mein Nebenjob an einer Hochschule hinzu.

Viertens: ich war schon immer ein Ausgehtyp – abends vor dem Fernseher zu sitzen und quasi durch Kinder oder was auch immer ans Heim gebunden zu sein, widerspricht meiner Natur! Vielleicht klingt das narzisstisch, aber ich denke schon, dass häusliche Typen sich mit dieser Umstellung leichter tun.

Fünftens: die lieben Kinder selber, klar jedes ist mal anstrengend, es gibt Phasen… aber mein Sohn hat ADHS. Viele können sich das gar nicht vorstellen, aber es ist eine unglaubliche Belastung, denn er ist so gut wie nie ruhig und ausgeglichen. Manchmal habe ich das Gefühl, als befände ich mich täglich im Krieg gegen ihn. Therapien, auch mal mehrere pro Woche, zu denen er hingebracht und abgeholt werden muss, tun ihr übriges mit meiner knappen Zeit. Mittlerweile ist es etwas besser, aber ich erinnere mich noch gut daran, als er noch sehr klein war. Oft bin ich aufgewacht und habe schon die Stunden gezählt wann es endlich Zeit für den Mittagsschlaf ist, dann wann es endlich abends ins Bett geht. Ich habe diese Kleinkindzeit gar nicht richtig genießen können.

Sechstens: mein Perfektionismus. Ja, ich bin sehr ehrgeizig. Natürlich möchte ich auch eine gute Mutter sein und meinen Kindern eine pädagogisch wertvolle Erziehung mitgeben. Aber ich scheitere daran fast täglich. Entweder weil ich nicht die Zeit habe, ihnen jeden Abend noch eine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen, mit ihnen zu malen und zu basteln, oder weil ich einfach selber so fertig bin, Konflikte mit meinem Sohn gießen da noch zusätzlich Öl ins Feuer, dass ich statt stark und geduldig eher launisch und labil bin  und ein Tag schließlich auch mal im Gebrüll endet.

Siebtens: mein Partner arbeitet abends. Ich bin also ab 16:00 alleinerziehend.

Achtens: ich habe drei Kinder… und ich bin mit drei Kindern ab 16:00 alleinerziehend.

Ich habe eigentlich diese Baby-und Kleinkindzeit gar nicht richtig genießen können. Und manchmal frage ich mich schon, warum. Bin ich einfach anders als die anderen? Oder machen sich die anderen etwas vor? Ich liebe doch meine Kinder auch über alles, das tue ich wirklich. Aber anders als die meisten empfand ich alles einfach als puren Stress. Heute denke ich, dass dieses Gefühl nicht (nur) meinen Kindern selber, sondern vor allem auch den Umständen geschuldet war. So gut wie alles war im Umbruch, eine Baustelle: kein fester Job, Studium noch nicht abgeschlossen, Oma und Opa krank und außer mir war niemand da, der ihnen half. Es war auch niemand da, der mir half. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie meine Mutter, kurz vor der Entbindung meiner zweiten Tochter zu mir sagte, ich sähe „abgespannt“ aus. Darauf zu kommen, mir anzubieten, ihren Enkel (damals war es ja sogar nur einer) mal für einen Tag zu nehmen, kam sie nicht…

Ich konnte diese Kleinkindzeit gar nicht richtig genießen. Das ist so schade, denke ich mir nun, wo sie laaaaangsaaaam dem Ende zugeht, immer häufiger, denn klar, die Kinder werden größer und selbständiger und benötigen dann keiner 24/7 Betüddelung mehr, aber dann sind sie eben auch … nun ja, größer eben. Sie werden nie, nie mehr zwei oder drei Jahre alt sein. Sie werden nie mehr nach dem Toilettengang lauthals durch die ganze Wohnung „MAMAAAAAA, Kacka gemaaaacht!“ rufen (hoffe ich jedenfalls ;)), irgendwann kann man sie dann auch einfach mal – erst ein paar Stunden, dann sogar mal eine halbe Nacht – alleine zu Hause lassen, und brauch sich keinen Kopf mehr um irgendwelche Babysitter machen, die sie wieder vergraulen könnten, und irgendwann werden sie nicht mehr tausendmal nachts aufstehen, weil sie bitte noch mit Mama aufbleiben und Fernsehen schauen wollen, dann machen sie lieber ihr eigenes Ding. Statt dass sie mich jedes Wochenende, an dem man ja eigentlich mal ausschlafen könnte, um 7:00 morgens wecken (siehe Bild), werde ich sie erst gen Mittag wach kriegen – und so sehr ich mich darauf freue, wieder mehr Freiheit zu genießen, desto wehmütiger werde ich auch bei diesem Gedanken.

Notiz an mich: gaaanz viel Puppen spielen, malen und Geschichten vorlesen heute Abend!!!

 

10 Things I love about you…

Ja, ich geb´s ja zu: ich schreibe viel über die nervigen, stressigen, unschönen Dinge mit Euch, weil das teilweise noch ein Tabu ist, weil die wenigsten offen darüber sprechen. Ich mag es, diese Dinge klar und deutlich zu kommunizieren – auch wenn das vielleicht bei manchen aneckt. Klar, Mutterschaft ist kein Zuckerschlecken, aber selbst ICH 😉 muss zugeben, dass es auch viele sehr schöne Aspekte gibt:

  1. Ihr seid so süüüüüüß! Eure kleinen Kindergesichter, wie Ihr morgens voller Elan und Tatendrang aufsteht… (meine Kleinste, Emma, in letzter Zeit immer fragend „Was machen wir heute?“, heute mit den Worten (da sie bereits gestern Abend fragte) „JAAAAA!!!!! Wir gehen heute zum Spielplatz!!!!!“

2. Eure grenzenlose Fantasie und Kreativität: Ihr spielt in letzter Zeit immer auch mal länger und ohne zu streiten in Euren Zimmern, baut Höhlen, Burgen, und alles Mögliche; letzten Samstag – es war auffällig lange schon auffällig ruhig – schmulte ich ins Zimmer und ihr hattet ganz Mordor dort errichtet und spieltet, angeleitet vom Größten, „Herr der Ringe“ nach.

3. Eure Energie und Lebensfreude – und anders als die Großen, habt Ihr auch (noch) keinerlei Scheu, Eure Freude offen zu zeigen. Bsp.: Carla (fast 5): „Mama, was gibt´s heute zum Frühstück?“ Mama: „“Tigercornflakes.““ Carla (jubelnd): „JAAAAA!!!!! LEEEECKER!!!“ – wär bei ´nem Erwachsenen doch undenkbar…

4. Die Selbstverständlichkeit, mit der Ihr auf der Welt seid. Da gibt es keine Scheu, keine Scham, etwa wie bei den Erwachsenen, wenn sie zum ersten Mal in eine fremde Umgebung kommen, wo sie weder Kultur noch Menschen verstehen. Ihr kommt einfach und seid dann da. Wie schön!

5. Eure bedingungslose Liebe.

6. Eure Empathie, zum Beispiel als Carla Mama getröstet hat als Opa gestorben ist. Sie nahm mich in den Arm und sagte: „Nicht weinen, Mama, ist nicht so schlimm. Guck mal, jetzt ist er wenigstens bei Oma!“

7. Eure Beobachtungsgabe und wie Ihr die Großen in allem was sie tun in Eurem Spiel und in Euren Unterhaltungen nachahmt – zugegeben, das ist teilweise auch erschreckend; zum Beispiel wenn Emma (3) ihrem 8-jährigen Bruder, der mal wieder nicht aufhört, „Quatsch“ zu machen, ermahnt: „Carlos, das geeeht so nicht! Dann musst du eben ins Heim.[1]

8. Euer Durchsetzungswille, und wie Ihr immer neue, raffiniertere Strategien entwickelt, zu bekommen was Ihr wollt. Beispielsweise Carla, die mir, als letzte Chance auf etwas Süßes kurz vor dem Mittagessen, weiß machen wollte, dass ihre Erzieherin im Kindergarten auch „immer“ vor dem Essen darauf bestünde, dass die Kinder noch Schokolade kriegen.

9. Wie Ihr stets völlig unvoreingenommen auf Neues zugeht und Situationen einfach so annehmt, wie sie gerade sind. Ihr lebt im Hier und Jetzt und hinterfragt (noch) nicht alles.

10. Eure Einzigartigkeit! Egal wie klein, Ihr habt bei (relativ) gleichem Umfeld bereits so ausgeprägte, unterschiedliche Persönlichkeiten. – und dafür zu sorgen, dass sich diese individuell, gut, stark und selbstbewusst entwickeln können, das ist unsere Aufgabe als Eltern!

[1] Bitte nicht falsch verstehen:  Ich hatte das vielleicht ein Mal im Streit erwähnt, ihm danach aber klar gemacht, dass ich ihn nie weggeben würde, weil ich ihn über alles liebe, etc., etc….

Regretting Motherhood?

Mal ganz ehrlich: habt ihr es schon mal bereut, Kinder bekommen zu haben, bzw. Mutter geworden zu sein? Diese Debatte, losgetreten von der israelischen Soziologin Orna Donath in ihrer Studie, hat ganz Deutschland – na gut, vor allem natürlich die Eltern Deutschlands – letztes Jahr aufgewühlt. Aber warum dieses Thema so ein heikles sein soll, habe ich nie verstanden. Womöglich haben die sich darüber aufregenden Leute (Eltern wie auch kinderlose Individuen) Donaths Studie weder gelesen, noch sich sonst irgendwie damit befasst. Denn anders kann ich mir manche Reaktion auf dieses Thema nicht erklären. Die befragten Frauen bereuen es, Kinder bekommen zu haben. Ja. Sie lieben oder kümmern sich um ihre Kinder jedoch darum nicht minder, sie misshandeln sie auch nicht, sie tun nichts Anrüchiges, sie sind einfach ehrlich und sagen, „mit dem Wissen, was ich heute habe, würde ich mich nicht noch einmal für Kinder entscheiden“. Ist das so schlimm? Für die betroffenen Mütter bestimmt, denn sie sind todunglücklich in ihrer Mutterrolle, aber sich über diese Aussage aufzuregen, kann ich nicht verstehen. Ich finde, in unserer heutigen Gesellschaft sollte es möglich sein, solch ein Thema ehrlich zu diskutieren. Mutter sein ist nun einmal nicht (jedenfalls nicht nur und für alle) das höchste Glück auf Erden. Kinder machen einen nicht nur pausenlos glücklich. Mein Leben ist, seitdem ich Kinder habe, vor allem eines geworden: extrem anstrengend.

Das Leben mit Kind bedeutet in erster Linie Verantwortung zu tragen – nicht nur für sich, sondern für ein anderes, in den ersten Lebensjahren gänzlich hilfloses, Lebewesen. Es bedeutet, ständig Kompromisse einzugehen, seine eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen. Die Mutterrolle ist ein knallharter 24-Stunden-Job, bei dem man auch nachts stets Bereitschaftsdienst hat – nein, nicht nur in den ersten Jahren, oder gar Monaten; auch ältere Kinder haben Alpträume, aus denen sie aufgeweckt und getröstet werden müssen, werden krank und können vor Husten und Schnupfen nicht schlafen (und ihre Mamas dann erst recht nicht). Man muss seinen Körper teilen, er verändert sich – oft leider dauerhaft zum Schlechteren. Man kann sich nicht mehr einfach so mit Freunden treffen, essen gehen, mal ins Kino, oder einfach mal nach der Arbeit entspannen und nichts tun (außer vielleicht sich sein Lieblingsessen zu kochen und es sich auf dem Sofa mit alten Sex and the City – Folgen gemütlich zu machen. Ach ja, das waren noch Zeiten. Von heute aus betrachtet der pure Luxus!). Wenn ich heute nach einem stressigen Arbeits- (und oft noch Uni-) Tag meine Kinder abhole, geht der Stress für mich erst richtig los! Selbst „schöne“ Dinge, wie am Sonntag über den Flohmarkt schlendern, arten mit Kind(ern) schnell in Stress aus: eins rennt dahin, das andere dorthin, das dritte weint, weil man ihm sein anvisiertes Spielzeug nicht kaufen möchte. Das ist so frustrierend, dass man solche Ausflüge dann lieber sein lässt, wenigstens bis die Kinder etwas älter sind. Aber was wird bis dahin? Meine sind gerade mal drei, vier und acht. Man kann sich doch nicht die nächsten 5 Jahre zu Hause einschließen…

Ein weiterer Aspekt, den ich vorher nicht kannte, ist das ständige Gefühl der Fremdbestimmung. Ich schaffe nichts mehr, weil ich ständig parat stehen muss. Ich muss eine wichtige Arbeit fertigstellen / möchte gerne für meinen Blog schreiben / mein seit Sommer noch nicht fertiggestelltes Bild weitermalen /…, kann ich aber nicht, weil gerade Wochenende ist und ich für die Kinder da sein muss, also mache ich einen Ausflug mit ihnen, die Arbeit (bzw. die anderen Tätigkeiten) ständig im Hinterkopf. Ich bin unzufrieden, gereizt. Das ist natürlich weder gut für mich noch für die Kinder, denn die spüren meine Unzufriedenheit ja auch. Würde ich nun aber meine Arbeit machen und sie sich überlassen (z.B. beim Freispiel in ihrem Zimmer, oder auch mal beim Fernsehen – Oh Horror!), dann würde sich ein anderes, nicht minder negatives Gefühl bei mir breitmachen und mir die Arbeit vermiesen: das schlechte Gewissen.

Das schlechte Gewissen ist ein guter Bekannter einer jeden modernen Mutter. Der ständige Begleiter derer, die sich nicht ausschließlich um Kinder und Haushalt kümmern will oder kann. Irgendetwas kommt einfach immer zu kurz im ewigen Alltagskarussell von Kind, Karriere, Haushalt, Partnerschaft, eigenen Interessen; meist sie selber, obgleich sie sich darüber die wenigsten Gedanken macht – hauptsächlich sorgt sie sich um ihre Kinder, also darum, dass sie als Mutter nicht gut genug sein könnte. Sollte etwas mal nicht so optimal in der Entwicklung des eigenen Kindes laufen, sucht die Mutter zu allererst den Fehler bei sich, bzw. in ihrer Erziehung, gibt sich „die Schuld“ und macht sich Vorwürfe. Das ist belastend, gerade für moderne ambitionierte Perfektionistinnen.

Nun ist jeder Mensch anders. Einige Frauen sind häuslicher als andere. Ich bin immer schon ziemlich aktiv gewesen, war immer mehr unterwegs als zu Hause, bin oft essen gegangen, mehrmals die Woche mit Freunden Cocktails trinken. Obwohl ich das „Partymachen“ an sich nicht vermisse, vermisse ich natürlich gewisse Freiheiten. Die Umstellung, die ich als Mama vollziehen musste, war bei mir also sicher größer als die einer Frau, deren Traum es von klein auf gewesen ist, mal zu heiraten und Kinder zu bekommen. Ich habe als Kind nicht einmal mit Puppen gespielt – Barbies mal ausgenommen. Meine Kollegin (bislang kinderlos) hat mir neulich von ihrem Abend erzählt, als sie gestresst von der Arbeit nach Hause kam und spontan mit ihrem Liebsten ins deutsche Restaurant gegenüber Bier trinken und Haxe essen gegangen ist. Genau diese Kleinigkeiten vermisse ich! (Wer nun meint, ich könne ja auch mit Kindern essen gehen, der hat höchstwahrscheinlich keine. Auswärts essen mit drei kleinen Kindern entspricht nämlich in etwa einem Genuss- und Erholungsfaktor von -8.) Jede Minute der Woche ist bei mir durchgetaktet, alles dreht sich um meine Verpflichtungen, Arbeit, ist stressig.  Wenn ich mal etwas ohne Kinder unternehmen will, muss das im Vorfeld geplant werden und kostet viel Geld. Manche Dinge, wie etwa ein Auslandssemester einzulegen, sind leider gänzlich undenkbar. Auch Kurztrips werde ich künftig meiden, denn aus Erfahrung gebe ich da einfach mehr Geld aus und habe mehr Stress als zu Hause. Mein lang ersehnter New York-Trip wird da wohl noch ein paar Jährchen warten müssen… Manchmal bekommt man da schon Beklemmungen, fühlt sich eingeengt und fragt sich, warum man nur Kinder bekommen hat, oder manchmal auch, warum man denn gleich drei Kinder bekommen musste?

Bin ich zu egoistisch? Vielleicht, aber wenigstens stehe ich zu meinen Bedürfnissen und habe mich nicht selber total aufgegeben. Wahrscheinlich ist es sogar genau dieser gesunde Egoismus, der mich bis jetzt vor einem Burnout bewahrt hat. Ich will eben alles: Kinder, Karriere, Partnerschaft, reisen, malen, bloggen, Freunde treffen… Ich weiß, dass das viel ist, ich spüre oft, dass das zu viel ist, ja nahezu unmöglich. Ich gehe täglich an meine Grenzen und über diese hinaus, und merke auch, dass das ungesund ist. Ich lebe wortwörtlich immer am Rande des Wahnsinns: ich schreibe, ich habe einen Job, ich bin gerade dabei, meinen Master abzuschließen, ich habe einen Opa, um den ich mich kümmern muss, einen Haushalt, den ich führen muss, eine Partnerschaft, die durch den ständigen Stress natürlich meist zu kurz kommt, und natürlich meine drei Chaos-Kinder, die ich trotz, oder gerade wegen, ihrer Lebendigkeit, ihres Temperaments und ihrer Unerschrockenheit über alles liebe.

Würde ich mich also, vor diesem Hintergrund und mit dem Wissen, das ich heute habe, noch einmal für meine Mutterschaft entscheiden?

Ganz ehrlich? Abso-fuckin´-lutely!!*

*um es mal mit Mr. Big´s Worten zu sagen. 😉

Ich bin eine Getriebene

Seit ich Kinder habe, habe ich keine ruhige Minute mehr. Ständig bin ich am Machen und Tun, am Spielen, am Kochen, am Baden, am Kuscheln, am Trösten, am Meckern, am Abholen,…..

Und das Merkwürdige ist, wenn die Kinder mal nicht da sind[1] (und ich mal weder in der Uni noch bei der Arbeit, noch bei irgendeinem Termin bin), kann ich mich auch nicht entspannen! Dann bin ich wie besessen davon, die Zeit „zu nutzen“ und putze die Wohnung, wasche die Wäsche, gehe einkaufen, tätige Überweisungen, schreibe E-Mails (keine privaten, sondern eher an die Hausverwaltung/ Telekom/ …) und ärgere mich über die verlorene Zeit…

Nicht mal am Abend, wenn die Kinder endlich schlafen, alle Supermärkte geschlossen sind, die Wäsche gewaschen ist, …, komme ich zur Ruhe! Dann fange ich an, mir Gedanken zu machen; über die Zukunft, über unsere teure Wohnung, die zwar nach wie vor wunderschön, aber „dank“ Staffelmiete[2] und zwei Nebenkostenabschlagszahlungsanpassungen (durch Wörter wie diese werden Übersetzer in Deutschland übrigens pro Anschlag und nicht pro Wort bezahlt File:icon wink.gif ) jetzt, nach drei Jahren, schon so hoch ist wie sie es eigentlich erst nach sechs hätte sein sollen, darüber ob wir gute Eltern sind, oder eher wie wir es werden können[3], was man mit den Kindern am Samstag unternehmen könnte (und wie ich meinen Freund davon überzeuge), und, und, und… zum Entspannen komm ich da gar nicht.

Momentan stehen Wohnungs- und Jobsuche ganz oben auf meiner Agenda. Wohnungssuche obwohl ich unsere Wohnung liebe und es einfach keine bessere für diesen, im Vergleich immer noch guten, Preis in unserer Nähe gibt, und Jobsuche obwohl ich eigentlich gar keine Zeit für einen Job hätte, denn ich habe ja schon einen und außerdem steh ich unmittelbar vor meinem letzten Mastersemester – zu tun gibt´s also mehr als genug (von kranker Oma und drei Kindern mal ganz abgesehen…). Da wäre es doch sinnvoll, ökonomischer mit meiner Energie zu haushalten und sie auf das aufzuwenden, was wirklich gerade wichtig ist, nämlich meine Hausarbeiten zu schreiben und mich auf die Uni zu konzentrieren (und auf die Übersetzerprüfung kommendes Wochenende[4]) und mich, wenn die Möglichkeit gegeben ist, einfach mal zu entspannen!

Aber ich will irgendwie immer rennen bevor ich laufen und laufen bevor ich gehen kann. Ich sehne mich mit Mitte dreißig nun mal endlich nach einem „geregelten Leben“: nicht immer nur Nebenjobs, studentische Mitarbeiten, „nebenbei“ Hausarbeiten für die Uni schreiben und Referate vorbereiten müssen, bei Einkommensangaben (wie letztens wieder für die Krankenkasse) nicht immer zig verschiedene Bezugsquellen angeben sondern eine feste. Also „schaue ich einfach mal“ (Abend für Abend), was es so für Angebote gibt und verliere mich im Netz, schreibe manchmal sogar Bewerbungen (!) – bis ich total entkräftet und geschockt feststelle, dass es schon wieder 0:00 ist und die Wäsche noch immer nicht aufgehängt in der Maschine weilt…

[1] Also eigentlich nur tagsüber wenn sie in der Schule und der Kita sind

[2] von der wir bis zur Mietvertragsunterzeichnung nichts wussten, und die wir dann nach 8 Monaten intensivster Suche eben einfach so zähneknirschend hinnahmen, um nicht 8 weitere Monate suchen zu müssen

[3] So, dass es meinen Ansprüchen genügt, wahrscheinlich gar nicht…

[4] Hatte während einer meiner „Planabende“, die Idee, mich für die Prüfung zur staatlich anerkannten Übersetzerin anzumelden, und nach bestandenem ersten Prüfungsteil folgt jetzt am Wochenende der zweite; sollte ich den auch bestehen, im Juni dann der dritte (und letzte)

Zeit der Besinnlichkeit

Wer mich auf der Straße mit meinen drei Kindern sieht, würde wohl niemals auf die Idee kommen, dass ich Probleme mit der Reproduktion (gehabt) hätte. Doch auch ich kenne die Verzweiflung und Ohnmacht, die ein vergeblicher Kinderwunsch mit sich bringt nur zu gut. In meinen schwersten, hoffnungslosesten Stunden habe ich mir geschworen, meine Geschichte für andere aufzuschreiben, um ihnen Mut zu machen und Ihnen Hoffnung zu schenken, nicht aufzugeben. Eine Geschichte wie die meine hätte mir damals sicher geholfen:

The Story of my Lives…

Als ich gerade ein halbes Jahr mit meinem Freund zusammen war, wurde ich ungeplant, jedoch in Kauf  genommen (man weiß ja, wie es zu einer Schwangerschaft kommen kann…), schwanger! Ich nahm weder Medikamente noch irgendwelche anderen Pillen, nicht mal die hochgepriesene Folsäure! (Mein damaliger Frauenarzt hatte es anscheinend komplett versäumt, mich darüber zu informieren und ich war ja noch naiv und unerfahren.) In der 18. SSW bekam ich eines Abends (nach „Kuscheln“ mit Papa-to-be) starke Blutungen. Ich fuhr ins Krankenhaus, auf dem Weg dorthin hatte ich schreckliche Angst, mein Würmchen zu verlieren, aber als ich untersucht wurde, war zum Glück alles in Ordnung, allerdings sollte ich drei Tage drin bleiben, damit sich alles beruhigt. Bei der Abschlussuntersuchung sprang das Würmchen fröhlich herum und schlug sogar zahlreiche Salti! Am 26.01.2009 wurde Carlos dann nach einem Blasensprung in der 40. SSW, nach nur  vier Stunden Wehen, spontan geboren. Mit 52 cm bei einem Gewicht von 3260g war er putzmunter und gesund. Nächsten Monat wird er 7 Jahre alt. Wie ich bereits berichtet habe, ist er ein seeeeehr lebendiges Kind und macht oft und gerne Quatsch….

Als Carlos 15 Monate alt war, wurde ich erneut schwanger. Nach anfänglichen Bedenken, vor allem dass ich nun mit zwei Kindern weniger Chancen hätte, nach meinem Studium einen guten Job zu bekommen (völliger Quatsch, wie ich heute weiß), freuten wir uns auf das Kind, welches am 30.12.2010 zur Welt kommen sollte. Bei einer Routineuntersuchung in der 10.SSW, am selben Tag an dem wir mit meinen Großeltern übers Wochenende nach Bayern fahren wollten, konnte der Arzt keinen Herzschlag mehr feststellen, allerdings war die Größe des Embryos der SSW entsprechend, so dass er noch keine sichere Diagnose stellen wollte, sondern mich für den Dienstag nach Bayern in das Krankenhaus überwies. Das Wochenende war schrecklich – diese Ungewissheit, nicht zu wissen, wie es dem Wurm in dir geht, ob er überhaupt noch lebt… Ich habe viel geweint und gleichzeitig versucht, es zu verdrängen und mich auf das Schlimmste einzustellen (es war übrigens das Wochenende an dem Lena Meyer-Landrut für Deutschland den Grand Prix gewann).

Zurück in Berlin, fuhr ich ins Krankenhaus. Obwohl ich keinerlei Blutungen hatte, wurde ich von der Aufnahme mit dem Rollstuhl abgeholt (!!). Bei der Untersuchung war kein Herzschlag festzustellen, auch an Größe hatte der Wurm nicht mehr zugelegt. Ich hatte eine „Missed Abortion“, eine „Verhaltene Fehlgeburt“. Die Mutter bemerkt nichts von der Fehlgeburt bis der Körper sie ca. 2 Wochen danach abstoßen würde, da bei dieser Variante aber teilweise Reststücke in der Gebärmutter verbleiben können, wenn sie nicht vollständig abgestoßen würde, und diese Abstoßung (vor allem ihr Zeitpunkt) natürlich auch nicht 100% planbar ist, rieten mir die Ärzte zu einer Ausschabung unter Vollnarkose. Ich willigte ein. Die Ärzte und Schwestern waren wirklich sehr lieb und einfühlsam, der Narkosearzt erzählte mir übrigens während er mich betäubte, von seiner Frau, die ebenfalls eine Fehlgeburt erlitten hatte. Als ich wieder aufwachte, war ich nicht mehr schwanger…

Mein Kinderwunsch war nun aber stärker denn je. Ich teilte allen mit, dass wir uns noch „eine kleine Emma“ für unseren Carlos wünschten, und probierte mit allen Tricks, schnellstmöglich wieder schwanger zu werden. (Zykluskalender haben übrigens immer besonders gut funktioniert!) Schon bald war es wieder soweit: Bereits im September 2010 hielt ich einen positiven Test in der Hand! Ich plante, ein Buch über die Schwangerschaft zu schreiben, nach Art des „Mami Buchs“, und so machte ich das erste Foto von meinem Bauch. Überglücklich erzählte ich auch gleich (fast) jedem von meiner Schwangerschaft. Ich nahm fleißig Folsäure und Schilddrüsentabletten (mein Wert lag bei 2,7; bis 4 sei normal, die Geburtsmediziner empfinden aber einen Wert um 1 herum als optimal). Ich fühlte mich gut, doch dann, wieder in der 10.SSW, bekam ich eines Abends leichte Bauchschmerzen, ähnlich wie Regelschmerzen. Ich dachte mir nichts Schlimmes dabei und ging ins Bett. Um ca. 6:30 wachte ich mit starken Blutungen auf. Ich hatte Angst und fuhr sofort mit dem Taxi ins Krankenhaus, mein Freund blieb bei Carlitos. Nach der ersten Untersuchung stellte man fest: das Kind lebte!!! Das Herzchen schlug und es winkte sogar in die Kamera, bzw. in den Ultraschallkopf. Zwar blutete ich immer noch stark aber ich verspürte eine erste Erleichterung und Hoffnung. Ich dachte, es wäre eine Blutung wie damals bei der Schwangerschaft mit Carlos, nur noch heftiger. Dann wurde ich auf ein Zimmer gebracht und sollte mich schonen. Ich war die ganze Zeit bei meinem Kind, sprach ihm Mut zu und dass es sich doch bitte, bitte ganz doll festhalten solle. Die ganze Zeit wartete ich auf das Abklingen der Wehen, doch sie hörten nicht auf, wurden immer stärker. Ich klingelte sogar mehrmals nach der Schwester (was ich sonst wirklich nie tue!), als sie mich nach meinem Schmerzempfinden auf einer Skala von 1 (wenig Schmerz) bis 10 (unerträglicher Schmerz) fragte, antwortete ich mit „elf“. Nach erneuter Gabe von Schmerzmitteln, die aber nicht halfen, lag ich wieder allein mit meinen Krämpfen auf dem Zimmer, meine Gedanken beim Kind. Nach einer Weile kam die Krankenschwester wieder und teilte mir mit, ich solle mich schon mal mit dem Gedanken „anfreunden“, dass es mein Kind nicht schaffen würde, und dass ich doch meinen Partner anrufen und zur Unterstützung kommen lassen soll, und ob ich eine Beerdigung für das Kleine wünsche, und wenn ja, welche Möglichkeiten es gäbe (an die ich mich beim besten Willen nicht erinnern kann). Ich fing an zu weinen, war völlig überfordert; gerade hatte meine Kind doch noch gelebt, mir sogar zugewunken, wahrscheinlich lebte es da immer noch, ich wollte auf keine Fall, dass es sich quälte! Kurz nachdem mein Freund eintraf, stieß ich nach einer Wehe etwas Größeres aus, traute mich aber kaum, nachzusehen. Es war mein totes Kind! Ca. 7 cm groß, aber schon alles dran, sogar jedes einzelne Fingerchen war zu erkennen. Mein Schatz und ich waren geschockt, sprachlos. Irgendwann rief er die Schwester, die das Kleine in eine Serviette einwickelte und wegtrug. Ich frage mich noch heute warum ich es nicht wenigstens geküsst habe, bevor die Schwester es in ein Taschentuch gehüllt wegnahm. Es war alles so unwirklich. Noch am selben Tag hatte ich eine Ausschabung, um sicher zu gehen, dass Nichts in der Gebärmutter verbleiben würde. Die Sammelbeerdigung (mehrere „Fehlgeburten“ in einem kleinen Sarg, etwa von der Größe eines Schuhkartons) war Ende November. Neben uns war nur noch eine andere Mutter da. Heute weiß ich warum; es war wirklich das traurigste Erlebnis, das ich je hatte und hoffentlich je haben werde! Wir hatten der Pastorin noch ein kleines Tuch gegeben, in das das Kleine eingehüllt werden sollte, sowie einen Brief „an unser kleines Engelchen“, am Grab stellten wir dann auch noch eine rosa Kerze, die ich mit Schmetterlingen beklebt hatte, auf (man nennt Fehlgeburten doch auch Sternen- oder Schmetterlingskinder).

Mag sein, dass es Leute gibt, denen eine solch gelebte, zelebrierte Trauer Kraft gibt und hilft, das Geschehene besser verarbeiten zu können, ich gehöre aber definitiv nicht dazu! Mir raubt es jegliche  Kraft und macht mich nur traurig. Mir geht es besser, wenn ich aktiv werden kann und das Gefühl habe, mein Schicksal selbst in die Hand nehmen zu können! Und so ging ich es ein Vierteljahr später an: ich wechselte von meinem Frauenarzt zu einer Praxis, die sich auf Kinderwunsch spezialisiert hat: Kinderwunschzentrum Kurfürstendamm.

Ich machte einen Termin und man entnahm sowohl mir als auch meinem Freund Blut, wir bekamen Impfungen und wurden gründlich untersucht. Sogar eine Blutgerinnungsstörung wurde im Hämostaseologicum ausgeschlossen. Alles war (angeblich) gut. Und so rechnete nun auch das Praxisteam meinen Eisprung aus – nicht nur ich mit meinem Zykluskalender. Ich bekam einen Anruf und man sagte mir, dass wir zwischen „heute und übermorgen“ mal Sex haben sollten (irgendwie merkwürdig wenn einem ein Fremder dazu rät…). Wir waren folgsam und schon im nächsten Zyklus, Anfang März 2011, war ich wieder schwanger! Der ersten Unsicherheit und Skepsis wich Freude – schließlich waren wir ja beide vollkommen gesund. Eine Fehlgeburt ist, wenn man mehrere Kinder hat, ja fast schon normal (bei einer Fehlgeburtsrate von 25%), zwei sind ein echtes Unglück, aber da wir ja auf alles Erdenkliche getestet wurden, ich mit meinem Freund bereits einen gemeinsamen, gesunden Jungen, er sogar noch  eine gesunde Tochter aus einer früheren Beziehung, hatte, begannen wir uns vorsichtig zu freuen – nun sollte unsere Emma endlich kommen!! Ich nahm Folsäure, Eisen, Thyroxin (wegen der Schilddrüse) und sollte mir (obwohl eine Blutgerinnungsstörung ja eigentlich ausgeschlossen worden war) „vorsichtshalber“ mal auch noch jeden Tag Heparin spritzen. Am 28.04.2011, ich war wieder in der 10. SSW, ging ich zu Starbuck´s am Ku´Damm, um meine Hausarbeit für die Uni zu schreiben (dort gibt es ein kostenloses W-Lan), mein Schatz ging derweil mit seinen beiden Kindern (Carlos und seiner älteren Tochter) auf den Spielplatz. Gegen Mittag fuhr ich mit der U-Bahn zu meinen Großeltern. Als ich erfuhr, dass sie schon gegessen hatten, ging ich in die Küche, um mir etwas zu kochen. Ich musste kurz auf die Toilette. Als wieder aufstehen wollte, kam auf einmal ein ganzer Schwall Blut heraus. Ich begann zu zittern, wollte es nicht wahr haben. Ich rief meinen Freund an und fuhr mit dem Taxi ins Krankenhaus. Die Blutung war sehr stark. Bei der ersten Ultraschalluntersuchung lebte mein Kind noch, doch irgendwie rutschte es immer weiter abwärts. Mein Körper schien es unbarmherzig abzutreiben. Ich erlitt meine dritte Fehlgeburt infolge. Nach der Ausschabung (ich war ja mittlerweile routiniert…) wurde ich entlassen. Ich war wie benommen, konnte es nicht verstehen. Morgens war noch alles gut: ich erwartete stolz und voller Vorfreude nun endlich meine kleine Emma, ging nichtsahnend ins Cafe um meine Hausarbeit zu schreiben, und ein paar Stunden später war ich bereits nicht mehr schwanger…  Am nächsten Tag lag ich nur weinend auf dem Sofa und sah mir die „Royal Wedding“ von Kate und William an.

Weitere Untersuchungen wurden durchgeführt, sogar ein Test, ob ich eventuell die Zellen meines Partners als körperfremd erkenne und abstoßen würde, wurde durchgeführt. Auf das Ergebnis aus einem Labor in Heidelberg mussten wir 10 lange Wochen warten. Aber als es eintraf, war auch da „alles gut“. Wir waren beide gesund, alles war unauffällig, keine Befunde… Aber woher kamen dann diese Fehlgeburten?? Einerseits freute ich mich natürlich, dass alles in Ordnung zu sein schien, andererseits blieb natürlich die Unsicherheit, wieder keinen bestimmten Grund für die Fehlgeburten gefunden zu haben, und so auch nichts gezielt gegen eine erneute tun zu können.

Auf jeden Fall brauchten wir eine „Babypause“. Wir versuchten uns abzulenken, zu uns als Paar, bzw. als kleine Familie, die wir ja schon waren (wie wir das geschafft hatten, erschien mir ein Rätsel!), zurückzukehren, es uns einfach gut gehen zu lassen und genossen unseren Spanienurlaub umso mehr: Als wir Anfang September 2011 nach Berlin zurückkehrten, bemerkte ich, dass ich wieder schwanger war. Die Gefühle reichten „von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt“. Ich freute mich, aber hatte auch riesige Angst vor einer vierten Fehlgeburt. Ich wollte nicht wieder leiden. Makaber wie es scheint, rechnete ich neben dem voraussichtlichen Geburtstermin auch den der voraussichtlichen  Fehlgeburt, nämlich um die 10. SSW, aus. Diesmal erhielt ich die volle Medikametendröhnung: neben der Folsäure, dem Eisenpräparat, dem Thyroxin (für die Schilddrüse), und den täglichen Heparinspritzen, empfahl die Ärztin aus Heidelberg uns aus der Ferne (also in Absprache mit meiner neuen Frauenärztin), zusätzlich ASS 100 und Cortison bis zur 12. SSW einzunehmen, um eine erneute Abstoßung zu vermeiden. Wir waren vorsichtig und erzählten niemandem von der Schwangerschaft. Dass ich an meinem 30. Geburtstag, am 22.09.2011, keinen Schluck Alkohol trank, begründete ich damit, dass ich Antibiotika einnehmen müsse. Da wir bereits zwei „Emmas“ verloren hatten, hielt ich mich diesmal von diesem Namen fern. Als wir in der 12. SSW erfuhren, dass es tatsächlich ein Mädchen werden sollte, sah ich meinen Schatz an und meinte ganz spontan „eine Carla“ (unser Sohn heißt ja Carlos). Erst in der 15. SSW gab ich meine Schwangerschaft „offiziell“ bekannt, trotzdem hatte ich stets Angst, das Kind doch noch zu verlieren – je weiter die Schwangerschaft voranschritt umso mehr! Insgesamt hatte ich 20 Vorsorgeuntersuchungen (bei meinem ersten Kind waren es sieben). Sogar am Tag der Geburt (5 Tage nach dem errechneten Termin – alle dachten, ich erwarte Zwillinge!!) hatte ich noch Angst, mein Kind könne tot auf die Welt kommen. Carla wurde am 18. Mai (am gleichen Tag wie ihre beiden spanischen Uromas!) 2012 um 13:25 (nach knapp acht Stunden Wehen) geboren, wog 4200g und war 57 cm groß! (Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich eine PDA evtl. in Betracht gezogen…) Es ist zwar alles gut gegangen, aber Carla kam blau, ihre Füße sogar lila (!) zur Welt. Das Fruchtwasser war grün. Das alles deutete wohl auf Sauerstoffmangel beim Kind unter der Geburt hin, teilte uns die Hebamme mit… Umso dankbarer waren wir, dass wir schließlich doch noch ein zweites (lebendes) Kind bekommen hatten!

Wir waren glücklich! Mit Carlos und Carla, einem Jungen und einem Mädchen, schien unser Familienglück komplett. Mit einem 3-Jährigen und einem Baby hatten wir alle Hände voll zu tun, hinzu kam mein Studium (bei Carla nahm ich kein Urlaubssemester, schraubte nur die Lehrveranstaltungen runter), ein Nebenjob in der Firma meiner Tante und die Ankündigung einer „Luxussanierung“ unserer damaligen Wohnung. Da wir  uns die Miete nach der Sanierung nicht hätten leisten können (mal eben das Doppelte der bisherigen Miete), mussten wir auch noch umziehen. Wir suchten knapp ein halbes Jahr und als wir endlich etwas gefunden hatten, begannen wir zu renovieren – Carlos und Carla immer mittendrin J. Am 27.03.2013 war der Umzug, am 28.03. packten wir Kisten aus, bauten Regale auf, am 29.03. kam uns Rosario, die Halbschwester meiner Kinder, besuchen und schlief bei uns. Am 30.03. fragte ich mich das erste Mal, ob ich nicht schon längst meine Tage hätte bekommen müssen… Am 31.03. (Ostersonntag) waren wir wie immer bei meinen Großeltern, am Ostermontag fuhr ich in die Notapotheke und besorgte mir einen Schwangerschaftstest. POSITIV! Ich war geschockt! Mein Freund reagierte souveräner als ich, nach dem Motto, wenn es so sein soll, dann bekommen wir eben noch ein Kind. Ich aber wusste nicht, ob ich nun lachen oder weinen sollte. Schnell überwog natürlich die Freude und so gingen wir´s erneut an: die gleichen Medikamente wie bei Carla, die gleiche Angst, Unsicherheit, etc. Ich hielt die Schwangerschaft bis zur 16. SSW geheim – obgleich alle bemerkten, wie sehr ich doch zugenommen hatte ;). 4 Tage nach dem errechneten Geburtstermin war es dann endlich soweit: Am 09.12.2013, um 20:13 (rechtzeitig zum Abendprogramm) erblickte sie das Licht der Welt. Emma wollte also doch noch kommen! Sie war 54cm groß und 3660g schwer. Heute wird sie 2 Jahre alt! Sie hat sich eine Puppe gewünscht und die wird unsere Prinzessin auch bekommen…