Liebeserklärung an meine Mäuse

(Westenddad und ich sind seit zwei Tagen aus unserem 8-tägigen Paarurlaub zurück.)

Ich hätte das echt nicht gedacht – gegeben wie gestresst und genervt vom Muttersein ich oft bin – aber ich habe Euch soooo vermisst. Also gut, im Urlaub selbst ging es noch, schließlich wusste ich ja auch, dass ihr gut aufgehoben wart und es Euch gut ging, aber als ich Euch dann endlich wieder hatte, ist es mir erst so richtig aufgefallen. Ich möchte Euch nicht missen, um nichts auf der Welt ohne Euch sein. Regretting Motherhood? Absofuckinglutely not! Das heißt aber nicht, dass wir nicht mal wieder ein paar Tage, vielleicht auch mal ´ne Woche, ohne euch verbringen werden, aber es hat mir gezeigt, dass Ihr wirklich, wirklich das Allergrößte für mich seid. Ihr seid meine Babys und ich liebe Euch über alles! Ihr macht mein Leben bunter, sinnvoller und so viel schöner, lustiger, reicher und spannender. Klar, hektischer, stressiger und anstrengender natürlich auch, aber auch das ist schön. Es gehört dazu. Ihr stellt mich täglich vor neue Herausforderungen, bringt mich an meine Grenzen und oft auch darüber hinaus. Ihr treibt mich regelmäßig zur Verzweiflung; immer wenn ich denke, jetzt geht nichts mehr, ich kann nicht mehr, dann geht´s irgendwie doch. „It always seems impossible until it´s done“. Ihr habt einen besseren Menschen aus mit gemacht. Ihr wachst an mir und ich aber mindestens genauso an Euch! Diese ganz besondere Beziehung, die nur Eltern nachvollziehen können. Wenn es so etwas wie absolute Selbstlosigkeit gibt, dann wohl nur zwischen Eltern und Kindern. Ich würde wirklich alles für Euch geben, mein letztes Hemd, mein letztes Geld, sogar mein Leben, wenn es sein müsste.

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Die Zeit ohne Kinder hat mir aber auch so richtig verdeutlicht, wie nötig ich sie hatte, wie gestresst und ausgelaugt ich war von allem, auch (und gerade) vom Mamasein. Es war  (seit fast neun Jahren) das allererste Mal, dass mein Schatz und ich zusammen mehr als 24 Stunden ohne Kinder waren, also wieder nur als Paar funktionieren durften, uns nur uns und unseren eigenen Interessen widmen konnten. Solche Zeiten sind wichtig. Nur wenn es einem selber gut geht, wenn der eigene Akku voll ist (oder jedenfalls nicht ständig nur auf Reserve läuft), hat man Kraft, sich um andere zu kümmern. So nach dem Motto, erst muss die eigene Sauerstoffmaske/ Schwimmweste sitzen, bevor man sie seinen Kindern anlegt. Ein „gesunder Egoismus“ hat also letztendlich gar nichts mit „Egoismus“ zu tun, sondern ist einfach Common Sense.

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Man kann nur glücklich sein, wenn man es sich erlaubt, so zu sein, wie man ist, wenn man es sich gestattet, Dingen nachzugehen, die einem wichtig sind (ohne deshalb gleich ein schlechtes Gewissen zu haben), wenn man nicht nur die seiner Kinder sondern auch seine eigenen Interessen ernst- und wahrnimmt. Daher kann es auch gar kein „Patentrezept“ dafür geben, was richtig ist und was nicht: ab wann sollte das Kind in die Kita?/ (Wie lange) Sollte man es stillen?/ Sollte die Mutter zu Hause bleiben oder nicht? Wenn nicht, wie lange darf sie im Büro bleiben? Die Antworten auf diese Fragen sind so individuell wie die verschiedenen Familien selbst. Jede muss für sich selbst entscheiden. Das wichtigste ist, dass man mit seinen Entscheidungen glücklich ist und sich nicht auf irgendetwas festlegt, nur weil die Gesellschaft es so oder anders erwartet.

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Seid authentisch, nehmt Euch und Eure Interessen ernst. Nur wer mit seinem Leben zufrieden ist, wird die Kraft finden, in seiner Elternrolle aufgehen zu können.

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Auszeiten von den Kindern und warum diese so wichtig sind für „Mama und Papa“

Haushalt, Kinder, Job, Termine, Partnerschaft, etc., etc. zu wuppen schlaucht – je nachdem wie voll der eigene Akku ist – mehr oder weniger. Bei mir seit Wochen mehr… wenn man nur noch gereizt ist, sich ständig überfordert fühlt, auch nach größter Anstrengung nicht überzeugt davon ist, auch tatsächlich das Bestmögliche gegeben zu haben, dann ist ganz klar Zeit für eine Pause. Leichter gesagt als getan wenn man Kinder hat, aber keine (familiäre) Unterstützung weit und breit. Was will man denn tun? Ein einzelner Entspannungstag oder auch ein Mal abends ausgehen hilft nicht auf Dauer, wenn spätestens am nächsten Morgen die lieben Kleinen wieder auf der Matte stehen. Klar, man könnte jetzt zum Familienurlaub greifen, aber garantiert das wirklich Erholung für die gestressten Eltern?

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Oft ist Urlaub mit Kindern noch anstrengender als der Alltagswahnsinn zu Hause: ständig müssen die Kleinen beschäftigt werden, sonst tun sie ihrer Langeweile offen kund oder machen „Quatsch“, also spielt man mit ihnen, plant und organisiert Tagesausflüge, ist dabei ständig bemüht, sie auch ja im Auge zu behalten und kommt wieder nicht zu seiner eigenen wohlverdienten und so dringend benötigten Entspannung. Wer nun meint, ein Hotel mit Miniclub sei die Lösung, der solle bedenken, dass auch diese bestimmte Öffnungszeiten haben (oft nur wenige Stunden am Tag und auch nicht jeden Tag), schnell mal überfüllt sein können, von Personen geleitet werden, die vielleicht gerade kein Deutsch können, oder dass die eigenen Kinder einfach nicht dort bleiben mögen – immerhin sind es fremde Personen in einer fremden Umgebung. Beim Essen geht der Stress dann oft weiter: die Kinder drängen darauf, sich das Essen vom Büffet alleine zu holen. Erlaubt man es ihnen nicht, ist Streit und Gequengel (je nach Phase evtl. sogar Geschrei) vorprogrammiert, erlaubt man es ihnen, ist man stets dem Herzinfarkt nahe – bitte, bitte, lass nichts herunterfallen, drängle dich nicht vor, fasse nichts mit den Fingern an, probiere nichts, was du, weil du es nicht magst, wieder auf das Büffet zurücklegst…. Erholung sieht anders aus. Und selbst wenn man nach dem ganzen Stress noch genügend Energie hätte, am Abendprogramm teilzunehmen, ist das mit Kindern so gut wie ausgeschlossen, weil sie erstens ins Bett müssen und zweitens, selbst wenn man sie im Urlaub länger aufbleiben lässt, müde sind – und wir wissen alle, wie unsere Kinder drauf sind, wenn sie müde sind…

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Was kann man also tun, um seinen Akku wieder aufzuladen? Ganz klar: man muss sich eine längere Auszeit schaffen. Mit länger sind nun nicht gleich drei Wochen am Stück gemeint, aber vier Tage sollten es schon mindestens sein. Die meisten Familien haben das Glück, auf Omas und Opas / Tanten und Onkel zurückgreifen zu können, wenn nicht, kann man vielleicht sogar eine liebe Freundin fragen. Notfalls könnte man anbieten, im Gegenzug mal eine Woche ihr Kind zu nehmen (wenn es nicht gerade in der Ferienzeit ist, und es vielleicht sogar auf die gleiche Schule/ in die gleiche Kita geht wie der eigene Nachwuchs, dürfte die Organisation ja auch nicht zu schwer werden). In dieser kinderlosen Zeit kann man dann tun und lassen was man will und sich mit dem Partner noch mal wie vor den Kindern fühlen. Ob man nun vereist oder sich zu Hause etwas Gutes tut, extrem wichtig ist, dass man diese Zeit als Paar nutzt, da man sich im Alltag schnell entfremdet: alles andere ist da oft wichtiger als die eigene Beziehung, die dann auf der Strecke bleibt. Warum sie das aber gerade nicht sollte, ist einfach: man muss sich immer klarmachen, dass es im Endeffekt der Partner ist, mit dem man (im Idealfall) den Rest seines Lebens verbringen möchte. Als Mama und Papa definiert man sich nur über seine Kinder, für einen selbst ist man hauptsächlich ein Liebespaar – und das auch lange nachdem die Kinder mal ausgezogen sein werden. Ein schlechtes Gewissen den Kindern gegenüber ist da fehl am Platz, denn auch sie können doch von glücklichen, zufriedenen, ausgeglichenen Eltern nur profitieren!

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Warum haben wir eigentlich immer ein schlechtes Gewissen?

Es ist doch zum Verrücktwerden: Wir Mamas haben IMMER ein schlechtes Gewissen. Aber warum ist das eigentlich so? Sehen wir die Mutterschaft als eine Art Wettbewerb an? Oder denken wir wirklich, unsere Kinder könnten leiden, wenn sie mal todmüde bereits im Auto einschlafen? Oder auch mal ne TK-Pizza serviert bekommen? Oder mit zwei verschiedenen Socken durch die Gegend laufen? Geht´s ihnen schlecht, wenn man zu Hause nicht immer vom Boden essen könnte? Wenn ihre Bettwäsche ungebügelt ist? Wenn sie nicht ausschließlich mit Holz- und Lernspielzeug spielen dürfen sondern auch mal Tablet oder Play Station? Wenn der Geburtstagskuchen nicht selbstgebacken ist?

Nein.

Kindern ist sowas nämlich total egal. Auch deren Freunde. Die sehen/ merken soetwas gar nicht. Weil sie nicht darauf achten. Weil es nicht wichtig ist.

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Was wirklich zählt, ist die menschliche Beziehung

Ein Kind ist nicht beliebt oder unbeliebt, weil seine Eltern Elternsprecher sind (trotzdem danke an alle, die diesen Posten freiwillig übernehmen!) oder jedes Wochenende mit ihm zum Chinesischkurs rennen. Ein Kind ist dann beliebt, wenn es Spaß macht, mit ihm zu spielen, wenn es gute Ideen hat, kreativ ist, umgänglich und fair zu anderen. Gleiches gilt für die Erwachsenen. Jemand, der perfekt scheint, wirkt unnahbar, unmenschlich. Im besten Fall wird er bewundert, im schlechtesten zum Außenseiter. Wir dürfen unperfekt sein! Warum also machen wir Mütter uns immer so einen Stress? Haben wir nicht so schon genug zu tun? Klar, wir wollen alles richtig machen, nur das Beste für unser Kind. Mütter, die das wirklich alles so perfekt hinkriegen wie es nach außen scheint, gibt es doch gar nicht. — Oder doch?! Ich bin jedenfalls nicht so. Respekt und Hochachtung an alle, die dies tatsächlich schaffen! Dennoch – anstatt sich nun schlecht zu fühlen, weil man keine von diesen perfekten Müttern ist (mir kommt gerade unweigerlich „The Wives of Stepford“ in den Kopf), müssen wir uns klarmachen, dass das alles nicht wichtig ist (genauso wie 5 kg mehr oder weniger auf den Rippen). Es ist egal! Es klingt beinahe abgedroschen, aber das wichtigste ist, dass wir authentisch sind und eine wahrhafte Beziehung mit unserem Kind eingehen, ihm zuhören, es ernst nehmen. Wie gesagt, wir dürfen unperfekt sein! Es ist vielleicht sogar besser so – man stelle sich sonst unser Kind im Erwachsenenalter vor, wie es am Streben nach dem Perfektionismus, den seine  Mutter ihm stets vorgelebt hat, zerbricht…

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Lebe lieber unperfekt – aber glücklich!

Wir sind Menschen und unsere Kinder dürfen – nein, müssen! – das mitbekommen. Shit happens – obwohl wir das am liebsten und unter allen Umständen vermeiden würden. Ein vergessenes Schulbrot ist kein Weltuntergang. Unser Kind wird nicht verhungern. Es bedeutet nicht, dass wir schlechte Eltern sind. (Vielleicht gerade etwas überfordert und verplant.) Es heißt nicht, dass wir unsere Kinder weniger lieben. Warum sind wir immer so hart zu uns selbst – und komischerweise zu anderen Müttern? Müssten wir nicht „Verbündete“ sein? Uns gegenseitig unterstützen? Mutterschaft ist doch kein Wettbewerb. Dennoch habe ich oft das Gefühl, dass sich Mütter untereinander vergleichen;  sich minderwertig fühlen, wenn anderen etwas besser gelingt als ihnen selbst, sich erleichtert freuen, wenn anderen (auch mal) ein Missgeschick passiert. Warum ist das so? Weil Mütter unsicher sind in ihrer Mutterrolle. Deshalb wird sich an anderen gemessen und sich mit ihnen verglichen. Anders als noch vor dreißig Jahren, wird das Thema Kind und Kindererziehung geradezu gehypt. Es gibt zahlreiche Ratgeber, die diversesten Theorien, die verschiedensten Fördermöglichkeiten. Da ist es schwer sich zu entscheiden. Und wie muss die perfekte Mama überhaupt sein? Berufstätig und finanziell unabhängig? Die perfekte Hausfrau und Köchin und immer für das Kind (auch physisch) da? Einfühlend, kompromissbereit und emotional? Die toughe, aber stets liebevolle Leitwölfin? Öko und Natur Pur oder doch lieber stylish und schickimicki? Alles auf einmal?

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Wir sollten einfach wir selbst sein

Genauso wie wir sind, ist es gut und richtig für unsere Kinder (Stichwort Authentizität!). Wir dürfen sogar Fehler machen. Wir dürfen auch mal ausrasten. Und selbst wenn wir es nicht „dürften“ – es passiert. Wir sind Menschen. Das wichtigste ist, wie wir damit umgehen. Anstatt an unserem (menschlichen Fehl-) Verhalten zu zerbrechen und uns tagelang die schlimmsten Vorwürfe zu machen, sollten wir uns ehrlich und aufrichtig bei unseren Kinden dafür entschuldigen, zugeben, dass wir einen Fehler gemacht haben, ihnen unsere Liebe versichern und ihnen erklären, wie es dazu kommen konnte/ was genau uns so auf die Plame gebracht hat. Sie werden uns verstehen und viel schneller vergeben als wir uns selbst, denn auch sie sind Menschen – kleine Persönlichkeiten mit einer viel gesünderen Einstellung zum Leben. Sie sind nicht nachtragend, und sie lieben uns bedingungslos. Für sie sind wir die besten Mamas der Welt. Immer.

Vom andalusischen Lifestyle und dem Leben im Hier und Jetzt

Der Alltag hat uns wieder. Der Sommer ist vorbei. Erst einmal möchte ich mich für meine lange Abwesenheit entschuldigen. So war das nicht geplant! Ich hatte mir eigentlich vorgenommen (und mich darauf gefreut!) im Urlaub noch viiiiieel mehr zu bloggen als sonst, weil ich dort endlich mal Zeit dafür haben würde, aber dann… ja, dann kam irgendwie alles anders: mehr als gelegentlich Fotos posten, war nicht drin: der Körper verfiel bei Temperaturen um 40 Grad im Schatten ganz automatisch in den Urlaubsmodus. Der deutsche Alltag war ganz weit weg – nicht nur was die physische Distanz angeht. Ich kann die Spanier und ihr Bedürfnis nach Siesta echt verstehen, genauso wie die vielen unfertigen Baustellen (ok, dass die nicht nur der Hitze im Sommer als vor allem auch der finanziellen Lage der Region geschuldet sind, blende ich mal aus), ich verstehe, warum die Schulen dort ganze drei Monate Sommerferien haben: Bei diesem Wetter KANN man gar nichts anderes machen als faul im Schatten zu liegen, am besten mit einem kühlen Getränk in der Hand.

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Schön war´s

Und lang. Eine echte Auszeit vom durchstrukturierten Alltag. Keine Termine, kein Zeitdruck, nichts! Entsprechend unorganisiert waren wir teilweise: die Kinder badeten (abgesehen vom Pool und Meer) so gut wie nie, anstatt sie abends zu einer „zivilisierten“ Uhrzeit unter Protest ins Bett zu bringen, tobten und spielten sie mit ihren vielen spanischen Cousins und Cousinen und Freunden bis spät in die Nacht und schliefen zufrieden vor Erschöpfung meist auf dem Sofa ein, während wir Erwachsenen im Garten zusammen saßen, uns unterhielten, lachten, aßen und tranken, bis auch wir in den frühen Morgenstunden müde aber glücklich ins Bett fielen. Wir hatten endlich mal Zeit für uns. Keine Hektik. Wir hatten dieses Mal ein Haus mit Pool gemietet, was ich nur jeder Familie mit Kindern empfehlen kann! Anstatt morgens schon vor dem Frühstück mit „MAMAAAA; was machen wir heute?!“ bombadiert zu werden, dann hektisch alles für den Strandtag zu packen und vorzubereiten, gingen die Mäuse nach dem Aufwachen (was auch entsprechend später stattfand) wie selbstverständlich erst einmal in den Garten und sprangen in den Pool (die Kleinste natürlich nur mit Schwimmflügeln und unter Aufsicht).

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Nach dem Frühstück unter Bananenpalmen bewegte ich mich dann ganze zwei Schritte weiter auf die Liege. Dort lag ich dann. Und las, und öffnete mir wie selbstverständlich gegen 12:00 das erste Bier (ganz ohne schlechtes Gewissen – weder wegen der Kalorien noch angesichts des Alkoholkonsums zu früher Stund´). Überhaupt war alles entspannter. Vor allem die Zeit spielte keine Rolle.

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In Andalusien ticken die Uhren anders

Während unseres Aufenthalts fand im Dorf das jährliche Volksfest statt, die „Feria“. Vor 0:00 lief da aber nichts – am ersten Abend fürchteten wir schon, dass sie doch nicht stattfände, da wir – anders als am Abend zuvor – weder Musik noch sonst irgendwelche Geräusche von dort vernahmen, jedoch  war es um 22:30 einfach noch zu früh. Sie öffnete erst um 0:00! Dann kamen von überall her Kinder, Omas, und gut gelaunte Eltern. Auch wir waren die drei Tage der Feria jeden Abend bis ca. 3:00 mit unseren vier Kindern dort. Man passt sich ja an… Die Uhren schlagen dort einfach anders. Dass es um 19:30 dort Kaffee und Kuchen gibt: ganz normal! Das Abendessen findet nie vor 22:00 satt, eher so gegen 23:30. Und die Kinder dürfen so lange aufbleiben wie sie wollen. Laut tobende Kinder bis um 2:00 oder 3:00 morgens sind in Andalusien völlig normal im Sommer!

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Entschleunigung ist das Stichwort

Es lebt sich dort irgendwie leichter – nein, das kam uns nicht nur so vor, weil wir im Urlaub waren –  auch an unserer spanischen Familie sehe ich das. Sie sind zufrieden und leben im Hier und Jetzt. Sie sind nicht reich, aber sie haben alles was man braucht, um gut zu leben: ein Dach über dem Kopf, den Strand um die Ecke, gesunde Kinder, ein Auto, genügend Essen und Trinken, ein paar Tage Urlaub im Jahr und die meisten von ihnen sogar Arbeit. Es sind zwar keine klassischen Traumjobs, denen sie nachgehen, aber ausreichend, um die Rechnungen zu bezahlen. Sie leben nicht um zu arbeiten, sondern arbeiten um zu leben. Sie haben nichts Besonderes, aber doch das Einzige, was wirklich zählt: Sie haben sich! Und sie lieben sich. Und sie genügen sich. Und sie sind zufrieden. Das ist doch tausend Mal wertvoller als dieses ständige Streben nach höher, weiter, schneller.

 

Kinder, es ist Sommer!

Ich liiiiiiiiiebe den Sommer! Auf Regen und Schnee hingegen könnte ich gut verzichten. Ich würde sogar ein Weihnachten unter Palmen der weißen Weihnacht vorziehen, wenn ich mich entscheiden müsste. Urlaube müssen bei mir immer etwas mit Sand und Strand zu tun haben. Skiurlaube reizen mich gar nicht. Meinetwegen könnte das ganze Jahr über Sommer sein! Die Vorteile fangen schon beim morgendlichen (Kinder-) Anziehen an: wo man im Winter Unterwäsche, dicke Socken, ein T-Shirt, ein dünneres Langarmshirt, einen dickeren Pullover, Leggins, eine dicke Hose, sowie Winterjacke, Schal, Mütze und Handschuhe (bei mir kommt einer stets gleich am ersten Tag abhanden) benötigt – und das bei drei Kindern alles mal drei – reicht im Sommer eine frische Unterhose und ein Sommerkleid. Nicht einmal Strümpfe sind in den Sandalen notwendig, wenn es so richtig schön warm ist. Darüber hinaus ist das Leben entspannter, wie ich finde, die Laune der Leute verbessert sich, sie werden offener und zugänglicher. Die Lebensqualität steigt. Urlaubsstimmung kommt auf. Man kommt morgens besser aus dem Bett, obwohl gleichzeitig die Nächte länger werden. Bis spät abends kann man im (Bier-)Garten oder auf dem Balkon das schöne Wetter genießen. Aber am besten finde ich, dass man so viel mit den Kindern unternehmen kann. Und zwar Dinge, die auch den Eltern Spaß machen.

Wir waren letztes Wochenende Erdbeerenpflücken im Berliner Beerengarten. Das war ein Supererlebnis für die ganze Familie. Eintritt kostet pro Erwachsenen 2€ (Kinder gratis!). Dort kann man sich an Erdbeeren satt essen. Alles was man mit nach Hause nehmen möchte kostet 4€ pro Kilo. Wir hatten fast 4 Kilo gepflückt. Aus einer Hälfte haben wir Marmelade gekocht, was übrigens sehr lecker und noch einfacher zu machen war: Früchte waschen, das Grüne wegschneiden, in einem Topf mit Zucker nach Gefühl und evtl. etwas frischer Zitrone einkochen bis es dickflüssig wird. Taaadaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!!!!!! Aus dem Rest hat Westenddad Erdbeermargarita angesetzt, die wir heute mit Freunden beim Video-Grill-Abend probieren werden. Ich freu mich schon! 😉

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Am Wochenende davor waren wir mit Freunden auf ihrem Boot, sind die Havel hinuntergeschippert, haben dann in einer Badebucht geankert und sind vom Boot ins Wasser gesprungen. Das war ein Spaß – nicht nur für die Kinder! Aber selbst wenn man gar nichts groß unternimmt, sondern einfach mal nur im Garten oder im Park chillt, ist es im Sommer für alle schön. Die Kinder finden schnell etwas mit dem sie sich beschäftigen, während die Erwachsenen sich auch mal entspannen können. Irgendwie habe ich das Gefühl, das Leben geht einem im Sommer leichter von der Hand, die Kinder laufen da fast automatisch nebenbei mit. Im Winter ist das alles ein viel größerer Aufwand. Bis da vor einer Unternehmung alles gepackt und verstaut ist, ist mir die Lust schon fast wieder vergangen. Davon abgesehen gibt es kaum Aktivitäten, bei denen die ganze Familie auf ihre Kosten kommt: im Legoland, Bambooland oder anderen Indoorspielplätzen gefällt es den Eltern ja oft nicht so besonders;  im Kino langweilen sich gerade jüngere Kinder sehr schnell und werden unruhig – und davon abgesehen ist das auch alles ziemlich teuer. Bei schlechtem Wetter stelle ich vor jedem Wochenende Überlegungen an, wie man die Kinder denn nur halbwegs sinnvoll beschäftigen könnte, aber die Möglichkeiten finde ich doch ziemlich begrenzt. Aber egal – es ist Sommer, also möchte ich jetzt gar nicht schon wieder an den laaaangen, kalten, dunklen Winter denken.

Hier meine Top Ten der erschwinglichen Aktivitäten für einen entspannten glücklichen Sommertag mit Kindern:

  1. Erdbeeren pflücken und danach Marmelade einkochen
  2. Picknicken im Park
  3. Enten füttern am See
  4. Zoobesuch – der Klassiker, aber immer wieder schön
  5. Karls Erdbeerhof (es gibt dort eine Menge zu entdecken und der Eintritt ist gratis!)
  6. Baden gehen: ins Freibad/ an den See/ ans Meer – je nach Geschmack und danach, wo man wohnt. Wir wohnen in Berlin, fahren aber gern mal für einen Strandtag 200km an die Ostsee nach Warnemünde – und abends sandig und mit Salz auf der Haut wieder zurück – Urlaubsfeeling pur!
  7. So simple so good: im Garten grillen und den Kindern ein großes Planschbecken aufstellen, in dem man sich bei Bedarf auch mal selbst abkühlen kann
  8. Auf den Spielplatz. Während die Kids spielen, die Sonne genießen oder mit anderen Müttern quatschen
  9. Auf dem Wochenmarkt frisches Obst und Gemüse einkaufen und dann daraus etwas zusammen kochen, bzw. Salat machen o.ä.
  10. Eis essen gehen

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Was unternehmt Ihr so mit Euren Kindern im Sommer? Geht Euch bei schönem Wetter auch alles leichter von der Hand? Und: Wie beschäftigt Ihr Eure Kinder bei schlechtem Wetter?

Wann komme ich endlich an?

Ich meine das jetzt nicht im Sinne von „wann sind wir da?“, sondern das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Kennt Ihr das? Ich kenne es nämlich leider nicht. Also, nicht wirklich. Klar, es gibt Momente in denen auch ich mich geborgen, glücklich, sicher und komplett fühle, aber eben nur Momente. Ich sehne mich mittlerweile mehr denn je nach diesem Grundgefühl des Angekommenseins. Aber bei uns ist momentan wieder mal so viel los, dass das wohl leider vorerst noch ein Wunsch bleiben wird. Irgendwie ist immer ziemlich viel los bei uns. Die letzten zehn Jahre sind vergangen wie im Flug und es ist sooo viel passiert wie bei anderen in der doppelten Zeit – mindestens: drei Kinder bekommen, drei Fehlgeburten erlebt, die Großeltern nebenbei gepflegt bis zu ihrem Tod, Oma gestorben, Opa gestorben, vier Mal umgezogen, Bachelor gemacht, Master fast fertig, den Nebenjob drei Mal gewechselt, angefangen zu bloggen, eine Sprache fließend und verhandlungssicher gelernt… Dass ich jetzt Mitte dreißig und Mutter von drei Kindern bin, habe ich immer noch nicht so ganz realisiert. Ich habe immer noch keine feste, sichere Arbeit, sondern arbeite als studentische Mitarbeiterin. Dieser Job ist, klar, befristet – zumindest bis ich keine Studentin mehr bin. Und das wird sein…. Tja, das ist die nächste Baustelle, die unsicher über mir hängt. Eigentlich fehlt mir nur noch eine Seminararbeit, die ich, wenn ich mich da richtig hinterklemme, locker in nem Monat erledigt haben könnte und eben die Masterarbeit. Das ist ein anderes Ding. 80 Seiten inkl. Recherche schreiben sich eben nicht mal so nebenbei. Und die Zeit, das zu priorisieren, habe ich mit dem Job, den drei Kindern, dem Umzug, der ansteht, etc., etc., gerade nicht. Ja, da ist der Umzug, der kurz bevorsteht (der vierte in acht Jahren), vorher müssen wir das Haus in das wir einziehen aber noch entrümpeln, was leichter  gesagt als getan ist. Ich könnte noch hundert weitere Dinge aufzählen, die jetzt anstehen und mindestens genauso wichtig und groß sind wie die bereits genannten, aber der Tenor ist ja der gleiche. Ich möchte endlich alles erledigt haben. Ich möchte, dass alles in Ordnung ist. Ich möchte mich entspannen können, ein geregeltes, spießiges Leben führen, kreditwürdig sein. Seit geraumer Zeit ist es bei mir nämlich so, dass ich ständig am Grübeln bin, To-Do-Listen erstelle oder abarbeite, in jeder freien Minute, wie eine Getriebene. Wenn die Kinder gerade in der Badewanne sind, wenn ich an der roten Ampel stehe, sogar wenn ich nachts kurz mal aufs Klo muss, checke ich schnell, ob nicht vielleicht doch in der Zwischenzeit eine wichtige Mail angekommen ist oder ob jemand mein Foto auf Instagram geliket hat. Das ist krank, ich weiß. Und es macht nicht nur mich sondern auch meine Umwelt verrückt. Westenddad ist echt genervt (und das ist noch milde ausgedrückt), dass ich, selbst wenn ich abends neben ihm auf dem Sofa sitze (und da er nachts arbeitet ist das ja auch nur zwei Mal pro Woche), nicht wirklich da bin, sondern immer in Gedanken woanders. Für die Kinder ist es natürlich auch nicht schön. Ich kann die Zeit mit ihnen gar nicht richtig genießen, weil ich ständig überlege, was ich jetzt „eigentlich“ tun müsste. Weil ich schon plane, was ich noch alles tun muss, wenn sie endlich im Bett sind. Umso frustrierter und nervöser werde ich da natürlich, wenn das dann nicht nach Plan läuft, weil sie immer wieder aus ihren Betten kommen, weil sie noch was trinken wollen oder noch mal auf die Toilette müssen – gern auch zwei oder drei Mal hintereinander… Im schlimmsten Fall eskaliert es dann und endet im Geschrei meinerseits, woraufhin ich mich dann nur noch schlechter, weil als komplette Versagerin und Rabenmutter, fühle.

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Ich muss gelassener werden

Ja, leichter gesagt als getan. Ich probiere es aber. Ich habe beschlossen, den Feierabend wirklich Feierabend sein zu lassen und außer essen und fernsehen nichts mehr groß zu tun. Ich muss einfach lernen abzuschalten. Ich möchte mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen, mich richtig auf sie einlassen, wirklich etwas mit ihnen machen, mich nicht immer nur wie eine Dompteuse im Raubtierkäfig fühlen, die froh ist wenn die Show vorbei ist und sie wieder weitergrübeln kann: „Kinder, essen kommen!“ „Carlos! Nein!“ „So, und jetzt alle Zähneputzen!“ „Ich zähl jetzt bis fünf, und dann sind alle Kinder in ihren Betten!“ Ich möchte wieder Spaß am Leben und an meinen Kindern haben. Im Hier und Jetzt leben, den Augenblick genießen. Wir müssen uns immer wieder klarmachen: Unser Alltag ist ihre Kindheit. Natürlich wird es immer mal hektischere Phasen geben, nur sollte das kein Dauerzustand sein. Werden sie dieses Gefühl der Geborgenheit ansonsten nicht auch mal vermissen? Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass das Gefühl des Angekommenseins vor allem aus einem selbst heraus entstehen muss, es ist eine Einstellungsfrage, die eigene innere Haltung. Ich denke, dass es nicht sonderlich von äußeren Faktoren abhängt. Das gibt mir die Hoffnung, selbst jetzt, in der wohl chaotischsten Zeit meines Lebens, „ankommen“ zu können.

Wie seht Ihr das? Seid Ihr schon angekommen?

Stress lass nach: lebenserhaltende Maßnahmen einer Dreifach-Mami

Wenn Leute mich fragen, was ich denn „so mache“, bekommen sie keine einfache Antwort, wie beispielsweise „ich arbeite teilzeit im Büro und habe einen Sohn“, sondern sie bekommen die volle Dröhnung, mit der sie dann kaum umgehen können. Ich sage ihnen, dass ich gerade dabei bin meinen Master abzuschließen und drei Kinder habe – da schlucken sie dann schon (ich denke, selbst wenn ich „nur“ drei Kinder hätte ohne alles andere drum herum, dann wäre das auch schon mehr als genug) – wenn ich dann fortfahre und ihnen noch von meinen mittlerweile zwei Jobs (montags bis donnerstags im Büro und freitags bei Frau Mutter) berichte, merke ich, wie sie abdriften. Das können sie dann scheinbar gar nicht mehr fassen. Nein, wir bekommen leider auch keinerlei Unterstützung von der Familie, sie wohnt nicht mal im selben Land wie wir! Dass eines meiner Kinder auch noch ADHS hat und vor Kurzem meine beiden Großeltern verstorben sind, um deren Nachlass ich mich kümmern muss, sowie um die 16 (ja, sechzehn!!!) Landschildkröten, die wir von ihnen geerbt haben, sage ich dann meist gar nicht mehr, um sie nicht völlig zu irritieren. Klar, dass ich oft gestresst und ausgepowert bin von so vielen Aufgaben und so viel Verantwortung, gebe ich offen zu, ich schreibe ja sogar regelmäßig darüber! Aber manchmal wundere ich mich selbst, dass ich noch keinen „total burn out“ erlitten habe; dann frage ich mich warum das wohl so ist – und ich denke, ich weiß es jetzt!

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Lektion Nummer 1: Freiräume schaffen für sich selbst!

Eine gesunde egoistische Grundeinstellung ist da ganz wichtig und lebenserhaltend – es heißt ja auch im Flugzeug nicht umsonst, dass man zuerst sich selbst die Sauerstoffmaske anlegen soll BEVOR man anderen hilft! Man muss zuerst sicherstellen, dass es einem selbst (einigermaßen) gut geht, bevor man stark sein kann für andere. Kleine Auszeiten sind da ganz wichtig. Ideal sind natürlich Kurztrips ohne die Kinder, aber wenn die gerade zeitlich oder finanziell oder von beidem her nicht drin sind, dann gibt es auch andere Dinge, die Mama das Leben ein bisschen versüßen, und die sich super mit Kindern vereinbaren lassen.

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Lunch im Kuchi mit meinem Schatz
Nutzt die Zeit für Euch wenn die Kinder in der Schule / im Kindergarten sind

Seid egoistisch! Nehmt euch doch einfach mal einen Tag frei, und zwar ganz bewusst wenn die Kinder im Kindergarten und/ oder in der Schule sind, und tut das, was Ihr schon lange nicht mehr getan habt, weil es mit Kindern nicht möglich, ähem, ich meine, weil es mit Kindern nicht entspannt möglich ist. Das kann zum Beispiel ins Kino gehen sein, aber nicht in die Abendvorstellung, sondern ins Matinée, wenn die Kinder sowieso noch nicht zu Hause sind. Statt abends mit dem Partner essen zu gehen, trefft Euch in der Mittagspause und geht ganz romantisch zum Lunch, bevor der Alltagswahnsinn Euch wiederhat. Oder geht mit der Freundin, die Ihr schon ewig nicht gesehen habt, brunchen statt abends in die Bar, so ist weder ein Elternteil genötigt, alleine zu Hause zu bleiben und auf die Kinder aufzupassen, noch muss Geld für einen Babysitter aufgebracht werden.

Verlegt die Dinge auf tagsüber oder wenn das wegen Eurem Job nicht machbar ist, auf nachmittags. Statt direkt nach der Arbeit die Kleinen vom Kindergarten abzuholen, nutzt die Zeit und tut etwas für Euch. Man kann auch um 15:00 ins Fitnesscenter gehen oder jemanden auf einen Kaffee treffen. Die Kinder sind nicht böse wenn sie erst um 17:00 abgeholt werden – meine sind meist so schön am Spielen, dass sie richtig enttäuscht sind, wenn ich sie mal früher abhole.

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Ich brauche Ruhe und Zeit für mich!

Was mir ganz wichtig ist, ist Zeit für mich zu haben. Wahrscheinlich wäre es manchmal besser, auch ins Bett zu gehen sobald die Kinder schlafen, um nicht immer todmüde zu sein am nächsten Morgen. Aber ich brauche diese Zeit einfach zum Abschalten, in der ich dann endlich nur machen kann was ICH will: fernsehen schauen, telefonieren, lesen, malen, bloggen, „facebooken“, „instagramen“ oder auch einfach mal ´ne Flasche Sekt alleine leeren. Auf diese Zeit bestehe ich richtig. Ich sage meinen Kindern abends auch ganz klar, wenn sie mal wieder nicht schlafen gehen wollen, dass jetzt „Mama-Zeit“ ist und Mama jetzt auch mal ihre Ruhe braucht. Das verstehen sie, und ich finde es wichtig, dass sie lernen, dass auch andere (in dem Fall eben die eigene Mutter) Bedürfnisse haben, die es zu respektieren gilt. Es klappt überraschend gut!

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Nehmt Euch und Eure Bedürfnisse ernst

Meine Freundin (und Kollegin) amüsiert sich immer darüber, wenn ich im Büro sage, dass ich heute pünktlich los müsse, weil ich einen „wichtigen Termin“ habe und sich dieser dann als einer bei der Kosmetikerin entpuppt, um meine Nägel aufzuhübschen. Ich aber habe gelernt, dass es unheimlich wichtig ist, seine Bedürfnisse ernst zu nehmen. Früher, als ich noch freitags immer frei hatte, habe ich grundsätzlich alle notwendigen Termine auf diesen Tag gelegt, so dass ich im Endeffekt freitags meist mehr am Rennen war als den Rest der Woche. Das würde ich heute nicht mehr machen. „Freitags habe ich frei“ heißt: ich habe FREI, da kann dann also kein Termin stattfinden. Ich würde mittlerweile immer alles auf den frühen Nachmittag eines Arbeitstages legen, zwischen Arbeit und Kinder abholen, notfalls vielleicht auch mal früh morgens vor der Arbeit. Man muss einfach lernen, ein gesundes Maß an Egoismus zuzulassen, denn wenn man seinen eigenen Bedürfnissen nicht nachgeht, tut es (leider meist) niemand. Oder anders formuliert: wie kann man denn von jemandem erwarten, seine Wünsche ernst zu nehmen, wenn man es selber nicht tut? Und dieses ständige Sich-Verbiegen und Seine-Eigenen-Bedürfnisse-Hinten-Anstellen frustriert und macht unglücklich, und das gibt man dann natürlich auch an seine Umwelt weiter.

Was habt Ihr für Strategien entwickelt, im Alltagschaos nicht unterzugehen?

 

Entspannt euch, Mütter!*

„Die Zahl der Mütter mit Erschöpfungssyndrom bis hin zum Burn-out, mit Schlafstörungen, Angstzuständen, Kopfschmerzen oder ähnlichen Erkrankungen ist in den letzten zehn Jahren um 37 Prozentpunkte gestiegen“1 – Oh mein Gott! Wie konnte es nur so weit kommen? Mütter sind gestresst wie nie, aber nicht, weil die Kinder heute anstrengender geworden sind als sie es in früheren Generationen waren, oder weil sie mit weniger Geld und Mitteln das Gleiche bewältigen müssen als noch vor 30 Jahren (ganz im Gegenteil!) … Nein, das Problem ist ein gesellschaftliches. Eine Gesellschaft, in der alles möglich sein muss, die von sich selbst und anderen viel zu viel erwartet. Das Problem sind wir Mütter selber!

Mütter wollen einfach alles perfekt haben, qualitativ hochwertig und stets pädagogisch wertvoll – denn so wird es ja schließlich auch von einem erwartet. Die krassen Beispiele vom Chinesischkurs in der Kita und Kinderwochen, deren Tagesabläufe bis in die letzte Minute genauestens durchgetaktet sind, kennen wir schon zur Genüge, und dass das nicht gut ist fürs Kind, wissen wir auch, weshalb wir es nicht tun. Aber da gibt es ja noch massenhaft Dinge, die das Kind sicher nicht überfordern (ob´s etwa die Mütter überfordern könnte, interessiert hier ja eh nicht), die man aber UNBEDINGT machen muss, wenn man eine gute Mutter sein will…

Der Stress, den wir uns selber machen – fangen wir mal ganz vorne an, bei der

Geburt: der Nachwuchs muss heutzutage „ganz natürlich“, ohne jegliche Schmerzmittel, zur Welt gebracht werden. Diese Entbindung muss dann als „das schönste Erlebnis ever, ever, ever“ wahrgenommen und weitergegeben werden. PDA oder gar ein geplanter Wunschkaiserschnitt sind tabu. Viele Mütter erkranken in Folge ihrer viel zu hohen und abgesehen davon völlig unsinnigen Erwartungen an sich selber an Depressionen, fühlen sich als Versagerin, wenn die Geburt nach 36 Stunden schmerzhafter, aber leider nicht effektiver, Wehen doch im Kaiserschnitt endet.

Stillen: muss man sein Kind UNBEDINGT, und mindestens bis das Kind ein Jahr alt ist! Wehe der, die das nicht hinkriegt!…

Breichen selber machen, natürlich ausschließlich aus Biozutaten, die man frisch vom Markt kauft – nein, nicht, weil es billiger ist, oder das Kind es so lieber mag, sondern weil man das einfach so machen muss!

PEKiP Kurs, Babymassage- oder auch Babyschwimmkurs sind nur einige Aktivitäten, zu denen man sich und das Neugeborene schleppen muss – egal in welchem Zustand, schließlich soll´s ja der gesunden Entwicklung des Kindes dienen!

Täglich an die frische Luft! Bei jedem Wetter! Baby ist ja meist eh schön wind- und wetterdicht im Kinderwagen verpackt und Mami … ist doch egal!

Ist das Kind dann schon älter und geht in die Kita oder in die Schule, muss auch Mami wieder arbeiten gehen. Sonst wäre sie ja wohl voll das Hausmütterlein! In der Woche noch viel zu unternehmen, geht also zeitlich nicht mehr, umso mehr müssen nun die Wochenenden verplant werden, frei nach dem Motto „mehr ist mehr“, es gilt:

An den Wochenenden muss etwas unternommen werden! Immer! Faulenzen, oder gar mal Langeweile beim Kind aufkommen lassen? Geht GAR NICHT! Man quält sich also ähnlich früh wie in der Woche beim ersten Mucks des Kleinen aus dem Bett, bereitet ein ernährungstechnisch vollwertiges Frühstück vor, schnitzt Apfelringe, die man mit auf den Spielplatz nimmt, packt noch schnell die Bio-Dinkel-Kekse ein und macht sich auf zum ersten (wer jetzt dachte, es gäbe nur eines pro Tag -oder gar pro Wochenende- hat noch keine Kinder …oder ist eine Rabenmutter!) Ausflugsziel des Tages, dem Spielplatz. Von da kann man ja per Handy ein paar Verabredungen für den Nachmittag für sein Kind (natürlich! -für wen sonst?) klarmachen. Nach dem biologisch wertvollen Mittagessen macht man sich dann auf, im idealsten Fall mit Kinds Freund/in, zum Legoland/ Zoo / Kino/ Bambooland/ Spaßbad/…, von da aus geht´s dann noch über ein Straßenfest zurück nach Hause, wo das nächste Highlight wartet: Pizza selber machen oder ähnliches, dann noch eine Kinder-DVD ansehen, Pyjamaparty mit Kissenschlacht und schließlich tot umfallen…

Da habe ich ja schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich mit meinen am Samstag mal „nur“ auf den Spielplatz gehe und danach einen Kuchen backe!

Aber so „entspannt“ wie ich jetzt vielleicht klinge, bin ich leider bei weitem nicht! Ich setze mich selber ständig unter Druck, eine „perfekte Mutter“ zu sein, habe mich durch zwei schmerzmittelfreie Geburten gequält (beim dritten Kind habe ich mir dann eine PDA setzen lassen – die letzte Geburt davor war erst 1,5 Jahre her und noch sehr präsent), alle Kinder lange gestillt, mich durch Babymassagebücher durchgeknetet (die weder Kinder noch mich sonderlich begeistert haben) und mehrere teure Babyschwimmkurse mit den lieben Kleinen hinter mich gebracht. Ich bin, so lange ich es zeitlich konnte, wirklich zu jedem (bitte nicht vergessen, ich habe drei Kinder!) Elternabend, Eltern-Kind-Basteln, Laternenumzug, Sommerfest, Weihnachtsfeier, etc., etc., gehetzt, habe anfangs dabei sogar für jede Gruppe etwas Anderes zu Essen vorbereitet und mitgebracht, mir echt einen Stress gemacht, nur damit mein Kind nicht wegen mir auf irgendetwas verzichten muss. Wie es mir dabei ging, war zweitrangig.

Abgesehen davon, besteht mein Leben (wie das der meisten Mamis) ja nicht „nur“ aus meinen drei Kindern (alle sehr lebhaft, eines davon mit ADHS): ich studiere, arbeite nebenbei noch 20 Stunden die Woche, und muss neben unserem ganzen Papierkram und Haushalt auch noch den meines Opas mit organisieren, und ab 16:00 ist Westenddad arbeiten, dann bin ich quasi auch noch alleinerziehend. Zeit für mich bleibt da fast gar nicht, weder zum Bloggen (zwinker, zwinker), noch zum Malen, noch für ´nen Mädelsabend oder sonst was. Ich bin meistens einfach nur müde und fertig, vor allem abends, wenn ich die Kinder, nach einem langen Arbeits- und/ oder Uni-Tag von der Kita und der Schule abhole, würde ich am liebsten alleine zu Hause sein, mir in Ruhe etwas zu essen machen und mich vor den Fernseher fläzen, wie ich es vor gefühlt 100.000 Jahren mal gemacht habe, bevor ich Kinder hatte. Da die Kinder abends aber auch schon eine Menge Tag hinter sich haben, sind sie dann logischerweise auch müde und oft quengelig.

Ich merke, wie ich immer leichter reizbar, dünnhäutiger und gestresster werde, je mehr ich versuchte, perfekt zu sein, und je mehr sie es nicht sind (muss ja auch keiner!), und die Konsequenz davon ist, dass ich extrem angespannt, ungeduldig, und, ja sogar aggressiv, werde und sich schließlich der ganze Druck, den ich mir selber mache, unfairerweise bei dem kleinsten „Anlass“ meinen Kindern gegenüber entlädt („nur“ verbal, versteht sich! – ist aber natürlich auch nicht gut). Folglich geht es mir danach natürlich noch viel schlechter. Nachdem ich mich dann hundert Mal aufrichtig bei meinen Kindern entschuldigt habe, und diese dann im Bett sind, ist auch mein Abend gelaufen; dann sitze ich heulend allein auf dem Sofa und mache mir die schlimmsten Vorwürfe, was ich denn nur für eine Rabenmutter bin, die ihre armen Kinder angeschrien hat, und die wieder mal an ihren eigenen Idealen gescheitert ist.

Doch hey, wie war das eigentlich bei mir früher? Meine Mutter hat noch viel öfter geschrien als ich. Ich erinnere mich daran, dass meine Mutter damals kaum etwas mit mir unternommen hat und sich generell nicht besonders um mich gekümmert hat. Das war sicherlich auch nicht ideal, aber wenigstens war sie entspannt – jedenfalls in der Hinsicht. Oftmals schlief sie am Wochenende bis ca. 10:00 oder 10:30, während ich schon seit 8:00 wach war. Meine Langeweile, und meinen Hunger wusste ich mit Trickfilmen gucken und Cornflakes essen (auch mal ohne Milch, wenn keine mehr im Haus war…) zu bekämpfen. Irgendwann klingelte dann eine Freundin bei mir, oder ich bei ihr (in meinem Haus in Berlin-Wilmersdorf lebten nur alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern, entsprechend viele Freunde hatte ich in der Nähe), dann …spielten wir… drinnen, draußen, und hatten jede Menge Spaß. Selbst in einer Großstadt wie Berlin hatte niemand Bedenken, seine Kinder alleine auf dem Hof draußen spielen zu lassen. Ich war damals vielleicht fünf oder sechs. Heutzutage lassen die Eltern ihre Kinder nicht einmal alleine in die Schule gehen!

Aber woher kommt diese Überbehütung heute nur? Die Kriminalität, was Delikte der Kindesentführung u.ä. angeht, ist in den letzten 30 Jahren nicht merklich gestiegen – obgleich wir die Vorfälle, die es gibt, schon aufgrund der gesteigerten Medienpräsenz, sicher viel mehr mitbekommen als früher. Ich denke, zu 90% machen wir uns den Stress selber. Wir leben in einer Zeit des ständigen Wettbewerbs, wollen immer alles noch besser, schicker, lustiger und vielleicht auch sicherer haben als die anderen, und das geben wir auch so vor: siehe man sich doch nur mal die tausenden Facebook-Profile und -Beiträge an. Wenn Elsa-Sophies Eltern sie nur noch mit Fahrradhelm auf dem Spielplatz klettern lassen, dann wäre es wohl fast Körperverletzung, in jedem Fall aber eine grobe Vernachlässigung der Aufsichtspflicht, dies beim eigenen Kind nicht auch zu tun… In späteren Generationen wird man denken, die 2000er/ 2010er waren die Jahre der absoluten Freude, der Fürsorge und des Genusses. Doch weit gefehlt. Genau das Phänomen, nämlich, dass Geschichte nur das ist, was weitergegeben wird, sieht man an der heutigen Gesellschaft. Die Mütter, die mit Burnout in der Psychiatrie sitzen, oder völlig fertig nachdem die Kinder endlich im Bett sind, zu Hause zusammenbrechen, stets mit dem Gefühl, ihrem (völlig unrealistischen) Ideal wieder einmal nicht gerecht worden zu sein, postet niemand!

Ich will nicht für das krasse Gegenteil, à la meine Mutter plädieren, aber dennoch denke ich, dass ein wenig mehr Gelassenheit dem Thema Erziehung nicht schaden würde; den Kindern nicht, aber vor allem und ganz besonders wäre es ihren Eltern eine wahre Erleichterung.

In Stresssituationen bitte immer dran denken:

  1. Man muss den Geburtstagskuchen nicht immer selbst backen um eine gute Mutter zu sein
  2. Eltern sind nicht dafür da, ihre Kinder 24 Stunden zu bespaßen und zu beschäftigen, vielmehr müssen Kinder lernen, ihre Freizeit selbst zu gestalten; Langeweile regt die Fantasie an!
  3. Kinder brauchen nicht jeden Abend eine Gute-Nacht-Geschichte, jedenfalls nicht, wenn es der Mutter gerade nicht passt
  4. Kinder brauchen eine gesunde, vielseitige Ernährung, aber manchmal tut´s auch ein lecker belegtes Brot oder (Hilfe!) eine TK Pizza, wenn die gestressten Eltern es sonst nicht schaffen!
  5. Gute Eltern sind nicht weniger gut, wenn sie nicht an allen Elternabenden, -cafés, Bastelabenden, Sommer- oder Weihnachtsfeiern, Laternenumzügen etc. teilnehmen
  6. Auch gute Eltern sind nur Menschen und trotz fester alternativer Erziehungsvorsätzen, können selbst ihnen mal die Sicherungen durchbrennen. Sollte es mal dazu kommen, dass sie ihren geliebten Nachwuchs anschreien oder ihnen gar mal die Hand „ausrutscht“ (wobei ich diesen Ausdruck hasse), ist das kein Grund zur Selbstgeißelung. Eine aufrichtige Entschuldigung, inklusive Erklärung, wie es soweit kommen konnte und das man alles dafür tut, dass es nicht wieder passiert, wird vom Kind verstanden und verziehen.
  7. Leichter gesagt als getan und dennoch sooooo wahr: don´t worry (too much), be HAPPY!!!  Sorgt dafür, dass es euch gut geht. Nehmt euch Auszeiten, so wie ich letzten Monat bei meinem Kurztrip ganz ohne Kinder, geht zum Yoga/ Tanzkurs, frönt euren Hobbies, macht… einfach mal gar nichts, bzw. einfach nur das, wozu IHR Lust habt! Und, ganz wichtig, seid nicht so streng mit euch selbst!keep-calm-and-say-ooohhhmmm-1.png (600×700)

Viel wichtiger als der wahnwitzige (da von vornherein zum Scheitern verurteilte) Vorsatz, die perfekte Mama zu sein, ist es fürs Kind, dass die Mama authentisch ist. Um gut als Eltern zu sein und trotzdem sich selbst nicht zu vernachlässigen, gehört ganz klar ein gesunder Egoismus, sowie Vertrauen ins eigene Kind dazu! Das ist enorm wichtig, da die völlige Selbstaufgabe jeden, je nach Charakter früher oder später, ungesund und unglücklich macht. Und pädagogisch wertvoll fürs Kind ist es obendrein: wer von klein auf lernt, dass auch die Mama sich mal Auszeiten gönnt und für das Kind nicht immer sofort alles stehen und liegen lässt (also nicht immer ihre eigenen Bedürfnisse hintenanstellt), lernt früh, dass er nicht der Nabel der Welt ist, sondern dass auch die Anderen Bedürfnisse und Gefühle haben, die es zu respektieren gilt. Ebenso wird das Kind lernen, auch auf seine eigenen Bedürfnisse zu hören. Vertrauen ins eigene Kind ist ebenfalls für beide Parteien (Eltern und Kinder) unabdingbar: Eltern müssen lernen, Ihrem Kind zu vertrauen, es z.B. alleine in die Schule gehen lassen, so dass es lernt, selbständig und stolz darauf zu sein. Diese Unabhängigkeit kommt beiden Seiten zu Gute. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie viele unselbstständige, weil von „Helikopter-Eltern“ überbehütete Kinder, in der nächsten Zeit erwachsen werden und dann völlig orientierungslos auf unserem Planeten herumirren….

Also, vertraut in eure Kinder und erzieht sie zur Selbständigkeit, und vergesst euch selber nie dabei!

OOOOOOOHHHHHHMMMMMMMMMM………………………

*Dieser Text richtet sich natürlich auch an alle Väter, die sich bitte nicht benachteiligt fühlen sollen, wenn ich sie nicht explizit anspreche!! (…wobei die meisten, die ich kenne, tendenziell weitaus entspannter mit dem Thema umgehen…)

1(laut Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerkes für Spiegel Online)

 

Independence Trip

Ich bin in London! Und zwar GANZ ALLEINE!!!!

Ich brauchte einfach mal ne Pause, und zum Glück hat Schatzi sofort zugestimmt, ja, mich eigentlich sogar auf die Idee gebracht, mal ein paar Tage wegzufahren, denn ich war echt ganz schön am Ende. Dies war neben den drei Kindern, dem Job, etc., etc., etc. durch das ganze Jahr, was ein einziger Stress war, bedingt.

Und hier bin ich nun in London – meiner „alten Heimat“ (hab ja mal drei Jahre hier gewohnt). Ich habe ganz bewusst auf jegliche Reisebegleitung verzichtet, denn ich möchte die Chance nutzen, mich einfach mal nur auf mich zu konzentrieren, und mich nicht noch für jemand anderen (egal ob Kind, Opa, Partner oder sogar Freundin!) verantwortlich zu fühlen.

Gleich nach der Buchung machte sich ein ambivalentes Verhältnis zwischen dem, was man in London doch alles tun könnte, nein, müsste, weil man ja jetzt endlich mal völlig frei unterwegs war, und dem eigentlichen Zweck meiner Reise, nämlich einfach mal zu entspannen und nichts zu tun, bzw. eben nicht das Gefühl zu haben, man müsse irgendetwas tun, breit; und wenn man eben den ganzen Tag im Cafe verbringt (und nicht in Shakespeare´s Globe/ auf dem London Eye/ bei den Kronjuwelen), dann ist das wunderbar, weil ich erstens London eh schon kenne, und zweitens, genau das (den ganzen Tag im Cafe verbringen) zu Hause in Berlin eben nicht machen kann, obwohl ich´s gerne würde – viel lieber als mir irgendwelche Sehenswürdigkeiten zu Gemüte zu führen, einfach nur weil man das oder das unbedingt gesehe01b922e3c7504495785089b0d1cb3a36fdc2d8e983n haben muss. Ist euch schon mal aufgefallen, dass man im eigenen Land nicht annähernd so viele Sehenswürdigkeiten gesehen hat wie anderswo? Mein damaliger Freund, zu dem ich mit 17 nach London gezogen bin, war beispielsweise weder im Tower noch im British Museum gewesen, ich aber sogar damals schon mehrmals; im Gegensatz dazu, war ich aber erst mit Anfang dreißig zum ersten Mal auf dem Fernsehturm – wohlgemerkt mit und hauptsächlich wegen der spanischen Familie meines Schatzis.

Die Einzigartigkeiten der Stadt ganz zu vernachlässigen kommt aber natürlich auch nicht in Frage. Ich denke, ich habe dieses Mal eine für mich sehr schöne Kombination von Sightseeing und „private interests“ gefunden: am ersten Tag bin ich gegen Mittag angekommen und habe mir eine Oyster Card gekauft (eine Travel card, auf die man so viel Guthaben laden kann wie man benötigt und dieses dann mit allen öffentlichen Verkehrsmittel abfahren kann; lohnt sich echt!). Da ich diesmal ziemlich zentral, nahe der Tube Station Goodge St, untergebracht bin, laufe ich fast überall hin, da reichen mir diesmal 15,00 Pfund Guthaben locker für drei Tage.

Vom Hotel bin ic011938d0ec8e1ea70da1c67d79c2778ea62750614fh erstmal zu „Black Garden Tattoos“ gelaufen und habe einen Termin gemacht, glücklicherweise war gleich für den nächsten Tag etwas zu haben! Danach bin ich in einem Second Hand Shop, der nur drei Häuser weiter liegt, gelandet u
nd habe mich verliebt – in einen Mantel. Oh Mann, so einen wollte ich immer schon haben, aber 125,00 Pfund sind viel Geld, zwar komplett vertretbar für diesen schönen Lammfellmantel von Trussardi, der First Hand wohl locker das 10-fache gekostet hat, aber eben immer noch viel Geld. Da ich meines nicht gleich am ersten Tag im ersten Laden ausgeben wollte, kaufte ich ihn nicht…

Ich lief zurück zum Hotel und ruhte mich etwas aus- Luxus! Geht mit drei Kindern nicht so einfach! 🙂

Zum späten Nachmittag machte ich mich dann auf zur „Gallery of Everything“. Jarvis Cocker, 016cc98c9911ee8014ef470223e1fb47027f09f682Britpop-Ikone und (neben David Bowie) mein Gott, hat dort nämlich eine Ausstellung, „Journeys into the Outside“, organisiert, die auf der gleichnamigen Channel 4 TV-Reihe basiert. Im Prinzip geht es um „Outsider Artists“, deren Kunst aufgrund der Herkunft (dem kulturellen Background) ihrer Macher nicht als solche anerkannt wird. Very interesting! Zwar war Jarvis nicht selber da, aber es gibt dort ein Zimmer, in dem seine TV-Reihe non-stop läuft und man es sich auf zwei matratzenartigen Sofas vor der Leinwand bequem machen kann. Die Ausstellung ist wirklich ziemlich klein, aber sehr gemütlich – und umsonst!

Danach war ich zwei Straßen weiter bei einem
01d16e2d7de256029203be6f57bfc1d37c43aa784a kleinen italienischen Restaurant („Anacapri“) in einer Seitenstraße essen. My Goodness, die London-Preise sind echt übertreuert: unter 10 Pfund gibt es so gut wie kein Hautgericht! Aber an dem Abend war mir das egal, ich bestellte sogar eine Vorspeise: „Avocado Vinaigrette“, zwar lecker, aber eben wirklich nur eine Avocado mit einer Vinaigrette und etwas Eisbergsalat als Deko, das Ganze für fast 6 Pfund!! Ein Aperol Spritz 7,50! Immerhin gibt es jetzt überall automatisch und umsonst eine Karaffe mit Wasser dazu, das ist schon sehr angenehm. Die Italiener waren aber sehr charmant und um mich bemüht, da konnte ich fast darüber hinwegsehen, dass die Spaghetti mit Tomate und Basilikum meinen nicht annähernd das Wasser reichen konnten – nur preislich waren sie ihnen haushoch überlegen…

Weiter trieb mich der Samstag mit Tube und Bus south of the river, nach Camberwell, da habe ich früher stets meine Abende verbracht, denn ich hauste im benachbarten Peckham. Für alle, die London nicht so gut kennen: Peckham ist so ungefähr mit der Bronx oder Harlem von New York vergleichbar, kein besonders angesehenes Pflaster, nicht mal die Taxifahrer wollten mich damals vom West End dorthin zurück fahren… In Camberwell aber war mein eigentlicher Lebensmittelpunkt, dort ging ich aus, dort ging ich schwimmen (im Camberwell Leisure Center), dort war mein Frisör, und dort kannte ich auch alle Locals. In London geht man abends in den Pub, und ohne sich vorher verabredet zu haben, trifft man eigentlich immer irgendjemanden, den man kennt. Ich war gespannt, ob das bei mir nach 15 Jahren immer noch so war…01ac61b9b53eef7c44bb6a1abca222a4c469348fb3

Nicht mal die Pubs waren die gleichen! Von meinen drei Stammpubs gab es so nur noch einen, die anderen beiden hatten sowohl Besitzer, als auch Namen und Räumlichkeiten verändert. Statt der Mittdreißiger und -vierziger von damals waren nun fast ausschließlich junge Studenten unterwegs. Wo ich damals, mit 18,19,20, stets die Jüngste war, war ich nun die Älteste! Ich trank einen Gin Tonic und machte mich wieder auf den Weg ins Zentrum. Im letzten Pub vor meinem Hotel kehrte ich auf einen Absacker ein. Ich kam mit einem echten „Cabbie“ (Londoner Taxifahrer) ins Gespräch, was sehr amüsant war; er gab mir noch einen weiteren Absacker aus, aber dann ging ich zurück Richtung Hotel. Ich war hundemüde…014863cd106bb4ea588e8a4b849db9c7d0e373d888_00001

Der nächste Tag startetet standesgemäß mit einem Full English Breakfast (vegetarian, of course). Ich war aufgeregt, schließlich hatte ich ja um 12:00 den Termin für mein first tattoo ever! Doch es war erst 9:00. Ich nutzte die Zeit ganz entspannt, um endlich mal wieder etwas für meinen Blog zu schreiben und ging mit dem Laptop zu Pret à Manger, alle anderen Freelancer Cafés und dergleichen, öffnen sonntags frühestens um 10:30, oder gar nicht.

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Pünktlich um 12:00, eigentlich sogar schon etwas vorher, war ich dann im Tattoostudio. Mein Tätowierer heißt Thomas Piñeiro und kommt ursprünglich aus Brasilien, sein Vater ist übrigens Spanier. Er war sehr angenehm; nett, unaufdringlich, professionell und hatte gaaanz warme Hände – im Gegensatz zu mir. Ich kann nicht sagen, dass ich nervös war oder gar Angst hatte, aber ich war schon aufgeregt vor dem Tattoo, schließlich hatte ich ja noch keines und wusste nicht, was mich erwarten würde. Aber Thomas fing an mit ein paar vorsichtigen Stichen und es war völlig ok! Als ob jemand etwas mit einer Rasierklinge in dich hineinritzt – ok, ich gebe zu, dass klingt jetzt nicht gerade harmlos, aber es ist wirklich vom Schmerz her voll in Ordnung und gut auszuhalten. Und das Ergebnis ist perfekt! Außerdem ging alles sehr schnell, nach einer Stunde war ich schon fertig! Als Belohnung über meinen Heldenmut ging ich danach wieder in den Second Hand Laden vom Vortag und …kaufte mir den schönen Mantel!! Ich wollte den Verkäufer von 125,00 auf 100,00 Pfund herunterhandeln, aber da der Mantel ganz neu im Sortiment sei, in so gutem Zustand, die Herbstsaison gerade erst begonnen hatte, etc., etc., könne er da leider nichts machen. Als Zeichen seines guten Willens gab er mir dann aber doch noch 5,00 Pfund Rabatt – immerhin! 😉

Ich ließ mich treiben und landete in Covent Garden, wo ich einem Straßenkünstler zusah, 01bdb06cd9879c4a91e10b674cedc1da0026be075aer war wirklich sehr lustig und die Stimmung war gut. Ich lief weiter  und da ich langsam Hunger bekam, sah ich mich nach etwas Günstigem zu essen um, so etwas wie einem Falafelstand in Berlin, aber da gab´s leider nichts unter 9,95… schließlich kehrte ich bei einem Inder ein, wo die Karte Hauptgerichte für schon 7 Pfund auswies – natürlich hatte ich nicht bedacht, dass die Beilage beim Inder (Reis oder Brot) in England extra bestellt werden musste, und so lag ich wieder bei locker 10 Pfund für das ganze Essen (ohne Getränk und Service, der dort inklusive berechnet wurde!)… Versöhnlich muss ich aber zugeben, dass alles sehr gut schmeckte!012d27ebe004e4b800183f6664f48e43e72031c41d

Ich lief weiter Richtung Waterloo Bridge, überquerte sie und landete beim Literatur Festival auf der Southbank. Ich durchstöberte die Stände. Dann fing es, ganz London-Manier, an zu regnen und beflügelt von diesem England-Feeling gi
ng ich im Riverside Terrace Café, unter der Waterloo Bridge, einen Tee trinken. Köstlich! Dann musste ich mich langsam beeilen, denn ich hatte bereits von Deutschland aus Tickets für die West End Vorstellung „The Play That Goes Wrong“ besorgt, welches um 19:00 anfangen sollte. Ich lief also zum Hotel, machte mich frisch, und ging wieder zurück Richtung Covent Garden.

                                  Das Stück hielt, was es versprach. Es war echt witzig! Außerdem gefiel mir die entspannte Stimmung in dem kleinen Duchess Theatre: man konnte selber entscheiden, ob man seine Taschen und Mäntel abgeben wollte oder nicht, man konnte sogar Getränke mitbringen (ich hatte eine Wasserflasche dabei), oder auch die von der Bar gekauften in Plastikbechern mit in den Saal nehmen, und so gönnte ich mir einen sehr wohlschmeckenden Pinot Grigio.
017eab6d07440fec11ace2328a26de352baa45ab8a_00001Nach der Vorstellung lief ich Richtung Soho, hatte ich mir doch vorgenommen, Ronnie Scott´s Jazz Club zu besuchen, allerdings war ich so müde, dass ich eigentlich nur noch etwas essen und dann schlafen wollte. Und so kehrte ich bei einer kleinen Pizzeria ein („Pizza Immigrants“). Ich aß eine Pizza, die ich so noch nie au010a87554ef92a19f57502990d079c4737537df67d_00001f einer Karte gefunden hatte: ohne Käse und nur mit Tomatensoße, frischem Knoblauch und Olivenöl. War lecker, nur leider war der Teig nicht ganz durchgebacken am Rand, aber da ich den sowieso meist übrig lasse, war das auch nicht so schlimm. Dazu gab´s übrigens wieder einen Aperol Spritz– für 6,50!

Mein Akku war schon bei nur noch 5%, und ohne das im Handy integrierte Navi war auch ich als London-Kennerin in den kleinen Gassen von Soho aufgeschmissen, also lief ich schnell zurück Richtung Hotel, versorgte das Tattoo mit Frischhaltefolie, wie mir Thomas geraten hatte, damit es nicht am Laken festklebe, und ging schlafen.

Tja, und heute ist nun leider schon mein letzter Tag hier, morgen geht´s zurück nach Berlin. Aber auch heute werde ich es mir noch einmal so richtig nach meiner Fasson gut gehen lassen! Ich habe den Tag mit Beans on Toast gestartet, bin ins Freelancers´ Cafe ty in Soho gelaufen, wo ich jetzt übrigens gerade, mittlerweile 4 Stunden lang, sitze und schreibe! Das ist so toll hier: überall gibt es Stecker, kostenloses W-Lan, leckeren Kaffee, Tee, Sandwiches etc., und das Beste: es ist hier völlig in Ordnung, sich drei Stunden an einem Cappuccino festzuhalten und einfach seine Arbeit zu machen, in anderen Cafés bekommt man ja schon mal mit, dass die Kellner nur darauf warten, dass der Tisch wieder für die nächsten Gäste frei wird (bei dem Italiener an meinem ersten Abend übrigens auch) – da traut man sich dann gar nicht, seinen Laptop überhaupt auszupacken.

Gleich werde ich mich zur Tate Modern aufmachen, wobei ich noch nicht weiß, ob ich wieder laufe oder diesmal faul mit den Öffentlichen fahre (müsste ja eigentlich mal meine Oyster Card abfahren…), dann werde ich entweder die Southbank hinunterlaufen, oder mit dem Boot die Themse hinauf bis Westminster fahren, oder, wenn ich von dem ganzen Kunstgenuss noch nicht genug habe, nehme ich das Tate-to-Tate Shuttleboot bis zur Tate Britain…. Heute Abend gehe ich ins Kino. Zufällig habe ich einen Tag vor meinem Kurztrip die Vorschau für „Bridget Jones´s Baby“ gesehen, hier läuft der Film schon seit September, und da ich in Berlin

  1. nicht dazu kommen werde
  2. wenn, dann nur mit viel Organisation (Babysitter, etc.)

und aber auch

  1. den Film mit Mann dann nur auf Deutsch sehen könnte, denn der ist Spanier und kann kein Englisch, oder ich alleine gehen müsste, aber nicht weiß, wie er nach meinem Independence Trip darauf reagiert, wenn ich schon wieder etwas ganz alleine machen möchte…

werde ich mir diese Chance natürlich nicht entgehen lassen! Mal gucken, ob ich danach wieder tot umfalle, oder es doch noch in den Jazz Club schaffe… Man wird ja alt…