Mama und Papa haben Freigang

Ich habe ein „Luxusproblem“: Schatzi und ich haben morgen „Ausgang“. Jetzt bin ich die ganze Zeit am Überlegen, wie wir diese kinderfreie Zeit am besten ausnutzen. Ich würde am liebsten ALLES, was ich so lange nicht gemacht habe/ nicht machen konnte mit Kindern dort hineinpacken: Spabesuch, gefolgt von Kino, romantischem Candle Light Dinner mit Amori,  alle unsere Freunde auf ein paar Drinks treffen, in die Disco, bis morgens tanzen, am nächsten Vormittag gemütlich brunchen gehen – oder doch lieber einfach einen gemütlichen Abend zu zweit? Auf dem Sofa kuscheln, gemeinsam kochen, vor dem Fernseher essen, nicht ganz so spät ins Bett, um endlich mal wieder richtig auszuschlafen, ohne den nächtlichen (spätestens sehr frühmorgendlichen)  Kinderbesuch im Bett. Dann entspannt, und ohne den sonst bei uns üblichen morgendlichen Stress (hier beschrieben), frühstücken, dabei vielleicht sogar ein paar Zeilen, ach was, ganze Artikel in der Zeitung lesen. Danach entspannt duschen und in aller Ruhe tun, wonach einem ist: Galerie, Kinobesuch, Museum, Flohmarkt – ohne ständig darauf achten zu müssen, dass die Kinder 1. nicht abhanden kommen im Gewimmel und 2. nicht alles anfassen und umschmeißen. Vom fortwährenden „MAAAMAAAAAA, kaufst Du mir das?“, „MAAAAAMAAAAAAA, kann ich das haben?“ und – IMMER in den wirklich unpassendsten Momenten –  „MAAAAMAAAAAAA! Ich muss Kacka!“, mal ganz zu schweigen.

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Leider habe ich gemerkt, dass mich diese ungewohnte Freiheit teilweise sehr überfordert: plötzlich hat man so viele Möglichkeiten. Wofür soll man sich da nur entscheiden? Was, wenn man am Ende doch nicht die (vermeintlich) beste aller Optionen gewählt hat?  Dann ärgert man sich und muss (wie in unserem Fall) mindestens ein halbes Jahr warten, bis man wieder einmal „Kinderfrei“ hat. Irgendwie fühlt man sich wie in einer Fernbeziehung: man unternimmt nicht oft etwas zusammen, aber wenn, dann MUSS es PERFEKT sein. Wenn nicht, ist man frustriert.  Man ist daher angespannt, nervös und dummerweise ist die Atmosphäre gerade deshalb eben nicht perfekt. So ähnlich wie an Silvester. Kennt Ihr das? Am 31.12. muss die Party einfach super werden. MUSS! Man hat so viele Erwartungen an diesen einen Abend, dass die Enttäuschung eigentlich schon vorprogrammiert ist. Die besten Abende hat man doch fast immer spontan, wenn man locker und ohne große Erwartungen irgendwo hingeht und sich einfach vom Abend und seinen Begebenheiten treiben lässt. Mit kleinen Kindern kann man aber in dieser Hinsicht nicht spontan sein. Alles muss vorher organisiert werden. Und dann heißt es, gut zu panen, um diese kostbare Zeit voll auszunutzen. Ohne Kinder bin ich selbst in meinen eigenen vier Wänden von den unzähligen Möglichkeiten überfordert. Habe ich mal einen freien Nachmittag, freue ich mich schon Tage vorher unglaublich darauf: einfach mal nur machen, worauf ICH Lust habe: lesen, malen, backen, bloggen, Fotoalben einkleben (wenigstens die Urlaubsfotos möchte ich auch analog archivieren), …. die Liste ist lang. Doch kaum ist meine Familie aus der Tür, sitze ich da — und weiß nicht, was ich (zuerst) machen soll. Nach einigen Minuten entscheide ich mich dafür, dass es erst einmal gemütlich werden muss, um sich auch wirklich entspannt etwas widmen zu können, also fange ich an, das Haus aufzuräumen und zu putzen. Kurz bevor ich fertig bin, klingelt es auch schon an der Tür. Mein Sohn, der wie immer vorgerannt ist, strahlt mich an: „Wieder daaaaaa!!!!“

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Frei vorbei…. hm, gut, dann werde ich jetzt mal Essen machen….

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Vom andalusischen Lifestyle und dem Leben im Hier und Jetzt

Der Alltag hat uns wieder. Der Sommer ist vorbei. Erst einmal möchte ich mich für meine lange Abwesenheit entschuldigen. So war das nicht geplant! Ich hatte mir eigentlich vorgenommen (und mich darauf gefreut!) im Urlaub noch viiiiieel mehr zu bloggen als sonst, weil ich dort endlich mal Zeit dafür haben würde, aber dann… ja, dann kam irgendwie alles anders: mehr als gelegentlich Fotos posten, war nicht drin: der Körper verfiel bei Temperaturen um 40 Grad im Schatten ganz automatisch in den Urlaubsmodus. Der deutsche Alltag war ganz weit weg – nicht nur was die physische Distanz angeht. Ich kann die Spanier und ihr Bedürfnis nach Siesta echt verstehen, genauso wie die vielen unfertigen Baustellen (ok, dass die nicht nur der Hitze im Sommer als vor allem auch der finanziellen Lage der Region geschuldet sind, blende ich mal aus), ich verstehe, warum die Schulen dort ganze drei Monate Sommerferien haben: Bei diesem Wetter KANN man gar nichts anderes machen als faul im Schatten zu liegen, am besten mit einem kühlen Getränk in der Hand.

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Schön war´s

Und lang. Eine echte Auszeit vom durchstrukturierten Alltag. Keine Termine, kein Zeitdruck, nichts! Entsprechend unorganisiert waren wir teilweise: die Kinder badeten (abgesehen vom Pool und Meer) so gut wie nie, anstatt sie abends zu einer „zivilisierten“ Uhrzeit unter Protest ins Bett zu bringen, tobten und spielten sie mit ihren vielen spanischen Cousins und Cousinen und Freunden bis spät in die Nacht und schliefen zufrieden vor Erschöpfung meist auf dem Sofa ein, während wir Erwachsenen im Garten zusammen saßen, uns unterhielten, lachten, aßen und tranken, bis auch wir in den frühen Morgenstunden müde aber glücklich ins Bett fielen. Wir hatten endlich mal Zeit für uns. Keine Hektik. Wir hatten dieses Mal ein Haus mit Pool gemietet, was ich nur jeder Familie mit Kindern empfehlen kann! Anstatt morgens schon vor dem Frühstück mit „MAMAAAA; was machen wir heute?!“ bombadiert zu werden, dann hektisch alles für den Strandtag zu packen und vorzubereiten, gingen die Mäuse nach dem Aufwachen (was auch entsprechend später stattfand) wie selbstverständlich erst einmal in den Garten und sprangen in den Pool (die Kleinste natürlich nur mit Schwimmflügeln und unter Aufsicht).

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Nach dem Frühstück unter Bananenpalmen bewegte ich mich dann ganze zwei Schritte weiter auf die Liege. Dort lag ich dann. Und las, und öffnete mir wie selbstverständlich gegen 12:00 das erste Bier (ganz ohne schlechtes Gewissen – weder wegen der Kalorien noch angesichts des Alkoholkonsums zu früher Stund´). Überhaupt war alles entspannter. Vor allem die Zeit spielte keine Rolle.

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In Andalusien ticken die Uhren anders

Während unseres Aufenthalts fand im Dorf das jährliche Volksfest statt, die „Feria“. Vor 0:00 lief da aber nichts – am ersten Abend fürchteten wir schon, dass sie doch nicht stattfände, da wir – anders als am Abend zuvor – weder Musik noch sonst irgendwelche Geräusche von dort vernahmen, jedoch  war es um 22:30 einfach noch zu früh. Sie öffnete erst um 0:00! Dann kamen von überall her Kinder, Omas, und gut gelaunte Eltern. Auch wir waren die drei Tage der Feria jeden Abend bis ca. 3:00 mit unseren vier Kindern dort. Man passt sich ja an… Die Uhren schlagen dort einfach anders. Dass es um 19:30 dort Kaffee und Kuchen gibt: ganz normal! Das Abendessen findet nie vor 22:00 satt, eher so gegen 23:30. Und die Kinder dürfen so lange aufbleiben wie sie wollen. Laut tobende Kinder bis um 2:00 oder 3:00 morgens sind in Andalusien völlig normal im Sommer!

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Entschleunigung ist das Stichwort

Es lebt sich dort irgendwie leichter – nein, das kam uns nicht nur so vor, weil wir im Urlaub waren –  auch an unserer spanischen Familie sehe ich das. Sie sind zufrieden und leben im Hier und Jetzt. Sie sind nicht reich, aber sie haben alles was man braucht, um gut zu leben: ein Dach über dem Kopf, den Strand um die Ecke, gesunde Kinder, ein Auto, genügend Essen und Trinken, ein paar Tage Urlaub im Jahr und die meisten von ihnen sogar Arbeit. Es sind zwar keine klassischen Traumjobs, denen sie nachgehen, aber ausreichend, um die Rechnungen zu bezahlen. Sie leben nicht um zu arbeiten, sondern arbeiten um zu leben. Sie haben nichts Besonderes, aber doch das Einzige, was wirklich zählt: Sie haben sich! Und sie lieben sich. Und sie genügen sich. Und sie sind zufrieden. Das ist doch tausend Mal wertvoller als dieses ständige Streben nach höher, weiter, schneller.

 

Stress lass nach: lebenserhaltende Maßnahmen einer Dreifach-Mami

Wenn Leute mich fragen, was ich denn „so mache“, bekommen sie keine einfache Antwort, wie beispielsweise „ich arbeite teilzeit im Büro und habe einen Sohn“, sondern sie bekommen die volle Dröhnung, mit der sie dann kaum umgehen können. Ich sage ihnen, dass ich gerade dabei bin meinen Master abzuschließen und drei Kinder habe – da schlucken sie dann schon (ich denke, selbst wenn ich „nur“ drei Kinder hätte ohne alles andere drum herum, dann wäre das auch schon mehr als genug) – wenn ich dann fortfahre und ihnen noch von meinen mittlerweile zwei Jobs (montags bis donnerstags im Büro und freitags bei Frau Mutter) berichte, merke ich, wie sie abdriften. Das können sie dann scheinbar gar nicht mehr fassen. Nein, wir bekommen leider auch keinerlei Unterstützung von der Familie, sie wohnt nicht mal im selben Land wie wir! Dass eines meiner Kinder auch noch ADHS hat und vor Kurzem meine beiden Großeltern verstorben sind, um deren Nachlass ich mich kümmern muss, sowie um die 16 (ja, sechzehn!!!) Landschildkröten, die wir von ihnen geerbt haben, sage ich dann meist gar nicht mehr, um sie nicht völlig zu irritieren. Klar, dass ich oft gestresst und ausgepowert bin von so vielen Aufgaben und so viel Verantwortung, gebe ich offen zu, ich schreibe ja sogar regelmäßig darüber! Aber manchmal wundere ich mich selbst, dass ich noch keinen „total burn out“ erlitten habe; dann frage ich mich warum das wohl so ist – und ich denke, ich weiß es jetzt!

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Lektion Nummer 1: Freiräume schaffen für sich selbst!

Eine gesunde egoistische Grundeinstellung ist da ganz wichtig und lebenserhaltend – es heißt ja auch im Flugzeug nicht umsonst, dass man zuerst sich selbst die Sauerstoffmaske anlegen soll BEVOR man anderen hilft! Man muss zuerst sicherstellen, dass es einem selbst (einigermaßen) gut geht, bevor man stark sein kann für andere. Kleine Auszeiten sind da ganz wichtig. Ideal sind natürlich Kurztrips ohne die Kinder, aber wenn die gerade zeitlich oder finanziell oder von beidem her nicht drin sind, dann gibt es auch andere Dinge, die Mama das Leben ein bisschen versüßen, und die sich super mit Kindern vereinbaren lassen.

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Lunch im Kuchi mit meinem Schatz
Nutzt die Zeit für Euch wenn die Kinder in der Schule / im Kindergarten sind

Seid egoistisch! Nehmt euch doch einfach mal einen Tag frei, und zwar ganz bewusst wenn die Kinder im Kindergarten und/ oder in der Schule sind, und tut das, was Ihr schon lange nicht mehr getan habt, weil es mit Kindern nicht möglich, ähem, ich meine, weil es mit Kindern nicht entspannt möglich ist. Das kann zum Beispiel ins Kino gehen sein, aber nicht in die Abendvorstellung, sondern ins Matinée, wenn die Kinder sowieso noch nicht zu Hause sind. Statt abends mit dem Partner essen zu gehen, trefft Euch in der Mittagspause und geht ganz romantisch zum Lunch, bevor der Alltagswahnsinn Euch wiederhat. Oder geht mit der Freundin, die Ihr schon ewig nicht gesehen habt, brunchen statt abends in die Bar, so ist weder ein Elternteil genötigt, alleine zu Hause zu bleiben und auf die Kinder aufzupassen, noch muss Geld für einen Babysitter aufgebracht werden.

Verlegt die Dinge auf tagsüber oder wenn das wegen Eurem Job nicht machbar ist, auf nachmittags. Statt direkt nach der Arbeit die Kleinen vom Kindergarten abzuholen, nutzt die Zeit und tut etwas für Euch. Man kann auch um 15:00 ins Fitnesscenter gehen oder jemanden auf einen Kaffee treffen. Die Kinder sind nicht böse wenn sie erst um 17:00 abgeholt werden – meine sind meist so schön am Spielen, dass sie richtig enttäuscht sind, wenn ich sie mal früher abhole.

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Ich brauche Ruhe und Zeit für mich!

Was mir ganz wichtig ist, ist Zeit für mich zu haben. Wahrscheinlich wäre es manchmal besser, auch ins Bett zu gehen sobald die Kinder schlafen, um nicht immer todmüde zu sein am nächsten Morgen. Aber ich brauche diese Zeit einfach zum Abschalten, in der ich dann endlich nur machen kann was ICH will: fernsehen schauen, telefonieren, lesen, malen, bloggen, „facebooken“, „instagramen“ oder auch einfach mal ´ne Flasche Sekt alleine leeren. Auf diese Zeit bestehe ich richtig. Ich sage meinen Kindern abends auch ganz klar, wenn sie mal wieder nicht schlafen gehen wollen, dass jetzt „Mama-Zeit“ ist und Mama jetzt auch mal ihre Ruhe braucht. Das verstehen sie, und ich finde es wichtig, dass sie lernen, dass auch andere (in dem Fall eben die eigene Mutter) Bedürfnisse haben, die es zu respektieren gilt. Es klappt überraschend gut!

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Nehmt Euch und Eure Bedürfnisse ernst

Meine Freundin (und Kollegin) amüsiert sich immer darüber, wenn ich im Büro sage, dass ich heute pünktlich los müsse, weil ich einen „wichtigen Termin“ habe und sich dieser dann als einer bei der Kosmetikerin entpuppt, um meine Nägel aufzuhübschen. Ich aber habe gelernt, dass es unheimlich wichtig ist, seine Bedürfnisse ernst zu nehmen. Früher, als ich noch freitags immer frei hatte, habe ich grundsätzlich alle notwendigen Termine auf diesen Tag gelegt, so dass ich im Endeffekt freitags meist mehr am Rennen war als den Rest der Woche. Das würde ich heute nicht mehr machen. „Freitags habe ich frei“ heißt: ich habe FREI, da kann dann also kein Termin stattfinden. Ich würde mittlerweile immer alles auf den frühen Nachmittag eines Arbeitstages legen, zwischen Arbeit und Kinder abholen, notfalls vielleicht auch mal früh morgens vor der Arbeit. Man muss einfach lernen, ein gesundes Maß an Egoismus zuzulassen, denn wenn man seinen eigenen Bedürfnissen nicht nachgeht, tut es (leider meist) niemand. Oder anders formuliert: wie kann man denn von jemandem erwarten, seine Wünsche ernst zu nehmen, wenn man es selber nicht tut? Und dieses ständige Sich-Verbiegen und Seine-Eigenen-Bedürfnisse-Hinten-Anstellen frustriert und macht unglücklich, und das gibt man dann natürlich auch an seine Umwelt weiter.

Was habt Ihr für Strategien entwickelt, im Alltagschaos nicht unterzugehen?