Drei sind (mindestens) eines zuviel

Wir haben drei Kinder. Gerade wie jetzt auf Reisen merken wir immer häufiger, dass die moderne westliche Welt nicht auf drei Kinder, sprich auf eine fünfköpfige Familie, ausgerichtet ist. Wir sind einfach zu viele…

Zu viele für Auto, Bus, Bahn

Es fängt schon beim Auto an. Zwar ist der Standard ein Fünfsitzer, aber sind wirklich alle Plätze besetzt, fährt es sich doch ziemlich eng. Mal eine Freundin zusätzlich mitnehmen? Unmöglich! Also muss dringend ein Siebensitzer her. Doch auch bei dem geht es mit drei Kindern problematisch weiter: Getränkehalter sind hinten nur zwei vorhanden, Rücksitze, an denen man z.B. Bildschirme befestigen kann (gerade auf längeren Fahrten wie bei uns nach Spanien unabdingbar), gibt es nur zwei Mal, also muss entweder ein Kind auf das Bespaßungsprogramm verzichten (ha, ha, ha), oder es muss auf die hinterste Sitzreihe ausweichen; was natürlich keiner will.

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Wenn man nicht mit dem Auto reist, stößt man auf dieselben Probleme: Sitze gibt es nämlich auch in öffentlichen Verkehrsmitteln immer nur zwei oder (wenn man Glück hat) vier zusammen, aber nie fünf oder mehr. Also wird einer auf den Schoß genommen (ungemütlich), oder muss allein sitzen (will niemand, außer vielleicht ein Elternteil, welches dem anderen allerdings nicht zumuten kann, sich allein um drei Kinder zu kümmern), oder die Familie muss sich in zwei Grüppchen aufteilen.

 

Zu viele fürs Hotelzimmer

Weiter geht´s im Hotel: klassisch gibt es Einzel- und Doppelzimmer. Ein Kinderbett kann meist dazugestellt werden. Nicht aber drei! Familienzimmer gibt es in den wenigsten Hotels, und selbst die sind standardmäßig auf zwei Kinder ausgerichtet, also müssen sich die Eltern entweder aufteilen und zwei Zimmer buchen oder (so wie wir) einfach ein Vierbett-Familienzimmer nehmen und ihre drei Kinder in ein Doppelbett packen – wobei man bei dieser Variante auf eine Lektion des Rezeptionisten gefasst sein muss.

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Zu viele für den Tisch im Restaurant

Im Restaurant ist es ähnlich: Ein Tisch ist klassicherweise auf zwei oder vier Personen ausgerichtet. Zu fünft müssen wir also entweder zwei Tische zusammenstellen (oft, gerade wenn es voll ist, nicht gern gesehen) oder wir quetschen noch einen Stuhl an die Kante und sitzen wieder mal ziemlich eng und unbequem. Und komischerweise oft mit dem absurden Gefühl, uns für unsere Vielzahl entschuldigen zu müssen.

 

Als fünfköpfige Familie muss man stets gut organisiert sein, alles muss frühzeitig reserviert  werden. Bye-bye Spontaneität. Sonst hat man es schwer. Kreativität ist gefragt, Improvisation an der Tagesordnung. Immer wieder merkt man: drei Kinder sind definitiv mindestens eines zuviel. Ab und zu ertappe ich mich beim Gedanken, wie es wohl wäre, wenn wir nur ein oder zwei Kinder hätten… Ja, vieles wäre weniger umständlich, weniger anstrengend, aber dennoch möchte ich natürlich keines meiner Kinder missen. Nein, wir passen nicht in das klassische Vater-Mutter-Kind-Kind-Schema. Wir sind etwas Besonderes. Und das ist auch gut so!

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Habt Ihr auch mehr als zwei Kinder und ähnliche Erfahrungen gemacht?

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Kurztrips mit Kindern

Wer meinen Blog ein wenig verfolgt, dem ist sicher aufgefallen, dass ich zur Zeit ziemlich auf Städte-Kurztrips mit unseren Kindern stehe. Letztes Wochenende waren wir Christmasshopping in Dresden, das davor auf dem Winterdom in Hamburg und dieses fliegen wir nach London! Der Hintergrund ist einfach, dass wir wahnsinnig gern verreisen, unterwegs sind, in Hotels übernachten, das Frühstück morgens lieber gleich vorbereitet am reichhaltigen Buffet vorfinden als erst einmal Brötchen kaufen zu gehen. Davon abgesehen ist es einfach schön, mal etwas anderes zu sehen, sich und seine Familie in einer nicht alltäglichen Umgebung wiederzufinden. Probiert es mal aus: so ein kleiner Tapetenwechsel „Kurztrips mit Kindern“ weiterlesen

Dresden, Paddington und España – unser Wochenende in Bildern (18/19.11.)

Was für ein Wochenende – schon wieder!… Erst letztes war bei uns ja einiges los. Dieses wurde aber nicht weniger ereignisreich. „Dresden, Paddington und España – unser Wochenende in Bildern (18/19.11.)“ weiterlesen

Unser Wochenende in Bildern, 10.-12.11.

Was für ein Luxus-Wochenende haben unsere Kinder gehabt!…. Eigentlich bin ich ja sehr dafür, dass sich Kinder auch mal alleine beschäftigen, selbst wenn ihnen dabei auch mal langweilig werden sollte – schließlich erwächst aus Langeweile Kreativität. Und auch Mama und Papa finden ein ruhiges Wochenende ohne Termine mal ganz entspannend nach einer anstrengenden Woche. Aber wie auch immer, dieses Wochenende war vollgepackt mit aufregenden Ereignissen. Seht und lest am besten selbst: „Unser Wochenende in Bildern, 10.-12.11.“ weiterlesen

Vom andalusischen Lifestyle und dem Leben im Hier und Jetzt

Der Alltag hat uns wieder. Der Sommer ist vorbei. Erst einmal möchte ich mich für meine lange Abwesenheit entschuldigen. So war das nicht geplant! Ich hatte mir eigentlich vorgenommen (und mich darauf gefreut!) im Urlaub noch viiiiieel mehr zu bloggen als sonst, weil ich dort endlich mal Zeit dafür haben würde, aber dann… ja, dann kam irgendwie alles anders: mehr als gelegentlich Fotos posten, war nicht drin: der Körper verfiel bei Temperaturen um 40 Grad im Schatten ganz automatisch in den Urlaubsmodus. Der deutsche Alltag war ganz weit weg – nicht nur was die physische Distanz angeht. Ich kann die Spanier und ihr Bedürfnis nach Siesta echt verstehen, genauso wie die vielen unfertigen Baustellen (ok, dass die nicht nur der Hitze im Sommer als vor allem auch der finanziellen Lage der Region geschuldet sind, blende ich mal aus), ich verstehe, warum die Schulen dort ganze drei Monate Sommerferien haben: Bei diesem Wetter KANN man gar nichts anderes machen als faul im Schatten zu liegen, am besten mit einem kühlen Getränk in der Hand.

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Schön war´s

Und lang. Eine echte Auszeit vom durchstrukturierten Alltag. Keine Termine, kein Zeitdruck, nichts! Entsprechend unorganisiert waren wir teilweise: die Kinder badeten (abgesehen vom Pool und Meer) so gut wie nie, anstatt sie abends zu einer „zivilisierten“ Uhrzeit unter Protest ins Bett zu bringen, tobten und spielten sie mit ihren vielen spanischen Cousins und Cousinen und Freunden bis spät in die Nacht und schliefen zufrieden vor Erschöpfung meist auf dem Sofa ein, während wir Erwachsenen im Garten zusammen saßen, uns unterhielten, lachten, aßen und tranken, bis auch wir in den frühen Morgenstunden müde aber glücklich ins Bett fielen. Wir hatten endlich mal Zeit für uns. Keine Hektik. Wir hatten dieses Mal ein Haus mit Pool gemietet, was ich nur jeder Familie mit Kindern empfehlen kann! Anstatt morgens schon vor dem Frühstück mit „MAMAAAA; was machen wir heute?!“ bombadiert zu werden, dann hektisch alles für den Strandtag zu packen und vorzubereiten, gingen die Mäuse nach dem Aufwachen (was auch entsprechend später stattfand) wie selbstverständlich erst einmal in den Garten und sprangen in den Pool (die Kleinste natürlich nur mit Schwimmflügeln und unter Aufsicht).

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Nach dem Frühstück unter Bananenpalmen bewegte ich mich dann ganze zwei Schritte weiter auf die Liege. Dort lag ich dann. Und las, und öffnete mir wie selbstverständlich gegen 12:00 das erste Bier (ganz ohne schlechtes Gewissen – weder wegen der Kalorien noch angesichts des Alkoholkonsums zu früher Stund´). Überhaupt war alles entspannter. Vor allem die Zeit spielte keine Rolle.

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In Andalusien ticken die Uhren anders

Während unseres Aufenthalts fand im Dorf das jährliche Volksfest statt, die „Feria“. Vor 0:00 lief da aber nichts – am ersten Abend fürchteten wir schon, dass sie doch nicht stattfände, da wir – anders als am Abend zuvor – weder Musik noch sonst irgendwelche Geräusche von dort vernahmen, jedoch  war es um 22:30 einfach noch zu früh. Sie öffnete erst um 0:00! Dann kamen von überall her Kinder, Omas, und gut gelaunte Eltern. Auch wir waren die drei Tage der Feria jeden Abend bis ca. 3:00 mit unseren vier Kindern dort. Man passt sich ja an… Die Uhren schlagen dort einfach anders. Dass es um 19:30 dort Kaffee und Kuchen gibt: ganz normal! Das Abendessen findet nie vor 22:00 satt, eher so gegen 23:30. Und die Kinder dürfen so lange aufbleiben wie sie wollen. Laut tobende Kinder bis um 2:00 oder 3:00 morgens sind in Andalusien völlig normal im Sommer!

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Entschleunigung ist das Stichwort

Es lebt sich dort irgendwie leichter – nein, das kam uns nicht nur so vor, weil wir im Urlaub waren –  auch an unserer spanischen Familie sehe ich das. Sie sind zufrieden und leben im Hier und Jetzt. Sie sind nicht reich, aber sie haben alles was man braucht, um gut zu leben: ein Dach über dem Kopf, den Strand um die Ecke, gesunde Kinder, ein Auto, genügend Essen und Trinken, ein paar Tage Urlaub im Jahr und die meisten von ihnen sogar Arbeit. Es sind zwar keine klassischen Traumjobs, denen sie nachgehen, aber ausreichend, um die Rechnungen zu bezahlen. Sie leben nicht um zu arbeiten, sondern arbeiten um zu leben. Sie haben nichts Besonderes, aber doch das Einzige, was wirklich zählt: Sie haben sich! Und sie lieben sich. Und sie genügen sich. Und sie sind zufrieden. Das ist doch tausend Mal wertvoller als dieses ständige Streben nach höher, weiter, schneller.