Alltag mit Kindern – oder doch nur alles eine Phase??

„Was genau ist denn eigentlich so stressig?“, fragte mich meine kinderlose Kollegin (und liebste Freundin) nachdem ich ihr gestern mal wieder mein Leid klagte. Ich sei zur Zeit echt fertig, erzählte ich ihr, völlig am A…, fühle mich ausgelaugt, ohne Kraft und Energie.  Und dann diese Mehrfachbelastung, aber vor allem diese Kinder!!… Tja, was genau ist so stressig? Es beginnt morgens mit dem frühen Aufstehen. Immer. Auch an den Wochenenden. Und wenn die Kinder schon so früh aufstehen, können sie natürlich auch nicht ruhig spielen oder etwas malen; nein, dann wird erstmal das lauteste Spielzeug (die spanischen sind da besonders leistungsstark!) eingeschaltet, so dass auch wirklich JEDER der noch schläft aufwacht. Sobald dann alle Kinder wach sind, fängt auch schon das Ärgern an. Jeder jeden und in jeglicher Art und Weise; die kleineren hauen und kneifen sich dann auch schon mal. Entsprechend laut schreit dann das jeweilige Opfer. Entweder sie kriegen sich von alleine wieder ein und spielen etwas anderes – meist etwas noch lauteres wie z.B. fangen, wobei sie die Treppe, die direkt an die Nachbarwand grenzt, hoch und runterrennen und dabei schreien – oder sie machen so lange weiter, bis einer von uns Eltern, müde und gereizt, hochstürmt und sie ermahnt, doch bitte endlich ruhig zu sein – ok, manchmal vergessen wir das Bitte vielleicht auch…

Ist das „Spiel“ unterbrochen, kommen auch prompt die ersten Forderungen: „Mama, gib mir Papier. Ich will malen!“ Noch bevor ich darauf reagiere, kommt dann schon die nächste Forderung vom gleichen Kind „Mamaaaa, ich will frühstücken!“,  gefolgt von „MAMAAAAA…. FERTIG! KACKA GEMACHT!!“ vom anderen Kind oben im Bad. Es ist dann meist gegen 7:00 an einem Sonnatgmorgen. Ich gebe mich geschlagen und stehe auf. An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich dann auch schon mal Brötchen holen gehe, einfach um diesem Chaos zu entkommen. Statt nur schnell Brötchen zu holen und dann sofort wieder nach Hause zu fahren, bestelle ich mir jedoch erst einmal  einen großen Cappuccino und komme zu mir. Wieder zu Hause murmel ich dann meist etwas von wegen, die Croissants hätten noch 10 Minuten im Ofen gebraucht. Überlebensstrategie halt…

Nach dem Frühstück, während dem man natürlich ständig aufstehen muss, weil eines der Kinder gerade ganz dringend ein Taschentuch/ genau den Brotaufstrich, der gerade nicht auf dem Tisch steht / genau das Getränk, das gerade nicht auf dem Tisch steht braucht, oder man einen Lappen holen muss, um den Kakao, den eines der Kinder umgestoßen hat, aufzuwischen, kommt dann auch schon die Frage „Was machen wir heute?!“ Machen… immer machen… wie schön waren die Zeiten, als ich sonntags nie etwas machen musste, außer vielleicht mich mit Freunden (da hatte ich noch welche) zum Brunch zu treffen und nachmittags zu Hause ein Buch zu lesen, baden zu gehen, mir die Nägel zu lackieren. Hach ja… Nun gut – zurück ins Hier und Jetzt: also, wir machen etwas. Aber selbst das ist ein Kampf, denn spätestens wenn es ans Anziehen geht, gehen die Diskussionen wieder los: Carlos hat stets genaue Vorstellungen von dem, was er anziehen will – egal , ob die Sachen gerade schmutzig oder noch nass sind. Emma hat genaue Vorstellungen davon, was sie nicht anziehen möchte: das kratzt, das ist hässlich, nein, sie will keine Jacke bei 10 Grad Außentemperatur, Carla besteht auf ihre Sommersandalen, auch wenn diese ihr schon zwei Nummern zu klein sind (vom unpassenden Wetter mal ganz abgesehen)… AAAARRRGGGHHH!!! Weiter geht´s mit den Spielsachen: Emma möchte ihre Puppe im Puppenwagen mitnehmen, aber Carla hat ihren Wagen. Nein, das sei ihr wagen, nein, es sei Emmas. Beide schreien. Carlos freut sich, dass wieder „Action“ ist. Er dreht nun richtig auf. Klatscht in die Hände und tobt munter zwischen seinen Schwestern herum, was diese (und mich!) noch nervöser macht. Sich angezogen hat er aber immer noch nicht….

I could go on, and on, and on, aber ich glaube, man bekommt einen Eindruck. Was ich meine ist, man fühlt sich, als kämpfe man ständig gegen Windmühlen, muss für die kleinsten Kleinigkeiten solch eine Energie aufwenden, dass man eigentlich gar keine Lust mehr hat, etwas zu unternehmen, man hat nie frei, ist fortwährend fremdbestimmt und kommt irgendwie nie zur Ruhe – erst wenn die Kinder abends schlafen, aber dahin ist es ein langer Weg, nachdem man oft selbst nur noch tot ins Bett fällt – schließlich muss man ja am nächsten Tag wieder früh raus…

Geht das nur mir so, oder ist das bei Euch ähnlich?

 

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Hilfe! Ihre Kindheit rast nur so an mir vorbei!

Neulich las ich einen Bericht von einem Vater, der seinen 3-jährigen Sohn sehr plötzlich und unerwartet aufgrund einer Hirnblutung verlor. Er plädiert nun dafür, dass man radikal jeden Moment mit seinen Kindern voll ausnutzen und genießen solle, da es ja immer auch der letzte sein könne. Man solle immer und überall Zeit zum Spielen freimachen, da nichts so wichtig wäre, als dass es nicht ein paar Minuten warten könne. Vor seinem Hintergrund aus betrachtet, klingt das natürlich einleuchtend: Hätte ich ein Kind verloren, würde ich womöglich auch denken: hätte ich mal dann und dann länger mit ihm gekuschelt, hätte ich da und da nur mal gelassener und liebevoller reagiert, hätte ich mich an den Wochenenden mal lieber nur ihm statt der Wäsche/ Steuererklärung/ meinem Blog (ähem) gewidmet. Hätte ich mal nur jeden Tag so gelebt als wäre es sein (oder mein?) letzter.

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Live everyday as if it was your last – echt jetzt?!

Prompt machte sich das schlechte Gewissen bei mir breit: Was bin ich nur für eine schlechte Mutter, die die Kindheit ihrer Sprösslinge gar nicht so richtig, ständig, tausendprozentig und voll und ganz genießen kann, weil es einfach noch sooooo viele andere Dinge in ihrem Leben gibt, um die sie sich kümmern muss. Und einiges, um das sie sich sogar kümmern will. Eine, die sich auch ganz bewusst und ganz egoistisch mal nur ihren eigenen Interessen widmet. Klar, die Zeit geht so schnell vorbei, die Kinder werden größer. Sie werden von Tag zu Tag selbständiger. Bevor man sich versieht, sind sie erwachsen. Immer häufiger ergreift mich in letzter Zeit die Panik, die Kindheit meiner Mäuse gar nicht richtig mitzubekommen. Müsste man nicht eigentlich alles andere hinten anstellen, den Job kündigen, Hobbys aufgeben,… – einfach, um auch wirklich alles, was mit der Entwicklung dieser (noch) kleinen Wesen zu tun hat, voll und ganz mitzubekommen? Diese Zeit auskosten, als ob es kein Morgen gäbe?

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Nein. Man KANN doch gar nicht so leben, als ob jeder Tag der letzte sei! Das wäre ja auch völlig unrealistisch, da er es in den allermeisten Fällen erst nach ca. 80 Jahren ist. Die Zeit, also quasi jede freie Minute, mit den Kindern voll auszunutzen bis sie aus dem Haus sind, würde ja bedeuten, 18 Jahre lang (bei mehreren Kindern entsprechend länger) nur für jemand anderen zu leben und selbst auf der Stecke zu bleiben. Viele Mütter, die ihren einzigen Lebenssinn in ihren Kindern sehen, stehen ganz schön doof da, wenn diese dann ausziehen – obwohl, bzw. gerade weil, sie ja eigentlich keine Möglichkeit mit ihnen Zeit zu verbringen ausgelassen haben, fallen sie in ein tiefes Loch. Und auch für das Kind ist es eine Belastung, so sehr zum Lebensmittelpunkt gehypt zu werden. Wie auch in jeder anderen Liebesbeziehung, ist es wichtig, dass man sich seine Hobbys und seinen eigenen Freundeskreis beibehält, eigenständig bleibt, sonst verfällt man leicht in eine emotionale Abhängigkeit – was gerade in der Elternrolle ja das genaue Gegenteil von dem ist, was man eigentlich vorleben sollte. Ich kenne selbst einige Kinder solcher Mütter, die aus schlechtem Gewissen ihnen gegenüber auf Dinge verzichten, die sie eigentlich gerne hätten: „Nein, ich kann leider nicht bei dir schlafen, weil meine Mutter nicht ohne mich einschlafen kann“, hat mal ein Kind zu meinem Sohn gesagt. Da schlägt die gut gemeinte Fürsorge  schnell ins Gegenteil um.

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Quality time statt völliger Selbstaufgabe

Bestimmt gibt es Mütter, für die es das Allerschönste ist, sich voll und ganz und ständig ihren Kindern zu widmen, und wenn sie dann den Abschied bei deren Auszug auch noch halbwegs gut überstehen, ist das ja auch alles schön und gut. Ich bin nicht so. Ich möchte, trotz Mutterschaft, mich nicht nur über die Erfolge, Erlebnisse und Misserfolge meiner Kinder definieren. Ich möchte selbst noch ein eigenständiger Mensch sein, der seinen eigenen Interessen und Hobbys nachgeht, der selbst noch Träume hat und diese realisieren möchte, für sich, und nicht erst wieder in 18 Jahren, denn auch ich werde ja nicht jünger… Ich liebe meine drei Kinder über alles, und auch ich denke jetzt schon mit Wehmut an vergangene Zeiten mit ihnen zurück, bekomme schon jetzt ein mulmiges Gefühl im Bauch beim Gedanken an die Einschulung meiner mittleren Tochter, die nächstes Jahr ansteht. Aber das ist der Lauf der Dinge. Und das ist auch gut so! Ich würde nicht wollen, dass meine Kinder für immer klein bleiben. Unsere Kinder bleiben doch schließlich immer unsere Kinder, auch wenn sie 30, 40 oder 50 sind. Und auch dann gibt es doch sicher schöne Dinge, die man mit ihnen erleben wird: Hochzeiten, ihre eigene Elternschaft, die uns dann zu Omas macht, vielleicht sogar gemeinsame Urlaube… Klar, ist das nicht das gleiche wie der erste Zahn, die ersten Worte oder Schritte, aber sicher auch ein Stück entspannter. Dennoch möchte auch ich diese allerersten wichtigen Erlebnisse, wie auch den ganz schlichten Kinderalltag, mit ihnen teilen, genießen und voll mitbekommen. Leider ist meine Zeit aber limitiert. Was also tun? Auf keinen Fall verzweifeln und sich Vorwürfe machen! Ich denke, die richtige Mischung macht´s: Quality time statt Quantity time ist das Stichwort. Dieses Wochenende werden wir etwas Tolles als Familie unternehmen, das nächste muss ich mich dann aber leider wieder dem liegengebliebenen Papierkram aus der Woche annehmen, der Papa wird sich derweil um Einkauf, Haus und Garten kümmern. Da können sie dann gern helfen, oder unter sich spielen. Wenn sie dann bei ihren Freunden spielen oder sogar übernachten dürfen und dort Spaß haben, umso besser! Hauptsache es geht ihnen gut!

Wann komme ich endlich an?

Ich meine das jetzt nicht im Sinne von „wann sind wir da?“, sondern das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Kennt Ihr das? Ich kenne es nämlich leider nicht. Also, nicht wirklich. Klar, es gibt Momente in denen auch ich mich geborgen, glücklich, sicher und komplett fühle, aber eben nur Momente. Ich sehne mich mittlerweile mehr denn je nach diesem Grundgefühl des Angekommenseins. Aber bei uns ist momentan wieder mal so viel los, dass das wohl leider vorerst noch ein Wunsch bleiben wird. Irgendwie ist immer ziemlich viel los bei uns. Die letzten zehn Jahre sind vergangen wie im Flug und es ist sooo viel passiert wie bei anderen in der doppelten Zeit – mindestens: drei Kinder bekommen, drei Fehlgeburten erlebt, die Großeltern nebenbei gepflegt bis zu ihrem Tod, Oma gestorben, Opa gestorben, vier Mal umgezogen, Bachelor gemacht, Master fast fertig, den Nebenjob drei Mal gewechselt, angefangen zu bloggen, eine Sprache fließend und verhandlungssicher gelernt… Dass ich jetzt Mitte dreißig und Mutter von drei Kindern bin, habe ich immer noch nicht so ganz realisiert. Ich habe immer noch keine feste, sichere Arbeit, sondern arbeite als studentische Mitarbeiterin. Dieser Job ist, klar, befristet – zumindest bis ich keine Studentin mehr bin. Und das wird sein…. Tja, das ist die nächste Baustelle, die unsicher über mir hängt. Eigentlich fehlt mir nur noch eine Seminararbeit, die ich, wenn ich mich da richtig hinterklemme, locker in nem Monat erledigt haben könnte und eben die Masterarbeit. Das ist ein anderes Ding. 80 Seiten inkl. Recherche schreiben sich eben nicht mal so nebenbei. Und die Zeit, das zu priorisieren, habe ich mit dem Job, den drei Kindern, dem Umzug, der ansteht, etc., etc., gerade nicht. Ja, da ist der Umzug, der kurz bevorsteht (der vierte in acht Jahren), vorher müssen wir das Haus in das wir einziehen aber noch entrümpeln, was leichter  gesagt als getan ist. Ich könnte noch hundert weitere Dinge aufzählen, die jetzt anstehen und mindestens genauso wichtig und groß sind wie die bereits genannten, aber der Tenor ist ja der gleiche. Ich möchte endlich alles erledigt haben. Ich möchte, dass alles in Ordnung ist. Ich möchte mich entspannen können, ein geregeltes, spießiges Leben führen, kreditwürdig sein. Seit geraumer Zeit ist es bei mir nämlich so, dass ich ständig am Grübeln bin, To-Do-Listen erstelle oder abarbeite, in jeder freien Minute, wie eine Getriebene. Wenn die Kinder gerade in der Badewanne sind, wenn ich an der roten Ampel stehe, sogar wenn ich nachts kurz mal aufs Klo muss, checke ich schnell, ob nicht vielleicht doch in der Zwischenzeit eine wichtige Mail angekommen ist oder ob jemand mein Foto auf Instagram geliket hat. Das ist krank, ich weiß. Und es macht nicht nur mich sondern auch meine Umwelt verrückt. Westenddad ist echt genervt (und das ist noch milde ausgedrückt), dass ich, selbst wenn ich abends neben ihm auf dem Sofa sitze (und da er nachts arbeitet ist das ja auch nur zwei Mal pro Woche), nicht wirklich da bin, sondern immer in Gedanken woanders. Für die Kinder ist es natürlich auch nicht schön. Ich kann die Zeit mit ihnen gar nicht richtig genießen, weil ich ständig überlege, was ich jetzt „eigentlich“ tun müsste. Weil ich schon plane, was ich noch alles tun muss, wenn sie endlich im Bett sind. Umso frustrierter und nervöser werde ich da natürlich, wenn das dann nicht nach Plan läuft, weil sie immer wieder aus ihren Betten kommen, weil sie noch was trinken wollen oder noch mal auf die Toilette müssen – gern auch zwei oder drei Mal hintereinander… Im schlimmsten Fall eskaliert es dann und endet im Geschrei meinerseits, woraufhin ich mich dann nur noch schlechter, weil als komplette Versagerin und Rabenmutter, fühle.

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Ich muss gelassener werden

Ja, leichter gesagt als getan. Ich probiere es aber. Ich habe beschlossen, den Feierabend wirklich Feierabend sein zu lassen und außer essen und fernsehen nichts mehr groß zu tun. Ich muss einfach lernen abzuschalten. Ich möchte mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen, mich richtig auf sie einlassen, wirklich etwas mit ihnen machen, mich nicht immer nur wie eine Dompteuse im Raubtierkäfig fühlen, die froh ist wenn die Show vorbei ist und sie wieder weitergrübeln kann: „Kinder, essen kommen!“ „Carlos! Nein!“ „So, und jetzt alle Zähneputzen!“ „Ich zähl jetzt bis fünf, und dann sind alle Kinder in ihren Betten!“ Ich möchte wieder Spaß am Leben und an meinen Kindern haben. Im Hier und Jetzt leben, den Augenblick genießen. Wir müssen uns immer wieder klarmachen: Unser Alltag ist ihre Kindheit. Natürlich wird es immer mal hektischere Phasen geben, nur sollte das kein Dauerzustand sein. Werden sie dieses Gefühl der Geborgenheit ansonsten nicht auch mal vermissen? Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass das Gefühl des Angekommenseins vor allem aus einem selbst heraus entstehen muss, es ist eine Einstellungsfrage, die eigene innere Haltung. Ich denke, dass es nicht sonderlich von äußeren Faktoren abhängt. Das gibt mir die Hoffnung, selbst jetzt, in der wohl chaotischsten Zeit meines Lebens, „ankommen“ zu können.

Wie seht Ihr das? Seid Ihr schon angekommen?