Freundebücher – Wettbewerb schon im Kindergarten?

Freundebücher sind bei uns in der Kita gerade der große Renner. Gestern musste ich mal wieder gleich zwei auf einmal für meine Mittlere ausfüllen, aber selbst die 3-Jährige kam schon öfters mit einem an. Heute früh lag schon wieder eines in ihrem Fach. Dann weiß ich also, was heute Abend zu tun ist… Das Positive ist aber, dass es mir tatsächlich Spaß macht, sie auszufüllen. Nur wenn es darum geht, ein Foto einzukleben, bereue ich jedes Mal, die Fotoaufkleber nicht doch bestellt zu haben. Irgendwie hatte mir aber keines der letzten Kitafotos so richtig gefallen, so dass ich zum ersten Mal von Bestellungen absah (und 8,00 € war mir das schönste der eh nicht so schönen Bilder dann auch nicht wert). Nun muss ich also selbst ausdrucken wenn´s um das Einkleben des Bildes geht. Wenigstens war ich letztes Mal so vorausschauend, dass ich gleich mehrere Fotos meiner Kleinen in Passfotogröße ausgedruckt habe – was mir heute schon zu Gute kommen wird. Yeah!

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Freundebücher gab es früher natürlich auch schon, aber so fern ich mich erinnern kann, erst ab der Grundschule, oder? Und ich kann mich auch noch daran erinnern, dass nur die allerallerwenigsten Streber auch tatsächlich ein Foto eingeklebt hatten, meistens wurde einfach nur eine Art Selbstportrait hineingekritzelt. Beginnt der Wettbewerb heute schon im Kindergarten? Wer kann schon alles selbst seinen Namen hineinschreiben (oder sogar noch mehr)? Wer hat die pädagogisch sinnvollsten Hobbys? Wer kann am besten malen? Viktoria-Luises (Name natürlich frei erfunden) Eltern haben ihr scheinbar Glitzeraufkleber gekauft, die sie eingeklebt hat, wir nur etwas mit Buntstiften gemalt… Klar, dass die Eltern für ihre Kindergartenkinder das Schreiben übernehmen müssen, aber das demonstrative „ALLES (!)“ auf die Frage, was das Kind am liebsten isst, klingt schon sehr nach sich damit brüstenden Eltern. Besonders wenn neben Großbuchstaben und Ausrufezeichen auch noch ein stolz lachender Smiley prangt.

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Bei vielen Antworten merkt man richtig, wie die Eltern dem Kind eingeredet haben, was man doch schreiben könnte; und klar ertappe auch ich mich selbst dabei: Stichwort „meine Hobbys“ – meine Tochter: „fernsehen gucken“, ich: „aber du machst doch viel lieber Bügelperlen“, meist überlasse ich aber tatsächlich ihr zu hundert Prozent die Antworten, gerade wenn ich selbst zu müde bin um nachzudenken und es schnell gehen muss – auch wenn dann bei „das wünsche ich dir“ statt „viel Gesundheit und Glück auf deinem Lebensweg“ ein „Baby“ oder ein „Vampir oder „ein kleiner Bruder“ herauskommt (nicht erfunden!)… Wenn meine mittlerweile unkonzentrierte Tochter (da schon gegen Ende  der Bearbeitung des  zweiten Freundebuchs) aber nur noch Stuss zusammenantwortet, wie etwa neulich auf „was magst du an mir am liebsten?“ mit „Stift“, greife ich dann aber doch ein. Meist sitzt ihre kleine Schwester dann daneben und versteht nicht, warum sie nicht ins Freundebuch malen darf, und warum nicht wenigstens auf die anderen Seiten, wenn dieses Blatt eben von Carla ist…

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Ich werde meinen beiden nun auch ein Freundebuch kaufen. Und Glitzeraufkleber. Und ich werde auf jeden Fall nie wieder auf die Fotoaufkleber des Schul-/ Kitafotografen verzichten!! Für Emma (3) find ich´s zwar eigentlich noch etwas früh, aber was ihre Schwester bekommt und ihre beste Freundin schon besitzt, möchte sie natürlich auch haben, und für Carla (5) ist es schon schön, ihre Kindergartenfreunde vor der Einschulung nächstes Jahr noch mal alle in einem Buch festzuhalten – und jetzt kleben ja auch wenigstens alle noch ganz gewissenhaft so schöne Fotos ein!

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