Verlängertes Wochenende mit drei Kindern – janz entspannt in Berlin

Meeeensch, was hatten wir heute für ´nen schönen Tag der Deutschen Einheit!… Überhaupt war das gesamte lange Wochenende bei uns ziemlich entspannt; ich werde es mal „verbloggen“ (hab ich noch nie gemacht…).

Samstag: Ich entfloh dem morgendlichen Chaos erstmal, wie so oft, zum Bäcker und besorgte Brötchen und frische Croissants. Amori deckte in der Zeit den Tisch und kochte Tee und Kaffee. Nach dem ausgiebigen Frühstück fuhren wir die Kinder zum Geburtstag. Zum ersten Mal waren alle drei eingeladen, und so hatten wir von 11:00 bis 18:00 Zeit, das Haus zu putzen, den Garten in Schuss zu bringen und einkaufen zu gehen. Ja, klingt nicht spannend, war aber nötig und ist mit drei Kindern zu Hause fast unmöglich. Abends, nachdem die Mäuse dann gegessen hatten und frisch gebadet und glücklich erschöpft vom Geburtstag müde in ihre Betten fielen (und sofort einschliefen!), holte ich uns Sushi To Go aus unserem Lieblingsjapaner Kuchi, welches wir gemütlich mit ein paar Gläschen Prosecco Campari (find die Mischung sogar besser als mit Aperol!) vor dem Fernseher verputzten. Himmlisch!….

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Sonntag: nach einem ausgiebigen gemeinsamen englischen Frühstück – das hat sich bei uns irgendwie zur Tradition gemausert (in Andenken an meine London-Zeit – hab mal drei Jahre dort gewohnt), widmete ich mich dem Papierkram, der in der Woche liegen geblieben war. Die Kinder spielten derweil  mit ihrem Papa. Gegen Mittag begann ich mit den Vorbereitungen fürs Essen: der spanische Opa hatte sich angekündigt und ich machte eine Gemüselasagne, da passte es gut, dass in dem Moment unser Nachbar klingelte und uns seine letzte Ernte grüne Bohnen aus dem Garten vorbeibrachte. Leeeeecker!!!

Nach dem Essen sahen wir einen Film. (Seit letzter Woche haben wir nun endlich Satellitenfernsehen und können also auch jeden spanischen Sender empfangen.) Das Ganze erinnerte mich sehr an frühere Zeiten, in denen wir jeden Sonntag bei meinen Großeltern verbrachten. Es gab immer etwas Leckeres zu essen, gefolgt von Filmen, gefolgt von Kaffee und Kuchen, gefolgt von mehr Filmen, gefolgt von mehr Essen, gefolgt von ´ner Flasche Sekt, etc., etc… Bei uns gab es „nur“ eine Lasagne, gefolgt von  einem Film, und dann irgendwann Kaffee. Draußen regnete es ununterbrochen; ein richtiger Landregen in Berlin. Die Kinder spielten mit ihren neuen Bügelperlen. Es war wirklich ungewohnt ruhig und harmonisch. Gaaaanz entspannt. Entgegen unserer Planung waren wir sogar zu faul, uns abends noch etwas zu Essen zu machen, und so landeten wir mit der Auflaufschüssel Lasagne vor dem Fernseher auf dem Sofa. Ich hoffe, das macht jetzt nicht den totalen „Asi-Eindruck“, aber schön war´s mal, denn sonst sind wir immer nur am Rennen und haben weder Zeit noch Muße, mal faul zu sein.

Montag: Brückentag in der Kita, aber die Schule hatte ihren Hort geöffnet. Vormittags spielten die Mädchen wieder mit Bügelperlen, danach „Baby“ in ihrem Zimmer und stritten sich auffällig wenig. Ich und Amori gingen die Weihnachtsferienplanung an (sind aber immer noch unentschlossen was die Flüge angeht). Mittags kochte ich aus dem restlichen Gemüse vom Vortag ein indisches Curry, mit Kürbis, den Bohnen vom Nachbarn, Blumenkohl, Kartoffeln, Erbsen und etwas frischer Paprika. Dazu gab´s Basmatireis, in Salz-Kardamom-Wasser zubereitet. Très bon! Ich machte gleich zwei Töpfe: ein Kinder-Curry (nicht scharf) und eines für uns Eltern mit reichlich Chili. Ich liiiiiieeeeebe scharfes Essen! Nachmittags musste Amori dann los zur Arbeit, er nahm Carlos mit. Ich ging derweil mit den Mädchen Schuhe kaufen, die alten fielen schon fast auseinander. Abends gab es belegtes Pumpernickel, dazu Gurkenscheiben. Hatte ich ewig nicht gegessen!

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Dienstag: Tag der Deutschen Einheit. Die Kinder ließen uns auffällig lange schlafen, bis um 9:00! Nach dem Frühstück zogen wir los in Richtung Teufelsberg, kletterten hinauf und fanden uns oben mit vielen anderen Familien wieder, die die gleiche Idee hatten. Viele ließen Drachen steigen. (Ich muss uns auch unbedingt einen besorgen!)

Das Wetter empfand ich trotz Wind und mehrfacher Regenschauer als perfekt, es war nicht kalt, authentisch herbstlich und erinnerte mich an meine geliebten romantischen englischen Dramen à la Wuthering Heights oder Sense and Sensibility (Sturmhöhe oder Sinn und Sinnlichkeit). Nach unserem Abstieg wanderten wir noch lange durch den Grunewald.

Hungrig fielen wir dann gegen 14:00 in der „Scheune“ ein. Deutsche Küche ist irgendwie genau das richtige bei dem Wetter! Wir aßen Käsespätzle, Schnitzel und Ochsenfetzen, tranken Bier und Fassbrause, und zum Nachtisch gab´s den besten Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster. Leider mussten wir uns dann beeilen, weil Amori zur Arbeit musste – und so trank ich zum Abschluss statt Cappuccino einen Espresso auf ex. 😉

Schatzl ist also jetzt arbeiten, ich schreibe an meinem Blog und die Kinder spielen mit….? Richtig: Bügelperlen! Gerade als ich darüber sinnierte, wie ruhig und gemütlich und ohne größere Aufregungen dieses lange Wochenende bei uns doch ablief, kam meine Kleinste weinend auf mich zu: eine Bügelperle steckte in ihrer Nase! Ich probierte es mit Schnauben und Schieben, doch sie wollte nicht mehr hinaus! Selbst mit der Pinzette bekam ich sie nicht richtig zu fassen. Ich sah uns schon die halbe Nacht im Krankenhaus sitzen (bis man in Berlin in der Kinder-Ersten-Hilfe dran kommt, dauert es)! Weiterhin versuchend, ihr die Bügelperle aus der Nase zu fummeln, ließ ich meine Tochter noch einmal kräftig schnauben, als plötzlich – schwupp – die Perle herausplumpste!

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Wie habt Ihr das verlängerte Wochenende verbracht? Auch eher ruhig oder gab es „Aufreger“?

 

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Wann komme ich endlich an?

Ich meine das jetzt nicht im Sinne von „wann sind wir da?“, sondern das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Kennt Ihr das? Ich kenne es nämlich leider nicht. Also, nicht wirklich. Klar, es gibt Momente in denen auch ich mich geborgen, glücklich, sicher und komplett fühle, aber eben nur Momente. Ich sehne mich mittlerweile mehr denn je nach diesem Grundgefühl des Angekommenseins. Aber bei uns ist momentan wieder mal so viel los, dass das wohl leider vorerst noch ein Wunsch bleiben wird. Irgendwie ist immer ziemlich viel los bei uns. Die letzten zehn Jahre sind vergangen wie im Flug und es ist sooo viel passiert wie bei anderen in der doppelten Zeit – mindestens: drei Kinder bekommen, drei Fehlgeburten erlebt, die Großeltern nebenbei gepflegt bis zu ihrem Tod, Oma gestorben, Opa gestorben, vier Mal umgezogen, Bachelor gemacht, Master fast fertig, den Nebenjob drei Mal gewechselt, angefangen zu bloggen, eine Sprache fließend und verhandlungssicher gelernt… Dass ich jetzt Mitte dreißig und Mutter von drei Kindern bin, habe ich immer noch nicht so ganz realisiert. Ich habe immer noch keine feste, sichere Arbeit, sondern arbeite als studentische Mitarbeiterin. Dieser Job ist, klar, befristet – zumindest bis ich keine Studentin mehr bin. Und das wird sein…. Tja, das ist die nächste Baustelle, die unsicher über mir hängt. Eigentlich fehlt mir nur noch eine Seminararbeit, die ich, wenn ich mich da richtig hinterklemme, locker in nem Monat erledigt haben könnte und eben die Masterarbeit. Das ist ein anderes Ding. 80 Seiten inkl. Recherche schreiben sich eben nicht mal so nebenbei. Und die Zeit, das zu priorisieren, habe ich mit dem Job, den drei Kindern, dem Umzug, der ansteht, etc., etc., gerade nicht. Ja, da ist der Umzug, der kurz bevorsteht (der vierte in acht Jahren), vorher müssen wir das Haus in das wir einziehen aber noch entrümpeln, was leichter  gesagt als getan ist. Ich könnte noch hundert weitere Dinge aufzählen, die jetzt anstehen und mindestens genauso wichtig und groß sind wie die bereits genannten, aber der Tenor ist ja der gleiche. Ich möchte endlich alles erledigt haben. Ich möchte, dass alles in Ordnung ist. Ich möchte mich entspannen können, ein geregeltes, spießiges Leben führen, kreditwürdig sein. Seit geraumer Zeit ist es bei mir nämlich so, dass ich ständig am Grübeln bin, To-Do-Listen erstelle oder abarbeite, in jeder freien Minute, wie eine Getriebene. Wenn die Kinder gerade in der Badewanne sind, wenn ich an der roten Ampel stehe, sogar wenn ich nachts kurz mal aufs Klo muss, checke ich schnell, ob nicht vielleicht doch in der Zwischenzeit eine wichtige Mail angekommen ist oder ob jemand mein Foto auf Instagram geliket hat. Das ist krank, ich weiß. Und es macht nicht nur mich sondern auch meine Umwelt verrückt. Westenddad ist echt genervt (und das ist noch milde ausgedrückt), dass ich, selbst wenn ich abends neben ihm auf dem Sofa sitze (und da er nachts arbeitet ist das ja auch nur zwei Mal pro Woche), nicht wirklich da bin, sondern immer in Gedanken woanders. Für die Kinder ist es natürlich auch nicht schön. Ich kann die Zeit mit ihnen gar nicht richtig genießen, weil ich ständig überlege, was ich jetzt „eigentlich“ tun müsste. Weil ich schon plane, was ich noch alles tun muss, wenn sie endlich im Bett sind. Umso frustrierter und nervöser werde ich da natürlich, wenn das dann nicht nach Plan läuft, weil sie immer wieder aus ihren Betten kommen, weil sie noch was trinken wollen oder noch mal auf die Toilette müssen – gern auch zwei oder drei Mal hintereinander… Im schlimmsten Fall eskaliert es dann und endet im Geschrei meinerseits, woraufhin ich mich dann nur noch schlechter, weil als komplette Versagerin und Rabenmutter, fühle.

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Ich muss gelassener werden

Ja, leichter gesagt als getan. Ich probiere es aber. Ich habe beschlossen, den Feierabend wirklich Feierabend sein zu lassen und außer essen und fernsehen nichts mehr groß zu tun. Ich muss einfach lernen abzuschalten. Ich möchte mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen, mich richtig auf sie einlassen, wirklich etwas mit ihnen machen, mich nicht immer nur wie eine Dompteuse im Raubtierkäfig fühlen, die froh ist wenn die Show vorbei ist und sie wieder weitergrübeln kann: „Kinder, essen kommen!“ „Carlos! Nein!“ „So, und jetzt alle Zähneputzen!“ „Ich zähl jetzt bis fünf, und dann sind alle Kinder in ihren Betten!“ Ich möchte wieder Spaß am Leben und an meinen Kindern haben. Im Hier und Jetzt leben, den Augenblick genießen. Wir müssen uns immer wieder klarmachen: Unser Alltag ist ihre Kindheit. Natürlich wird es immer mal hektischere Phasen geben, nur sollte das kein Dauerzustand sein. Werden sie dieses Gefühl der Geborgenheit ansonsten nicht auch mal vermissen? Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass das Gefühl des Angekommenseins vor allem aus einem selbst heraus entstehen muss, es ist eine Einstellungsfrage, die eigene innere Haltung. Ich denke, dass es nicht sonderlich von äußeren Faktoren abhängt. Das gibt mir die Hoffnung, selbst jetzt, in der wohl chaotischsten Zeit meines Lebens, „ankommen“ zu können.

Wie seht Ihr das? Seid Ihr schon angekommen?