Familiendrama Erbschaft oder bei Geld hört die „Freundschaft“ auf

 

Davon, dass Erbschaftsstreitigkeiten schon die besten Familien auseinandergetrieben haben, hat man oft gehört, aber dass es einen selbst einmal treffen kann, damit rechnet man nicht. Jetzt hat es uns aber getroffen. Da ich momentan leider an nichts anderes mehr denken kann, war das heutige Thema unvermeidlich. Mein Kopf ist gerade nicht frei für etwas anderes. Am besten, ich fange einfach mal an:

Meine Großeltern sind beide kurz nacheinander verstorben. In ihrem notariellen Testament haben sie mich, anstelle ihrer zwei Töchter (meiner Mutter und meiner Tante), nach ihrem Tod als Alleinerbin eingesetzt. Meine Mutter hat mich damals als kleines Kind zu ihnen gegeben und sie haben mich liebevoll aufgezogen, waren oft mit mir verreist und haben bis zuletzt alles für mich getan. Unsere Beziehung war entsprechend eng. Als sie dann selber erkrankten, habe ich mich um sie gekümmert. Das Verhältnis zwischen ihnen und meiner Mutter hingegen war seit ich denken kann angespannt. Meine Tante war zwar sporadisch immer mal bei ihnen zu Besuch oder hat angerufen, aber irgendwann hat auch sie sich dann gar nicht mehr bei ihren Eltern gemeldet.

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All by myself…

Die letzten Jahre mit meiner Großmutter waren nicht immer leicht. Sie war an Alzheimer erkrankt, litt zusätzlich an Depressionen und unter Angstzuständen. Sie konnte nichts mehr alleine machen, und da mein Opa es nie gelernt hatte, machten mein Partner und ich nun alles für sie und mit ihnen. Das ging von Papierkram regeln (es gab unter anderem zwei Häuser zu verwalten) über Begleitung zu Arztbesuchen bis hin zum Mittagessenkochen, Aufräumen und Einkaufen. Es machte uns Spaß, Zeit miteinander zu verbringen, aber es gab auch sehr anstrengende und belastende Zeiten. Die Krankheit meiner Oma schritt voran und ihre Launen verschlimmerten sich, sie war teilweise unausstehlich, weil sie einfach nicht mehr verstand, was um sie herum passierte. Dann wurde sie unfair und verletzend. Wir waren eingeschränkt durch sie, konnten z.B. nicht so lange im Urlaub bleiben wie wir es sonst gern getan hätten, weil wir uns um sie kümmern mussten. Ein Austauschsemester in der Nähe unserer andalusischen Familie war undenkbar. Mindestens vier Mal die Woche waren wir bei Oma und Opa und halfen und putzten und taten und machten. Wo wir anfangs noch mithalfen, machten wir jetzt alles alleine für sie und wurden zudem noch oft dafür angemeckert. Sie konnte nichts dafür, es war die Krankheit. Oma fühlte sich bevormundet, alleine hätte sie es aber nicht machen können. Statt dankbar zu sein, war sie neidisch, dass wir das, was sie nicht mehr konnte, scheinbar mit links erledigten. Unsere drei kleinen  Kinder (die sicher auch lieber etwas anderes unternommen hätten, als immer nur zu den meckernden Urgroßeltern zu gehen) nervten sie zunehmend. Auch wir waren häufig am Rande unserer Belastbarkeit. Und dennoch taten wir es gern und bereuen es nicht eine Sekunde. Selbst in den schwierigsten Zeiten gab es immer auch sehr schöne Momente, die ich nicht missen möchte! Einen Pflegedienst lehnte meine Oma kategorisch ab, erst als sie gar nicht mehr alleine bleiben konnte (mein Opa musste drei Mal pro Woche zur Dialyse), und wir es mit der Arbeit nicht anders vereinbaren konnten, ging sie, wenn Opa bei der Dialyse war, in eine Tagespflege und hasste es (und uns dafür). Es war keine leichte Zeit. Und es war eine Zeit, in der uns die übrige Familie ganz allein ließ mit dieser Aufgabe. Sie hingegen lebten munter ihr selbstbestimmtes Leben weiter vor sich hin.

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Die Geier kommen!

Nun aber, da beide (Groß-)Eltern tot sind, sind sie ganz schnell da, um ihren Pflichtteil einzufordern. Aber sie kommen nicht persönlich, dazu sind sie zu feige, sie kommen über ihren Anwalt, ganz ohne uns vorher auch nur einmal persönlich kontaktiert zu haben. Wohl um ganz sicherzugehen, dass auch ja alles mit rechten Dingen zugeht, dass alles bis ins Kleinste genauestens in den Pflichtteil hineingerechnet wird. Und statt zu warten bis das eine Haus verkauft ist (denn vorher KANN ich gar nichts auszahlen, egal ob mit oder ohne Anwalt), oder überhaupt mal zu fragen , was bei uns gerade abläuft, wie es uns geht, oder (Gott bewahre!!) ob man uns denn eventuell mit irgendetwas behilflich sein könnte, müssen wir uns nun auch noch mit den von ihnen auferlegten (und im übrigen viel zu kurz bemessenen) Fristsetzungen und anderen Forderungen auseinandersetzen. Und das Absurdeste daran: meine Tante, die mit dem Anwalt gekommen ist, hat dies nicht einmal nötig. Sie hat eine gutlaufende Firma, zwei Häuser, mehrere Autos, ein kürzlich erworbenes neues Wohnmobil… Warum also diese Machtspielchen? Selbst meine Mutter redet jetzt auf uns ein, doch bitte auch noch auf keinen Fall in das Haus in Westend einzuziehen! Warum? Na…. falls wir das auch noch verkaufen müssten, um ihnen den Pflichtteil auszahlen zu können! Man weiß ja nie…

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Ich bin echt fassungslos über so viel Berechnung und Unverschämtheit! Sehe ich das Ganze zu emotional? Nehme ich es zu persönlich? Hört bei Geld wirklich einfach die „Freundschaft“ auf? Wie seht Ihr das? Habt Ihr schon mal ähnliche Erfahrungen gemacht?

Die Kündigung für unsere Mietwohnung haben wir übrigens heute abgeschickt! 😉

Kindergeburtstage und andere Katastrophen

 

Vorgestern war es mal wieder soweit: ein Kindergeburtstag stand an. Meine Tochter Carla wurde fünf! Da genau an ihrem Geburtstag das Wetter endlich richtig schön werden sollte, entschieden wir uns dafür im Garten zu feiern. Meine anderen beiden Kinder sind im Winter geboren, da geht das natürlich nicht. Einmal haben wir den Geburtstag meines Sohnes zu Hause gefeiert, sonst sind wir immer auf Indoorspielplätze, Kletterhallen oder Legoland ausgewichen. Das kostet Eintritt, Verpflegung und Nerven. Diesmal wollten wir keinen Stress! Geplant war also, dass die Kinder nach der Kita zu uns kommen und gegen 18:30 wieder abgeholt werden. Neben dem Gartentrampolin, unseren 16 Schildkröten und einem großen Planschbecken, sollte es nicht viele weitere Attraktionen geben.

[Ich muss an dieser Stelle zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht die Mutter bin, die gerne Geburtstagsspiele organisiert, ich graule mich regelrecht davor, und habe gleichzeitig immer ein schlechtes Gewissen deswegen. Ist es nicht das, was man eigentlich tun müsste? Macht man das nicht als gute Mutter am Geburtstag der Kinder? Meine hat es nie getan. Und niemand hat es je bei meinen Partys vermisst. Ich auch nicht. Wenn bei anderen Geburtstagen Spiele gemacht wurden, hat es mir aber auch immer Spaß gemacht. Ich kann also nicht von mir behaupten, dass ich jetzt einfach grundsätzlich der Typ bin, der so etwas nicht mag. Wenn es gemacht wird, ist es schön, wenn nicht, ist es genauso schön. Ideal wäre vielleicht jemand, der mir das abnimmt, eine Schwester, eine gute Freundin, der Papa…  – muss ich mir fürs nächste Mal organisieren – nur mit der Schwester wird´s schwierig, ich habe nämlich gar keine…]

Stress gab´s natürlich trotzdem. Geburtstage kommen nämlich, genau wie Weihnachten, immer so überraschend. Naja, diesmal war aber auch das Wetter schuld. Erst hieß es, es soll schlecht sein am Geburtstag, dachte ich also, wir feiern eh nach, dann sollte es nur am Geburtstag schön sein, am darauffolgenden Wochenende aber nicht. Ok, feiern wir also am Geburtstag – huch, der ist ja schon in vier Tagen! Dann musste aber natürlich vorher mit Carla geklärt werden, wer eingeladen wird. Als dies dann feststand, habe ich – drei Abende vorher – schnell alle per WhatsApp eingeladen. Fürs Einladungskartenbasteln blieb ja keine Zeit. Das Geschenk wurde über Amazon Prime bestellt, damit es auch garantiert rechtzeitig ankommen würde. Außerdem sollte noch eine Piñata her – ein bisschen Attraktion braucht man dann ja doch. Leider gab´s im Internet keine, die auch garantiert bis zu dem Tag (bzw. einen Tag vorher) geliefert werden würde, also musste ich eine besorgen, nach der Arbeit und ganz analog. Es war schon einen Tag vor der Party und der Laden hatte nur Piñatas ab 38€! Die waren zwar sehr schön, aber fast 40€ für etwas ausgeben, was dann nur zum Kaputtmachen gedacht ist, finde ich schon etwas überteuert. Nun ja, ich hatte keine Zeit für eine Alternative, und so kaufte ich die teure Piñata.

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Danach besorgte ich noch die Füllung, etwas zum Grillen, Getränke, … Am Abend, nachdem die Kinder im Bett waren und wohl schon von der Party träumten, stand ich dann bis 23:00 in der Küche und habe zwei Geburtstagskuchen gebacken – einen für die Kita, einen für die Feier am Nachmittag.

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Kaum setzte ich mich das erste Mal nach gefühlten 20 Stunden auf den Beinen hin, legte die Füße hoch, da fiel mir ein, dass ich ja noch das Geschenk einpacken musste, und so machte ich mich ans Werk…

Am nächsten Morgen stand ich extra früh auf (war Schlaf nicht sowieso überbewertet?), wollte mein Geburtstagskind wachküssen, das aber schon eine halbe Stunde im Wohnzimmer vor dem Fernseher saß und sein Geschenk aufmachen wollte. Ich wusste nicht recht, da ich es eigentlich immer schöner finde, wenn alle Kinder (also die Geschwister) mit dabei sind, aber die haben noch geschlafen. Ich sagte ihr also, sie solle mal kurz warten, in der Zeit zeigte ich ihr die leckeren Geburtstagskuchen, die ich extra für sie bis mitten in die Nacht gebacken hatte.

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Sie fing sofort an zu schreien, dass sie nicht zwei mit Smarties wollte sondern nur einen mit Smarties und einen mit Anna und Elsa!! Außerdem wolle sie endlich ihr Geschenk aufmachen – jetzt sofort! OK, ok, um sie zu beschwichtigen, erlaubte ich es ihr. Es waren Rollschuhe, also genau das, was sie sich gewünscht hatte. Sie freute sich! Und wollte sie natürlich sofort anprobieren. Ihr zu erklären, dass wir jetzt nicht so viel Zeit hätten, weil wir ja losmüssten zum Kindergarten und es überhaupt auch keine gute Idee sei, in der Wohnung Rollschuh zu laufen, war keine Option. Ich zog sie ihr also an. Da stand Carlos auf. Als er sah, dass sie ihr Geschenk bereits ohne sein Beisein geöffnet hatte, fing nun auch er an zu schreien und bekam schlechte Laune. Zuletzt war dann auch Emma wach. Ich überließ es meinem Schatz, die Kinder anzuziehen, während ich mich fertigmachte. Es meckerte und diskutierte aus dem Wohnzimmer. Carla weinte bitterlich, schrie sich dabei fast die Seele aus dem Leib und hörte gar nicht mehr auf. Der Grund? Sie wollte nicht einsehen, dass sie jetzt nicht mit Rollschuhen in die (10 km entfernte) Kita fahren durfte – zudem sie auch noch gar nicht Rollschuhlaufen konnte. Des lieben Friedens Willen gestattete ich es ihr schließlich, die Rollschuhe wenigstens anzulassen, während ich sie im Auto dorthin kutschierte. Wir kamen an: natürlich gab´s keinen Parkplatz in unmittelbarer Nähe der Kita, sondern eine Ecke weiter. Wir stiegen wir aus. Ich: in der einen Hand den Kuchen und die Tüte mit Carlas Straßenschuhen, an der anderen Carla, die doch SEEEHR wackelig auf den in Rollschuhen steckenden Beinen war (Mein Vorschlag, doch lieber die normalen Schuhe anzuziehen, wurde vehement angelehnt.), Emma, die Kleinste, lief heulend vor mir her. Heulend, weil sie auch an meine Hand wollte, ich aber keine mehr frei hatte. Kurz vor dem Kita-Eingang – Carla war da bereits mehrfach fast hingefallen, mehrere Eltern uns erschrocken ausgewichen, und mein Arm hatte schon nach 200 Metern einen schlimmen Muskelkater vom Ausbalancieren – willigte sie doch endlich ein, die anderen Schuhe anzuziehen. Während ich ihr schnaufend die Rollschuhe auszog, entwich mir ein „Ich hab´ doch gesagt, dass Du das noch nicht kannst“, daraufhin sie: „Na warum schenkt Ihr mir denn dann sowas überhaupt?!“

OOOOOHHHHHMMMMMM!!!!!!

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Wie laufen Eure Partys und deren Vorbereitungen so ab? Seid Ihr besser organisiert oder kommen die Geburtstage für Euch auch immer so überraschend? Wo feiert Ihr lieber? Auswärts oder zu Hause? Bastelt Ihr die Einladungen selbst, macht Ihr Partyspiele, oder mögt Ihr´s lieber gechillt? -soweit man das Wort überhaupt mit „Kindergeburtstag“ in Verbindung bringen kann. Ich bin gespannt auf Eure Erfahrungen!

Wir ziehen schon wieder um – oder: Hurra, ich werde wieder eine echte Westendmum !!!

Die Entscheidung steht seit gestern fest: wir ziehen wieder nach Westend! Das ist dann unser vierter Umzug in nur acht Jahren. Der letzte ist nicht einmal ein Jahr her… aber  sind zu viele Umzüge nicht schlecht für die Kinder?

Die meisten unserer Umzüge waren nicht wirklich freiwillig: der erste war von meiner 1-Zimmer-35m²-Single-Erdgeschoss-Wohnung in der Berliner Kantstraße in eine größere Wohnung am Stuttgarter Platz, also gleich um die Ecke. Der Grund war die Familiengründung: Mit Westenddad hatte ich einen neuen Partner an meiner Seite und ziemlich schnell auch ein kleines Baby. Etwas Größeres musste also her. Das Baby war zur Zeit des Umzugs gerade einmal ein halbes Jahr alt, wird den also gut verkraftet, bzw. nicht einmal richtig mitbekommen haben.

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Die neue Wohnung lag gleich um die Ecke, im vierten Stock ohne Fahrstuhl eines ziemlich heruntergekommenen Hauses am Stuttgarter Platz, direkt an einer beliebten Einkaufsstraße in 1A-Lage. Das Haus war deshalb so heruntergekommen, weil der Eigentümer pleite ging. Nach drei Jahren wurde es von Architekten sehr günstig erworben. Dann der Schock: Das Haus sollte luxussaniert werden. Es wurde sogar eine Reportage darüber gedreht: Luxus rein, Mieter raus? – Wenn Wohnen unbezahlbar wird (dass ich mich mit einer Sozialstation selbständig machen wollte, stimmt allerdings nicht, keine Ahnung, wer sich das ausgedacht hat; ich hatte damals lediglich bei meiner Tante als Bürokraft in einer solchen gejobbt, um mir das Studium zu finanzieren). Nach einem Jahr Baustelle hätte uns dann die Verdopplung der Miete erwartet. Außerdem sollte unsere Wohnung komplett umgebaut werden: im riesigen Schlafzimmer, das als Kinderzimmer unserer mittlerweile zwei Kinder gedacht war, sollte eine Wohnküche entstehen, die Noch-Küche wäre aber für beide Kinder definitiv zu klein, genau wie Carlos´ bisheriges Kinderzimmer. Wir mussten also raus.

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Nach 8-monatiger Suche fanden wir schließlich eine echte Traumwohnung: 142m² Altbau mit Fahrstuhl, direkt am Kaiserdamm in Berlin-Westend (da entstand übrigens auch der Blog) und vor allem bezahlbar – jedenfalls auf den ersten Blick… Erst bei der Mietvertragsunterzeichnung las ich im selbigen, dass es sich um eine Staffelmiete handelte. Was also tun? Weitere acht Monate Wohnungen suchen oder unterzeichnen und hoffen, unsere wirtschaftliche Lage würde sich der Staffelmiete anpassen? (Ich war ja noch Studentin, kurz vorm BA-Abschluss, die Aussicht, sich künftig finanziell zu verbessern, schien also nicht hoffnungslos.) Ersteres wäre wohl weise gewesen. Wir entschieden uns allerdings für Letzteres. Leider hatten die Vermieter (wohl absichtlich) einen viel zu niedrigen Monatsabschlag an Heiz- und Nebenkosten veranschlagt. Als die Abrechnung dann kam, waren wir geschockt: für das erste Jahr sollten wir satte 2.700€ nachzahlen, der monatliche Abschlag stieg um 200€! Im zweiten Jahr waren es dann immerhin noch 1.700€ Nachzahlung, der monatliche Abschlag stieg um weitere 100€. Wir waren also nach nur drei Jahren bei einer Warmmiete angekommen, die wir allein durch die Staffelung erst nach acht hätten erreichen sollen.

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Nur für die Miete zu arbeiten, macht keinen Spaß!

Also zogen wir letztes Jahr schweren Herzens die Konsequenzen und zogen um. Mittlerweile waren wir übrigens zu fünft. Da es in Berlin immer schwerer wird, eine schöne, bezahlbare Wohnung für fünf Personen (eine entsprechende Mindestgröße sollte also auch gegeben sein) zu finden, die vor allem auch noch zentral gelegen ist (wir bevorzugten Charlottenburg, Wilmersdorf oder Schöneberg, gerne auch die mittlerweile leider völlig überlaufenen und überteuerten Bezirke Kreuzberg oder Neukölln), wichen wir schließlich auf Spandau aus. Bitte nicht falsch verstehen: wir fühlen uns hier wirklich sehr wohl, und die Ecke in der wir gelandet sind (PLZ 13585, Richtung Hakenfelde), erinnert sehr an Berlin-Neukölln vor noch 10 Jahren: kleine türkische Läden, keine Hipster, keine fairtrade Soya-Latte mit Himbeergeschmack to go weit und breit… Es hat schon etwas Idyllisches… ABER: es ist natürlich ziemlich weit ab vom Schuss. Mir war das ursprünglich eigentlich nicht so wichtig, fahre ich doch eh ständig Auto – na und, dann fahr ich halt nicht 5 sondern 20 Minuten zum Kindergarten und zur Schule. Dennoch, gerade morgens machen die schon einen großen Unterschied und es herrscht regelmäßig Chaos. Noch mehr als früher in Westend. Ich muss mich immer noch an die neuen Dimensionen gewöhnen – oder muss ich das wirklich noch?

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Plötzlich war alles anders

Vor Kurzem sind meine Großeltern gestorben und ich habe ein Haus geerbt. Und ratet mal wo? Genau, in Westend! Wir ziehen also wieder um, sparen uns Miete, Zeit und Kilometer. Und ich werde wieder zu einer ECHTEN Westendmum! 🙂 Ich hoffe, danach kehrt dann so langsam etwas Ruhe bei uns ein – jedenfalls bis wir es dann umbauen lassen 😉 . Die Kinder freuen sich drauf, und um meine Anfangsfragestellung aufzugreifen, ob sie die vielen Umzüge gut verkraften: ich bin mir sogar sicher! Carlos meinte zwar, wir seien wohl ein bisschen verrückt, dass wir erst umziehen und dann nicht mal ein Jahr später gleich wieder umziehen, aber ihr soziales Umfeld hat sich ja nicht verändert: die Kita, eine deutsch-spanische, mit der wir wirklich sehr zufrieden sind, würden wir niemals gegen eine andere tauschen, und die Schule, auf die Carlos letztes Jahr wechselte (nachdem er in Spandau nicht genommen wurde!) ist eine auf verhaltensauffällige Kinder spezialisierte, auf der es nur sechs Plätze in ganz Charlottenburg-Wilmersdorf gibt, und die auch noch direkt um die Ecke des Hauses liegt, in das wir nun einziehen werden. Manchmal denke ich, das kann nicht alles Zufall gewesen sein, oder?

ADHS – Tabuthema Medikation

Kürzlich war ich auf einem Klassentreffen meiner alten Musicalschule in Hamburg. Mit einer ehemaligen Klassenkameradin unterhielt ich mich über unsere Kinder, es kam das Thema ADHS auf. Einer meiner alten Mitschüler, der die Konversation mithörte, warf belustigt ein, man solle ihm doch einfach Ritalin geben. Er meinte das als Scherz, als wäre es natürlich völlig absurd, es tatsächlich seinem Kind zu verabreichen. Damit sprach er etwas an, dass gerade unter Eltern (meist nicht Betroffener) als absolutes No-Go gehandelt wird: Wie kann man denn seinem Kind nur Medikamente geben?!

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ADHS und die Gesellschaft

Die meisten Leute sind wie gesagt nicht selber betroffen, haben keine wirkliche Ahnung von dem Leidensdruck, dem sowohl ADHS-Kinder als auch ihre Eltern ausgesetzt sind. Ich habe ja nun schon öfter über das Thema ADHS geschrieben und gehe sehr offensiv damit um, allerdings war das nicht immer so: anfangs habe ich mich sogar etwas dafür geschämt, hätte es den anderen Eltern der Grundschulklasse meines Sohnes  am liebsten verheimlicht, aus Scham und aus Angst davor, er würde dadurch vielleicht sogar von seinen Mitschülern, oder vor allem von deren Eltern, ausgegrenzt, wie er es selbst von seiner Lehrerin erfuhr, die ihn konsequent von allen außerschulischen Aktivitäten ausschloss, weshalb wir ihn schließlich von der Schule nahmen: „Den Carlos lädst du bitte nicht zu deinem Geburtstag ein, der hat ADHS. Wer weiß, ob der nicht völlig durchdreht/ alles kaputt macht/ bei Ermahnungen nicht auf uns hört/… .“ Unwissen schürt ja oft Angst. Angst vor dem Unbekannten. Das war schon immer so und ist wohl prinzipiell eher etwas Gutes, etwas das uns vor z.B. Angreifern oder anderen Feinden schützt. Beim Thema Kinder mit ADHS ist es aber gänzlich unangebracht, wenn auch vielleicht im ersten Moment nachvollziehbar. Klar würde ich auch lieber die braven Kinder bei mir zu Hause zu Gast wissen, als ein impulsives, hyperaktives, oft unberechenbar scheinendes Kind. Aber Ausgrenzung ist definitiv falsch und sogar kontraproduktiv. Mein Sohn macht oft „Quatsch“, um Aufmerksamkeit zu bekommen, um zu gefallen, um akzeptiert zu werden und letztendlich Freunde zu gewinnen. Das ist ein sehr sensibles Thema bei uns. Er ist jetzt 8,5 Jahre alt und hatte erst einen guten Freund, jedoch ist leider auch diese Freundschaft irgendwann im Sande verlaufen als er die Schule wechselte und sich die beiden nicht mehr sahen. Ich habe probiert, Kontakt zu halten, aber es war schwer, das vor allem auch zeitlich zu arrangieren. Andere Kinder orientieren sich schnell um, knüpfen neue Freundschaften, doch für meinen Sohn ist das nicht so leicht.

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Der Leidensdruck ist groß

Nicht nur weil es meinem Sohn schwerfällt, Freunde zu finden, sondern weil er sich generell immer als „anders“ wahrnimmt, aber als anders im schlechteren Sinne. Er ist immer derjenige, der etwas nicht so gut kann (klar, weil er sich nicht konzentrieren kann), er ist immer derjenige, der den Unterricht stört und folglich ermahnt wird (klar, denn er ist impulsiv), er sieht sich oft als der, der immer Schuld hat. Selbst zu Hause bei Konflikten, wenn ich ihn frage, warum zum Teufel er denn jetzt wieder das oder das getan hat, äußert er Sätze wie „weil ich schlecht bin/ weil ich doof bin / weil ich scheiße bin“. Das tut mir weh, denn er ist absolut nicht doof oder „schlecht“. Er ist der liebenswerteste Junge, den ich kenne, das ist wirklich so. Er tut keiner Fliege was zu leide, hat einen super Humor und immer gute Laune – es sei denn es ist schon wieder zu einem Konflikt gekommen. Er hat ein sehr stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, ist sehr loyal, teilt stets alles was er hat, egal ob Süßigkeiten oder andere Dinge, gerecht auf und ist äußerst hilfsbereit. Seine Lehrer haben bei unserer letzten Konferenz sogar gemeint, er sei der intelligenteste Junge in seiner Klasse, nur stehe er sich selber im Weg, bzw. das ADHS stehe ihm im Weg, weshalb er diese Ressource nicht nutzen könne. Er könne sich maximal 10 Minuten am Stück konzentrieren, was trotzdem hängen bleibt sei erstaunlich. Was drin wäre, wenn man das Konzentrationsvermögen steigern könnte, undenkbar.

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Medikation als Chance für die Kinder

Die Vorstellung, dass unser Sohn endlich einmal Erfolgserlebnisse haben könnte, sowohl was seine schulische Leistung wie auch seine sozialen Kompetenzen angeht, hat uns schließlich zu der Entscheidung gebracht, es doch noch einmal mit Medikamenten zu probieren. Wir hatten bereits vor ca. einem Jahr mit Medikinet (Wirkstoff: Methylphenidat) angefangen, jedoch waren die Nebenwirkungen es nicht wert, und so setzten wir es nach nur 2 Monaten wieder ab: Carlos litt unter Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, hatte Angstzustände und wirkte wie ausgeschaltet, teilweise sogar deprimiert. Wenn Eltern deshalb gegen Medikation sind, kann ich ihnen nur zustimmen, aber diese Nebenwirkungen sind von Kind zu Kind unterschiedlich. Die meisten vertragen ihre Medikamente sehr gut, und wenn nicht, dann kann und sollte man sie wieder absetzen. Selbstverständlich war die medizinische Behandlung nicht seine einzige Therapie: zusätzlich bekam Carlos Neurofeedback, eine Methode, mit der er mittels Sichtbarmachung der Gehirnströme mit Gedankenkraft, Dinge am Computermonitor bewegen konnte, so sollte er lernen, sich zu konzentrieren, und wie dies sich anfühlt, und er begann parallel dazu eine Verhaltenstherapie, die er immer noch macht. Außerdem hatte er endlich einen von nur 6 Plätzen an einer Schule, die auf Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten spezialisiert war, ergattert, auf die er nach den Sommerferien wechseln würde. So setzten wir das Medikinet schließlich ab. Alternative Medikamente wollten wir nicht, wir setzten die Hoffnung voll auf den Erfolg der anderen Therapien.

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Medikation als letzter Ausweg

Wir wollten keine Medikamente mehr. Bis jetzt. Ein Jahr später haben wir nun wieder damit begonnen, diesmal Ritalin (der Wirkstoff ist zwar der gleiche wie bei Medikinet, aber die zusätzlichen Stoffe leicht anders, was laut Jugendpsychiater auch eine Auswirkung auf die Verträglichkeit haben könnte, außerdem sei unser Sohn ja jetzt auch schon ein Jahr älter, was dabei wohl auch eine Rolle spiele). Vorher fanden viele Gespräche mit seinen Lehrern und Erziehern statt, sowie mit seinem Kinder- und Jugendpsychiater. Der Leidensdruck war teilweise unerträglich: es gibt immer mal bessere und schlechtere Wochen, aber es wurde wieder so schlimm, dass wir es nicht mehr aushielten: Carlos drehte nur noch durch, hielt sich an keine Regeln, provozierte nur noch, hörte auf nichts mehr was irgendjemand sagte, war ständig unruhig, zappelig und steckte damit natürlich die ganze Familie an, trat die Tür seiner Schule ein, etc., etc. … Ich bin ab 15:00 alleine mit den Kindern, habe noch zwei kleinere Töchter (3 und 4), die mich vom Alter her eigentlich noch mehr bräuchten als Carlos (8), denen ich aber einfach nicht mehr gerecht werden konnte. Ich war nur noch mit Carlos beschäftigt, war nur noch am Schreien, was mir ein zusätzlich schlechtes Gewissen bescherte. Ich war einfach richtig fertig und graulte ich vor jedem Abend mit den Kindern; meist fing es schon im Auto, auf der Fahrt nach Hause an. Ich musste ihn nur irgendwie frustrieren, was sehr leicht war (beispielsweise, wenn wir mal nicht mehr Einkaufen fahren mussten, er das aber unbedingt wollte), und schon tickte er völlig aus, schrie herum, beleidigte mich, ärgerte die Schwestern. Nach einem Jahr haben wir schließlich keine andere Möglichkeit mehr gesehen, als es doch noch einmal mit Medikamenten zu probieren. Häufig empfinden vor allem die Kinder selbst es als unglaubliche Erleichterung: Endlich ist der innere Drang weg, sich ständig neue Reize zu suchen, endlich können auch sie sich mal auf etwas konzentrieren, ohne dass sie die summende Fliege in der anderen Zimmerecke oder der Bagger auf der Straße (den „normale“ Kinder nicht einmal wahrnehmen) ablenken. Und, ja, endlich haben auch sie mal die Chance dazu, ihre Ressourcen voll auszuschöpfen und Erfolgserlebnisse zu machen. Schade, dass man sich in unserer heutigen Gesellschaft für solch eine Entscheidung (die sich wohl keine Eltern leichtmachen) so sehr rechtfertigen muss!

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Zwei Seiten der Medaille: Verweigerung der Medikation als unterlassene Hilfeleistung?

Kann man die Verweigerung der Medikamentengabe nicht auch ganz anders werten, nämlich als unterlassene Hilfeleistung? Wenn ein Kind Bauch-, Kopf-, Zahnschmerzen, Fieber, Husten oder egal was hat, wird es sofort medikamentös behandelt, dann geben die Mütter gewissenhaft Hustensaft, Schmerz- und Fiebersaft und das ist alles gesellschaftlich vollkommen akzeptiert. Gibt man einem ADHS-Patienten aber Medikamente, löst das die wildesten Diskussionen aus. Heute bin ich auf einen Artikel in der FAZ aufmerksam gemacht worden, in der Prof. Dr. Andreas Reif, ein auf ADHS spezialisierter Psychiater, über das Thema schreibt („Rumzappeln ist kein Psychozeug“). Er hat mir eine ganz andere Ansichtsweise nähergebracht: er sagt nämlich, dass ADHS ganz eindeutig eine biologische Störung sei und leider viel zu viele Kranke unbehandelt blieben. Also statt den Einsatz von Medikamenten, allen voran Ritalin, zu verteufeln, sagt er ganz klar, dass es wichtig sei, mehr betroffene Kinder entsprechend früh damit zu behandeln, um das Risiko einzugrenzen, dass sie das ADHS auch ins Erwachsenenalter hinein begleitet. „Leider ist die Diskussion hier oft noch von Meinungen geprägt, da sich viele für berufen halten, etwas zu dem Thema beizusteuern – häufig allerdings ist die Lautstärke der Meinungsäußerungen zu der zugehörigen Evidenz umgekehrt proportional“, so Reif in dem Artikel.

Das hat mich natürlich in meiner Entscheidung bestärkt. Dennoch möchte ich mich jetzt keineswegs generell für oder gegen die Medikamentengabe bei ADHS aussprechen, ich möchte nur denjenigen, die dies tun, etwas zum Nachdenken geben bevor sie sich irgendwelche Urteile erlauben.

 

Der Beginn einer neuen Ära: Hurra, wir brauchen keine Windeln mehr!!!

29. April 2017 – wir (das sind Westenddad und ich) schreiben das Ende einer Ära, etwas noch vor einer Woche Unvorstellbares ist eingetreten, etwas, von dem wir schon sooo oft gesagt hatten, wenn es endlich soweit ist, machen wir nicht drei, sondern mindestens zehn Kreuze: wir brauchen keine Windeln mehr!!! Seitdem wir Kinder haben, und das sind mittlerweile fast 8,5 Jahre, gab es noch keine Zeit, in der wir keine Winden gebraucht hätten: Carlos war gerade trocken geworden, da wurde Carla geboren, und 1,5 Jahre später kam dann Emma auf die Welt. Wir mussten also zwei Jahre lang sogar doppelt Windeln kaufen, eine kleinere Größe für Emma, eine größere für Carla. Erst seitdem die beiden nur noch nachts eine trugen, mussten sie sich öfters auch mal eine Größe teilen, die war dann entweder Emma etwas zu groß oder Carla etwas zu klein. Nun ja, war ja nur für nachts.

Keine Windeln mehr bedeutet für uns ein Meilenstein! Einem wird klar: die Kids werden WIRKLICH größer! Sie werden NIE WIEDER Windeln brauchen (außer im Alter vielleicht, aber das werden wir dann nicht mehr miterleben), wir werden NIE WIEDER Windeln für sie kaufen müssen. Super! Ja, aber etwas Wehmut schwingt in dieser Erkenntnis schon mit. Das ist aber ganz normal und bei jedem Meilenstein des Großwerdens so: Schnullerentwöhnung (bei meinen hinfällig, denn sie haben nie einen genommen), der erste Kindergarten-Tag, der letzte Kindergarten-Tag, die Einschulung, der erste Zahn, bzw. der letzte Milchzahn, der dann irgendwann weg ist, die erste Freundin/ der erste Freund, die Hochzeit des eigenen Kindes, die eigene Elternschaft des Kindes, … Für mich gehört die Keine-Windeln-Mehr-Erfahrung da ganz klar dazu! Und es ist ja so: je mehr Kinder man hat, desto länger sind diese Phasen: als Carlos seinen letzten Kita-Tag hatte, wurde ich fast wehmütig, dass diese Zeit nun vorbei war, aber durch seine beiden Schwestern wusste ich ja auch,  dass ich trotzdem noch jeden Tag da sein würde, und auch Carlos weiterhin bei Sommerfesten und Weihnachtsfeiern dorthin mitnehmen würde, so war es für mich schon erträglicher – ich werde bei solchen Dingen  nämlich immer ziemlich emotional.

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Keine Windeln mehr bedeutet aber vor allem auch einen weiteren Schritt in die Unabhängigkeit, was gleichzeitig mehr Freiheit für die Eltern bedeutet. Es ist öfters vorgekommen, dass wir mit den Kindern in Spanien bei der Oma waren und sie dann spontan da schlafen wollten. Klar, kein Problem! Ich sah uns in Gedanken schon in Ruhe an der nächsten Bar ganz ohne Kinder Cocktails schlürfen, doch dann bemerkten wir: Ach nee, geht nicht – wir haben ja nur noch eine Windel dabei. Klappt also leider doch nicht. Während der Windelzeit wäre es wohl das Schlimmste, was einer Mutter (oder einem Vater) passieren könnte, sich unterwegs mit dem Baby, fernab von Drogerie- oder Supermärkten oder sonstigen windelverkaufenden Stellen ohne Windeln und/ oder Feuchttücher wiederzufinden. Ich erinnere mich noch gut an den Wucher, den Autobahntankstellen in der Schweiz mit der Not junger Eltern treiben: 2014 kostete dort eine Packung Windeln 18,00€! Unglaublich, aber was hätten wir denn ohne machen sollen? Also waren wir genötigt, diesen horrenden Preis dafür zu bezahlen. Und auch für die Feuchttücher (die wir glücklicherweise noch vorrätig hatten) verlangten sie ca. 5,00€ – für ein kleines No-Name-Päckchen, kein Super-Marken-Maxi-Vorrats-Familypack! Ja, Feuchttücher sind fast genauso unabdingbar wie Windeln, und in der Kombination unzertrennlich, wie Pommes und Ketchup oder Kaffee mit Milch. Klar geht auch das eine ohne das andere aber … schweeeeeer. Erst vor ca. 6 Wochen – ich wollte meinen Mädchen gerade endlich die Windel für die Nacht nach einem langen, harten, stressigen Tag machen, hatte praktisch den Feierabend schon vor Augen, da bemerkte ich, dass die Windelpackung leer war. Leer! Ich suchte im ganzen Haus, fand aber nur noch eine Windel irgendwo in einer alten Badetasche. Also musste ich abends um 20:30 noch mal los zum Supermarkt – Papa war wie immer um diese Zeit arbeiten.

Ein weiterer Vorteil, die Windeln los zu sein, ist natürlich der finanzielle Aspekt. Gut, zuletzt habe ich für beide Mädels ja nur noch abends eine, also zwei pro Tag, bzw. pro Nacht, gebraucht. Sind dann also inklusive der dazu gehörigen Feuchttücher pro Monat vielleicht 20,00€. Das klingt jetzt nicht dramatisch – ist aber auch schon ein komfortables Mittagsmenü mit Schatzl. Wenn die Kinder noch kleiner sind und vielleicht 5-8 Pro Tag benötigen (von Durchfallzeiten mal ganz zu schweigen), summieren sich die Ausgaben für Windeln und Feuchttücher schon auf fast ´nen Hunni pro Monat (bei EINEM windelbedürftigen Kind).

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Andere Länder, andere Sitten

In Spanien übrigens noch mehr, denn da kostet komischerweise alles was mit Kindern und Kinderhygiene zu tun hat gern mal das Doppelte. Da mein Partner Spanier ist, und meine Kinder Halbspanier, habe ich natürlich ein ganz besonderes Verhältnis zu diesem Land und seiner Kultur. Da ich gerade einen Beitrag darüber für Frau Mutter vorbereite, werde ich hier nicht so viel dazu vorwegnehmen, aber was das Thema Windeln angeht, muss ich schon jetzt mit Euch teilen: in Spanien ist es nämlich so, dass die Leute spätestens von einem Zweijährigen erwarten, dass es trocken ist! Die Kita meines kleinen Neffen teilte der Mutter (meiner Schwägerin) mit, dass ihr Kleiner nach den Sommerferien (im September wurde er da zwei Jahre alt) doch bitte auf jeden Fall ohne Windeln kommen sollte. Sie hatte also quasi den Auftrag, ihr Kind über die Sommerferien „sauber“ zu bekommen – mit nicht einmal ganz zwei Jahren! Doch worüber ich noch viel erschrockener war, war ihre Reaktion, dass sie das nicht einmal komisch fand. Im Gegenteil: unser Sohn war zu der Zeit gerade 2,5 Jahre alt und wurde von den Spaniern schief angesehen, weil er noch Windeln trug. Vor allem ich wurde von der spanischen Familie oft daraufhin angesprochen, was ich natürlich als Kritik verstand. Ich erklärte ihnen dann immer wieder das Gleiche, nämlich dass man (laut Fachliteratur und den Erziehern meiner Kinder – einer deutsch-spanischen Kita) vor dem dritten Lebensjahr eines Kindes gar nicht mit der Entwöhnung anfangen KÖNNE, und auch danach ganz ruhig machen soll, also erst wenn das Kind von sich aus Interesse an dem Thema zeigt, etc., etc…. Selbst wenn das Kleine davor, also vor seinem zweiten Geburtstag, mal ins Töpfchen oder in die Toilette machen sollte wenn man es daraufsetzt, sei das eher ein Zufall. In Spanien sieht man das aber scheinbar anders. Je älter das Kind dann ist, desto mehr Unverständnis über die Windeln wird in den Augen der Spanier sichtbar, und desto unangenehmer wurde es dann natürlich auch mir. WAAAAAASSS????!!! Dein Dreijähriger hat noch Windeln?? (Das kam bei mir dann so an wie: Was bist du denn nur für eine unfähige, nachlässige Mutter, ist dir das Thema wohl egal – oder bist du etwa zu faul, sie ihm abzugewöhnen!?… ) Laut Eltern.de ist aber sogar „Ein dauerhafter Verzicht auf Windeln (…) frühestens ab drei möglich.“ Das sind  wohl einfach Kulturunterschiede, wobei ich mich in diesem Fall eher der deutschen Herangehensweise näher fühle – wozu soll ich mein Zweijähriges dazu zwingen, ohne Windeln klarzukommen, ständig seine noch unvermeidlichen „Unfälle“ wegzuwischen, mir selber und meinem Kind Stress zu machen, es vielleicht durch das „Scheitern“ sogar noch zu frustrieren und so irgendwelche Psychosen bei ihm auslösen, durch die es dann am Ende noch in seiner „analen Phase“ oder sonst irgendwo stecken bleibt (ok, ist jetzt vielleicht leicht hysterisch gedacht 😉 …) wenn das alles auch ein halbes oder ein oder eineinhalb Jahr(e) später ganz von alleine klappt?

Letztendlich muss jeder mit seinem Kind den für sich passenden Weg finden. Manche Kinder sind sicher relativ problemlos schon mit zwei Jahren trocken, während andere mit zehn noch nicht nachts von der Windel weg sind. Bei meinen dreien war es ganz unterschiedlich: der Große hatte bis er drei Jahre und drei Monate alt war eine Windel (sowohl tagsüber als auch nachts) und dann von einem auf den anderen Tag gar keine mehr (also weder tagsüber noch nachts), die Mittlere hatte ab ca. 2 Jahren und 10 Monaten tagsüber keine Windel mehr, nachts machte sie aber noch regelmäßig ein – weshalb sie nachts weiterhin eine Windel trug. Meine Kleinste war tagsüber mit 2,5 Jahren am frühesten von der Windel weg, was sicher auch mit dem Beobachten ihrer nur 1,5 Jahre älteren Schwester zu dem Thema zu tun hat. Seit ein paar Wochen schläft sie auch nachts problemlos ohne Windel, und am 29. April (das Datum kann ich mir gut merken, da mein Opa an dem Tag Geburtstag gehabt hätte), also drei Wochen vor ihrem fünften Geburtstag, ist nun auch endlich die Mittlere komplett von den Windeln los! – natürlich hatte ich erst zwei Tage vorher eine neue Maxipackung Windeln und Feuchttücher gekauft…