Mein Kind macht Quatsch!

0137abff55597a919da630929e7c4a06116161b85bAm 5.September ist mein ältester Sohn eingeschult worden. Am 15. September war der erste Elternabend und… entgegen Aussagen seinerseits macht er Quatsch.

In den ersten zehn Tagen zwischen Einschulung und erstem Elternabend war ich also in dem Glauben, alles liefe Bestens. Die normalen „Ausreißer“ eines lebhaften Jungen mit eingerechnet – aber wer will denn schon eine Schlaftablette?… Nun ja, dass doch nicht alles so gut gelaufen ist wie gedacht, merkte ich spätestens nach den üblichen Organisationsthemen wie der Wahl der Elternvertreter (sehr gut wenn man ja sowieso noch niemanden kennt!…), oder der Planung des Sommerfests (warum findet das dort eigentlich im Herbst statt?..), als nämlich eine Mutter empört herausplatzte, dass man ja nun neue Kinder in der Gruppe hätte und eines von denen sich ja wohl extrem daneben benehmen würde, es ihre Tochter auf obszöne Weise beleidigt hätte und sie sich dieses ja wohl nicht bieten lassen müsse, etc., etc.,…

Das Schlimme an solchen Situationen ist, da ja nie Namen genannt werden möchten, die betroffenen Eltern sich selten sofort sicher sein können, dass ihr Kind gemeint ist, alle anderen Eltern sich aber anscheinend schon mehrmals lang und breit, rein unter sich natürlich, darüber ausgetauscht hatten, wie man deren Gesichtern und zustimmendem Nicken einwandfrei ablesen kann. Diese Eltern sind nun also so etwas wie Verbündete und man selbst wird zum Außenseiter, oder fühlt sich jedenfalls so. Komischerweise fühlt man sich erschreckend echt an seine eigene Schulzeit erinnert, nur dass man noch hilfloser ist, da man ja nun so gar nichts mehr selbst in der Hand zu haben scheint – man ist zu hundert Prozent vom Verhalten des eigenen Kindes abhängig. Die Lehrerin und die Erzieherin schritten zwar sofort engagiert ein, dass man dies später klären würde und solch ein Thema dort jetzt keinen Platz hätte, aber ich ahnte, dass mein Sohn wohl etwas damit zu tun haben könnte. Als der Elternabend dann fast vorbei war durften alle Eltern gehen, nur ich und eine weitere Mutter (war also immerhin nicht ganz alleine mit der Problematik) sollten noch bleiben. Und dann kam die Gewissheit! Unsere Söhne machen Quatsch, viel Quatsch. Sie passen nicht auf, stören den Unterricht, und, ja, beleidigten anscheinend auch andere Kinder in einer Sprache, die ich bei meinem Sohn zuvor noch nie gehört hatte. Bis dato war das Schlimmste, dass er mal zu mir sagte etwas wie „du fette Mama“ gewesen.

Mein Sohn ist noch nie ein Engel gewesen, hat schon immer, auch im Kindergarten, viel Unsinn getrieben, allerdings ist es bei ihm ein bisschen so wie mit einem jungen Hund: er ist einfach übermütig und kennt in solchen „Übermutszuständen“ auch keine Grenzen, deshalb ist es auch schwer mit ihm herumzutoben. Anfangs macht es allen Spaß, aber wenn man dann aufhören möchte, kommt er aus diesem Zustand nicht mehr heraus. Kein Kind wird nach dem ersten Wort der Mutter á la „so, jetzt ist Schluss“ wohl gleich brav Ruhe geben, aber Carlos kommt auch mach mehrmaligem Auffordern nicht wieder runter. Er übertreibt gerne und oft, vermutlich um Aufmerksamkeit und Anerkennung von anderen Kindern zu bekommen, doch mit seinem Verhalten schlägt er leider regelmäßig über die Stränge, was ihm dann das Gegenteil einbringt: die Kinder wollen nicht mit ihm spielen, grenzen ihn teilweise sogar aus und der Teufelskreis nimmt seinen Lauf. Wenn ich ihn abhole, muss ich mir dann anhören was er schon wieder angestellt hat und dass das ja nicht so weitergehen könne, andere Eltern werfen mir vorwurfsvolle Blicke zu (oder jedenfalls empfinde ich das manchmal so) und ich fühle mich schuldig.

Das wirklich Tragische daran ist, dass ich weder ihm noch seinen Mitschülern, Lehrern oder sonst wem in einer solchen Situation helfen kann, weil ich ja nicht dabei bin. Ich kann nur mit ihm reden, reden, reden. Und das tue ich auch, jeden Tag! Mal hilft´s mehr, mal weniger. Am Tag nach dem Elternabend ging ich ihn gespannt abholen. „Und?.. Wie war´s heute?“, fragte ich die Erzieherin. Alles war gut gewesen! Er hatte sogar seinen ersten positiven Eintrag ins Mitteilungsheft bekommen! Drei Tage später stand allerdings schon wieder etwas Negatives drin: er bespritzt seine Mitschüler im Kunstunterricht mit Wasser… Einen Tag danach wieder etwas: er nimmt nicht am Mathematikunterricht teil… Am letzten Freitag, dem Tag des Sommerfestes, kam ich mit einer Freundin. Erst konnte ich ihn im Getümmel auf dem Hof nicht finden, dann aber sah ich ihn – an der Hand der Erzieherin. Er habe ein anderes Kind getreten und sie hätte ihn daher schon seit zwei Stunden an der Hand (später sagte er mir, das andere Kind habe ihn auch getreten und „ganz doll geärgert“)… Das Sommerfest war für ihn gelaufen, sofort verließ ich mit ihm die Schule. Am Montag dann rief mich eine Vertretungslehrerin an, er mache schon wieder Quatsch und störe den Unterricht; ich solle ihn bitte von der Schule abholen! (Seitdem bin ich schon erleichtert wenn die Schulzeit rum ist und ich keinen Anruf erhalten habe!) Vorgestern hatte er dann wieder positive Einträge – sogar zwei, aus zwei aufeinanderfolgenden Unterrichtsstunden! Einen Tag darauf bekomme ich dann eine Einladung zur Klassenkonferenz über sein Verhalten! Oh Mann!… Am Dienstag wird diese stattfinden.

Mir kommt es vor, als ob uns allein die „Schuld“ an Carlos´ Verhalten gegeben wird. Letzte Woche, als wir das erste Mal beim Schulleiter „eingeladen“ waren; war das Erste, das er zu uns sagte, dass er erstaunt darüber sei, „wie wenig Carlos erzogen ist“… Warum hat er uns nicht gleich einen Stempel mit „LOSER“ auf die Stirn gedrückt? In solchen Situationen hilft es mir immer, mich an die anderen zwei Kinder zu halten. Die haben in der Kita noch nie irgendwelche Probleme verursacht, sind ganz lieb, haben viele Freunde und sind laut Erziehern auch extrem weit für ihr Alter entwickelt. So schlecht können wir als Eltern dann also doch nicht sein.[1] Und auch unser Sohn ist ein ganz toller Junge: er schlägt zwar öfters über die Stränge, ist aber niemals bösartig. Außerdem ist er wahnsinnig kreativ und ideenreich, steckt voller Energie und Lebensfreude, ist sehr liebevoll mit seinen kleinen Schwestern und äußerst offen, herzlich und extrovertiert. Körperliche und verbale Gewalt sind natürlich tabu, aber wenn er mal mit Wasser spritzt oder keinen Bock auf Mathe hat…

[1]Ich denke übrigens generell, dass Kinder schon ganz viel an Persönlichkeit mitbringen und Erziehung eher zweitrangig einzuschätzen ist; daher kann es auch sein, dass sich Geschwister, die (weitestgehend) unter den gleichen Bedingungen aufwachsen und die gleiche Erziehung genießen, ganz unterschiedlich entwickeln.

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