Familiendrama Erbschaft oder bei Geld hört die „Freundschaft“ auf

 

Davon, dass Erbschaftsstreitigkeiten schon die besten Familien auseinandergetrieben haben, hat man oft gehört, aber dass es einen selbst einmal treffen kann, damit rechnet man nicht. Jetzt hat es uns aber getroffen. Da ich momentan leider an nichts anderes mehr denken kann, war das heutige Thema unvermeidlich. Mein Kopf ist gerade nicht frei für etwas anderes. Am besten, ich fange einfach mal an:

Meine Großeltern sind beide kurz nacheinander verstorben. In ihrem notariellen Testament haben sie mich, anstelle ihrer zwei Töchter (meiner Mutter und meiner Tante), nach ihrem Tod als Alleinerbin eingesetzt. Meine Mutter hat mich damals als kleines Kind zu ihnen gegeben und sie haben mich liebevoll aufgezogen, waren oft mit mir verreist und haben bis zuletzt alles für mich getan. Unsere Beziehung war entsprechend eng. Als sie dann selber erkrankten, habe ich mich um sie gekümmert. Das Verhältnis zwischen ihnen und meiner Mutter hingegen war seit ich denken kann angespannt. Meine Tante war zwar sporadisch immer mal bei ihnen zu Besuch oder hat angerufen, aber irgendwann hat auch sie sich dann gar nicht mehr bei ihren Eltern gemeldet.

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All by myself…

Die letzten Jahre mit meiner Großmutter waren nicht immer leicht. Sie war an Alzheimer erkrankt, litt zusätzlich an Depressionen und unter Angstzuständen. Sie konnte nichts mehr alleine machen, und da mein Opa es nie gelernt hatte, machten mein Partner und ich nun alles für sie und mit ihnen. Das ging von Papierkram regeln (es gab unter anderem zwei Häuser zu verwalten) über Begleitung zu Arztbesuchen bis hin zum Mittagessenkochen, Aufräumen und Einkaufen. Es machte uns Spaß, Zeit miteinander zu verbringen, aber es gab auch sehr anstrengende und belastende Zeiten. Die Krankheit meiner Oma schritt voran und ihre Launen verschlimmerten sich, sie war teilweise unausstehlich, weil sie einfach nicht mehr verstand, was um sie herum passierte. Dann wurde sie unfair und verletzend. Wir waren eingeschränkt durch sie, konnten z.B. nicht so lange im Urlaub bleiben wie wir es sonst gern getan hätten, weil wir uns um sie kümmern mussten. Ein Austauschsemester in der Nähe unserer andalusischen Familie war undenkbar. Mindestens vier Mal die Woche waren wir bei Oma und Opa und halfen und putzten und taten und machten. Wo wir anfangs noch mithalfen, machten wir jetzt alles alleine für sie und wurden zudem noch oft dafür angemeckert. Sie konnte nichts dafür, es war die Krankheit. Oma fühlte sich bevormundet, alleine hätte sie es aber nicht machen können. Statt dankbar zu sein, war sie neidisch, dass wir das, was sie nicht mehr konnte, scheinbar mit links erledigten. Unsere drei kleinen  Kinder (die sicher auch lieber etwas anderes unternommen hätten, als immer nur zu den meckernden Urgroßeltern zu gehen) nervten sie zunehmend. Auch wir waren häufig am Rande unserer Belastbarkeit. Und dennoch taten wir es gern und bereuen es nicht eine Sekunde. Selbst in den schwierigsten Zeiten gab es immer auch sehr schöne Momente, die ich nicht missen möchte! Einen Pflegedienst lehnte meine Oma kategorisch ab, erst als sie gar nicht mehr alleine bleiben konnte (mein Opa musste drei Mal pro Woche zur Dialyse), und wir es mit der Arbeit nicht anders vereinbaren konnten, ging sie, wenn Opa bei der Dialyse war, in eine Tagespflege und hasste es (und uns dafür). Es war keine leichte Zeit. Und es war eine Zeit, in der uns die übrige Familie ganz allein ließ mit dieser Aufgabe. Sie hingegen lebten munter ihr selbstbestimmtes Leben weiter vor sich hin.

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Die Geier kommen!

Nun aber, da beide (Groß-)Eltern tot sind, sind sie ganz schnell da, um ihren Pflichtteil einzufordern. Aber sie kommen nicht persönlich, dazu sind sie zu feige, sie kommen über ihren Anwalt, ganz ohne uns vorher auch nur einmal persönlich kontaktiert zu haben. Wohl um ganz sicherzugehen, dass auch ja alles mit rechten Dingen zugeht, dass alles bis ins Kleinste genauestens in den Pflichtteil hineingerechnet wird. Und statt zu warten bis das eine Haus verkauft ist (denn vorher KANN ich gar nichts auszahlen, egal ob mit oder ohne Anwalt), oder überhaupt mal zu fragen , was bei uns gerade abläuft, wie es uns geht, oder (Gott bewahre!!) ob man uns denn eventuell mit irgendetwas behilflich sein könnte, müssen wir uns nun auch noch mit den von ihnen auferlegten (und im übrigen viel zu kurz bemessenen) Fristsetzungen und anderen Forderungen auseinandersetzen. Und das Absurdeste daran: meine Tante, die mit dem Anwalt gekommen ist, hat dies nicht einmal nötig. Sie hat eine gutlaufende Firma, zwei Häuser, mehrere Autos, ein kürzlich erworbenes neues Wohnmobil… Warum also diese Machtspielchen? Selbst meine Mutter redet jetzt auf uns ein, doch bitte auch noch auf keinen Fall in das Haus in Westend einzuziehen! Warum? Na…. falls wir das auch noch verkaufen müssten, um ihnen den Pflichtteil auszahlen zu können! Man weiß ja nie…

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Ich bin echt fassungslos über so viel Berechnung und Unverschämtheit! Sehe ich das Ganze zu emotional? Nehme ich es zu persönlich? Hört bei Geld wirklich einfach die „Freundschaft“ auf? Wie seht Ihr das? Habt Ihr schon mal ähnliche Erfahrungen gemacht?

Die Kündigung für unsere Mietwohnung haben wir übrigens heute abgeschickt! 😉

Ich freue mich schon aufs Loslassen! – oder??

Meine Kinder fordern mir sehr viel ab: die zwei Kleinen sind gerade mal 3 und 4 Jahre alt, und der Größere zwar schon 8 aber durch sein ADHS ist er meist noch anstrengender als seine kleinen Schwestern. Gerade las ich den Beitrag von Stadt Land Mama über Das Ende Der Kleinkindphase und wie man dann selbst als Mama wieder mehr Freiheiten und Zeit für sich gewinnt. Viele Mütter schrieben aber auch darüber, dass sie Probleme mit dem Loslassen (gehabt) hätten. „Ich nicht“, dachte ich daraufhin gleich, „ich werde dann zehn Kreuze machen!“ – und doch…. Wird mir das dann wirklich so leicht fallen, wenn es soweit ist? Manchmal denke ich, dass ich diese Baby-/Kleinkindzeit nur als soooooo anstrengend empfinde, und empfunden habe, weil bei mir gerade und eigentlich genau seit ich Kinder bekommen hab, extrem viel los ist. Damit meine ich, dass ich nicht „nur“ Job und Kindererziehung miteinander vereinbaren muss, sondern ich habe

Erstens: keinerlei familiäre Unterstützung – meine Mutter lebt in Köln und ist generell eine sehr, sagen wir mal, atypische Oma, die ihre Enkel auch so  nie über ein Wochenende nehmen würde – jedenfalls nicht freiwillig. Mein Freundeskreis war als ich schwanger wurde weitgehend kinderlos, die paar die Kinder hatten, waren aber auch schon allesamt weggezogen aus  Berlin.

Zweitens: genau in dem Jahr als unser erstes Kind geboren wurde, erkrankte meine Oma an Alzheimer und mein Opa wurde Dialysepatient. Da sich weder meine Mutter noch meine Tante um sie kümmerten übernahm ich es, ich tat es ja auch gerne, schließlich hatte ich schon immer ein ganz besonders enges Verhältnis zu meinen Großeltern gehabt, war ich doch sogar bei ihnen aufgewachsen!

Drittens: ich befand mich am Anfang meines Studiums bereits im 7.  Schwangerschaftsmonat, habe also das komplette Studium mit Kind, und später mit Kindern, vereinbaren müssen; seit meine jüngste Tochter in die Kita geht, kam auch noch mein Nebenjob an einer Hochschule hinzu.

Viertens: ich war schon immer ein Ausgehtyp – abends vor dem Fernseher zu sitzen und quasi durch Kinder oder was auch immer ans Heim gebunden zu sein, widerspricht meiner Natur! Vielleicht klingt das narzisstisch, aber ich denke schon, dass häusliche Typen sich mit dieser Umstellung leichter tun.

Fünftens: die lieben Kinder selber, klar jedes ist mal anstrengend, es gibt Phasen… aber mein Sohn hat ADHS. Viele können sich das gar nicht vorstellen, aber es ist eine unglaubliche Belastung, denn er ist so gut wie nie ruhig und ausgeglichen. Manchmal habe ich das Gefühl, als befände ich mich täglich im Krieg gegen ihn. Therapien, auch mal mehrere pro Woche, zu denen er hingebracht und abgeholt werden muss, tun ihr übriges mit meiner knappen Zeit. Mittlerweile ist es etwas besser, aber ich erinnere mich noch gut daran, als er noch sehr klein war. Oft bin ich aufgewacht und habe schon die Stunden gezählt wann es endlich Zeit für den Mittagsschlaf ist, dann wann es endlich abends ins Bett geht. Ich habe diese Kleinkindzeit gar nicht richtig genießen können.

Sechstens: mein Perfektionismus. Ja, ich bin sehr ehrgeizig. Natürlich möchte ich auch eine gute Mutter sein und meinen Kindern eine pädagogisch wertvolle Erziehung mitgeben. Aber ich scheitere daran fast täglich. Entweder weil ich nicht die Zeit habe, ihnen jeden Abend noch eine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen, mit ihnen zu malen und zu basteln, oder weil ich einfach selber so fertig bin, Konflikte mit meinem Sohn gießen da noch zusätzlich Öl ins Feuer, dass ich statt stark und geduldig eher launisch und labil bin  und ein Tag schließlich auch mal im Gebrüll endet.

Siebtens: mein Partner arbeitet abends. Ich bin also ab 16:00 alleinerziehend.

Achtens: ich habe drei Kinder… und ich bin mit drei Kindern ab 16:00 alleinerziehend.

Ich habe eigentlich diese Baby-und Kleinkindzeit gar nicht richtig genießen können. Und manchmal frage ich mich schon, warum. Bin ich einfach anders als die anderen? Oder machen sich die anderen etwas vor? Ich liebe doch meine Kinder auch über alles, das tue ich wirklich. Aber anders als die meisten empfand ich alles einfach als puren Stress. Heute denke ich, dass dieses Gefühl nicht (nur) meinen Kindern selber, sondern vor allem auch den Umständen geschuldet war. So gut wie alles war im Umbruch, eine Baustelle: kein fester Job, Studium noch nicht abgeschlossen, Oma und Opa krank und außer mir war niemand da, der ihnen half. Es war auch niemand da, der mir half. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie meine Mutter, kurz vor der Entbindung meiner zweiten Tochter zu mir sagte, ich sähe „abgespannt“ aus. Darauf zu kommen, mir anzubieten, ihren Enkel (damals war es ja sogar nur einer) mal für einen Tag zu nehmen, kam sie nicht…

Ich konnte diese Kleinkindzeit gar nicht richtig genießen. Das ist so schade, denke ich mir nun, wo sie laaaaangsaaaam dem Ende zugeht, immer häufiger, denn klar, die Kinder werden größer und selbständiger und benötigen dann keiner 24/7 Betüddelung mehr, aber dann sind sie eben auch … nun ja, größer eben. Sie werden nie, nie mehr zwei oder drei Jahre alt sein. Sie werden nie mehr nach dem Toilettengang lauthals durch die ganze Wohnung „MAMAAAAAA, Kacka gemaaaacht!“ rufen (hoffe ich jedenfalls ;)), irgendwann kann man sie dann auch einfach mal – erst ein paar Stunden, dann sogar mal eine halbe Nacht – alleine zu Hause lassen, und brauch sich keinen Kopf mehr um irgendwelche Babysitter machen, die sie wieder vergraulen könnten, und irgendwann werden sie nicht mehr tausendmal nachts aufstehen, weil sie bitte noch mit Mama aufbleiben und Fernsehen schauen wollen, dann machen sie lieber ihr eigenes Ding. Statt dass sie mich jedes Wochenende, an dem man ja eigentlich mal ausschlafen könnte, um 7:00 morgens wecken (siehe Bild), werde ich sie erst gen Mittag wach kriegen – und so sehr ich mich darauf freue, wieder mehr Freiheit zu genießen, desto wehmütiger werde ich auch bei diesem Gedanken.

Notiz an mich: gaaanz viel Puppen spielen, malen und Geschichten vorlesen heute Abend!!!

 

10 Things I love about you…

Ja, ich geb´s ja zu: ich schreibe viel über die nervigen, stressigen, unschönen Dinge mit Euch, weil das teilweise noch ein Tabu ist, weil die wenigsten offen darüber sprechen. Ich mag es, diese Dinge klar und deutlich zu kommunizieren – auch wenn das vielleicht bei manchen aneckt. Klar, Mutterschaft ist kein Zuckerschlecken, aber selbst ICH 😉 muss zugeben, dass es auch viele sehr schöne Aspekte gibt:

  1. Ihr seid so süüüüüüß! Eure kleinen Kindergesichter, wie Ihr morgens voller Elan und Tatendrang aufsteht… (meine Kleinste, Emma, in letzter Zeit immer fragend „Was machen wir heute?“, heute mit den Worten (da sie bereits gestern Abend fragte) „JAAAAA!!!!! Wir gehen heute zum Spielplatz!!!!!“

2. Eure grenzenlose Fantasie und Kreativität: Ihr spielt in letzter Zeit immer auch mal länger und ohne zu streiten in Euren Zimmern, baut Höhlen, Burgen, und alles Mögliche; letzten Samstag – es war auffällig lange schon auffällig ruhig – schmulte ich ins Zimmer und ihr hattet ganz Mordor dort errichtet und spieltet, angeleitet vom Größten, „Herr der Ringe“ nach.

3. Eure Energie und Lebensfreude – und anders als die Großen, habt Ihr auch (noch) keinerlei Scheu, Eure Freude offen zu zeigen. Bsp.: Carla (fast 5): „Mama, was gibt´s heute zum Frühstück?“ Mama: „“Tigercornflakes.““ Carla (jubelnd): „JAAAAA!!!!! LEEEECKER!!!“ – wär bei ´nem Erwachsenen doch undenkbar…

4. Die Selbstverständlichkeit, mit der Ihr auf der Welt seid. Da gibt es keine Scheu, keine Scham, etwa wie bei den Erwachsenen, wenn sie zum ersten Mal in eine fremde Umgebung kommen, wo sie weder Kultur noch Menschen verstehen. Ihr kommt einfach und seid dann da. Wie schön!

5. Eure bedingungslose Liebe.

6. Eure Empathie, zum Beispiel als Carla Mama getröstet hat als Opa gestorben ist. Sie nahm mich in den Arm und sagte: „Nicht weinen, Mama, ist nicht so schlimm. Guck mal, jetzt ist er wenigstens bei Oma!“

7. Eure Beobachtungsgabe und wie Ihr die Großen in allem was sie tun in Eurem Spiel und in Euren Unterhaltungen nachahmt – zugegeben, das ist teilweise auch erschreckend; zum Beispiel wenn Emma (3) ihrem 8-jährigen Bruder, der mal wieder nicht aufhört, „Quatsch“ zu machen, ermahnt: „Carlos, das geeeht so nicht! Dann musst du eben ins Heim.[1]

8. Euer Durchsetzungswille, und wie Ihr immer neue, raffiniertere Strategien entwickelt, zu bekommen was Ihr wollt. Beispielsweise Carla, die mir, als letzte Chance auf etwas Süßes kurz vor dem Mittagessen, weiß machen wollte, dass ihre Erzieherin im Kindergarten auch „immer“ vor dem Essen darauf bestünde, dass die Kinder noch Schokolade kriegen.

9. Wie Ihr stets völlig unvoreingenommen auf Neues zugeht und Situationen einfach so annehmt, wie sie gerade sind. Ihr lebt im Hier und Jetzt und hinterfragt (noch) nicht alles.

10. Eure Einzigartigkeit! Egal wie klein, Ihr habt bei (relativ) gleichem Umfeld bereits so ausgeprägte, unterschiedliche Persönlichkeiten. – und dafür zu sorgen, dass sich diese individuell, gut, stark und selbstbewusst entwickeln können, das ist unsere Aufgabe als Eltern!

[1] Bitte nicht falsch verstehen:  Ich hatte das vielleicht ein Mal im Streit erwähnt, ihm danach aber klar gemacht, dass ich ihn nie weggeben würde, weil ich ihn über alles liebe, etc., etc….

Regretting Motherhood?

Mal ganz ehrlich: habt ihr es schon mal bereut, Kinder bekommen zu haben, bzw. Mutter geworden zu sein? Diese Debatte, losgetreten von der israelischen Soziologin Orna Donath in ihrer Studie, hat ganz Deutschland – na gut, vor allem natürlich die Eltern Deutschlands – letztes Jahr aufgewühlt. Aber warum dieses Thema so ein heikles sein soll, habe ich nie verstanden. Womöglich haben die sich darüber aufregenden Leute (Eltern wie auch kinderlose Individuen) Donaths Studie weder gelesen, noch sich sonst irgendwie damit befasst. Denn anders kann ich mir manche Reaktion auf dieses Thema nicht erklären. Die befragten Frauen bereuen es, Kinder bekommen zu haben. Ja. Sie lieben oder kümmern sich um ihre Kinder jedoch darum nicht minder, sie misshandeln sie auch nicht, sie tun nichts Anrüchiges, sie sind einfach ehrlich und sagen, „mit dem Wissen, was ich heute habe, würde ich mich nicht noch einmal für Kinder entscheiden“. Ist das so schlimm? Für die betroffenen Mütter bestimmt, denn sie sind todunglücklich in ihrer Mutterrolle, aber sich über diese Aussage aufzuregen, kann ich nicht verstehen. Ich finde, in unserer heutigen Gesellschaft sollte es möglich sein, solch ein Thema ehrlich zu diskutieren. Mutter sein ist nun einmal nicht (jedenfalls nicht nur und für alle) das höchste Glück auf Erden. Kinder machen einen nicht nur pausenlos glücklich. Mein Leben ist, seitdem ich Kinder habe, vor allem eines geworden: extrem anstrengend.

Das Leben mit Kind bedeutet in erster Linie Verantwortung zu tragen – nicht nur für sich, sondern für ein anderes, in den ersten Lebensjahren gänzlich hilfloses, Lebewesen. Es bedeutet, ständig Kompromisse einzugehen, seine eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen. Die Mutterrolle ist ein knallharter 24-Stunden-Job, bei dem man auch nachts stets Bereitschaftsdienst hat – nein, nicht nur in den ersten Jahren, oder gar Monaten; auch ältere Kinder haben Alpträume, aus denen sie aufgeweckt und getröstet werden müssen, werden krank und können vor Husten und Schnupfen nicht schlafen (und ihre Mamas dann erst recht nicht). Man muss seinen Körper teilen, er verändert sich – oft leider dauerhaft zum Schlechteren. Man kann sich nicht mehr einfach so mit Freunden treffen, essen gehen, mal ins Kino, oder einfach mal nach der Arbeit entspannen und nichts tun (außer vielleicht sich sein Lieblingsessen zu kochen und es sich auf dem Sofa mit alten Sex and the City – Folgen gemütlich zu machen. Ach ja, das waren noch Zeiten. Von heute aus betrachtet der pure Luxus!). Wenn ich heute nach einem stressigen Arbeits- (und oft noch Uni-) Tag meine Kinder abhole, geht der Stress für mich erst richtig los! Selbst „schöne“ Dinge, wie am Sonntag über den Flohmarkt schlendern, arten mit Kind(ern) schnell in Stress aus: eins rennt dahin, das andere dorthin, das dritte weint, weil man ihm sein anvisiertes Spielzeug nicht kaufen möchte. Das ist so frustrierend, dass man solche Ausflüge dann lieber sein lässt, wenigstens bis die Kinder etwas älter sind. Aber was wird bis dahin? Meine sind gerade mal drei, vier und acht. Man kann sich doch nicht die nächsten 5 Jahre zu Hause einschließen…

Ein weiterer Aspekt, den ich vorher nicht kannte, ist das ständige Gefühl der Fremdbestimmung. Ich schaffe nichts mehr, weil ich ständig parat stehen muss. Ich muss eine wichtige Arbeit fertigstellen / möchte gerne für meinen Blog schreiben / mein seit Sommer noch nicht fertiggestelltes Bild weitermalen /…, kann ich aber nicht, weil gerade Wochenende ist und ich für die Kinder da sein muss, also mache ich einen Ausflug mit ihnen, die Arbeit (bzw. die anderen Tätigkeiten) ständig im Hinterkopf. Ich bin unzufrieden, gereizt. Das ist natürlich weder gut für mich noch für die Kinder, denn die spüren meine Unzufriedenheit ja auch. Würde ich nun aber meine Arbeit machen und sie sich überlassen (z.B. beim Freispiel in ihrem Zimmer, oder auch mal beim Fernsehen – Oh Horror!), dann würde sich ein anderes, nicht minder negatives Gefühl bei mir breitmachen und mir die Arbeit vermiesen: das schlechte Gewissen.

Das schlechte Gewissen ist ein guter Bekannter einer jeden modernen Mutter. Der ständige Begleiter derer, die sich nicht ausschließlich um Kinder und Haushalt kümmern will oder kann. Irgendetwas kommt einfach immer zu kurz im ewigen Alltagskarussell von Kind, Karriere, Haushalt, Partnerschaft, eigenen Interessen; meist sie selber, obgleich sie sich darüber die wenigsten Gedanken macht – hauptsächlich sorgt sie sich um ihre Kinder, also darum, dass sie als Mutter nicht gut genug sein könnte. Sollte etwas mal nicht so optimal in der Entwicklung des eigenen Kindes laufen, sucht die Mutter zu allererst den Fehler bei sich, bzw. in ihrer Erziehung, gibt sich „die Schuld“ und macht sich Vorwürfe. Das ist belastend, gerade für moderne ambitionierte Perfektionistinnen.

Nun ist jeder Mensch anders. Einige Frauen sind häuslicher als andere. Ich bin immer schon ziemlich aktiv gewesen, war immer mehr unterwegs als zu Hause, bin oft essen gegangen, mehrmals die Woche mit Freunden Cocktails trinken. Obwohl ich das „Partymachen“ an sich nicht vermisse, vermisse ich natürlich gewisse Freiheiten. Die Umstellung, die ich als Mama vollziehen musste, war bei mir also sicher größer als die einer Frau, deren Traum es von klein auf gewesen ist, mal zu heiraten und Kinder zu bekommen. Ich habe als Kind nicht einmal mit Puppen gespielt – Barbies mal ausgenommen. Meine Kollegin (bislang kinderlos) hat mir neulich von ihrem Abend erzählt, als sie gestresst von der Arbeit nach Hause kam und spontan mit ihrem Liebsten ins deutsche Restaurant gegenüber Bier trinken und Haxe essen gegangen ist. Genau diese Kleinigkeiten vermisse ich! (Wer nun meint, ich könne ja auch mit Kindern essen gehen, der hat höchstwahrscheinlich keine. Auswärts essen mit drei kleinen Kindern entspricht nämlich in etwa einem Genuss- und Erholungsfaktor von -8.) Jede Minute der Woche ist bei mir durchgetaktet, alles dreht sich um meine Verpflichtungen, Arbeit, ist stressig.  Wenn ich mal etwas ohne Kinder unternehmen will, muss das im Vorfeld geplant werden und kostet viel Geld. Manche Dinge, wie etwa ein Auslandssemester einzulegen, sind leider gänzlich undenkbar. Auch Kurztrips werde ich künftig meiden, denn aus Erfahrung gebe ich da einfach mehr Geld aus und habe mehr Stress als zu Hause. Mein lang ersehnter New York-Trip wird da wohl noch ein paar Jährchen warten müssen… Manchmal bekommt man da schon Beklemmungen, fühlt sich eingeengt und fragt sich, warum man nur Kinder bekommen hat, oder manchmal auch, warum man denn gleich drei Kinder bekommen musste?

Bin ich zu egoistisch? Vielleicht, aber wenigstens stehe ich zu meinen Bedürfnissen und habe mich nicht selber total aufgegeben. Wahrscheinlich ist es sogar genau dieser gesunde Egoismus, der mich bis jetzt vor einem Burnout bewahrt hat. Ich will eben alles: Kinder, Karriere, Partnerschaft, reisen, malen, bloggen, Freunde treffen… Ich weiß, dass das viel ist, ich spüre oft, dass das zu viel ist, ja nahezu unmöglich. Ich gehe täglich an meine Grenzen und über diese hinaus, und merke auch, dass das ungesund ist. Ich lebe wortwörtlich immer am Rande des Wahnsinns: ich schreibe, ich habe einen Job, ich bin gerade dabei, meinen Master abzuschließen, ich habe einen Opa, um den ich mich kümmern muss, einen Haushalt, den ich führen muss, eine Partnerschaft, die durch den ständigen Stress natürlich meist zu kurz kommt, und natürlich meine drei Chaos-Kinder, die ich trotz, oder gerade wegen, ihrer Lebendigkeit, ihres Temperaments und ihrer Unerschrockenheit über alles liebe.

Würde ich mich also, vor diesem Hintergrund und mit dem Wissen, das ich heute habe, noch einmal für meine Mutterschaft entscheiden?

Ganz ehrlich? Abso-fuckin´-lutely!!*

*um es mal mit Mr. Big´s Worten zu sagen. 😉

Ich bin eine Getriebene

Seit ich Kinder habe, habe ich keine ruhige Minute mehr. Ständig bin ich am Machen und Tun, am Spielen, am Kochen, am Baden, am Kuscheln, am Trösten, am Meckern, am Abholen,…..

Und das Merkwürdige ist, wenn die Kinder mal nicht da sind[1] (und ich mal weder in der Uni noch bei der Arbeit, noch bei irgendeinem Termin bin), kann ich mich auch nicht entspannen! Dann bin ich wie besessen davon, die Zeit „zu nutzen“ und putze die Wohnung, wasche die Wäsche, gehe einkaufen, tätige Überweisungen, schreibe E-Mails (keine privaten, sondern eher an die Hausverwaltung/ Telekom/ …) und ärgere mich über die verlorene Zeit…

Nicht mal am Abend, wenn die Kinder endlich schlafen, alle Supermärkte geschlossen sind, die Wäsche gewaschen ist, …, komme ich zur Ruhe! Dann fange ich an, mir Gedanken zu machen; über die Zukunft, über unsere teure Wohnung, die zwar nach wie vor wunderschön, aber „dank“ Staffelmiete[2] und zwei Nebenkostenabschlagszahlungsanpassungen (durch Wörter wie diese werden Übersetzer in Deutschland übrigens pro Anschlag und nicht pro Wort bezahlt File:icon wink.gif ) jetzt, nach drei Jahren, schon so hoch ist wie sie es eigentlich erst nach sechs hätte sein sollen, darüber ob wir gute Eltern sind, oder eher wie wir es werden können[3], was man mit den Kindern am Samstag unternehmen könnte (und wie ich meinen Freund davon überzeuge), und, und, und… zum Entspannen komm ich da gar nicht.

Momentan stehen Wohnungs- und Jobsuche ganz oben auf meiner Agenda. Wohnungssuche obwohl ich unsere Wohnung liebe und es einfach keine bessere für diesen, im Vergleich immer noch guten, Preis in unserer Nähe gibt, und Jobsuche obwohl ich eigentlich gar keine Zeit für einen Job hätte, denn ich habe ja schon einen und außerdem steh ich unmittelbar vor meinem letzten Mastersemester – zu tun gibt´s also mehr als genug (von kranker Oma und drei Kindern mal ganz abgesehen…). Da wäre es doch sinnvoll, ökonomischer mit meiner Energie zu haushalten und sie auf das aufzuwenden, was wirklich gerade wichtig ist, nämlich meine Hausarbeiten zu schreiben und mich auf die Uni zu konzentrieren (und auf die Übersetzerprüfung kommendes Wochenende[4]) und mich, wenn die Möglichkeit gegeben ist, einfach mal zu entspannen!

Aber ich will irgendwie immer rennen bevor ich laufen und laufen bevor ich gehen kann. Ich sehne mich mit Mitte dreißig nun mal endlich nach einem „geregelten Leben“: nicht immer nur Nebenjobs, studentische Mitarbeiten, „nebenbei“ Hausarbeiten für die Uni schreiben und Referate vorbereiten müssen, bei Einkommensangaben (wie letztens wieder für die Krankenkasse) nicht immer zig verschiedene Bezugsquellen angeben sondern eine feste. Also „schaue ich einfach mal“ (Abend für Abend), was es so für Angebote gibt und verliere mich im Netz, schreibe manchmal sogar Bewerbungen (!) – bis ich total entkräftet und geschockt feststelle, dass es schon wieder 0:00 ist und die Wäsche noch immer nicht aufgehängt in der Maschine weilt…

[1] Also eigentlich nur tagsüber wenn sie in der Schule und der Kita sind

[2] von der wir bis zur Mietvertragsunterzeichnung nichts wussten, und die wir dann nach 8 Monaten intensivster Suche eben einfach so zähneknirschend hinnahmen, um nicht 8 weitere Monate suchen zu müssen

[3] So, dass es meinen Ansprüchen genügt, wahrscheinlich gar nicht…

[4] Hatte während einer meiner „Planabende“, die Idee, mich für die Prüfung zur staatlich anerkannten Übersetzerin anzumelden, und nach bestandenem ersten Prüfungsteil folgt jetzt am Wochenende der zweite; sollte ich den auch bestehen, im Juni dann der dritte (und letzte)