Regretting Motherhood?

Mal ganz ehrlich: habt ihr es schon mal bereut, Kinder bekommen zu haben, bzw. Mutter geworden zu sein? Diese Debatte, losgetreten von der israelischen Soziologin Orna Donath in ihrer Studie, hat ganz Deutschland – na gut, vor allem natürlich die Eltern Deutschlands – letztes Jahr aufgewühlt. Aber warum dieses Thema so ein heikles sein soll, habe ich nie verstanden. Womöglich haben die sich darüber aufregenden Leute (Eltern wie auch kinderlose Individuen) Donaths Studie weder gelesen, noch sich sonst irgendwie damit befasst. Denn anders kann ich mir manche Reaktion auf dieses Thema nicht erklären. Die befragten Frauen bereuen es, Kinder bekommen zu haben. Ja. Sie lieben oder kümmern sich um ihre Kinder jedoch darum nicht minder, sie misshandeln sie auch nicht, sie tun nichts Anrüchiges, sie sind einfach ehrlich und sagen, „mit dem Wissen, was ich heute habe, würde ich mich nicht noch einmal für Kinder entscheiden“. Ist das so schlimm? Für die betroffenen Mütter bestimmt, denn sie sind todunglücklich in ihrer Mutterrolle, aber sich über diese Aussage aufzuregen, kann ich nicht verstehen. Ich finde, in unserer heutigen Gesellschaft sollte es möglich sein, solch ein Thema ehrlich zu diskutieren. Mutter sein ist nun einmal nicht (jedenfalls nicht nur und für alle) das höchste Glück auf Erden. Kinder machen einen nicht nur pausenlos glücklich. Mein Leben ist, seitdem ich Kinder habe, vor allem eines geworden: extrem anstrengend.

Das Leben mit Kind bedeutet in erster Linie Verantwortung zu tragen – nicht nur für sich, sondern für ein anderes, in den ersten Lebensjahren gänzlich hilfloses, Lebewesen. Es bedeutet, ständig Kompromisse einzugehen, seine eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen. Die Mutterrolle ist ein knallharter 24-Stunden-Job, bei dem man auch nachts stets Bereitschaftsdienst hat – nein, nicht nur in den ersten Jahren, oder gar Monaten; auch ältere Kinder haben Alpträume, aus denen sie aufgeweckt und getröstet werden müssen, werden krank und können vor Husten und Schnupfen nicht schlafen (und ihre Mamas dann erst recht nicht). Man muss seinen Körper teilen, er verändert sich – oft leider dauerhaft zum Schlechteren. Man kann sich nicht mehr einfach so mit Freunden treffen, essen gehen, mal ins Kino, oder einfach mal nach der Arbeit entspannen und nichts tun (außer vielleicht sich sein Lieblingsessen zu kochen und es sich auf dem Sofa mit alten Sex and the City – Folgen gemütlich zu machen. Ach ja, das waren noch Zeiten. Von heute aus betrachtet der pure Luxus!). Wenn ich heute nach einem stressigen Arbeits- (und oft noch Uni-) Tag meine Kinder abhole, geht der Stress für mich erst richtig los! Selbst „schöne“ Dinge, wie am Sonntag über den Flohmarkt schlendern, arten mit Kind(ern) schnell in Stress aus: eins rennt dahin, das andere dorthin, das dritte weint, weil man ihm sein anvisiertes Spielzeug nicht kaufen möchte. Das ist so frustrierend, dass man solche Ausflüge dann lieber sein lässt, wenigstens bis die Kinder etwas älter sind. Aber was wird bis dahin? Meine sind gerade mal drei, vier und acht. Man kann sich doch nicht die nächsten 5 Jahre zu Hause einschließen…

Ein weiterer Aspekt, den ich vorher nicht kannte, ist das ständige Gefühl der Fremdbestimmung. Ich schaffe nichts mehr, weil ich ständig parat stehen muss. Ich muss eine wichtige Arbeit fertigstellen / möchte gerne für meinen Blog schreiben / mein seit Sommer noch nicht fertiggestelltes Bild weitermalen /…, kann ich aber nicht, weil gerade Wochenende ist und ich für die Kinder da sein muss, also mache ich einen Ausflug mit ihnen, die Arbeit (bzw. die anderen Tätigkeiten) ständig im Hinterkopf. Ich bin unzufrieden, gereizt. Das ist natürlich weder gut für mich noch für die Kinder, denn die spüren meine Unzufriedenheit ja auch. Würde ich nun aber meine Arbeit machen und sie sich überlassen (z.B. beim Freispiel in ihrem Zimmer, oder auch mal beim Fernsehen – Oh Horror!), dann würde sich ein anderes, nicht minder negatives Gefühl bei mir breitmachen und mir die Arbeit vermiesen: das schlechte Gewissen.

Das schlechte Gewissen ist ein guter Bekannter einer jeden modernen Mutter. Der ständige Begleiter derer, die sich nicht ausschließlich um Kinder und Haushalt kümmern will oder kann. Irgendetwas kommt einfach immer zu kurz im ewigen Alltagskarussell von Kind, Karriere, Haushalt, Partnerschaft, eigenen Interessen; meist sie selber, obgleich sie sich darüber die wenigsten Gedanken macht – hauptsächlich sorgt sie sich um ihre Kinder, also darum, dass sie als Mutter nicht gut genug sein könnte. Sollte etwas mal nicht so optimal in der Entwicklung des eigenen Kindes laufen, sucht die Mutter zu allererst den Fehler bei sich, bzw. in ihrer Erziehung, gibt sich „die Schuld“ und macht sich Vorwürfe. Das ist belastend, gerade für moderne ambitionierte Perfektionistinnen.

Nun ist jeder Mensch anders. Einige Frauen sind häuslicher als andere. Ich bin immer schon ziemlich aktiv gewesen, war immer mehr unterwegs als zu Hause, bin oft essen gegangen, mehrmals die Woche mit Freunden Cocktails trinken. Obwohl ich das „Partymachen“ an sich nicht vermisse, vermisse ich natürlich gewisse Freiheiten. Die Umstellung, die ich als Mama vollziehen musste, war bei mir also sicher größer als die einer Frau, deren Traum es von klein auf gewesen ist, mal zu heiraten und Kinder zu bekommen. Ich habe als Kind nicht einmal mit Puppen gespielt – Barbies mal ausgenommen. Meine Kollegin (bislang kinderlos) hat mir neulich von ihrem Abend erzählt, als sie gestresst von der Arbeit nach Hause kam und spontan mit ihrem Liebsten ins deutsche Restaurant gegenüber Bier trinken und Haxe essen gegangen ist. Genau diese Kleinigkeiten vermisse ich! (Wer nun meint, ich könne ja auch mit Kindern essen gehen, der hat höchstwahrscheinlich keine. Auswärts essen mit drei kleinen Kindern entspricht nämlich in etwa einem Genuss- und Erholungsfaktor von -8.) Jede Minute der Woche ist bei mir durchgetaktet, alles dreht sich um meine Verpflichtungen, Arbeit, ist stressig.  Wenn ich mal etwas ohne Kinder unternehmen will, muss das im Vorfeld geplant werden und kostet viel Geld. Manche Dinge, wie etwa ein Auslandssemester einzulegen, sind leider gänzlich undenkbar. Auch Kurztrips werde ich künftig meiden, denn aus Erfahrung gebe ich da einfach mehr Geld aus und habe mehr Stress als zu Hause. Mein lang ersehnter New York-Trip wird da wohl noch ein paar Jährchen warten müssen… Manchmal bekommt man da schon Beklemmungen, fühlt sich eingeengt und fragt sich, warum man nur Kinder bekommen hat, oder manchmal auch, warum man denn gleich drei Kinder bekommen musste?

Bin ich zu egoistisch? Vielleicht, aber wenigstens stehe ich zu meinen Bedürfnissen und habe mich nicht selber total aufgegeben. Wahrscheinlich ist es sogar genau dieser gesunde Egoismus, der mich bis jetzt vor einem Burnout bewahrt hat. Ich will eben alles: Kinder, Karriere, Partnerschaft, reisen, malen, bloggen, Freunde treffen… Ich weiß, dass das viel ist, ich spüre oft, dass das zu viel ist, ja nahezu unmöglich. Ich gehe täglich an meine Grenzen und über diese hinaus, und merke auch, dass das ungesund ist. Ich lebe wortwörtlich immer am Rande des Wahnsinns: ich schreibe, ich habe einen Job, ich bin gerade dabei, meinen Master abzuschließen, ich habe einen Opa, um den ich mich kümmern muss, einen Haushalt, den ich führen muss, eine Partnerschaft, die durch den ständigen Stress natürlich meist zu kurz kommt, und natürlich meine drei Chaos-Kinder, die ich trotz, oder gerade wegen, ihrer Lebendigkeit, ihres Temperaments und ihrer Unerschrockenheit über alles liebe.

Würde ich mich also, vor diesem Hintergrund und mit dem Wissen, das ich heute habe, noch einmal für meine Mutterschaft entscheiden?

Ganz ehrlich? Abso-fuckin´-lutely!!*

*um es mal mit Mr. Big´s Worten zu sagen. 😉

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