Alltag mit Kindern – oder doch nur alles eine Phase??

„Was genau ist denn eigentlich so stressig?“, fragte mich meine kinderlose Kollegin (und liebste Freundin) nachdem ich ihr gestern mal wieder mein Leid klagte. Ich sei zur Zeit echt fertig, erzählte ich ihr, völlig am A…, fühle mich ausgelaugt, ohne Kraft und Energie.  Und dann diese Mehrfachbelastung, aber vor allem diese Kinder!!… Tja, was genau ist so stressig? Es beginnt morgens mit dem frühen Aufstehen. Immer. Auch an den Wochenenden. Und wenn die Kinder schon so früh aufstehen, können sie natürlich auch nicht ruhig spielen oder etwas malen; nein, dann wird erstmal das lauteste Spielzeug (die spanischen sind da besonders leistungsstark!) eingeschaltet, so dass auch wirklich JEDER der noch schläft aufwacht. Sobald dann alle Kinder wach sind, fängt auch schon das Ärgern an. Jeder jeden und in jeglicher Art und Weise; die kleineren hauen und kneifen sich dann auch schon mal. Entsprechend laut schreit dann das jeweilige Opfer. Entweder sie kriegen sich von alleine wieder ein und spielen etwas anderes – meist etwas noch lauteres wie z.B. fangen, wobei sie die Treppe, die direkt an die Nachbarwand grenzt, hoch und runterrennen und dabei schreien – oder sie machen so lange weiter, bis einer von uns Eltern, müde und gereizt, hochstürmt und sie ermahnt, doch bitte endlich ruhig zu sein – ok, manchmal vergessen wir das Bitte vielleicht auch…

Ist das „Spiel“ unterbrochen, kommen auch prompt die ersten Forderungen: „Mama, gib mir Papier. Ich will malen!“ Noch bevor ich darauf reagiere, kommt dann schon die nächste Forderung vom gleichen Kind „Mamaaaa, ich will frühstücken!“,  gefolgt von „MAMAAAAA…. FERTIG! KACKA GEMACHT!!“ vom anderen Kind oben im Bad. Es ist dann meist gegen 7:00 an einem Sonnatgmorgen. Ich gebe mich geschlagen und stehe auf. An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich dann auch schon mal Brötchen holen gehe, einfach um diesem Chaos zu entkommen. Statt nur schnell Brötchen zu holen und dann sofort wieder nach Hause zu fahren, bestelle ich mir jedoch erst einmal  einen großen Cappuccino und komme zu mir. Wieder zu Hause murmel ich dann meist etwas von wegen, die Croissants hätten noch 10 Minuten im Ofen gebraucht. Überlebensstrategie halt…

Nach dem Frühstück, während dem man natürlich ständig aufstehen muss, weil eines der Kinder gerade ganz dringend ein Taschentuch/ genau den Brotaufstrich, der gerade nicht auf dem Tisch steht / genau das Getränk, das gerade nicht auf dem Tisch steht braucht, oder man einen Lappen holen muss, um den Kakao, den eines der Kinder umgestoßen hat, aufzuwischen, kommt dann auch schon die Frage „Was machen wir heute?!“ Machen… immer machen… wie schön waren die Zeiten, als ich sonntags nie etwas machen musste, außer vielleicht mich mit Freunden (da hatte ich noch welche) zum Brunch zu treffen und nachmittags zu Hause ein Buch zu lesen, baden zu gehen, mir die Nägel zu lackieren. Hach ja… Nun gut – zurück ins Hier und Jetzt: also, wir machen etwas. Aber selbst das ist ein Kampf, denn spätestens wenn es ans Anziehen geht, gehen die Diskussionen wieder los: Carlos hat stets genaue Vorstellungen von dem, was er anziehen will – egal , ob die Sachen gerade schmutzig oder noch nass sind. Emma hat genaue Vorstellungen davon, was sie nicht anziehen möchte: das kratzt, das ist hässlich, nein, sie will keine Jacke bei 10 Grad Außentemperatur, Carla besteht auf ihre Sommersandalen, auch wenn diese ihr schon zwei Nummern zu klein sind (vom unpassenden Wetter mal ganz abgesehen)… AAAARRRGGGHHH!!! Weiter geht´s mit den Spielsachen: Emma möchte ihre Puppe im Puppenwagen mitnehmen, aber Carla hat ihren Wagen. Nein, das sei ihr wagen, nein, es sei Emmas. Beide schreien. Carlos freut sich, dass wieder „Action“ ist. Er dreht nun richtig auf. Klatscht in die Hände und tobt munter zwischen seinen Schwestern herum, was diese (und mich!) noch nervöser macht. Sich angezogen hat er aber immer noch nicht….

I could go on, and on, and on, aber ich glaube, man bekommt einen Eindruck. Was ich meine ist, man fühlt sich, als kämpfe man ständig gegen Windmühlen, muss für die kleinsten Kleinigkeiten solch eine Energie aufwenden, dass man eigentlich gar keine Lust mehr hat, etwas zu unternehmen, man hat nie frei, ist fortwährend fremdbestimmt und kommt irgendwie nie zur Ruhe – erst wenn die Kinder abends schlafen, aber dahin ist es ein langer Weg, nachdem man oft selbst nur noch tot ins Bett fällt – schließlich muss man ja am nächsten Tag wieder früh raus…

Geht das nur mir so, oder ist das bei Euch ähnlich?

 

Hilfe! Ihre Kindheit rast nur so an mir vorbei!

Neulich las ich einen Bericht von einem Vater, der seinen 3-jährigen Sohn sehr plötzlich und unerwartet aufgrund einer Hirnblutung verlor. Er plädiert nun dafür, dass man radikal jeden Moment mit seinen Kindern voll ausnutzen und genießen solle, da es ja immer auch der letzte sein könne. Man solle immer und überall Zeit zum Spielen freimachen, da nichts so wichtig wäre, als dass es nicht ein paar Minuten warten könne. Vor seinem Hintergrund aus betrachtet, klingt das natürlich einleuchtend: Hätte ich ein Kind verloren, würde ich womöglich auch denken: hätte ich mal dann und dann länger mit ihm gekuschelt, hätte ich da und da nur mal gelassener und liebevoller reagiert, hätte ich mich an den Wochenenden mal lieber nur ihm statt der Wäsche/ Steuererklärung/ meinem Blog (ähem) gewidmet. Hätte ich mal nur jeden Tag so gelebt als wäre es sein (oder mein?) letzter.

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Live everyday as if it was your last – echt jetzt?!

Prompt machte sich das schlechte Gewissen bei mir breit: Was bin ich nur für eine schlechte Mutter, die die Kindheit ihrer Sprösslinge gar nicht so richtig, ständig, tausendprozentig und voll und ganz genießen kann, weil es einfach noch sooooo viele andere Dinge in ihrem Leben gibt, um die sie sich kümmern muss. Und einiges, um das sie sich sogar kümmern will. Eine, die sich auch ganz bewusst und ganz egoistisch mal nur ihren eigenen Interessen widmet. Klar, die Zeit geht so schnell vorbei, die Kinder werden größer. Sie werden von Tag zu Tag selbständiger. Bevor man sich versieht, sind sie erwachsen. Immer häufiger ergreift mich in letzter Zeit die Panik, die Kindheit meiner Mäuse gar nicht richtig mitzubekommen. Müsste man nicht eigentlich alles andere hinten anstellen, den Job kündigen, Hobbys aufgeben,… – einfach, um auch wirklich alles, was mit der Entwicklung dieser (noch) kleinen Wesen zu tun hat, voll und ganz mitzubekommen? Diese Zeit auskosten, als ob es kein Morgen gäbe?

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Nein. Man KANN doch gar nicht so leben, als ob jeder Tag der letzte sei! Das wäre ja auch völlig unrealistisch, da er es in den allermeisten Fällen erst nach ca. 80 Jahren ist. Die Zeit, also quasi jede freie Minute, mit den Kindern voll auszunutzen bis sie aus dem Haus sind, würde ja bedeuten, 18 Jahre lang (bei mehreren Kindern entsprechend länger) nur für jemand anderen zu leben und selbst auf der Stecke zu bleiben. Viele Mütter, die ihren einzigen Lebenssinn in ihren Kindern sehen, stehen ganz schön doof da, wenn diese dann ausziehen – obwohl, bzw. gerade weil, sie ja eigentlich keine Möglichkeit mit ihnen Zeit zu verbringen ausgelassen haben, fallen sie in ein tiefes Loch. Und auch für das Kind ist es eine Belastung, so sehr zum Lebensmittelpunkt gehypt zu werden. Wie auch in jeder anderen Liebesbeziehung, ist es wichtig, dass man sich seine Hobbys und seinen eigenen Freundeskreis beibehält, eigenständig bleibt, sonst verfällt man leicht in eine emotionale Abhängigkeit – was gerade in der Elternrolle ja das genaue Gegenteil von dem ist, was man eigentlich vorleben sollte. Ich kenne selbst einige Kinder solcher Mütter, die aus schlechtem Gewissen ihnen gegenüber auf Dinge verzichten, die sie eigentlich gerne hätten: „Nein, ich kann leider nicht bei dir schlafen, weil meine Mutter nicht ohne mich einschlafen kann“, hat mal ein Kind zu meinem Sohn gesagt. Da schlägt die gut gemeinte Fürsorge  schnell ins Gegenteil um.

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Quality time statt völliger Selbstaufgabe

Bestimmt gibt es Mütter, für die es das Allerschönste ist, sich voll und ganz und ständig ihren Kindern zu widmen, und wenn sie dann den Abschied bei deren Auszug auch noch halbwegs gut überstehen, ist das ja auch alles schön und gut. Ich bin nicht so. Ich möchte, trotz Mutterschaft, mich nicht nur über die Erfolge, Erlebnisse und Misserfolge meiner Kinder definieren. Ich möchte selbst noch ein eigenständiger Mensch sein, der seinen eigenen Interessen und Hobbys nachgeht, der selbst noch Träume hat und diese realisieren möchte, für sich, und nicht erst wieder in 18 Jahren, denn auch ich werde ja nicht jünger… Ich liebe meine drei Kinder über alles, und auch ich denke jetzt schon mit Wehmut an vergangene Zeiten mit ihnen zurück, bekomme schon jetzt ein mulmiges Gefühl im Bauch beim Gedanken an die Einschulung meiner mittleren Tochter, die nächstes Jahr ansteht. Aber das ist der Lauf der Dinge. Und das ist auch gut so! Ich würde nicht wollen, dass meine Kinder für immer klein bleiben. Unsere Kinder bleiben doch schließlich immer unsere Kinder, auch wenn sie 30, 40 oder 50 sind. Und auch dann gibt es doch sicher schöne Dinge, die man mit ihnen erleben wird: Hochzeiten, ihre eigene Elternschaft, die uns dann zu Omas macht, vielleicht sogar gemeinsame Urlaube… Klar, ist das nicht das gleiche wie der erste Zahn, die ersten Worte oder Schritte, aber sicher auch ein Stück entspannter. Dennoch möchte auch ich diese allerersten wichtigen Erlebnisse, wie auch den ganz schlichten Kinderalltag, mit ihnen teilen, genießen und voll mitbekommen. Leider ist meine Zeit aber limitiert. Was also tun? Auf keinen Fall verzweifeln und sich Vorwürfe machen! Ich denke, die richtige Mischung macht´s: Quality time statt Quantity time ist das Stichwort. Dieses Wochenende werden wir etwas Tolles als Familie unternehmen, das nächste muss ich mich dann aber leider wieder dem liegengebliebenen Papierkram aus der Woche annehmen, der Papa wird sich derweil um Einkauf, Haus und Garten kümmern. Da können sie dann gern helfen, oder unter sich spielen. Wenn sie dann bei ihren Freunden spielen oder sogar übernachten dürfen und dort Spaß haben, umso besser! Hauptsache es geht ihnen gut!

Vom andalusischen Lifestyle und dem Leben im Hier und Jetzt

Der Alltag hat uns wieder. Der Sommer ist vorbei. Erst einmal möchte ich mich für meine lange Abwesenheit entschuldigen. So war das nicht geplant! Ich hatte mir eigentlich vorgenommen (und mich darauf gefreut!) im Urlaub noch viiiiieel mehr zu bloggen als sonst, weil ich dort endlich mal Zeit dafür haben würde, aber dann… ja, dann kam irgendwie alles anders: mehr als gelegentlich Fotos posten, war nicht drin: der Körper verfiel bei Temperaturen um 40 Grad im Schatten ganz automatisch in den Urlaubsmodus. Der deutsche Alltag war ganz weit weg – nicht nur was die physische Distanz angeht. Ich kann die Spanier und ihr Bedürfnis nach Siesta echt verstehen, genauso wie die vielen unfertigen Baustellen (ok, dass die nicht nur der Hitze im Sommer als vor allem auch der finanziellen Lage der Region geschuldet sind, blende ich mal aus), ich verstehe, warum die Schulen dort ganze drei Monate Sommerferien haben: Bei diesem Wetter KANN man gar nichts anderes machen als faul im Schatten zu liegen, am besten mit einem kühlen Getränk in der Hand.

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Schön war´s

Und lang. Eine echte Auszeit vom durchstrukturierten Alltag. Keine Termine, kein Zeitdruck, nichts! Entsprechend unorganisiert waren wir teilweise: die Kinder badeten (abgesehen vom Pool und Meer) so gut wie nie, anstatt sie abends zu einer „zivilisierten“ Uhrzeit unter Protest ins Bett zu bringen, tobten und spielten sie mit ihren vielen spanischen Cousins und Cousinen und Freunden bis spät in die Nacht und schliefen zufrieden vor Erschöpfung meist auf dem Sofa ein, während wir Erwachsenen im Garten zusammen saßen, uns unterhielten, lachten, aßen und tranken, bis auch wir in den frühen Morgenstunden müde aber glücklich ins Bett fielen. Wir hatten endlich mal Zeit für uns. Keine Hektik. Wir hatten dieses Mal ein Haus mit Pool gemietet, was ich nur jeder Familie mit Kindern empfehlen kann! Anstatt morgens schon vor dem Frühstück mit „MAMAAAA; was machen wir heute?!“ bombadiert zu werden, dann hektisch alles für den Strandtag zu packen und vorzubereiten, gingen die Mäuse nach dem Aufwachen (was auch entsprechend später stattfand) wie selbstverständlich erst einmal in den Garten und sprangen in den Pool (die Kleinste natürlich nur mit Schwimmflügeln und unter Aufsicht).

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Nach dem Frühstück unter Bananenpalmen bewegte ich mich dann ganze zwei Schritte weiter auf die Liege. Dort lag ich dann. Und las, und öffnete mir wie selbstverständlich gegen 12:00 das erste Bier (ganz ohne schlechtes Gewissen – weder wegen der Kalorien noch angesichts des Alkoholkonsums zu früher Stund´). Überhaupt war alles entspannter. Vor allem die Zeit spielte keine Rolle.

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In Andalusien ticken die Uhren anders

Während unseres Aufenthalts fand im Dorf das jährliche Volksfest statt, die „Feria“. Vor 0:00 lief da aber nichts – am ersten Abend fürchteten wir schon, dass sie doch nicht stattfände, da wir – anders als am Abend zuvor – weder Musik noch sonst irgendwelche Geräusche von dort vernahmen, jedoch  war es um 22:30 einfach noch zu früh. Sie öffnete erst um 0:00! Dann kamen von überall her Kinder, Omas, und gut gelaunte Eltern. Auch wir waren die drei Tage der Feria jeden Abend bis ca. 3:00 mit unseren vier Kindern dort. Man passt sich ja an… Die Uhren schlagen dort einfach anders. Dass es um 19:30 dort Kaffee und Kuchen gibt: ganz normal! Das Abendessen findet nie vor 22:00 satt, eher so gegen 23:30. Und die Kinder dürfen so lange aufbleiben wie sie wollen. Laut tobende Kinder bis um 2:00 oder 3:00 morgens sind in Andalusien völlig normal im Sommer!

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Entschleunigung ist das Stichwort

Es lebt sich dort irgendwie leichter – nein, das kam uns nicht nur so vor, weil wir im Urlaub waren –  auch an unserer spanischen Familie sehe ich das. Sie sind zufrieden und leben im Hier und Jetzt. Sie sind nicht reich, aber sie haben alles was man braucht, um gut zu leben: ein Dach über dem Kopf, den Strand um die Ecke, gesunde Kinder, ein Auto, genügend Essen und Trinken, ein paar Tage Urlaub im Jahr und die meisten von ihnen sogar Arbeit. Es sind zwar keine klassischen Traumjobs, denen sie nachgehen, aber ausreichend, um die Rechnungen zu bezahlen. Sie leben nicht um zu arbeiten, sondern arbeiten um zu leben. Sie haben nichts Besonderes, aber doch das Einzige, was wirklich zählt: Sie haben sich! Und sie lieben sich. Und sie genügen sich. Und sie sind zufrieden. Das ist doch tausend Mal wertvoller als dieses ständige Streben nach höher, weiter, schneller.

 

Schlafenszeit, aber keiner will ins Bett…

Wir sind letztes Wochenende endlich umgezogen. In das Haus, das wir geerbt haben. Das Haus ist wunderschön und befindet sich in einer Traumlage in Berlin-Westend. Aber es ist mit seinen (bislang nur) drei Zimmern leider etwas zu klein für eine fünfköpfige Familie wie uns.  Bis es umgebaut ist, müssen sich unsere drei Kinder nun erst einmal ein Zimmer teilen. Das ist eigentlich kein Problem, denn sie sind sowieso immer zusammen. Noch nie ist eines in seinem Zimmer geblieben und hat dort ruhig für sich allein gespielt. Jetzt im Sommer sind sie ja eh meist im Garten zugange, und davon abgesehen sind sie auch nur an den Wochenenden – wenn überhaupt – mal den ganzen Tag zu Hause. Es geht also. Was allerdings nicht geht, ist das abendliche Ins-Bett-Bringen! Wie die meisten Kinder wollen meine abends nicht schlafen gehen. Ich hingegen bin müde, habe meist noch nicht gegessen und freue mich auf mein Fernsehprogramm. Meine Abende sind mir heilig. Ich zelebriere sie geradezu: Ich zünde mir Kerzen an, koche mir etwas Leckeres und trinke ein schönes Gläschen Wein dazu. Das ist, glaube ich, eine meiner Überlebensstrategien, ein entspannender Ausgleich zu  meinem Leben als berufstätige, studierende Dreifach-Mami. Westenddad ist ja bekanntlich in der Gastronomie tätig und somit ab 15:00 raus. Quasi bin ich ab dann alleinerziehend. Ich muss unsere Kinder alleine aus der Kita abholen, sie alleine baden, ihnen alleine etwas kochen (meist vorher noch einkaufen), alleine mit ihnen Zähne putzen und, ja, sie dann eben auch alleine ins Bett bringen. Das Problem ist, dass nicht nur sie abends müde und quengelig sind, sondern auch ich. Ich möchte, dass sie nach dem Zähneputzen und der Gute-Nacht-Geschichte selig und zügig in ihren Bettchen einschlummern, tief und fest, und bis zum nächsten Morgen. Meine Kinder sehen das leider anders. Sie wollen spielen, spielen, spielen. Und jede einzelne Minute bis sie einschlafen ausnutzen. Sobald ich aus ihrem Zimmer raus bin, höre ich sie leise reden. Leise reden ist ok, denke ich mir und sage nichts. Ich gehe die Treppe herunter, beginne mir etwas zu kochen. Da höre ich sie schon lauter. Das Essen ist nun aufgesetzt, ich habe gerade also keine Zeit, nachzusehen. Ich höre, dass sie aufgestanden sind, dass sie mittlerweile im Zimmer herumrennen. Ich gehe hoch, um nachzusehen. Da rennen alle, quietschend vor Lachen, schnell in ihre Betten und decken sich zu, so als ob sie nie aufgestanden waren. Innerlich muss ich grinsen. Ist ja schon süß. Aber ich möchte dann doch auch endlich mal Ruhe haben. Das sage ich ihnen. Ich gehe wieder die Treppe herunter. Hoffe, dass mein Essen mittlerweile nicht angebrannt ist. Da geht es wieder los…. Jetzt, wo alle drei in einem Zimmer schlafen, stacheln sie sich natürlich gegenseitig an, Quatsch zu machen, ermuntern den anderen dazu, und wollen selbst immer der sein, der am meisten herumkaspert.

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Gestern habe ich mal bei einer Erzieherin meiner Kinder nachgefragt, ob sie einen Tipp für mich hätte, denn ich wusste neulich echt nicht mehr weiter. Die Erzieherin erzählte mir von ihrer Kindheit in einem Waisenhaus in Südamerika. Dort wurden die Kinder in „Schichten“, ihrem Alter entsprechend, ins Bett gebracht. Die jüngeren zuerst, dann die Schulkinder, dann die Jugendlichen. Das riet sie mir auch. Doch jedes Kind einzeln ins Bett zu bringen, schien mir keine attraktive Lösung. Ich brachte also die beiden Kleinsten zusammen ins Bett während der Große noch etwas aufbleiben durfte. Wir guckten uns ein Buch an, kuschelten und dann sang ich ihnen ein Schlaflied vor. Die Mittlere war sofort weg, die Kleinste jedoch war bereits nachmittags auf dem Weg von der Kita nach Hause eingeschlafen und wollte nun nicht mehr. Sie weinte als ich aus dem Zimmer gehen wollte, also legte ich mich zu ihr ins Bett. Zwar beruhigte sie sich, aber jedes Mal wenn ich aufstehen wollte, fing sie wieder an zu schreien,  und da ich nicht riskieren wollte, dass die Mittlere aufwachte, legte ich mich wieder zu ihr ins Bett. Nach einer Stunde (!) hatte ich die Nase voll. Ich verpasste gerade meine Sendung und war noch ungeduscht, zum Glück hatte ich wenigstens schon mit den Kindern zusammen gegessen! Das Badezimmer liegt gleich neben dem Kinderzimmer, also sagte ich meiner Tochter, dass ich kurz duschen gehen würde und dann wiederkäme, um ihr noch ein Küsschen zu geben. Das schien ok für sie zu sein. Natürlich hoffte ich insgeheim, dass sie während meiner Abwesenheit einschlafen würde. Das schien auch fast zu klappen, denn es blieb auffällig ruhig. Ich war guter Dinge und schon abgetrocknet und im Bademantel, als sie plötzlich heulend in der Tür stand: „MAMAAAA; ich hab schon geschlaft aber ich muss PIIIPIIIIII!!!“… 😞

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Wie kriegt Ihr das abends alleine hin, mehrere Kinder ins Bett zu bringen? Was funktioniert bei Euch? Was nicht? Habt Ihr Tipps für mich?

Oh! Mein! Gott!

Was war das für ein Schreck vorgestern. Carlos (8) war verschwunden.

Aber ich fang mal chronologisch an:

13:50 Papa ruft bei Carlos´ Schule an, sagt dem Lehrer, er soll unseren Sohn bitte selbständig zwei Stationen bis S-Bahnhof Charlottenburg fahren lassen, von dort würde er ihn dann abholen. Theoretisch müsste er dann also gegen 14:10 am vereinbarten Bahnhof eintreffen.

14:30 noch immer kein Carlitos… Papa ruft noch einmal in der Schule an, fragt, ob Carlos denn auch wirklich losgeschickt worden sei. Dies bejaht der Lehrer.

Papa wartet.

Papa wird langsam unruhig.

Manchmal gibt es S-Bahnen, die nicht ihre eigentliche Strecke fahren, sondern nur bis zum Knotenpunkt Westkreuz. Das weiß Papa aus Erfahrung, Carlos auch. Papa fährt also dorthin, um nachzuschauen.

Nichts.

Papa fährt zum S-Bahnhof Savignyplatz, dort ist seine Arbeitsstelle. Vielleicht hatte Carlos verstanden, er solle direkt zu Papas Arbeit kommen, wie sonst immer wenn er alleine fahren darf.

Nichts.

Papa fährt wieder zu dem Bahnhof, an dem er sich eigentlich mit Carlos treffen wollte. Immer noch keine Spur von ihm.

15:06 Papa ruft mich im Büro an. Erzählt mir die ganze Geschichte.

15:20 leicht panisch (ok, „leicht“ ist vielleicht untertrieben) rufe ich die Polizei an. Ich erwarte eigentlich, dass die mir sagt, dass ich deswegen nicht den Notruf blockieren soll oder zumindest, dass sie vor dem Ablauf einer bestimmten Zeit gar nichts machen können und ich mich beruhigen solle, etc., etc. Aber ich werde erstaunlich ernst genommen. Einerseits freut mich das, andererseits beunruhigt es mich, denn wenn ich vom Notruf ernstgenommen werde, ist es dann nicht auch … ähm, also ernst?! Auf einmal finde ich mich in einer Situation wieder, die ich bis dato zum Glück nur vom Fernsehen her kannte – leider aus Krimis mit leider nicht immer gutem Ausgang: ich werde gefragt, wie Carlos aussieht, was er anhat. Der Magen dreht sich mir um. Hoffentlich ist ihm nichts passiert!!! Hoffentlich passiert ihm nichts!! Draußen herrscht mittlerweile Starkregen. Ich bin mir sicher, dass Carlos seine Jacke wie immer in der Schule gelassen hat, jetzt also höchstwahrscheinlich nur mit einer blauen kurzen Hose, einem gelben T-Shirt und schwarzen Turnschuhe bekleidet unterwegs ist. Aber wo??? Die Polizei fragt mich, ob er öfters schon mal weggeblieben ist. Das muss ich klar verneinen. Sie werden jetzt einen Einsatzwagen mit Sirene und Blaulicht losschicken. Das machen sie immer so, wenn Minderjährige unter 14 Jahren vermisst werden. Sie werden jetzt erst einmal zum vereinbarten Treffpunkt fahren, dahin, wo der Papa sich gerade befindet und auf ihn wartet.  Ich merke an meinem Handy, dass sich etwas tut. Entweder jemand schickt mir gerade Nachrichten oder probiert anzurufen, ich sage es dem Polizisten, werde kurz mal nachsehen, falls es eine Nachricht ist, dass Carlos in der Zwischenzeit wieder aufgetaucht ist. Aber nichts! Die Polizei schickt also einen Einsatzwagen los. Ich benachrichtige meinen Partner, der sich sobald er die Polizei am Bahnhof sieht, bei ihnen melden soll.

Dann gehe auch ich los. Natürlich habe ich gerade an diesem Tag einen wichtigen Termin am anderen Ende der Stadt. Ich entscheide mich, ihn wahrzunehmen, da ich momentan sowieso nicht von Nützen wäre. Ich hoffe einfach, bis der Termin vorbei ist, hat sich alles geklärt. Im Gehen treffe ich auf eine Kollegin, der ich die Geschichte im Schnelldurchlauf erzähle, wobei sich mir noch mal die ganze Lage verdeutlicht. Als ich in mein Auto steige, bin ich völlig aufgelöst.

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5 Minuten später dann der erlösende Anruf: Carlos ist wieder aufgetaucht! Mein Partner hatte noch mal beim Lehrer angerufen, der daraufhin selbst noch einmal die Strecke zum S-Bahnhof (der, von dem Carlos hätte losfahren sollen) ablief. Dort fand er ihn dann. Mein Sohn hatte verstanden, dass der Papa ihn von dort abholen wollte. Er saß mittlerweile seit über 1,5 Stunden dort! Und war durchnässt und durchfroren, aber er war wieder da! Und es ging ihm gut! – Also zumindest war er weder verletzt, noch entführt, noch missbraucht, noch von Wildschweinen im Grunewald attackiert worden, noch sonst etwas! Es gehen einem ja die kühnsten Gedanken durch den Kopf… Erleichtert rief ich die Polizei an (die gerade am anderen Bahnhof eingetroffen war) und gab Entwarnung. Oh Mann, das war ja noch einmal glimpflich ausgegangen!

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Abends waren meine Drei dann wieder munter beisammen. Das Kinderchaos störte mich an diesem Tag mal so überhaupt gar nicht! 🙂

Das Positive, das man aus so einer Situation ziehen kann, ist, dass sie einfach ALLES im Leben relativiert. Plötzlich ist alles so unwichtig: Umzugsstress, Geldsorgen, Erbschaftsstreitigkeiten… Alles scheißegal! Hauptsache man selbst und seine Lieben sind wohlauf. Das ist doch das Allerallerwichtigste. Wäre das mit meinem Sohn anders ausgegangen, hätte ich wohl nie wieder glücklich sein können, nichts in unserem Leben wäre je wieder so wie vor diesem Tag gewesen. Meine Gedanken sind bei allen Eltern, deren Kinder nicht so schnell wieder auftauchen, die teilweise über Jahre verschollen bleiben. Wie um Gottes Willen kann man mit so etwas fertig werden? Diese Ungewissheit. Es ist wohl das Allerschlimmste, was einem passieren kann, nicht zu wissen, was mit seinem Kind passiert (ist). Und wie kann man dem vorbeugen? Haben wir etwas falsch gemacht? Ich denke, man kann es einem Achtjährigen schon zutrauen, zwei Stationen alleine S-Bahn zu fahren, selbst in einer Großstadt wie Berlin. Es ist einfach so, dass in unserer Welt nichts hundertprozentig sicher ist, es nicht sein kann. Ein Restrisiko bleibt immer. Damit müssen wir einfach leben und das Beste daraus machen. Und wir müssen offen und ehrlich mit unseren Kindern sprechen, sie über Gefahren aufklären, ohne ihnen Angst zu machen und Notfallstrategien mit ihnen absprechen. Ich habe jetzt beispielsweise mit meinem Sohn vereinbart, dass er im Zweifelsfall (wenn er kein Handy bei sich hat und auch sonst alle Stricke reißen) immer zu Papas Arbeit fahren soll. Dort sind immer Leute, die ihn kennen und uns verständigen können.

Habt Ihr schon einmal so ein Horrorszenario mit, bzw. wegen, Euren Kindern durchgemacht? Wie seid Ihr damit umgegangen? Was würdet Ihr anderen Eltern raten?