Warum?

Ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll, aber es ist mir ein Anliegen, diesen Beitrag zu schreiben und mich Euch mitzuteilen.

Mein Amori, der Vater meiner drei Kinder, meine große Liebe, hat sich am frühen Morgen des 21.06.2018 das Leben genommen. Warum? Das wird wohl nie jemand so richtig wissen. Wahrscheinlich weiß er es selbst nicht mal. Er war weder krank noch standen wir am finanziellen Ruin, auch Schluss gemacht hatte ich nicht. Wir hatten Probleme, wie es sie wohl in jeder Partnerschaft gibt. In letzter Zeit stritten wir immer häufiger, er war ständig gereizt, was ich dem Stress wegen der Selbständigkeit in Verbindung mit den drei Kindern, etc., etc. zuschob. Klar, wir hatten viel um die Ohren und die Fanmeile (dort standen wir gerade mit unserem Food Truck) lief nicht so gut wie erhofft, aber sich deshalb umbringen? Niemals!

An seinem letzten Tag kam ich abends mit den Kindern zur Fanmeile. Wir sahen dort das Spanien-Spiel (gegen wen habe ich schon vergessen). Als er gegen Ende des Spiels wieder mit seiner schlechten Laune anfing, machte ich mich schon einmal mit den Kindern auf den Weg nach Hause. Ich ließ ihn nicht alleine zurück. Seine Tante und sein Vater waren bei ihm, um zu helfen. Zu Hause angekommen, badete ich schnell die Kinder und legte mich zu ihnen ins Bett. Nachts wurde ich kurz wach, als er mit der Tante und seinem Vater nach Hause kam. Am nächsten Morgen war er weg. Da wollte ich gerade die Kinder in die Kita bringen. Ich dachte mir erst nichts dabei; dachte, er sei kurz Zigaretten/ Brötchen/ XY holen. Außerdem war ich im Stress, hatte noch einen Termin in Potsdam. Wie auch immer, ich musste los.

Gerade als ich aus dem Haus wollte, kamen mir zwei Männer von der Kriminalpolizei entgegen. Ich ahnte nichts Gutes. Hoffte, er sei vielleicht betrunken im Straßengraben aufgefunden worden/ war in eine Schlägerei verwickelt gewesen/ im Krankenhaus/ wie auch immer. Als sie sich meiner und seiner Identität versichert hatten (sie wollten sogar ein Foto von ihm sehen und probierten die Schlüssel, die er bei sich trug, aus), wollten sie mich allein sprechen. Ich schickte die Tante und den Opa mit meinen Kindern vor die Tür. Ich sollte mich „erstmal hinsetzen“, dann kam der Satz, den ich nie vergessen werde „Der Miguel (das war sein erster Vorname – nicht sein Rufname) ist heute früh gestorben!“ Bähm! In Your Face! Gestorben! Unwiederbringlich. Endgültig. Unumkehrbar. Ich konnte, wollte es nicht wahr haben. Es war wie ein Schlag ins Gesicht, der so endgültig ist, dass er keinerlei Hofnung mehr zulässt. Zwecklos jede weitere Nachfrage à la „lebt er nicht vielleicht doch noch ein bisschen?“

Ich weiß gar nicht mehr, wie genau ich reagiert habe in dem Moment, aber die Tante kam hereingestürmt und wollte wissen, was passiert war. Als ich es dann irgendwann auf spanisch hervorbrachte, fing auch sie an zu schreien und lief zum Vater. Auch er fing an zu schreien. Meine drei verwirrten Kinder mittendrin. Es war wie ein Albtraum! Komischerweise fing ich ab da an, einfach nur noch zu funktionieren. Die Mäuse gingen erstmal zur Nachbarin. Ich erledigte alles weitere wie in Trance. Erst sagte ich meinen Termin in Potsdam ab, dann rief ich die Betreiber der Fanmeile an. Dort sollten wir ja eigentlich bis zum Ende der WM stehen. Mir war aber sofort klar, dass ich das Geschäft alleine nicht weiterführen würde. Danach meldete ich mich bei den Betreibern des Bergmannstraßenfestes, auch da musste ich für das kommende Wochenende absagen. Sonst konnte ich niemandem Bescheid geben. Dazu hatte ich keine Kraft. Irgendwann am Vormittag rief ich meine Mutter an, die sich sofort von Köln zu uns nach Berlin auf den Weg machte. Ich ging mit den Kindern und unseren Nachbarn im Wald spazieren. Alles wie in Watte. Ich konnte es nicht glauben, wollte es nicht akzeptieren. Gestern war doch noch alles ok gewesen – klar, der übliche Stress, aber doch nichts, wofür es keine Lösung gab. Einen Tag vor seinem letzten hatte ich einen Tiefpunkt. Er baute mich auf, nahm mich in seine Arme und meinte, dass wir das schon schaffen, dass jetzt zwar ein stressiger Monat vor uns läge, aber danach hätten wir ja erstmal Urlaub und könnten uns entscheiden, ob wir das ganze Food Truck Business weiterführen würden oder nicht. Ich hatte ihn in dem Moment so für seine Stärke bewundert und ihm das auch gesagt.

Was war nur passiert, dass er anderthalb Tage später keinen anderen Ausweg mehr sieht, als sich umzubringen? Er war überarbeitet, hatte in der letzen Zeit kaum noch gegessen, wenig geschlafen und stand unter einem enormen Druck, den er sich größtenteils selbst gemacht hatte. Klar ist, dass an dem Abend/ in der Nacht Alkohol im Spiel war, ob noch andere Substanzen im Spiel waren, werden die Ergebnisse der Obduktion zeigen. Normalerweise hat er keine Drogen genommen, aber wer weiß, wen er zwischen Truckputzen und Nach-Hause-Kommen noch alles getroffen hatte. Wie ich später erfahren habe, war er nämlich mit Tante und Vater noch in zwei Lokalen gewesen. In seiner Verfassung hatte er sich vielleicht doch etwas andrehen lassen. Zwar würde es ihn nicht wieder zurückbringen,  aber es würde doch einiges erklären.

Ich spüre, dass er es in dem Moment, als er es tat, bereute, aber da war es schon zu spät. Ich weiß, dass es ihm unglaublich leid tut und er sich schämt für das was er getan hat. Wenn er könnte, würde er es sofort ungeschehen machen, aber das geht leider nicht. Nichts ist so endgültig wie der Tod. Er war so lebenslustig, wir hatten so viele Pläne, hatten uns erst fünf Tage vorher einen neuen Kühlanhänger gekauft. Das tut man doch nicht, wenn man sein Ableben plant. Ich bin mir sicher, das Ganze war eine Art Kurzschlussreaktion. Leider eine Unumkehrbare.

Die ersten Tage nach der Tat waren die schlimmsten. Ich konnte weder essen noch schlafen, mir sind die Haare ausgefallen. Meine Umwelt habe ich wie unter einer Käseglocke wahrgenommen, ich war gar nicht richtig anwesend. Trotzdem musste ich weitermachen, schon alleine wegen der Kinder. In der ersten Zeit wollten sie (und auch ich) nicht mehr alleine schlafen, also schliefen wir zu viert in ihrem Zimmer, wie in der Nacht als es passiert war. Außerdem möchten sie nicht mehr alleine sein, nicht mal alleine unten im Wohnzimmer bleiben, wenn ich mal kurz hoch ins Badezimmer gehe. Ansonsten verhalten sie sich relativ „normal“. Kinder trauern anders. Sie werden kurz mal traurig, aber dann spielen sie auch schon wieder weiter. Dennoch ist mir klar, das das Ganze nicht spurlos an ihnen vorbeigehen kann. Ganz wichtig finde ich Offenheit in dieser Zeit. Ich habe ihnen alles erzählt was sie wissen wollten, ohne Verheimlichungen. Bei uns gibt es keine Tabus. Sie dürfen mich alles fragen und ich beantworte ihnen ihre Fragen so gut ich es kann. Ich habe ihnen auch erklärt, dass Papa nicht komplett weg ist, sondern seine Seele jetzt immer auf uns aufpasst. Und dass wir es auch alleine schaffen werden. Mama hat jetzt Papas Stärke dazubekommen!

Dennoch ist das Weitermachen für mich schwer. Ich bin plötzlich alleinerziehend. Alleinerziehende Mama von drei Kindern! Nächsten Monat muss ich ohne ihn zur Einschulung unserer mittleren Tochter. Ich fühle mich leer und halbiert. Am Tag seines Todes bin auch ich einen Teil gestorben. Wir haben uns so geliebt, waren ein Drittel unseres Lebens fast Tag und Nacht zusammen. Ich vermisse ihn. Immer. Alles erinnert mich an ihn. Und ich frage mich, ob ich irgendwann wieder so richtig glücklich werden kann. Meine Gefühlslage ähnelt einer Achterbahnfahrt. Mal geht es mir besser, dann habe ich wieder meine Tiefpunkte. Und immer quält die Frage nach dem WARUM.

 

*(Dieser Text entstand bereits im Juli, nur konnte ich mich bis jetzt nicht dazu durchringen, ihn zu veröffentlichen.)

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Drei Kinder und ein Food Truck – Mama und Papa machen sich selbständig

Ihr Lieben, wer mir auch auf Facebook und/oder Instagram folgt, weiß bereits, dass ich in letzter Zeit viiiiieeeeeel Arbeit hatte und keinen freien Kopf, bzw. freie Zeit für irgendetwas (daher auch soooo lange kein neuer Post von mir). Den Grund dafür möchte ich Euch hiermit feierlich verraten: Westenddad und ich machen uns gerade selbständig! Womit? Mit einem spanischen Food Truck, spezialisiert auf Tapas und Grillhähnchen.

 

 

So, nun ist es raus!

Der Grund dafür? Wir lieben Stress und Verantwortung 😉 , vor allem aber wollten wir unsere Leidenschaft, das Kochen, Essen und Trinken schon lange zum Beruf machen. Unser ursprüngliches Vorhaben, eine kleine Pollería (Hähnchen- und Tapasbar) im andalusischen Stil zu eröffnen, haben wir nach reichlichem Überlegen, Durchrechnen und Abwägen schließlich für die Pollería auf Rädern hintenangestellt: die Vorteile des Trucks sind ganz klar die höhere Flexibilität und das geringere Risiko. Sollte unser Geschäft – warum auch immer – überhaupt nicht laufen oder wir merken, dass es doch nicht das Richtige für uns ist, können wir es einfach wieder aufgeben: wir sind an keine langjährigen Mietverträge gebunden, auch auf keinen Vermieter angewiesen. Wenn wir in den Schulferien Urlaub machen wollen, schließen wir den Truck ab und sind weg. Wir haben keine hohen Fixkosten, wie z.B. die Miete. Die Standgebühren sind meist überschaubar.

 

Dennoch hängt auch sehr viel Arbeit an einem Food Truck

Soooo einfach wie es klingt ist es dann aber doch nicht. Gerade am Anfang muss alles erst einmal aufgebaut und organisiert werden. Die Webseite muss gestaltet, das Logo designt, (Reise-)Gewerbe angemeldet, der Truck zugelassen, versichert, lackiert, die Lieferanten und Mitarbeiter gefunden werden, ebenso wie eine professionelle Gastroküche, in der die Speisen zubereitet und gelagert werden dürfen. Und Standplätze dürfen natürlich auch nicht fehlen, denn leider kann man sich in Deutschland nicht einfach, wie beispielsweise in den USA, an den Straßenrand stellen und munter verkaufen. Ihr könnt euch also vorstellen, dass mein Kopf in den letzten Wochen entsprechend voll war und ich daher auch so gar keine Zeit oder Energie für irgendetwas anderes aufbringen konnte.

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Und die Kinder?

Nicht mal wirklich für die Kinder, muss ich zu meiner Schande gestehen. Zum Glück sind sie unter der Woche in ihrer Kita und dem Hort wirklich gut versorgt, so dass das kein Problem war, aber die Wochenenden waren schon hart, besonders die letzten: die Umlackierung ist zum Beispiel erst am Freitagabend fertig geworden, am Samstag mussten wir dann unsere Speisen für die Veranstaltung am 1. Mai vorbereiten, eine Lenkradkralle kaufen (alle KFZ, die auf dem Festgelände über Nacht blieben, brauchten laut Angaben der Polizei eine, sonst wären sie abgeschleppt worden – nicht auszudenken!), die Playlist zusammenstellen, noch schnell einen Verstärker kaufen, den Kühlanhänger abholen, die Menütafel gestalten, und, und, und… Wir sind fast wahnsinnig geworden; auch die Kinder haben ihr Übriges dazu beigetragen: sie waren nervös, überdreht und haben uns zusätzlich gestresst – unsere Anspannung hat sich auf sie übertragen. Ich fühlte mich wie die schlechteste Mama der Welt; war nur noch angespannt, am Schreien und hatte weder Zeit noch Nerven für die Mäuse. Vor lauter Stress vergaß ich am Samstag sogar Carlos´ Reitstunde (er übrigens auch) …  Statt etwas Schönes mit ihnen zu unternehmen, mussten sie mitkommen zum Einkaufen, Mitarbeiterabholen, Aufbauen. Zum Glück sprang schließlich mein Cousin (und Nachbar) und seine Familie (spanische Frau und insgesamt 8 (!) Patchworkkinder und Hund) ein. Die Mäuse durften dort zwei Mal übernachten und auch zu unserer nächsten größeren Veranstaltung, dem Karneval der Kulturen, werden sie dort unterkommen. Was ich daraus gelernt habe: Sich selbständig zu machen ist eine große Sache. Sie erfordert viel Arbeit, Mut und Hingabe. Organisation ist wichtig. Man kann es schaffen, auch mit drei Kindern, aber ohne Hilfe schafft man es nicht.

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Nun haben wir also drei Kinder und einen Food Truck. Schaut doch mal auf dessen Seite vorbei: http://www.chicos-chicken.de. Man kann uns übrigens auch buchen, weiterempfehlen, liken, etc. Ihr wisst schon 😉

 

Drei sind (mindestens) eines zuviel

Wir haben drei Kinder. Gerade wie jetzt auf Reisen merken wir immer häufiger, dass die moderne westliche Welt nicht auf drei Kinder, sprich auf eine fünfköpfige Familie, ausgerichtet ist. Wir sind einfach zu viele…

Zu viele für Auto, Bus, Bahn

Es fängt schon beim Auto an. Zwar ist der Standard ein Fünfsitzer, aber sind wirklich alle Plätze besetzt, fährt es sich doch ziemlich eng. Mal eine Freundin zusätzlich mitnehmen? Unmöglich! Also muss dringend ein Siebensitzer her. Doch auch bei dem geht es mit drei Kindern problematisch weiter: Getränkehalter sind hinten nur zwei vorhanden, Rücksitze, an denen man z.B. Bildschirme befestigen kann (gerade auf längeren Fahrten wie bei uns nach Spanien unabdingbar), gibt es nur zwei Mal, also muss entweder ein Kind auf das Bespaßungsprogramm verzichten (ha, ha, ha), oder es muss auf die hinterste Sitzreihe ausweichen; was natürlich keiner will.

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Wenn man nicht mit dem Auto reist, stößt man auf dieselben Probleme: Sitze gibt es nämlich auch in öffentlichen Verkehrsmitteln immer nur zwei oder (wenn man Glück hat) vier zusammen, aber nie fünf oder mehr. Also wird einer auf den Schoß genommen (ungemütlich), oder muss allein sitzen (will niemand, außer vielleicht ein Elternteil, welches dem anderen allerdings nicht zumuten kann, sich allein um drei Kinder zu kümmern), oder die Familie muss sich in zwei Grüppchen aufteilen.

 

Zu viele fürs Hotelzimmer

Weiter geht´s im Hotel: klassisch gibt es Einzel- und Doppelzimmer. Ein Kinderbett kann meist dazugestellt werden. Nicht aber drei! Familienzimmer gibt es in den wenigsten Hotels, und selbst die sind standardmäßig auf zwei Kinder ausgerichtet, also müssen sich die Eltern entweder aufteilen und zwei Zimmer buchen oder (so wie wir) einfach ein Vierbett-Familienzimmer nehmen und ihre drei Kinder in ein Doppelbett packen – wobei man bei dieser Variante auf eine Lektion des Rezeptionisten gefasst sein muss.

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Zu viele für den Tisch im Restaurant

Im Restaurant ist es ähnlich: Ein Tisch ist klassicherweise auf zwei oder vier Personen ausgerichtet. Zu fünft müssen wir also entweder zwei Tische zusammenstellen (oft, gerade wenn es voll ist, nicht gern gesehen) oder wir quetschen noch einen Stuhl an die Kante und sitzen wieder mal ziemlich eng und unbequem. Und komischerweise oft mit dem absurden Gefühl, uns für unsere Vielzahl entschuldigen zu müssen.

 

Als fünfköpfige Familie muss man stets gut organisiert sein, alles muss frühzeitig reserviert  werden. Bye-bye Spontaneität. Sonst hat man es schwer. Kreativität ist gefragt, Improvisation an der Tagesordnung. Immer wieder merkt man: drei Kinder sind definitiv mindestens eines zuviel. Ab und zu ertappe ich mich beim Gedanken, wie es wohl wäre, wenn wir nur ein oder zwei Kinder hätten… Ja, vieles wäre weniger umständlich, weniger anstrengend, aber dennoch möchte ich natürlich keines meiner Kinder missen. Nein, wir passen nicht in das klassische Vater-Mutter-Kind-Kind-Schema. Wir sind etwas Besonderes. Und das ist auch gut so!

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Habt Ihr auch mehr als zwei Kinder und ähnliche Erfahrungen gemacht?

#familylife – wenn die ganze Familie krank ist

Oh Mann…. Es ist mal wieder soweit: pünktlich eine Woche vor unserem Osterurlaub werden wir alle krank. Es fing letzten Samstag an. Carla (5) war auf einen Geburtstag eingeladen, auf den sie sich schon sehr freute. Das Geschenk war besorgt und eingepackt, alles war vorbereitet. Gegen Mittag gingen die Kinder baden; und da fing es an: Carla fühlte sich schlapp, bekam Schüttelfrost und erhöhte Temperatur. Den Geburtstag musste ich absagen. Nachts durfte sie in meinem Bett schlafen. Die halbe Nacht hustete sie (direkt in mein Gesicht) und ich kochte Tee, reichte ihr Taschentücher. Am Sonntag ging dann gar nichts mehr bei der kleinen Maus. Sie hatte den ganzen Tag über Fieber, aß (bis auf die Apfelstücke, die ich ihr fütterte) nichts und schlief die meiste Zeit.

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Abends, als unsere beiden Mädchen endlich ruhig eingeschlafen waren, machten wir es uns mit unserem Sohn (9) vor dem Fernseher gemütlich. Wenigstens etwas abschalten, etwas Ruhe bevor wir ins Bett gingen. Plötzlich kotzte unser Sohn ohne jegliche Vorankündigung aufs Sofa – nein, er hatte sich nicht angesteckt; er hatte während wir die Mädchen ins Bett brachten, einen Liter Eistee auf ex getrunken (warum auch immer) und nun Luft im Bauch, und irgendwie ergoss sich dann alles auf einmal im Schwall über unser Sofa… Natürlich sind Westenddad und ich nach über 10 Jahren und insgesamt vier Kindern, ein eingespieltes Team: ohne uns abzusprechen sprangen wir beide auf und erledigten routiniert unsere Aufgaben. Ich kümmerte mich um unseren Sohn, er sich ums Sofa. Dann gingen wir ins Bett – nix mit ruhigem Fernsehabend.

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Am nächsten Morgen ging es Carla schon wieder besser, aber nun fing es bei mir an: Kratzen im Hals, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit. Ausruhen war nicht wirklich drin: viel zu viele Termine standen an (schließlich sind wir ja bald wieder einige Wochen weg) – und die Sofabezüge mussten gewaschen werden. Nachts fing dann unsere Kleinste (4) an: sie kam wimmernd zu uns ins Bett, hustete und war heiß wie eine Kartoffel. Here we go again!… Carlos geht´s wie immer super, er ist nie krank, und er hat uns versprochen, keine Getränke mehr zu exen. Er ist gerade in der Schule. Wir anderen vier hängen mehr oder weniger angeschlagen so herum: Papa und Emma im Bett, Mama und Carla auf dem Sofa. Krank und frustriert. Im Hinterkopf alle Dinge, die wir eigentlich jetzt machen müssten. Vor allem ich komme damit schlecht klar, werde unruhig und fühle mich nutzlos. Kranksein ist ja so eine Zeitverschwendung, Fremdbestimmung, deprimierend. Wenigstens habe ich es geschafft, mal wieder einen Blogpost zu verfassen! 😉

Früher war mehr Entspannung

Früher war doch alles besser – oder? Naja, vielleicht nicht besser, aber doch weitaus entspannter: da sind die Kinder ab der ersten Klasse alleine zur Schule gelaufen (manche sogar schon alleine zur Vorschule!). Das war normal. Heutzutage wird man schief angeguckt, wenn man seine Kinder nicht bis mindestens zur dritten Klasse bringt und abholt. Früher war „Freispiel“ normal. Heutzutage macht man sich schon Gedanken, ob man sein Kind nicht vernachlässigt, wenn es nicht mindestens einem Hobby (im Verein versteht sich) nachgeht. Einfach machen lassen? Einfach mal treiben lassen? Geht gar nicht. Struktur ist angesagt und Disziplin und die maximal beste Vorbereitung, die man seinem Kind nur auf seinem Weg ins Leben mitgeben kann – das ist ja grundsätzlich richtig, die Frage ist nur, ob die Methoden es sind.

Neulich hatten wir ein kleines Wiedersehen mit unserer früheren Grundschullehrerin, mit der wir in  alten Zeiten schwelgten. Dinge, die heute völlig undenkbar sind, waren damals normal: Wer beispielsweise seine Hausaufgaben zum x-ten Male in der Schultasche nicht „fand“, dem wurde sie ausgekippt, um beim Suchen zu „helfen“ – ohne, dass die Eltern des betreffenden Kindes daraufhin sofort zum Direktor rannten; im Sommer waren wir mit der Klasse mal auf einem Ausflug; es war sehr heiß. Wir wollten uns auf einem Platz, auf dem gerade der Rasen gesprengt wurde, abkühlen, hatten aber keine Badesachen dabei, und so ließ uns unsere Lehrerin einfach nackig unter den Rasensprenger hüpfen. Das war völlig normal und überhaupt kein Anlass zur Sorge, auch nicht für unsere Eltern, denen wir natürlich freudig davon berichteten. Man stelle sich die Gesichter der Eltern dazu heute einmal vor, wenn sie erfahren, dass eine Lehrerin Zweitklässler nackt in aller Öffentlichkeit unter einem Rasensprenger toben lässt. Die Arme kann sich nach einem neuen Job umsehen.

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Helikopter und Handys statt eigene Erfahrungen machen und ausprobieren lassen

Kinder werden heute viel mehr kontrolliert als früher. Ich bin ein Kind der 80er Jahre, morgens hat meine Mutter mich rausgelassen und abends um 19:00 wieder rein – und das in einer Großstadt wie Berlin. In der Zeit dazwischen durfte ich mit meinen Freunden spielen, war frei, selbstbestimmt. Ich hatte nie Langeweile, bin mit meinen Freunden oft über den Zaun des geschlossenen Kindergartens geklettert und habe dort auf dem tollen, riesigen Spielplatz gespielt, wir haben auf dem Hof Höhlen gebaut, teilweise aus den alten, kaputten, ausgesonderten Möbelstücken unserer Nachbarn (nicht auszudenken, was da für Bakterien drin gesteckt haben müssen!), wir haben uns Geschichten ausgedacht, waren unbekümmert, frei und hatten Spaß.  Und das ohne Handy! Meine Mutter hatte quasi nie eine Ahnung, wo ich gerade war, und sie konnte mich auch schlecht kontrollieren. Klar, wäre etwas passiert, hätte ich auch nicht anrufen können, aber es ist nie etwas passiert – jedenfalls nie etwas Schlimmes. Und auch heute passiert statistisch betrachtet nicht mehr als vor dreißig Jahren, weniger übrigens auch nicht – trotz Handys und Helikopter-Eltern, aber wenn etwas passiert, bekommt man es mehr mit! Durch die ganzen (sozialen) Medien verbreiten sich Kindesentführungen/ Missbrauchsfälle und andere Gräueltaten aber viel schneller und weitreichender als früher, wo es lediglich Radio, Zeitungen und die TV-Nachrichten zu einer bestimmten Uhrzeit gab. Heute ist alles rund um die Uhr zugänglich, wodurch solche Verbrechen automatisch präsenter werden, und wir den Eindruck bekommen, die heutige Welt sei unsicherer geworden.

 

Wir setzen uns selbst unter Druck und scheitern an unseren eigenen, zu hohen Erwartungen

Ich lasse meine drei Kinder oft freispielen (hieß das zu unserer Zeit nicht einfach nur „spielen“?), im Haus oder im Garten. Aber im Gegensatz zur Generation meiner Mutter, habe ich dabei stets ein schlechtes Gewissen: Sollte ICH die Kinder jetzt nicht besser irgendwie pädagogisch wertvoll beschäftigen? Ihnen etwas anbieten? Mit ihnen basteln? Batiken? Englisch lernen? Ihnen etwas vorlesen? Oder wenigstens Kochen und Backen? Ich bin so unentspannt, meine Erwartungen an mich selbst, gerade was die Erziehung meiner Kinder angeht, sind so hoch, dass ich täglich daran scheitere und mich dann noch unfähiger fühle.  Die überzogenen, teilweise unrealistischen Erwartungen was die Kindererziehung angeht, sind also teilweise selbst auferlegt, und teilweise entstehen sie durch eine Art Gruppenzwang, weil man ja Familie XY in nichts nachstehen möchte. Man setzt sich also selbst unter Druck, ähnliches zu leisten, ungeachtet der äußeren Umstände, die dabei nicht berücksichtigt werden. (Die Burn-Out-Rate unter Müttern ist nicht umsonst in den letzten 10 Jahren um fast 40% gestiegen!)

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Familie als Statussymbol?

Nichts ist wohl so persönlich wie die eigene Familie, nichts so angreifbar wie der eigene Erziehungsstil. Da ist man am verletzlichsten, und so möchte man im Vergleich mit anderen natürlich besonders gut dastehen. Wo ein bisschen vergleichen ja durchaus normal ist, wird Wettbewerb heute ganz großgeschrieben. Das war früher sicher nicht anders, aber statt seine Erziehungsmethoden zu vergleichen, hat man sich mit anderen an der Größe des Autos/ Hauses / Fernsehers gemessen. Ist Familie also zu einer Art Statussymbol geworden? Generell wäre eine Verbesserung ihres Stellenwerts ja durchaus zu begrüßen, aber wie so häufig arten Vergleiche und Wettbewerb schnell in Egoismus und falschem Stolz der Eltern aus, in dem sie auch begründet liegen. Kind A macht Capoeira und geht in eine bilinguale Kita? Dann muss UNSER Kind das auch! Die wahren Interessen des Kindes bleiben dabei oft unberücksichtigt.

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Ein Plädoyer für mehr Entspannung!

Machen wir uns das Leben doch einfacher. Lassen wir unsere Kinder doch einfach mal machen und spielen und tun, worauf sie Lust haben. In dieser Freispielzeit können ja auch WIR mal tun was wir wollen: telefonieren, eine alte Folge Sex & the City schauen (oder Netflix) oder sonst einem Hobby nachgehen. Man muss nicht jedes Wochenende komplett mit Ausflügen und Aktivitäten fürs Kind vollstopfen, sondern kann es sich auch einfach mal zu Hause gemütlich machen. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, nächstes mal wieder etwas zu malen. Und was habt Ihr so vor? Ooooooohhhhhmmmmmm….