Ferien, Feiertage, kinderbetreuungslose Zeit

Wie geht Ihr damit um? Kurz vor Ferien, Feiertagen und teilweise sogar Wochenenden bekomme ich oft ein mulmiges Gefühl im Bauch: die Kinder sind da! Den ganzen Tag! Kinderbetreuungslose Zeit ist angesagt. Das bedeutet für die Mehrheit der Eltern viel zu früh geweckt werden und fremdbestimmt sein. Die eigenen Interessen gilt es hinten anzustellen. Aber warum eigentlich? Natürlich gehen die Kinder in manchen Dingen vor, z.B. wenn sie etwas brauchen/ möchten, dass sie noch nicht allein bewerkstelligen können, aber sind Eltern wirklich dazu da, ihren Nachwuchs ständig zu bespaßen, ihn zu beschäftigen? Sicher schadet es nicht, ab und an etwas mit seinem Kind zu unternehmen, Ausflüge zu machen, aber ich finde es genauso wichtig, es auch mal sich selbst zu überlassen. Ich kann mich nicht daran erinnern, früher ständig bespaßt worden zu sein, trotzdem hatte ich eine schöne Kindheit. Oder vielleicht gerade deshalb? Ich habe sehr viel mit meinen Freunden gespielt, die meisten wohnten im gleichen Haus wie ich, und wenn bei einem von uns Langeweile aufkam, dann klingelte entweder ich bei ihnen oder sie bei mir. Wir spielten entweder bei ihnen oder bei mir zu Hause, oder wir gingen runter auf den Hof spielen, bauten uns Höhlen, kletterten über den zugesperrten Kindergarten und vergnügten uns auf seinem Spielplatz, den wir dann ganz für uns alleine hatten. Oft sah mich meine Mutter dann erst zum Abendessen wieder. Damals war ich vielleicht fünf oder sechs. Heutzutage kommt es mir oft so vor, als würden die Eltern das komplette Leben ihrer Kinder (ver-)planen. Sie werden zu echten Eventmanagern ihrer Kinder: tätigen Verabredungen für sie, organisieren Treffen mit anderen Eltern und deren Kindern, planen Ausflüge. Das fände ich ja alles ganz schön, wenn sowohl Kinder als auch Eltern ihren Spaß daran hätten, allerdings merke ich, wie gestresst manche Eltern dadurch sind. Ich merke selbst an mir, dass auch ich mich unter Druck setze, ständig eine geeignete Aktivität für meine Kinder an ihren freien Tagen zu suchen. Und wahrscheinlich graule ich mich genau deshalb so vor ihnen (den freien Tagen – nicht den Kindern 😉 ). Ich möchte einfach die perfekte Mama sein, die die Kinder stets perfekt und nachhaltig und pädagogisch wertvoll zu beschäftigen versteht – absurderweise wohlwissend, dass das eigentlich gar nicht nötig ist, aber wenn es alle machen, dann muss ich es wohl auch tun, da meine Kinder sonst natürlich einen Nachteil anderen Kindern gegenüber hätten. Und so setzen Eltern sich unbewusst selbst, bzw. gegenseitig, unter Druck. Besonders herausfordernd ist es bei schlechtem Wetter, wie am gerade erst vergangenen Osterwochenende. Was habt Ihr denn mit Euren Kindern gemacht? Wir waren am Karfreitag lange auf dem Spielplatz. Dort gibt es zum Glück auch einen Kletterpfad, so war es also auch für meinen Achtjährigen spannend, abends bemalten wir die ersten Ostereier. Am Samstag bemalten wir weitere Ostereier, danach war ich mit Westenddad die letzten Ostereinkäufe tätigen, die Kinder konnten wir bei der Kinderbetreuung „abgeben“, wo sie mit anderen Kindern gespielt haben. Am Ostersonntag, nachdem wir erst um 3:30 (!!!) geweckt wurden, weil unser Sohn bereits Ostereier suchen wollte, dann um 6:30, und ihn schließlich auf 8:00 vertrösten konnten (ich erzählte ihm, dass der Osterhase noch nicht alle Eier versteckt hätte und sich dies auch nicht trauen würde, wenn die Kinder dann schon munter in der ganzen Wohnung herumtoben würden), baute ich erst einmal den Lego Friends Eiswagen auf, den der Osterhase für meine Mittlere versteckt hatte, dann frühstückten wir ausgiebig und danach gingen wir zum Ritterfest auf der Zitadelle Spandau. Leider fing es bereits nach einer halben Stunde so heftig an zu regnen, ohne Aussicht auf Besserung, dass wir wieder nach Hause fuhren und uns einen Film anschauten. Die beiden Kleinen und auch der Papa schliefen dabei ein. Am Ostermontag teilten der Papa und ich uns auf: morgens ging ich zum Yoga und er mit den Kindern auf den Spielplatz und nachmittags wollte er dann zum Sport (dummerweise nahm ich aus Versehen beide Schlüssel mit, so dass er zu Hause eingesperrt war und nicht weg konnte…) und ich ging mit anderen Kita-Eltern und ihren Kindern ins Kino. Wir schauten uns die Schlümpfe in 3D an. Trotz meiner anfänglichen Befürchtungen, alleine mit meinen drei doch meist eher hyperaktiven Kindern ins Kino zu gehen, verlief alles ungewohnt ruhig. Nun ist Dienstag und obwohl wir die Feiertage ganz gut überstanden haben, bin ich wie immer heilfroh, dass sie endlich vorbei sind und der Alltag wieder Einzug ins Leben hält.  Geht es nur mir so oder gehört Ihr auch zu denen, die sich jetzt nicht vorbehaltlos auf diese kinderbetreuungslosen Zeiten freuen? Und was macht Ihr so mit Euren Kindern – vor allem bei schlechtem Wetter?

Ich freue mich schon aufs Loslassen! – oder??

Meine Kinder fordern mir sehr viel ab: die zwei Kleinen sind gerade mal 3 und 4 Jahre alt, und der Größere zwar schon 8 aber durch sein ADHS ist er meist noch anstrengender als seine kleinen Schwestern. Gerade las ich den Beitrag von Stadt Land Mama über Das Ende Der Kleinkindphase und wie man dann selbst als Mama wieder mehr Freiheiten und Zeit für sich gewinnt. Viele Mütter schrieben aber auch darüber, dass sie Probleme mit dem Loslassen (gehabt) hätten. „Ich nicht“, dachte ich daraufhin gleich, „ich werde dann zehn Kreuze machen!“ – und doch…. Wird mir das dann wirklich so leicht fallen, wenn es soweit ist? Manchmal denke ich, dass ich diese Baby-/Kleinkindzeit nur als soooooo anstrengend empfinde, und empfunden habe, weil bei mir gerade und eigentlich genau seit ich Kinder bekommen hab, extrem viel los ist. Damit meine ich, dass ich nicht „nur“ Job und Kindererziehung miteinander vereinbaren muss, sondern ich habe

Erstens: keinerlei familiäre Unterstützung – meine Mutter lebt in Köln und ist generell eine sehr, sagen wir mal, atypische Oma, die ihre Enkel auch so  nie über ein Wochenende nehmen würde – jedenfalls nicht freiwillig. Mein Freundeskreis war als ich schwanger wurde weitgehend kinderlos, die paar die Kinder hatten, waren aber auch schon allesamt weggezogen aus  Berlin.

Zweitens: genau in dem Jahr als unser erstes Kind geboren wurde, erkrankte meine Oma an Alzheimer und mein Opa wurde Dialysepatient. Da sich weder meine Mutter noch meine Tante um sie kümmerten übernahm ich es, ich tat es ja auch gerne, schließlich hatte ich schon immer ein ganz besonders enges Verhältnis zu meinen Großeltern gehabt, war ich doch sogar bei ihnen aufgewachsen!

Drittens: ich befand mich am Anfang meines Studiums bereits im 7.  Schwangerschaftsmonat, habe also das komplette Studium mit Kind, und später mit Kindern, vereinbaren müssen; seit meine jüngste Tochter in die Kita geht, kam auch noch mein Nebenjob an einer Hochschule hinzu.

Viertens: ich war schon immer ein Ausgehtyp – abends vor dem Fernseher zu sitzen und quasi durch Kinder oder was auch immer ans Heim gebunden zu sein, widerspricht meiner Natur! Vielleicht klingt das narzisstisch, aber ich denke schon, dass häusliche Typen sich mit dieser Umstellung leichter tun.

Fünftens: die lieben Kinder selber, klar jedes ist mal anstrengend, es gibt Phasen… aber mein Sohn hat ADHS. Viele können sich das gar nicht vorstellen, aber es ist eine unglaubliche Belastung, denn er ist so gut wie nie ruhig und ausgeglichen. Manchmal habe ich das Gefühl, als befände ich mich täglich im Krieg gegen ihn. Therapien, auch mal mehrere pro Woche, zu denen er hingebracht und abgeholt werden muss, tun ihr übriges mit meiner knappen Zeit. Mittlerweile ist es etwas besser, aber ich erinnere mich noch gut daran, als er noch sehr klein war. Oft bin ich aufgewacht und habe schon die Stunden gezählt wann es endlich Zeit für den Mittagsschlaf ist, dann wann es endlich abends ins Bett geht. Ich habe diese Kleinkindzeit gar nicht richtig genießen können.

Sechstens: mein Perfektionismus. Ja, ich bin sehr ehrgeizig. Natürlich möchte ich auch eine gute Mutter sein und meinen Kindern eine pädagogisch wertvolle Erziehung mitgeben. Aber ich scheitere daran fast täglich. Entweder weil ich nicht die Zeit habe, ihnen jeden Abend noch eine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen, mit ihnen zu malen und zu basteln, oder weil ich einfach selber so fertig bin, Konflikte mit meinem Sohn gießen da noch zusätzlich Öl ins Feuer, dass ich statt stark und geduldig eher launisch und labil bin  und ein Tag schließlich auch mal im Gebrüll endet.

Siebtens: mein Partner arbeitet abends. Ich bin also ab 16:00 alleinerziehend.

Achtens: ich habe drei Kinder… und ich bin mit drei Kindern ab 16:00 alleinerziehend.

Ich habe eigentlich diese Baby-und Kleinkindzeit gar nicht richtig genießen können. Und manchmal frage ich mich schon, warum. Bin ich einfach anders als die anderen? Oder machen sich die anderen etwas vor? Ich liebe doch meine Kinder auch über alles, das tue ich wirklich. Aber anders als die meisten empfand ich alles einfach als puren Stress. Heute denke ich, dass dieses Gefühl nicht (nur) meinen Kindern selber, sondern vor allem auch den Umständen geschuldet war. So gut wie alles war im Umbruch, eine Baustelle: kein fester Job, Studium noch nicht abgeschlossen, Oma und Opa krank und außer mir war niemand da, der ihnen half. Es war auch niemand da, der mir half. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie meine Mutter, kurz vor der Entbindung meiner zweiten Tochter zu mir sagte, ich sähe „abgespannt“ aus. Darauf zu kommen, mir anzubieten, ihren Enkel (damals war es ja sogar nur einer) mal für einen Tag zu nehmen, kam sie nicht…

Ich konnte diese Kleinkindzeit gar nicht richtig genießen. Das ist so schade, denke ich mir nun, wo sie laaaaangsaaaam dem Ende zugeht, immer häufiger, denn klar, die Kinder werden größer und selbständiger und benötigen dann keiner 24/7 Betüddelung mehr, aber dann sind sie eben auch … nun ja, größer eben. Sie werden nie, nie mehr zwei oder drei Jahre alt sein. Sie werden nie mehr nach dem Toilettengang lauthals durch die ganze Wohnung „MAMAAAAAA, Kacka gemaaaacht!“ rufen (hoffe ich jedenfalls ;)), irgendwann kann man sie dann auch einfach mal – erst ein paar Stunden, dann sogar mal eine halbe Nacht – alleine zu Hause lassen, und brauch sich keinen Kopf mehr um irgendwelche Babysitter machen, die sie wieder vergraulen könnten, und irgendwann werden sie nicht mehr tausendmal nachts aufstehen, weil sie bitte noch mit Mama aufbleiben und Fernsehen schauen wollen, dann machen sie lieber ihr eigenes Ding. Statt dass sie mich jedes Wochenende, an dem man ja eigentlich mal ausschlafen könnte, um 7:00 morgens wecken (siehe Bild), werde ich sie erst gen Mittag wach kriegen – und so sehr ich mich darauf freue, wieder mehr Freiheit zu genießen, desto wehmütiger werde ich auch bei diesem Gedanken.

Notiz an mich: gaaanz viel Puppen spielen, malen und Geschichten vorlesen heute Abend!!!

 

Meine Kinder vergraulen jeden Babysitter

Ich habe mich ja nun schon öfters darüber ausgelassen, dass man als Eltern mit kleinen Kindern nicht mehr so flexibel ist was das Ausgehen angeht. Waren es früher 4 Mal pro Woche, die wir abends unterwegs waren, sind es heute maximal 4 Mal pro Jahr. Und die wollen gut geplant sein. Spontaneität adiós! Manchmal vergeht mir da vor lauter Planung die Lust am Weggehen: vorher muss natürlich die Wohnung aufgeräumt werden, die Betten frisch bezogen, das Essen der Kinder muss vorbereitet werden, idealerweise auch ein kleiner Snack und etwas zu trinken für den Babysitter.

Die meisten Sorgen macht mir dann aber immer der Babysitter selber – nein, nicht wie unsere Kinder mit der ggf. fremden Person klarkommen werden, sondern wie sich diese ggf. fremde Person bei unseren Kindern durchsetzen will. Meine Kinder sind drei an der Zahl, sie kennen sich untereinander und sind ein eingeschworenes Team. Mittlerweile sind sie auch keine Babys mehr. Meine kleinste Tochter ist drei und kann ihren Willen sehr  gut zum Ausdruck bringen, notfalls „übersetzen“ die Geschwister. Da muss ich mir also eigentlich keine Sorgen machen. Das einzige was mir also Sorgen bereitet ist der Babysitter. Denn unsere Kinder sind wirklich extrem anstrengend. Sie haben solch eine Power und Energie, sind extrem dickköpfig. Das ist unglaublich. Hinzu kommt natürlich auch noch, dass unser Ältester ADHS hat – er ist also schon „von Natur aus“ zappelig und nervös, und je ungewohnter eine Situation, bzw. je fremder eine Person, desto stärker äußert sich das. Dann gilt es Grenzen auszutesten – und natürlich steckt er auch seine Schwestern mit dieser Stimmung an.

Man kann schlecht mit ihnen spielen, denn Carlos drängt sich ständig mit irgendwelchen Aktionen in den Vordergrund, man kann aber auch schlecht mit ihnen herumtoben, denn fängt man einmal damit an, finden die Kinder nicht wieder zur Ruhe. Jemandem der sich da nicht richtig durchzusetzen weiß, tanzen sie auf der Nase herum.  … Mir tanzen sie ja schon jeden Abend auf der Nase herum, und ich habe keine Hemmung, auch mal lauter oder strenger mit ihnen zu werden – wie soll denn da aber eine fremde Person gegen ankämpfen? Aus Erfahrung weiß ich, dass die meisten anscheinend nichts tun, sondern wohl einfach die Minuten zählend und sich innerlich OOOHHHMMM-sagend, ausharren bis die Kinder dann doch irgendwann mal zu müde werden um weiter zu toben und einschlafen.

Mein Schatz und ich waren gerade erst letzte Woche mal wieder weg gewesen, bei einem Konzert meines absoluten Lieblings  Jarvis Cocker!! Die vorgesehene Babysitterin, eine, die schon einmal bei uns war, sagte kurz vorher ab (ich frage mich warum….;)). Zum Glück konnte er kurzfristig noch jemand anderen organisieren, eine neue Arbeitskollegin von ihm. Doch bereits als ich sie sah, kamen mir erste Zweifel: sehr jung, schüchtern und zurückhaltend – so gar nicht , was unsere Kinder brauchen. Aber unser Handy klingelte den ganzen Abend über nicht, so dass wohl alles ok gewesen sein musste. Als wir nach dem Konzert kurz anriefen, um zu fragen, wie es denn so lief/läuft, meinte sie völlig erschöpft, dass sie total fertig sei, dass die Kinder nicht schlafen gehen wollten, sie nun aber wohl alle schlafen würden (es war ja auch schon nach 23:00). Am nächsten Tag kamen dann nach und nach immer mehr Details von dem Abend zum Vorschein: Carla behauptete, Carlitos sei „schrecklich gewesen“ und habe die Babysitterin gehauen, woraufhin er schrie: „Gar nicht, Carla lügt voll! Carla hat sie gehauen“, … etc., etc. … Oh Mein Gott!! Klar, dass mir das Ganze sehr unangenehm ist und ich versuche, wenn ich mal bei der Arbeit meines Mannes bin, ihr möglichst nicht zu begegnen – geschweige denn, sie wieder mal anzufragen für ein weiteres Babysitten.  (Alle, die da mal auf Oma, Opa, Tante zurückgreifen können, sollen sich dankbar schätzen!)

Eigentlich habe ich nur solche Erfahrungen mit unseren Babysittern gemacht, mit einer Ausnahme – die einzige, die wirklich gut und erfahren ist und super mit ihnen klar kommt, nimmt 17€ pro Stunde. Das wären dann für den Abend ca. 100€ extra – nur für den Babysitter! Da überlegt man sich dann schon lieber vier Mal, ob man denn wirklich zu diesem Konzert/ Geburtstag/ etc. gehen muss – schließlich werden die Kinder ja immer größer und bald kann man dann ja auch so mal wieder raus gehen… Dauert halt nur noch mindestens acht  Jahre…aber was sind schon acht Jahre – hey genau – vor acht Jahren hatte ich ja noch nicht einmal Kinder!

 

Vereinbarkeit? Von wegen!..

Ich erlebe seit geraumer Zeit selber, wie anstrengend es ist, Beruf und Kindererziehung miteinander zu vereinbaren. Ok, jetzt sind es bei mir nicht „nur“ Job und Kinder sondern genauer gesagt Job und Uni und Kinder, aber von der Stundenanzahl her gleicht mein 20-Stunden-Job + 20 Stunden Arbeit für die Uni pro Woche ja auch einer Vollzeitstelle.

Es ist meiner Meinung nach leider (noch?) unmöglich, einen Vollzeitjob mit der Erziehung von Kindern relativ entspannt zu vereinbaren. Je größer sie werden, desto machbarer wird es vielleicht, aber für alle Mamas mit Nachwuchs unter 10 Jahren ist es schier utopisch. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel, aber ich spreche nun wirklich von Müttern/ Eltern, die weitgehend auf sich alleine gestellt sind, also keine Familien in der beispielsweise die Großeltern ständig zur Entlastung bereitstehen. Ich meine ein Familienmodell, in dem beide Eltern oder eben der alleinerziehende Part Familie und Beruf unter einen Hut bringen muss. Da fängt es nämlich schon damit an, dass man sich abwechseln muss wenn das Kind krank ist – ja und je mehr Kinder man hat, desto höher die Wahrscheinlichkeit des Ausfalls.

Bei uns geht gerade ein Magen-Darm-Virus in der Kita um: erst hatte sich meine Kleinste angesteckt, drei Tage später traf es die Mittlere, dann den Papa und schließlich seit gestern Nacht unseren Ältesten. (Mal gucken, ob der Virus mich weiterhin verschont…) So etwas ist leicht beschrieben, klingt von außen betrachtet fast schon amüsant, aber wenn man sich mal verdeutlicht, was dahinter steckt, ist es der glatte Wahnsinn: seit einer Woche durchwachte Nächte, in der man alle halbe Stunde mit dem jeweils betroffenen Kind aufs Klo rennt, Erbrochenes wegwischt, vollgekotzte Bettwäsche und Laken abzieht, die Betten neu bezieht – nur um eine Stunde später wieder von vorne zu beginnen… Und am nächsten Morgen (also ein paar Stunden später) muss ein Partner völlig übermüdet seiner Arbeit nachgehen, während der andere genötigt ist, sich krank zu melden, zu Hause beim Kind zu bleiben und das Ganze weiter zu führen. Wer da entspannt bleibt – Hut ab!

Natürlich tun mir Kinder leid, die ganz offensichtlich (leicht) erkältet in die Kita geschickt werden, nachdem sie zu Hause vorsorglich noch schnell Fieber- und Schmerzsaft verabreicht bekommen haben, damit sie weitestgehend keine Symptome zeigen und Mama nicht schon wieder in der Arbeit fehlen muss. Aber ich kann diese armen Eltern auch irgendwo verstehen. Man hofft dann einfach, dass es schon nicht so schlimm ist.  Oft ist es ja auch mysteriöserweise wirklich so, dass ein Kind, was nachts noch wie verrückt gehustet hat, tagsüber putzmunter ist und fit vor sich hin spielt. Oder dieses ominöse nächtliche Fieber, kennt Ihr das auch? Am nächsten Morgen ist wieder alles gut; niemand weiß woran es lag und niemand wird es je wissen…

Bevor mein Partner wieder arbeiten gegangen ist –ein vorbildliches Exemplar von Papa, dass die ersten Jahre zu Hause blieb und mir den Vortritt, was die Karriere angeht, überlassen hat! – habe ich stets sehr gute Leistungen in der Uni abgeliefert, doch als er wieder anfing zu arbeiten, fielen sie dramatisch ab. Erst dachte ich, ich sei quasi über Nacht verblödet, aber nein, ich hatte einfach keine Zeit mehr, mit der Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit zu arbeiten, die ein Studium erfordert. Zwar hatte ich immer noch den Anspruch, mein Bestes zu geben, doch je näher die Abgabetermine rückten, desto mehr ergriff die „egal wie, Hauptsache fertig – Einstellung“ Überhand. Das geht bestimmt vielen Müttern so, und das ist schade, denn es hindert uns daran, unser gesamtes Potenzial voll auszuschöpfen und einzusetzen. Viele Studentinnen schaffen es einfach zeitlich nicht mehr und brechen entweder ihr Studium ab oder sie sehen sich (als letzte Möglichkeit, ihr Studium doch noch abschließen zu können – und vielleicht etwas besser als mit einem Schnitt von 4,0) in ihrer Verzweiflung gezwungen, auf Ghostwriter für ihre Abschlussarbeiten zurückzugreifen. Das ist sehr schade, denn abgesehen von der Tatsache, dass es Betrug ist, und ziemlich teuer, muss das Gefühl doch sehr unbefriedigend sein, seinen Bachelor oder Master nicht selber, also aus eigener Kraft, geschafft zu haben – und diese Studierenden mit Kind(ern) wären dazu intellektuell gesehen ja keineswegs weniger in der Lage als andere Studenten – sie haben schlichtweg nur viel weniger Zeit.

Viele Studierende kommen schon mit einem Nebenjob ins Straucheln (auch völlig verständlich), aber man stelle sich nun einmal den Fall einer berufstätigen, studierenden Mutter vor: je kleiner die Kinder, desto weniger Schlaf bekommt sie, kann sich also nicht einmal nachts voll erholen, abgesehen  davon bekommt sie aber auch bei bereits voll durchschlafenden Kindern nicht besonders viel Schlaf, denn sie ist ja gezwungen, jede Minute zu nutzen. Abgabetermine sind Abgabetermine, also arbeitet sie weiter wenn ihre Kinder endlich im Bett sind. Aufgestanden wird bei den wenigsten Kindern nach 7:30, geht ja auch gar nicht wenn Mama noch selber zur Arbeit muss, d.h. sie steht früh morgens auf, macht sich und ihren Nachwuchs fertig, liefert ihn in der Kita, bzw. Schule ab und düst weiter zu ihrer Arbeitsstelle. Nach der Arbeit wird noch schnell eingekauft, dann muss sie auch schon weiterhetzen, ihre Kinder abholen. Es geht nach Hause, die Kinder müssen Hausaufgaben machen, wollen gebadet werden, essen, müssen Zähne putzen, nebenbei wird noch schnell die Waschmaschine eingeschaltet, dann ab ins Bett, doch so einfach ist das alles nicht, denn die wenigsten Kinder gehen abends ohne Widerworte schlafen. Liegen endlich alle im Bett, kommt oft das übliche: „Mama, ich muss noch mal Pipi!“, „Mama, ich hab Durst!“, „Mama, ich kann nicht einschlafen!“… Nun ist Mama schon ziemlich gereizt, denn das alles frisst Zeit, wertvolle Minuten, die sie ja noch an ihrer Uniarbeit schreiben muss, um alles „gewuppt“ zu bekommen. Herrscht endlich Ruhe, schafft sie es eventuell tatsächlich noch etwas produktiv zu sein, doch als sie danach auf die Uhr blickt, ist es auch schon 2:00 morgens – wieder weniger Zeit zum Schlafen – oh, da ist ja auch noch die fertige Wäsche, die noch schnell aufgehängt werden muss, bevor sie dann endlich tot ins Bett fallen darf…

Auch bei mir dreht sich beim Gedanken an meine bevorstehende Masterarbeit der Magen um. Eine Masterarbeit von ungefähr 80-100 Seiten schreibt sich eben nicht mal so nebenbei, das erfordert Zeit, Muße und Recherche, die viele Mütter aber nicht haben. Ist man wie die meisten auch noch gezwungen, nebenbei arbeiten zu gehen, um sich und seinen Kindern den Lebensunterhalt zu finanzieren, geht die Wahrscheinlichkeit, eine gute, zeitgerechte Leistung abzuliefern schnell gegen Null. Ich arbeite mich momentan tot: von Mo-Do bin ich im Büro, die Freitage sind immer vollgepackt mit Terminen (Kinderarzt/ Schulgespräch/ you name it). Zwar habe ich es mittlerweile gelassen, abends noch weiter zu arbeiten, aber dafür lasse ich meinen Schatz an den Wochenenden mit unseren drei momentan gerade seeeehhhr anstrengenden Kindern alleine und schreibe mit schlechtem Gewissen an meiner Seminararbeit. Es bleibt keinerlei Zeit zu entspannen und ich gehe gerade „auf dem Zahnfleisch“, was sich in etwa so bemerkbar macht, dass ich bei jeder kleinsten Gelegenheit in Tränen ausbreche oder herumschreie. Das kann´s doch nicht sein! Warum wird es jungen Familien heute nicht etwas leichter gemacht? Wo ist die Kinderbetreuung nachts und an den Wochenenden? Warum gibt es keine kostenlose Haushaltshilfe für berufstätige Eltern[1]? Warum wird die Bafög-Förderungshöchstdauer bei Eltern nicht einfach ausgesetzt?

Andererseits wird sich beschwert, dass zu wenige Akademikerinnen Nachwuchs bekommen! Es ist doch kein Zufall, dass alle Frauen in wirklichen Top-Positionen, (siehe Angela Merkel, Theresa May, ..) kinderlos sind, oder vielleicht maximal ein Kind haben – von Ursula von der Leyen, Angelina Jolie, Queen Victoria und Katharina der Großen mal abgesehen. Aber selbst die müssen/mussten eben nicht allein zwischen sich und ihren Männern den Alltag organisieren, sondern sind von je her in der komfortablen Lage gewesen, sich von ihren Nannies unterstützen zu lassen, oder wenigstens von einer Putzfrau – der Haushalt mit Kindern frisst ja auch so einiges an Zeit und Energie!… Doch dieses Privileg haben leider nur die allerwenigsten…

Was meint Ihr dazu? Seid Ihr auch dauergestresst und habt Schwierigkeiten, alles unter einen Hut zu kriegen, oder fällt euch die Doppelbelastung leichter? Und wenn ja, bitte her mit Euren Tipps!!

[1] Ich meine hiermit natürlich keine Topverdiener.

Neulich im Auto…

 

Das Leben mit Kindern kann schon witzig sein; hier ein kurzer Auszug aus den Dialogen der gestrigen Autofahrt von der Kita nach Hause (ca. 15 Minuten):

Es laufen Nachrichten über den Flughafenstreik im Radio…

Carlos (8): Mama, streikst du auch?

Mama schüttelt abwesend den Kopf.

Carlos: warum nicht?

Mama: die streiken, weil die mehr Geld wollen.

Carlos:verdienst du ganz viel Geld?

Mama (lacht): nein.

Carlos: dann streik doch!

 

kurze Zeit später…

Carlos: Mama, wann hat eigentlich „Don B-AB“ [unser Auto] Geburtstag?

Mama: Oooch, weiß ich gar nicht so genau; müssen wir mal in den Fahrzeugschein gucken.

Carla (4), freudestrahlend: Nee, ich weiß wann der Geburtstag hat! Wenn der ne Krone aufhat!!![Geburtstagskindern wird in unserer Kita immer eine Krone gebastelt]

 

kurze Zeit später…

Carlos: Mama, wie werden eigentlich Steine hergestellt?

 

kurze Zeit später…

Carlos: Mama, wie fliegen Flugzeuge?

 

kurze Zeit später…

Emma (3): ich hab´ gepupst!

 

 

(die Antworten auf Carlos´ letzte beide Fragen sind hier nicht aufgeführt, aber es soll nicht der Eindruck entstehen, dass sie ignoriert wurden.)