10 Things I love about you…

Ja, ich geb´s ja zu: ich schreibe viel über die nervigen, stressigen, unschönen Dinge mit Euch, weil das teilweise noch ein Tabu ist, weil die wenigsten offen darüber sprechen. Ich mag es, diese Dinge klar und deutlich zu kommunizieren – auch wenn das vielleicht bei manchen aneckt. Klar, Mutterschaft ist kein Zuckerschlecken, aber selbst ICH 😉 muss zugeben, dass es auch viele sehr schöne Aspekte gibt:

  1. Ihr seid so süüüüüüß! Eure kleinen Kindergesichter, wie Ihr morgens voller Elan und Tatendrang aufsteht… (meine Kleinste, Emma, in letzter Zeit immer fragend „Was machen wir heute?“, heute mit den Worten (da sie bereits gestern Abend fragte) „JAAAAA!!!!! Wir gehen heute zum Spielplatz!!!!!“

2. Eure grenzenlose Fantasie und Kreativität: Ihr spielt in letzter Zeit immer auch mal länger und ohne zu streiten in Euren Zimmern, baut Höhlen, Burgen, und alles Mögliche; letzten Samstag – es war auffällig lange schon auffällig ruhig – schmulte ich ins Zimmer und ihr hattet ganz Mordor dort errichtet und spieltet, angeleitet vom Größten, „Herr der Ringe“ nach.

3. Eure Energie und Lebensfreude – und anders als die Großen, habt Ihr auch (noch) keinerlei Scheu, Eure Freude offen zu zeigen. Bsp.: Carla (fast 5): „Mama, was gibt´s heute zum Frühstück?“ Mama: „“Tigercornflakes.““ Carla (jubelnd): „JAAAAA!!!!! LEEEECKER!!!“ – wär bei ´nem Erwachsenen doch undenkbar…

4. Die Selbstverständlichkeit, mit der Ihr auf der Welt seid. Da gibt es keine Scheu, keine Scham, etwa wie bei den Erwachsenen, wenn sie zum ersten Mal in eine fremde Umgebung kommen, wo sie weder Kultur noch Menschen verstehen. Ihr kommt einfach und seid dann da. Wie schön!

5. Eure bedingungslose Liebe.

6. Eure Empathie, zum Beispiel als Carla Mama getröstet hat als Opa gestorben ist. Sie nahm mich in den Arm und sagte: „Nicht weinen, Mama, ist nicht so schlimm. Guck mal, jetzt ist er wenigstens bei Oma!“

7. Eure Beobachtungsgabe und wie Ihr die Großen in allem was sie tun in Eurem Spiel und in Euren Unterhaltungen nachahmt – zugegeben, das ist teilweise auch erschreckend; zum Beispiel wenn Emma (3) ihrem 8-jährigen Bruder, der mal wieder nicht aufhört, „Quatsch“ zu machen, ermahnt: „Carlos, das geeeht so nicht! Dann musst du eben ins Heim.[1]

8. Euer Durchsetzungswille, und wie Ihr immer neue, raffiniertere Strategien entwickelt, zu bekommen was Ihr wollt. Beispielsweise Carla, die mir, als letzte Chance auf etwas Süßes kurz vor dem Mittagessen, weiß machen wollte, dass ihre Erzieherin im Kindergarten auch „immer“ vor dem Essen darauf bestünde, dass die Kinder noch Schokolade kriegen.

9. Wie Ihr stets völlig unvoreingenommen auf Neues zugeht und Situationen einfach so annehmt, wie sie gerade sind. Ihr lebt im Hier und Jetzt und hinterfragt (noch) nicht alles.

10. Eure Einzigartigkeit! Egal wie klein, Ihr habt bei (relativ) gleichem Umfeld bereits so ausgeprägte, unterschiedliche Persönlichkeiten. – und dafür zu sorgen, dass sich diese individuell, gut, stark und selbstbewusst entwickeln können, das ist unsere Aufgabe als Eltern!

[1] Bitte nicht falsch verstehen:  Ich hatte das vielleicht ein Mal im Streit erwähnt, ihm danach aber klar gemacht, dass ich ihn nie weggeben würde, weil ich ihn über alles liebe, etc., etc….

Die Kunstwerke der Kleinen…

Oh Mann, das muss ich einfach mit euch teilen: gestern, als ich bei der Arbeit am PC saß, stürmte meine Kleinste (gerade 3 geworden) ins Zimmer. Freudestrahlend streckte sie mir ihr gerade fertiggestelltes Bild entgegen: „Überraschung!!“, wie immer lobte ich sie und da sprudelte es schon aus ihr heraus: „das da, das sind Straßenschuhe, da ist Wasser, und hier ist eine Sonne, …“ Ihre Ernsthaftigkeit und Begeisterung ließen mich schmunzeln. Die gelbe Sonne, das blaue Wasser, ja sogar das rosa Wasser konnte ich noch mit etwas Fantasie nachvollziehen, aber woher kamen den bitte die „Straßenschuhe“?!?

Regretting Motherhood?

Mal ganz ehrlich: habt ihr es schon mal bereut, Kinder bekommen zu haben, bzw. Mutter geworden zu sein? Diese Debatte, losgetreten von der israelischen Soziologin Orna Donath in ihrer Studie, hat ganz Deutschland – na gut, vor allem natürlich die Eltern Deutschlands – letztes Jahr aufgewühlt. Aber warum dieses Thema so ein heikles sein soll, habe ich nie verstanden. Womöglich haben die sich darüber aufregenden Leute (Eltern wie auch kinderlose Individuen) Donaths Studie weder gelesen, noch sich sonst irgendwie damit befasst. Denn anders kann ich mir manche Reaktion auf dieses Thema nicht erklären. Die befragten Frauen bereuen es, Kinder bekommen zu haben. Ja. Sie lieben oder kümmern sich um ihre Kinder jedoch darum nicht minder, sie misshandeln sie auch nicht, sie tun nichts Anrüchiges, sie sind einfach ehrlich und sagen, „mit dem Wissen, was ich heute habe, würde ich mich nicht noch einmal für Kinder entscheiden“. Ist das so schlimm? Für die betroffenen Mütter bestimmt, denn sie sind todunglücklich in ihrer Mutterrolle, aber sich über diese Aussage aufzuregen, kann ich nicht verstehen. Ich finde, in unserer heutigen Gesellschaft sollte es möglich sein, solch ein Thema ehrlich zu diskutieren. Mutter sein ist nun einmal nicht (jedenfalls nicht nur und für alle) das höchste Glück auf Erden. Kinder machen einen nicht nur pausenlos glücklich. Mein Leben ist, seitdem ich Kinder habe, vor allem eines geworden: extrem anstrengend.

Das Leben mit Kind bedeutet in erster Linie Verantwortung zu tragen – nicht nur für sich, sondern für ein anderes, in den ersten Lebensjahren gänzlich hilfloses, Lebewesen. Es bedeutet, ständig Kompromisse einzugehen, seine eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen. Die Mutterrolle ist ein knallharter 24-Stunden-Job, bei dem man auch nachts stets Bereitschaftsdienst hat – nein, nicht nur in den ersten Jahren, oder gar Monaten; auch ältere Kinder haben Alpträume, aus denen sie aufgeweckt und getröstet werden müssen, werden krank und können vor Husten und Schnupfen nicht schlafen (und ihre Mamas dann erst recht nicht). Man muss seinen Körper teilen, er verändert sich – oft leider dauerhaft zum Schlechteren. Man kann sich nicht mehr einfach so mit Freunden treffen, essen gehen, mal ins Kino, oder einfach mal nach der Arbeit entspannen und nichts tun (außer vielleicht sich sein Lieblingsessen zu kochen und es sich auf dem Sofa mit alten Sex and the City – Folgen gemütlich zu machen. Ach ja, das waren noch Zeiten. Von heute aus betrachtet der pure Luxus!). Wenn ich heute nach einem stressigen Arbeits- (und oft noch Uni-) Tag meine Kinder abhole, geht der Stress für mich erst richtig los! Selbst „schöne“ Dinge, wie am Sonntag über den Flohmarkt schlendern, arten mit Kind(ern) schnell in Stress aus: eins rennt dahin, das andere dorthin, das dritte weint, weil man ihm sein anvisiertes Spielzeug nicht kaufen möchte. Das ist so frustrierend, dass man solche Ausflüge dann lieber sein lässt, wenigstens bis die Kinder etwas älter sind. Aber was wird bis dahin? Meine sind gerade mal drei, vier und acht. Man kann sich doch nicht die nächsten 5 Jahre zu Hause einschließen…

Ein weiterer Aspekt, den ich vorher nicht kannte, ist das ständige Gefühl der Fremdbestimmung. Ich schaffe nichts mehr, weil ich ständig parat stehen muss. Ich muss eine wichtige Arbeit fertigstellen / möchte gerne für meinen Blog schreiben / mein seit Sommer noch nicht fertiggestelltes Bild weitermalen /…, kann ich aber nicht, weil gerade Wochenende ist und ich für die Kinder da sein muss, also mache ich einen Ausflug mit ihnen, die Arbeit (bzw. die anderen Tätigkeiten) ständig im Hinterkopf. Ich bin unzufrieden, gereizt. Das ist natürlich weder gut für mich noch für die Kinder, denn die spüren meine Unzufriedenheit ja auch. Würde ich nun aber meine Arbeit machen und sie sich überlassen (z.B. beim Freispiel in ihrem Zimmer, oder auch mal beim Fernsehen – Oh Horror!), dann würde sich ein anderes, nicht minder negatives Gefühl bei mir breitmachen und mir die Arbeit vermiesen: das schlechte Gewissen.

Das schlechte Gewissen ist ein guter Bekannter einer jeden modernen Mutter. Der ständige Begleiter derer, die sich nicht ausschließlich um Kinder und Haushalt kümmern will oder kann. Irgendetwas kommt einfach immer zu kurz im ewigen Alltagskarussell von Kind, Karriere, Haushalt, Partnerschaft, eigenen Interessen; meist sie selber, obgleich sie sich darüber die wenigsten Gedanken macht – hauptsächlich sorgt sie sich um ihre Kinder, also darum, dass sie als Mutter nicht gut genug sein könnte. Sollte etwas mal nicht so optimal in der Entwicklung des eigenen Kindes laufen, sucht die Mutter zu allererst den Fehler bei sich, bzw. in ihrer Erziehung, gibt sich „die Schuld“ und macht sich Vorwürfe. Das ist belastend, gerade für moderne ambitionierte Perfektionistinnen.

Nun ist jeder Mensch anders. Einige Frauen sind häuslicher als andere. Ich bin immer schon ziemlich aktiv gewesen, war immer mehr unterwegs als zu Hause, bin oft essen gegangen, mehrmals die Woche mit Freunden Cocktails trinken. Obwohl ich das „Partymachen“ an sich nicht vermisse, vermisse ich natürlich gewisse Freiheiten. Die Umstellung, die ich als Mama vollziehen musste, war bei mir also sicher größer als die einer Frau, deren Traum es von klein auf gewesen ist, mal zu heiraten und Kinder zu bekommen. Ich habe als Kind nicht einmal mit Puppen gespielt – Barbies mal ausgenommen. Meine Kollegin (bislang kinderlos) hat mir neulich von ihrem Abend erzählt, als sie gestresst von der Arbeit nach Hause kam und spontan mit ihrem Liebsten ins deutsche Restaurant gegenüber Bier trinken und Haxe essen gegangen ist. Genau diese Kleinigkeiten vermisse ich! (Wer nun meint, ich könne ja auch mit Kindern essen gehen, der hat höchstwahrscheinlich keine. Auswärts essen mit drei kleinen Kindern entspricht nämlich in etwa einem Genuss- und Erholungsfaktor von -8.) Jede Minute der Woche ist bei mir durchgetaktet, alles dreht sich um meine Verpflichtungen, Arbeit, ist stressig.  Wenn ich mal etwas ohne Kinder unternehmen will, muss das im Vorfeld geplant werden und kostet viel Geld. Manche Dinge, wie etwa ein Auslandssemester einzulegen, sind leider gänzlich undenkbar. Auch Kurztrips werde ich künftig meiden, denn aus Erfahrung gebe ich da einfach mehr Geld aus und habe mehr Stress als zu Hause. Mein lang ersehnter New York-Trip wird da wohl noch ein paar Jährchen warten müssen… Manchmal bekommt man da schon Beklemmungen, fühlt sich eingeengt und fragt sich, warum man nur Kinder bekommen hat, oder manchmal auch, warum man denn gleich drei Kinder bekommen musste?

Bin ich zu egoistisch? Vielleicht, aber wenigstens stehe ich zu meinen Bedürfnissen und habe mich nicht selber total aufgegeben. Wahrscheinlich ist es sogar genau dieser gesunde Egoismus, der mich bis jetzt vor einem Burnout bewahrt hat. Ich will eben alles: Kinder, Karriere, Partnerschaft, reisen, malen, bloggen, Freunde treffen… Ich weiß, dass das viel ist, ich spüre oft, dass das zu viel ist, ja nahezu unmöglich. Ich gehe täglich an meine Grenzen und über diese hinaus, und merke auch, dass das ungesund ist. Ich lebe wortwörtlich immer am Rande des Wahnsinns: ich schreibe, ich habe einen Job, ich bin gerade dabei, meinen Master abzuschließen, ich habe einen Opa, um den ich mich kümmern muss, einen Haushalt, den ich führen muss, eine Partnerschaft, die durch den ständigen Stress natürlich meist zu kurz kommt, und natürlich meine drei Chaos-Kinder, die ich trotz, oder gerade wegen, ihrer Lebendigkeit, ihres Temperaments und ihrer Unerschrockenheit über alles liebe.

Würde ich mich also, vor diesem Hintergrund und mit dem Wissen, das ich heute habe, noch einmal für meine Mutterschaft entscheiden?

Ganz ehrlich? Abso-fuckin´-lutely!!*

*um es mal mit Mr. Big´s Worten zu sagen. 😉

Entspannt euch, Mütter!*

„Die Zahl der Mütter mit Erschöpfungssyndrom bis hin zum Burn-out, mit Schlafstörungen, Angstzuständen, Kopfschmerzen oder ähnlichen Erkrankungen ist in den letzten zehn Jahren um 37 Prozentpunkte gestiegen“1 – Oh mein Gott! Wie konnte es nur so weit kommen? Mütter sind gestresst wie nie, aber nicht, weil die Kinder heute anstrengender geworden sind als sie es in früheren Generationen waren, oder weil sie mit weniger Geld und Mitteln das Gleiche bewältigen müssen als noch vor 30 Jahren (ganz im Gegenteil!) … Nein, das Problem ist ein gesellschaftliches. Eine Gesellschaft, in der alles möglich sein muss, die von sich selbst und anderen viel zu viel erwartet. Das Problem sind wir Mütter selber!

Mütter wollen einfach alles perfekt haben, qualitativ hochwertig und stets pädagogisch wertvoll – denn so wird es ja schließlich auch von einem erwartet. Die krassen Beispiele vom Chinesischkurs in der Kita und Kinderwochen, deren Tagesabläufe bis in die letzte Minute genauestens durchgetaktet sind, kennen wir schon zur Genüge, und dass das nicht gut ist fürs Kind, wissen wir auch, weshalb wir es nicht tun. Aber da gibt es ja noch massenhaft Dinge, die das Kind sicher nicht überfordern (ob´s etwa die Mütter überfordern könnte, interessiert hier ja eh nicht), die man aber UNBEDINGT machen muss, wenn man eine gute Mutter sein will…

Der Stress, den wir uns selber machen – fangen wir mal ganz vorne an, bei der

Geburt: der Nachwuchs muss heutzutage „ganz natürlich“, ohne jegliche Schmerzmittel, zur Welt gebracht werden. Diese Entbindung muss dann als „das schönste Erlebnis ever, ever, ever“ wahrgenommen und weitergegeben werden. PDA oder gar ein geplanter Wunschkaiserschnitt sind tabu. Viele Mütter erkranken in Folge ihrer viel zu hohen und abgesehen davon völlig unsinnigen Erwartungen an sich selber an Depressionen, fühlen sich als Versagerin, wenn die Geburt nach 36 Stunden schmerzhafter, aber leider nicht effektiver, Wehen doch im Kaiserschnitt endet.

Stillen: muss man sein Kind UNBEDINGT, und mindestens bis das Kind ein Jahr alt ist! Wehe der, die das nicht hinkriegt!…

Breichen selber machen, natürlich ausschließlich aus Biozutaten, die man frisch vom Markt kauft – nein, nicht, weil es billiger ist, oder das Kind es so lieber mag, sondern weil man das einfach so machen muss!

PEKiP Kurs, Babymassage- oder auch Babyschwimmkurs sind nur einige Aktivitäten, zu denen man sich und das Neugeborene schleppen muss – egal in welchem Zustand, schließlich soll´s ja der gesunden Entwicklung des Kindes dienen!

Täglich an die frische Luft! Bei jedem Wetter! Baby ist ja meist eh schön wind- und wetterdicht im Kinderwagen verpackt und Mami … ist doch egal!

Ist das Kind dann schon älter und geht in die Kita oder in die Schule, muss auch Mami wieder arbeiten gehen. Sonst wäre sie ja wohl voll das Hausmütterlein! In der Woche noch viel zu unternehmen, geht also zeitlich nicht mehr, umso mehr müssen nun die Wochenenden verplant werden, frei nach dem Motto „mehr ist mehr“, es gilt:

An den Wochenenden muss etwas unternommen werden! Immer! Faulenzen, oder gar mal Langeweile beim Kind aufkommen lassen? Geht GAR NICHT! Man quält sich also ähnlich früh wie in der Woche beim ersten Mucks des Kleinen aus dem Bett, bereitet ein ernährungstechnisch vollwertiges Frühstück vor, schnitzt Apfelringe, die man mit auf den Spielplatz nimmt, packt noch schnell die Bio-Dinkel-Kekse ein und macht sich auf zum ersten (wer jetzt dachte, es gäbe nur eines pro Tag -oder gar pro Wochenende- hat noch keine Kinder …oder ist eine Rabenmutter!) Ausflugsziel des Tages, dem Spielplatz. Von da kann man ja per Handy ein paar Verabredungen für den Nachmittag für sein Kind (natürlich! -für wen sonst?) klarmachen. Nach dem biologisch wertvollen Mittagessen macht man sich dann auf, im idealsten Fall mit Kinds Freund/in, zum Legoland/ Zoo / Kino/ Bambooland/ Spaßbad/…, von da aus geht´s dann noch über ein Straßenfest zurück nach Hause, wo das nächste Highlight wartet: Pizza selber machen oder ähnliches, dann noch eine Kinder-DVD ansehen, Pyjamaparty mit Kissenschlacht und schließlich tot umfallen…

Da habe ich ja schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich mit meinen am Samstag mal „nur“ auf den Spielplatz gehe und danach einen Kuchen backe!

Aber so „entspannt“ wie ich jetzt vielleicht klinge, bin ich leider bei weitem nicht! Ich setze mich selber ständig unter Druck, eine „perfekte Mutter“ zu sein, habe mich durch zwei schmerzmittelfreie Geburten gequält (beim dritten Kind habe ich mir dann eine PDA setzen lassen – die letzte Geburt davor war erst 1,5 Jahre her und noch sehr präsent), alle Kinder lange gestillt, mich durch Babymassagebücher durchgeknetet (die weder Kinder noch mich sonderlich begeistert haben) und mehrere teure Babyschwimmkurse mit den lieben Kleinen hinter mich gebracht. Ich bin, so lange ich es zeitlich konnte, wirklich zu jedem (bitte nicht vergessen, ich habe drei Kinder!) Elternabend, Eltern-Kind-Basteln, Laternenumzug, Sommerfest, Weihnachtsfeier, etc., etc., gehetzt, habe anfangs dabei sogar für jede Gruppe etwas Anderes zu Essen vorbereitet und mitgebracht, mir echt einen Stress gemacht, nur damit mein Kind nicht wegen mir auf irgendetwas verzichten muss. Wie es mir dabei ging, war zweitrangig.

Abgesehen davon, besteht mein Leben (wie das der meisten Mamis) ja nicht „nur“ aus meinen drei Kindern (alle sehr lebhaft, eines davon mit ADHS): ich studiere, arbeite nebenbei noch 20 Stunden die Woche, und muss neben unserem ganzen Papierkram und Haushalt auch noch den meines Opas mit organisieren, und ab 16:00 ist Westenddad arbeiten, dann bin ich quasi auch noch alleinerziehend. Zeit für mich bleibt da fast gar nicht, weder zum Bloggen (zwinker, zwinker), noch zum Malen, noch für ´nen Mädelsabend oder sonst was. Ich bin meistens einfach nur müde und fertig, vor allem abends, wenn ich die Kinder, nach einem langen Arbeits- und/ oder Uni-Tag von der Kita und der Schule abhole, würde ich am liebsten alleine zu Hause sein, mir in Ruhe etwas zu essen machen und mich vor den Fernseher fläzen, wie ich es vor gefühlt 100.000 Jahren mal gemacht habe, bevor ich Kinder hatte. Da die Kinder abends aber auch schon eine Menge Tag hinter sich haben, sind sie dann logischerweise auch müde und oft quengelig.

Ich merke, wie ich immer leichter reizbar, dünnhäutiger und gestresster werde, je mehr ich versuchte, perfekt zu sein, und je mehr sie es nicht sind (muss ja auch keiner!), und die Konsequenz davon ist, dass ich extrem angespannt, ungeduldig, und, ja sogar aggressiv, werde und sich schließlich der ganze Druck, den ich mir selber mache, unfairerweise bei dem kleinsten „Anlass“ meinen Kindern gegenüber entlädt („nur“ verbal, versteht sich! – ist aber natürlich auch nicht gut). Folglich geht es mir danach natürlich noch viel schlechter. Nachdem ich mich dann hundert Mal aufrichtig bei meinen Kindern entschuldigt habe, und diese dann im Bett sind, ist auch mein Abend gelaufen; dann sitze ich heulend allein auf dem Sofa und mache mir die schlimmsten Vorwürfe, was ich denn nur für eine Rabenmutter bin, die ihre armen Kinder angeschrien hat, und die wieder mal an ihren eigenen Idealen gescheitert ist.

Doch hey, wie war das eigentlich bei mir früher? Meine Mutter hat noch viel öfter geschrien als ich. Ich erinnere mich daran, dass meine Mutter damals kaum etwas mit mir unternommen hat und sich generell nicht besonders um mich gekümmert hat. Das war sicherlich auch nicht ideal, aber wenigstens war sie entspannt – jedenfalls in der Hinsicht. Oftmals schlief sie am Wochenende bis ca. 10:00 oder 10:30, während ich schon seit 8:00 wach war. Meine Langeweile, und meinen Hunger wusste ich mit Trickfilmen gucken und Cornflakes essen (auch mal ohne Milch, wenn keine mehr im Haus war…) zu bekämpfen. Irgendwann klingelte dann eine Freundin bei mir, oder ich bei ihr (in meinem Haus in Berlin-Wilmersdorf lebten nur alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern, entsprechend viele Freunde hatte ich in der Nähe), dann …spielten wir… drinnen, draußen, und hatten jede Menge Spaß. Selbst in einer Großstadt wie Berlin hatte niemand Bedenken, seine Kinder alleine auf dem Hof draußen spielen zu lassen. Ich war damals vielleicht fünf oder sechs. Heutzutage lassen die Eltern ihre Kinder nicht einmal alleine in die Schule gehen!

Aber woher kommt diese Überbehütung heute nur? Die Kriminalität, was Delikte der Kindesentführung u.ä. angeht, ist in den letzten 30 Jahren nicht merklich gestiegen – obgleich wir die Vorfälle, die es gibt, schon aufgrund der gesteigerten Medienpräsenz, sicher viel mehr mitbekommen als früher. Ich denke, zu 90% machen wir uns den Stress selber. Wir leben in einer Zeit des ständigen Wettbewerbs, wollen immer alles noch besser, schicker, lustiger und vielleicht auch sicherer haben als die anderen, und das geben wir auch so vor: siehe man sich doch nur mal die tausenden Facebook-Profile und -Beiträge an. Wenn Elsa-Sophies Eltern sie nur noch mit Fahrradhelm auf dem Spielplatz klettern lassen, dann wäre es wohl fast Körperverletzung, in jedem Fall aber eine grobe Vernachlässigung der Aufsichtspflicht, dies beim eigenen Kind nicht auch zu tun… In späteren Generationen wird man denken, die 2000er/ 2010er waren die Jahre der absoluten Freude, der Fürsorge und des Genusses. Doch weit gefehlt. Genau das Phänomen, nämlich, dass Geschichte nur das ist, was weitergegeben wird, sieht man an der heutigen Gesellschaft. Die Mütter, die mit Burnout in der Psychiatrie sitzen, oder völlig fertig nachdem die Kinder endlich im Bett sind, zu Hause zusammenbrechen, stets mit dem Gefühl, ihrem (völlig unrealistischen) Ideal wieder einmal nicht gerecht worden zu sein, postet niemand!

Ich will nicht für das krasse Gegenteil, à la meine Mutter plädieren, aber dennoch denke ich, dass ein wenig mehr Gelassenheit dem Thema Erziehung nicht schaden würde; den Kindern nicht, aber vor allem und ganz besonders wäre es ihren Eltern eine wahre Erleichterung.

In Stresssituationen bitte immer dran denken:

  1. Man muss den Geburtstagskuchen nicht immer selbst backen um eine gute Mutter zu sein
  2. Eltern sind nicht dafür da, ihre Kinder 24 Stunden zu bespaßen und zu beschäftigen, vielmehr müssen Kinder lernen, ihre Freizeit selbst zu gestalten; Langeweile regt die Fantasie an!
  3. Kinder brauchen nicht jeden Abend eine Gute-Nacht-Geschichte, jedenfalls nicht, wenn es der Mutter gerade nicht passt
  4. Kinder brauchen eine gesunde, vielseitige Ernährung, aber manchmal tut´s auch ein lecker belegtes Brot oder (Hilfe!) eine TK Pizza, wenn die gestressten Eltern es sonst nicht schaffen!
  5. Gute Eltern sind nicht weniger gut, wenn sie nicht an allen Elternabenden, -cafés, Bastelabenden, Sommer- oder Weihnachtsfeiern, Laternenumzügen etc. teilnehmen
  6. Auch gute Eltern sind nur Menschen und trotz fester alternativer Erziehungsvorsätzen, können selbst ihnen mal die Sicherungen durchbrennen. Sollte es mal dazu kommen, dass sie ihren geliebten Nachwuchs anschreien oder ihnen gar mal die Hand „ausrutscht“ (wobei ich diesen Ausdruck hasse), ist das kein Grund zur Selbstgeißelung. Eine aufrichtige Entschuldigung, inklusive Erklärung, wie es soweit kommen konnte und das man alles dafür tut, dass es nicht wieder passiert, wird vom Kind verstanden und verziehen.
  7. Leichter gesagt als getan und dennoch sooooo wahr: don´t worry (too much), be HAPPY!!!  Sorgt dafür, dass es euch gut geht. Nehmt euch Auszeiten, so wie ich letzten Monat bei meinem Kurztrip ganz ohne Kinder, geht zum Yoga/ Tanzkurs, frönt euren Hobbies, macht… einfach mal gar nichts, bzw. einfach nur das, wozu IHR Lust habt! Und, ganz wichtig, seid nicht so streng mit euch selbst!keep-calm-and-say-ooohhhmmm-1.png (600×700)

Viel wichtiger als der wahnwitzige (da von vornherein zum Scheitern verurteilte) Vorsatz, die perfekte Mama zu sein, ist es fürs Kind, dass die Mama authentisch ist. Um gut als Eltern zu sein und trotzdem sich selbst nicht zu vernachlässigen, gehört ganz klar ein gesunder Egoismus, sowie Vertrauen ins eigene Kind dazu! Das ist enorm wichtig, da die völlige Selbstaufgabe jeden, je nach Charakter früher oder später, ungesund und unglücklich macht. Und pädagogisch wertvoll fürs Kind ist es obendrein: wer von klein auf lernt, dass auch die Mama sich mal Auszeiten gönnt und für das Kind nicht immer sofort alles stehen und liegen lässt (also nicht immer ihre eigenen Bedürfnisse hintenanstellt), lernt früh, dass er nicht der Nabel der Welt ist, sondern dass auch die Anderen Bedürfnisse und Gefühle haben, die es zu respektieren gilt. Ebenso wird das Kind lernen, auch auf seine eigenen Bedürfnisse zu hören. Vertrauen ins eigene Kind ist ebenfalls für beide Parteien (Eltern und Kinder) unabdingbar: Eltern müssen lernen, Ihrem Kind zu vertrauen, es z.B. alleine in die Schule gehen lassen, so dass es lernt, selbständig und stolz darauf zu sein. Diese Unabhängigkeit kommt beiden Seiten zu Gute. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie viele unselbstständige, weil von „Helikopter-Eltern“ überbehütete Kinder, in der nächsten Zeit erwachsen werden und dann völlig orientierungslos auf unserem Planeten herumirren….

Also, vertraut in eure Kinder und erzieht sie zur Selbständigkeit, und vergesst euch selber nie dabei!

OOOOOOOHHHHHHMMMMMMMMMM………………………

*Dieser Text richtet sich natürlich auch an alle Väter, die sich bitte nicht benachteiligt fühlen sollen, wenn ich sie nicht explizit anspreche!! (…wobei die meisten, die ich kenne, tendenziell weitaus entspannter mit dem Thema umgehen…)

1(laut Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerkes für Spiegel Online)

 

Independence Trip

Ich bin in London! Und zwar GANZ ALLEINE!!!!

Ich brauchte einfach mal ne Pause, und zum Glück hat Schatzi sofort zugestimmt, ja, mich eigentlich sogar auf die Idee gebracht, mal ein paar Tage wegzufahren, denn ich war echt ganz schön am Ende. Dies war neben den drei Kindern, dem Job, etc., etc., etc. durch das ganze Jahr, was ein einziger Stress war, bedingt.

Und hier bin ich nun in London – meiner „alten Heimat“ (hab ja mal drei Jahre hier gewohnt). Ich habe ganz bewusst auf jegliche Reisebegleitung verzichtet, denn ich möchte die Chance nutzen, mich einfach mal nur auf mich zu konzentrieren, und mich nicht noch für jemand anderen (egal ob Kind, Opa, Partner oder sogar Freundin!) verantwortlich zu fühlen.

Gleich nach der Buchung machte sich ein ambivalentes Verhältnis zwischen dem, was man in London doch alles tun könnte, nein, müsste, weil man ja jetzt endlich mal völlig frei unterwegs war, und dem eigentlichen Zweck meiner Reise, nämlich einfach mal zu entspannen und nichts zu tun, bzw. eben nicht das Gefühl zu haben, man müsse irgendetwas tun, breit; und wenn man eben den ganzen Tag im Cafe verbringt (und nicht in Shakespeare´s Globe/ auf dem London Eye/ bei den Kronjuwelen), dann ist das wunderbar, weil ich erstens London eh schon kenne, und zweitens, genau das (den ganzen Tag im Cafe verbringen) zu Hause in Berlin eben nicht machen kann, obwohl ich´s gerne würde – viel lieber als mir irgendwelche Sehenswürdigkeiten zu Gemüte zu führen, einfach nur weil man das oder das unbedingt gesehe01b922e3c7504495785089b0d1cb3a36fdc2d8e983n haben muss. Ist euch schon mal aufgefallen, dass man im eigenen Land nicht annähernd so viele Sehenswürdigkeiten gesehen hat wie anderswo? Mein damaliger Freund, zu dem ich mit 17 nach London gezogen bin, war beispielsweise weder im Tower noch im British Museum gewesen, ich aber sogar damals schon mehrmals; im Gegensatz dazu, war ich aber erst mit Anfang dreißig zum ersten Mal auf dem Fernsehturm – wohlgemerkt mit und hauptsächlich wegen der spanischen Familie meines Schatzis.

Die Einzigartigkeiten der Stadt ganz zu vernachlässigen kommt aber natürlich auch nicht in Frage. Ich denke, ich habe dieses Mal eine für mich sehr schöne Kombination von Sightseeing und „private interests“ gefunden: am ersten Tag bin ich gegen Mittag angekommen und habe mir eine Oyster Card gekauft (eine Travel card, auf die man so viel Guthaben laden kann wie man benötigt und dieses dann mit allen öffentlichen Verkehrsmittel abfahren kann; lohnt sich echt!). Da ich diesmal ziemlich zentral, nahe der Tube Station Goodge St, untergebracht bin, laufe ich fast überall hin, da reichen mir diesmal 15,00 Pfund Guthaben locker für drei Tage.

Vom Hotel bin ic011938d0ec8e1ea70da1c67d79c2778ea62750614fh erstmal zu „Black Garden Tattoos“ gelaufen und habe einen Termin gemacht, glücklicherweise war gleich für den nächsten Tag etwas zu haben! Danach bin ich in einem Second Hand Shop, der nur drei Häuser weiter liegt, gelandet u
nd habe mich verliebt – in einen Mantel. Oh Mann, so einen wollte ich immer schon haben, aber 125,00 Pfund sind viel Geld, zwar komplett vertretbar für diesen schönen Lammfellmantel von Trussardi, der First Hand wohl locker das 10-fache gekostet hat, aber eben immer noch viel Geld. Da ich meines nicht gleich am ersten Tag im ersten Laden ausgeben wollte, kaufte ich ihn nicht…

Ich lief zurück zum Hotel und ruhte mich etwas aus- Luxus! Geht mit drei Kindern nicht so einfach! 🙂

Zum späten Nachmittag machte ich mich dann auf zur „Gallery of Everything“. Jarvis Cocker, 016cc98c9911ee8014ef470223e1fb47027f09f682Britpop-Ikone und (neben David Bowie) mein Gott, hat dort nämlich eine Ausstellung, „Journeys into the Outside“, organisiert, die auf der gleichnamigen Channel 4 TV-Reihe basiert. Im Prinzip geht es um „Outsider Artists“, deren Kunst aufgrund der Herkunft (dem kulturellen Background) ihrer Macher nicht als solche anerkannt wird. Very interesting! Zwar war Jarvis nicht selber da, aber es gibt dort ein Zimmer, in dem seine TV-Reihe non-stop läuft und man es sich auf zwei matratzenartigen Sofas vor der Leinwand bequem machen kann. Die Ausstellung ist wirklich ziemlich klein, aber sehr gemütlich – und umsonst!

Danach war ich zwei Straßen weiter bei einem
01d16e2d7de256029203be6f57bfc1d37c43aa784a kleinen italienischen Restaurant („Anacapri“) in einer Seitenstraße essen. My Goodness, die London-Preise sind echt übertreuert: unter 10 Pfund gibt es so gut wie kein Hautgericht! Aber an dem Abend war mir das egal, ich bestellte sogar eine Vorspeise: „Avocado Vinaigrette“, zwar lecker, aber eben wirklich nur eine Avocado mit einer Vinaigrette und etwas Eisbergsalat als Deko, das Ganze für fast 6 Pfund!! Ein Aperol Spritz 7,50! Immerhin gibt es jetzt überall automatisch und umsonst eine Karaffe mit Wasser dazu, das ist schon sehr angenehm. Die Italiener waren aber sehr charmant und um mich bemüht, da konnte ich fast darüber hinwegsehen, dass die Spaghetti mit Tomate und Basilikum meinen nicht annähernd das Wasser reichen konnten – nur preislich waren sie ihnen haushoch überlegen…

Weiter trieb mich der Samstag mit Tube und Bus south of the river, nach Camberwell, da habe ich früher stets meine Abende verbracht, denn ich hauste im benachbarten Peckham. Für alle, die London nicht so gut kennen: Peckham ist so ungefähr mit der Bronx oder Harlem von New York vergleichbar, kein besonders angesehenes Pflaster, nicht mal die Taxifahrer wollten mich damals vom West End dorthin zurück fahren… In Camberwell aber war mein eigentlicher Lebensmittelpunkt, dort ging ich aus, dort ging ich schwimmen (im Camberwell Leisure Center), dort war mein Frisör, und dort kannte ich auch alle Locals. In London geht man abends in den Pub, und ohne sich vorher verabredet zu haben, trifft man eigentlich immer irgendjemanden, den man kennt. Ich war gespannt, ob das bei mir nach 15 Jahren immer noch so war…01ac61b9b53eef7c44bb6a1abca222a4c469348fb3

Nicht mal die Pubs waren die gleichen! Von meinen drei Stammpubs gab es so nur noch einen, die anderen beiden hatten sowohl Besitzer, als auch Namen und Räumlichkeiten verändert. Statt der Mittdreißiger und -vierziger von damals waren nun fast ausschließlich junge Studenten unterwegs. Wo ich damals, mit 18,19,20, stets die Jüngste war, war ich nun die Älteste! Ich trank einen Gin Tonic und machte mich wieder auf den Weg ins Zentrum. Im letzten Pub vor meinem Hotel kehrte ich auf einen Absacker ein. Ich kam mit einem echten „Cabbie“ (Londoner Taxifahrer) ins Gespräch, was sehr amüsant war; er gab mir noch einen weiteren Absacker aus, aber dann ging ich zurück Richtung Hotel. Ich war hundemüde…014863cd106bb4ea588e8a4b849db9c7d0e373d888_00001

Der nächste Tag startetet standesgemäß mit einem Full English Breakfast (vegetarian, of course). Ich war aufgeregt, schließlich hatte ich ja um 12:00 den Termin für mein first tattoo ever! Doch es war erst 9:00. Ich nutzte die Zeit ganz entspannt, um endlich mal wieder etwas für meinen Blog zu schreiben und ging mit dem Laptop zu Pret à Manger, alle anderen Freelancer Cafés und dergleichen, öffnen sonntags frühestens um 10:30, oder gar nicht.

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Pünktlich um 12:00, eigentlich sogar schon etwas vorher, war ich dann im Tattoostudio. Mein Tätowierer heißt Thomas Piñeiro und kommt ursprünglich aus Brasilien, sein Vater ist übrigens Spanier. Er war sehr angenehm; nett, unaufdringlich, professionell und hatte gaaanz warme Hände – im Gegensatz zu mir. Ich kann nicht sagen, dass ich nervös war oder gar Angst hatte, aber ich war schon aufgeregt vor dem Tattoo, schließlich hatte ich ja noch keines und wusste nicht, was mich erwarten würde. Aber Thomas fing an mit ein paar vorsichtigen Stichen und es war völlig ok! Als ob jemand etwas mit einer Rasierklinge in dich hineinritzt – ok, ich gebe zu, dass klingt jetzt nicht gerade harmlos, aber es ist wirklich vom Schmerz her voll in Ordnung und gut auszuhalten. Und das Ergebnis ist perfekt! Außerdem ging alles sehr schnell, nach einer Stunde war ich schon fertig! Als Belohnung über meinen Heldenmut ging ich danach wieder in den Second Hand Laden vom Vortag und …kaufte mir den schönen Mantel!! Ich wollte den Verkäufer von 125,00 auf 100,00 Pfund herunterhandeln, aber da der Mantel ganz neu im Sortiment sei, in so gutem Zustand, die Herbstsaison gerade erst begonnen hatte, etc., etc., könne er da leider nichts machen. Als Zeichen seines guten Willens gab er mir dann aber doch noch 5,00 Pfund Rabatt – immerhin! 😉

Ich ließ mich treiben und landete in Covent Garden, wo ich einem Straßenkünstler zusah, 01bdb06cd9879c4a91e10b674cedc1da0026be075aer war wirklich sehr lustig und die Stimmung war gut. Ich lief weiter  und da ich langsam Hunger bekam, sah ich mich nach etwas Günstigem zu essen um, so etwas wie einem Falafelstand in Berlin, aber da gab´s leider nichts unter 9,95… schließlich kehrte ich bei einem Inder ein, wo die Karte Hauptgerichte für schon 7 Pfund auswies – natürlich hatte ich nicht bedacht, dass die Beilage beim Inder (Reis oder Brot) in England extra bestellt werden musste, und so lag ich wieder bei locker 10 Pfund für das ganze Essen (ohne Getränk und Service, der dort inklusive berechnet wurde!)… Versöhnlich muss ich aber zugeben, dass alles sehr gut schmeckte!012d27ebe004e4b800183f6664f48e43e72031c41d

Ich lief weiter Richtung Waterloo Bridge, überquerte sie und landete beim Literatur Festival auf der Southbank. Ich durchstöberte die Stände. Dann fing es, ganz London-Manier, an zu regnen und beflügelt von diesem England-Feeling gi
ng ich im Riverside Terrace Café, unter der Waterloo Bridge, einen Tee trinken. Köstlich! Dann musste ich mich langsam beeilen, denn ich hatte bereits von Deutschland aus Tickets für die West End Vorstellung „The Play That Goes Wrong“ besorgt, welches um 19:00 anfangen sollte. Ich lief also zum Hotel, machte mich frisch, und ging wieder zurück Richtung Covent Garden.

                                  Das Stück hielt, was es versprach. Es war echt witzig! Außerdem gefiel mir die entspannte Stimmung in dem kleinen Duchess Theatre: man konnte selber entscheiden, ob man seine Taschen und Mäntel abgeben wollte oder nicht, man konnte sogar Getränke mitbringen (ich hatte eine Wasserflasche dabei), oder auch die von der Bar gekauften in Plastikbechern mit in den Saal nehmen, und so gönnte ich mir einen sehr wohlschmeckenden Pinot Grigio.
017eab6d07440fec11ace2328a26de352baa45ab8a_00001Nach der Vorstellung lief ich Richtung Soho, hatte ich mir doch vorgenommen, Ronnie Scott´s Jazz Club zu besuchen, allerdings war ich so müde, dass ich eigentlich nur noch etwas essen und dann schlafen wollte. Und so kehrte ich bei einer kleinen Pizzeria ein („Pizza Immigrants“). Ich aß eine Pizza, die ich so noch nie au010a87554ef92a19f57502990d079c4737537df67d_00001f einer Karte gefunden hatte: ohne Käse und nur mit Tomatensoße, frischem Knoblauch und Olivenöl. War lecker, nur leider war der Teig nicht ganz durchgebacken am Rand, aber da ich den sowieso meist übrig lasse, war das auch nicht so schlimm. Dazu gab´s übrigens wieder einen Aperol Spritz– für 6,50!

Mein Akku war schon bei nur noch 5%, und ohne das im Handy integrierte Navi war auch ich als London-Kennerin in den kleinen Gassen von Soho aufgeschmissen, also lief ich schnell zurück Richtung Hotel, versorgte das Tattoo mit Frischhaltefolie, wie mir Thomas geraten hatte, damit es nicht am Laken festklebe, und ging schlafen.

Tja, und heute ist nun leider schon mein letzter Tag hier, morgen geht´s zurück nach Berlin. Aber auch heute werde ich es mir noch einmal so richtig nach meiner Fasson gut gehen lassen! Ich habe den Tag mit Beans on Toast gestartet, bin ins Freelancers´ Cafe ty in Soho gelaufen, wo ich jetzt übrigens gerade, mittlerweile 4 Stunden lang, sitze und schreibe! Das ist so toll hier: überall gibt es Stecker, kostenloses W-Lan, leckeren Kaffee, Tee, Sandwiches etc., und das Beste: es ist hier völlig in Ordnung, sich drei Stunden an einem Cappuccino festzuhalten und einfach seine Arbeit zu machen, in anderen Cafés bekommt man ja schon mal mit, dass die Kellner nur darauf warten, dass der Tisch wieder für die nächsten Gäste frei wird (bei dem Italiener an meinem ersten Abend übrigens auch) – da traut man sich dann gar nicht, seinen Laptop überhaupt auszupacken.

Gleich werde ich mich zur Tate Modern aufmachen, wobei ich noch nicht weiß, ob ich wieder laufe oder diesmal faul mit den Öffentlichen fahre (müsste ja eigentlich mal meine Oyster Card abfahren…), dann werde ich entweder die Southbank hinunterlaufen, oder mit dem Boot die Themse hinauf bis Westminster fahren, oder, wenn ich von dem ganzen Kunstgenuss noch nicht genug habe, nehme ich das Tate-to-Tate Shuttleboot bis zur Tate Britain…. Heute Abend gehe ich ins Kino. Zufällig habe ich einen Tag vor meinem Kurztrip die Vorschau für „Bridget Jones´s Baby“ gesehen, hier läuft der Film schon seit September, und da ich in Berlin

  1. nicht dazu kommen werde
  2. wenn, dann nur mit viel Organisation (Babysitter, etc.)

und aber auch

  1. den Film mit Mann dann nur auf Deutsch sehen könnte, denn der ist Spanier und kann kein Englisch, oder ich alleine gehen müsste, aber nicht weiß, wie er nach meinem Independence Trip darauf reagiert, wenn ich schon wieder etwas ganz alleine machen möchte…

werde ich mir diese Chance natürlich nicht entgehen lassen! Mal gucken, ob ich danach wieder tot umfalle, oder es doch noch in den Jazz Club schaffe… Man wird ja alt…